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Ernährungstipps
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Patienteninfos
Ganz neu konzipiert haben wir kurze und prägnante Patienteninfos zur Weitergabe an Betroffene und Interessierte. Alle Patienteninfos können hier eingesehen werden, zum Ausdruck empfehlen wir das übersichtliche zweiseitige PDF-Format.Beratungsmaterialien
Dieser Bereich wird nach und nach mit Schulungsunterlagen, LM-Tabellen und anderen Beratungsmaterialien gefüllt, die dann unter den PREMIUM-Anwendern ausgetauscht werden können. Wir freuen uns dabei auf Ihre Anregungen und Ihre Mitwirkung.Ernährungstipps
Krankheitsbild
Auftreten und Häufigkeit
Essstörungen gehören zu den psychosomatischen Erkrankungen und äußern sich in einem gestörten Verhältnis zum Essen und dem eigenen Körper. Die Betroffenen essen nicht mehr, um ihren Hunger zu stillen oder um soziale Bindungen zu pflegen, sondern benutzen das Essen bzw. das Nicht-Essen als Mittel um Probleme zu bewältigen.
Die Erfahrung, über das Essen Kontrolle über den Körper oder auch über Mitmenschen zu erlangen, führt zu einer Ersatz-Befriedigung, das Wieder-Erlebenwollen zu einer Sucht. Dies spiegelt sich auch in den Bezeichnungen "Magersucht" und "Ess-Brech-Sucht" wider. Die Gedanken kreisen schließlich nur noch um das Essen.
Frauen sind dabei weit häufiger betroffen als Männer, deren Anteil unter den Personen, die an einer Essstörung leiden, zwischen 5 und 10 % liegt, in der letzten Zeit allerdings zunimmt. Eine Essstörung beginnt meist etwa zwischen dem 14. und 25. Lebensjahr.
Man unterscheidet verschiedene Formen von Essstörungen:
-
Anorexie (Magersucht) - Beginn meist in der Pubertät, früherer oder späterer Krankheitsbeginn möglich
-
Bulimie (Ess-Brech-Sucht) - Auftreten im frühen Erwachsenenalter
-
Binge-Eating Disorder - alle Altersgruppen
-
Sonstige Essstörungen - alle Altersgruppen
Während das Krankheitsbild der Magersucht bereits im 17. Jahrhundert beschrieben wurde, wurde der Begriff der Bulimia nervosa erst Ende der 70er Jahre geprägt.

Quelle: Amerikanische Gesellschaft für Ernährung (ADA) 2011
Ursachen
Im Allgemeinen wird angenommen, dass Essstörungen multifaktoriell bedingt sind. An der Entstehung einer Essstörung sind begünstigende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren beteiligt. Zu den begünstigenden Faktoren zählen neben gesellschaftlichen und biologisch-genetischen Faktoren auch familiäre Interaktionen und die jeweilige Persönlichkeit.
So treten Essstörungen häufiger in den Industriestaaten auf und hier besonders in sozial und finanziell gut gestellten Familien. Mädchen bzw. Frauen sind öfter betroffen als Jungen bzw. Männer. Grund hierfür ist wohl das in den westlichen Industriestaaten geltende Schönheitsideal, mit dem die Mädchen in der Pubertät, also einer Zeit, in der es oft zu einer deutlichen Gewichtszunahme kommt, konfrontiert werden. Dabei wird Schlankheit immer wieder mit Attraktivität, beruflichem und privatem Erfolg assoziiert. Durch die Medien wird diese Tendenz weiter gefördert. Dies führt dazu, dass vor allem Mädchen mangelndes Selbstwertgefühl durch übertriebenen Schlankheitswahn kompensieren wollen.
Ein Risikofaktor für die Entstehung einer Essstörung ist eine nachteilige Selbstwahrnehmung. Auch Magen-Darm-Beschwerden erhöhen ebenfalls die Anfälligkeit dafür, eine Essstörung zu entwickeln. Außerdem zählen sexueller Missbrauch und allgemeine psychische Erkrankungen zu den möglichen Risikofaktoren.
Besondere Risikogruppen
Leistungssportler
Als besonders gefährdet gelten Leistungssportler, die Sportarten ausüben, bei denen das Gewicht von Bedeutung ist. Essstörungen scheinen hierbei vor allem bei Sportarten aufzutreten, für die ein schlanker Körperbau von Vorteil ist oder bei denen eine Einteilung in Gewichtsklassen vorliegt. Dazu zählen z. B. Langstreckenläufer, Ringer und Tänzer. Bei Sportlerinnen kann ein Energiemangel den Menstruationszyklus und die Knochendichte nachteilig beeinflussen. Dadurch kann es zur sogenannten "weiblichen Trias" (engl.: female triad) kommen, die die drei Symptome Amenorrhoe, Essstörung und Osteoporose umfasst.
Heranwachsende Diabetiker
Die Pubertät ist eine sensible Phase, was Essstörungen angeht. Die Heranwachsenden machen in dieser Zeit körperliche, psychologische und soziokulturelle Veränderungen durch, was vielfach Unsicherheiten auslöst. Besonders gefährdet sind jugendliche Typ 1-Diabetikerinnen. Sie versuchen bisweilen über unterlassene Insulingaben ihr Gewicht zu vermindern. Dadurch riskieren sie ernste Stoffwechselentgleisungen, die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität stark beeinträchtigen können.
Folgen
Unbehandelt können durch Essstörungen körperliche, psychische und soziale Störungen entstehen. Die Betroffenen möchten ihre Erkrankung verheimlichen, belügen sich selber und andere bzgl. ihres Essverhaltens. Hieraus entstehen Scham und Schuldgefühle mit der Konsequenz des Rückzugs aus dem sozialen Leben. (Zu den körperlichen Folgen siehe einzelne Essstörungen).
Schwerere Fälle müssen stationär behandelt werden. Bei schwerem Krankheitsverlauf kann eine Essstörung - manchmal auch durch Suizid - tödlich enden. Das Risiko für einen tödlichen Ausgang ist besonders hoch bei Patienten mit Magersucht.
Wegen möglicher fataler Folgen ist ein frühzeitiges Eingreifen angeraten. Da durch eine Essstörung Psyche, Ernährungsverhalten und körperliche Gesundheit gleichermaßen in Mitleidenschaft gezogen werden, erfolgt eine Behandlung idealerweise in Zusammenarbeit von Ärzten, Psychologen und Ernährungsfachkräften.
Unterschied zwischen Ess-Brech-Sucht und Magersucht
Es gibt immer wieder Berichte über Überschneidungen zwischen den beiden Krankheitsbildern Anorexie und Bulimie. So kann eine Bulimie als Folge einer Magersucht, und umgekehrt - jedoch seltener - eine Anorexie aus einer Ess-Brech-Sucht resultieren. Während bei einer Anorexie die Esskontrolle übermäßig stark ausgeprägt ist, fehlt diese bei einer Bulimie weitestgehend. In den folgenden Kapiteln werden die beiden Essstörungen differenziert dargestellt.
Essstörungen - Anorexia nervosa

Definition
Die Magersucht ist eine Essstörung, bei der die Betroffenen ein nicht dem Alter und der Statur entsprechendes minimales Körpergewicht anstreben. Dabei ist die Wahrnehmung von Figur, Gewicht und Aussehen häufig gestört und es besteht eine übertriebene Angst vor einer Gewichtszunahme.
Diagnose
Für die Diagnose "Anorexia nervosa" reicht Untergewicht alleine nicht aus. Zunächst müssen alle organischen Ursachen ausgeschlossen werden (z. B. Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus Typ 1, Malabsorptionssyndrom). Für die Diagnose einer Magersucht müssen weitere Kriterien erfüllt sein (siehe Abbildung).
Diagnostische Kriterien der Anorexia nervosa (DSM-IV-Kriterien)
- Untergewicht
- Gewicht wird absichtlich unterhalb des normalen Bereichs gehalten
- Furcht vor Gewichtszunahme
- (trotz bestehenden Untergewichts)
- Verzerrte Körperwahrnehmung
- Patienten halten sich oder einen bestimmten Teil ihres Körpers für zu dick (trotz bestehenden Untergewichts)
- - Subtyp -
- Restriktiver Typ
- keine regelmäßigen Essanfälle und kein abführendes Verhalten
- Bulimischer Typ
- regelmäßige Essanfälle und regelmäßig abführendes Verhalten
Auswirkungen auf den Körper
Kaliummangel
Krankhaftes Untergewicht hat vielfältige und gravierende Auswirkungen auf den menschlichen Körper bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Dazu zählt vor allem der durch die Mangelernährung ausgelöste Kaliummangel, der lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen zur Folge haben kann.
Blutarmut/Ödeme
Aufgrund einer Schädigung des Knochenmarks kann eine Anämie (Blutarmut) hervorgerufen werden. Durch die niedrige Eiweißzufuhr mit der Nahrung kommt es zu einem Absinken des Albumins (Transportprotein). Bei einer verringerten Albuminkonzentration kann die im Blut enthaltene Flüssigkeit nicht mehr ausreichend gebunden werden und lagert sich im Gewebe ab (Ödembildung).
Verringerte Östrogenproduktion
Eine nachlassende Östrogenproduktion kann das Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö) zur Folge haben. Östrogene (weibliche Geschlechtshormone) unterstützen die Einlagerung von Calcium in die Knochenmatrix. Dieser Vorgang ist im Kindes- und Jugendalter besonders wichtig und wird bis zum 30. Lebensjahr abgeschlossen. Eine reduzierte Östrogenproduktion hat daher vor allem in diesem Lebensabschnitt eine geringere Knochendichte zur Folge, wodurch sich die Gefahr einer Osteoporose erhöht.
Erhöhte Cortisolspiegel
Um den Blutzucker trotz der mangelnden Zufuhr von Kohlenhydraten konstant zu halten, muss Glucose aus anderen Substanzen (z. B. Ketonkörper, bestimmte Aminosäuren) gebildet werden. Dies macht eine erhöhte Sekretion von Cortisol sowie anderen Hormonen notwendig. Dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel können zu Haarausfall, Hautveränderungen und psychischen Erkrankungen führen und begünstigen, wie eine verringerte Östrogenproduktion, die Entstehung der Osteoporose.
Unfruchtbarkeit
Durch die eingeschränkte Östrogenbildung kommt es zu einer Störung der weiblichen Keimdrüsen. Die daraus resultierende Unfruchtbarkeit (Infertilität) bleibt auch bei erfolgreicher Behandlung meist noch längere Zeit bestehen (bis zu Jahren).
Unterzuckerungen
Nach längerer unzureichender Kohlenhydratzufuhr sind die körpereigenen Reserven aufgebraucht. Da die endogene Bildung von Glucose (Gluconeogenese) nur sehr langsam abläuft, kann es in Kombination mit starker körperlicher Belastung zu Unterzuckerungen (Hypoglykämien) kommen, die - je nach Schweregrad - zur Bewusstlosigkeit oder zu Hirnschäden bis hin zum Tod führen können, was auf die Minderversorgung des Gehirns mit Energie (Glucose) zurückzuführen ist.
Veränderte Laborparameter
Die Anorexia nervosa ruft eine Reihe biochemischer Abnormitäten hervor. Die Veränderungen der wichtigsten Blutparameter sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.
|
Laborwert |
Auswirkungen der Anorexie |
|---|---|
|
Blutzucker |
↓ |
|
Gesamtprotein |
↓ |
|
Calcium |
↓ |
|
Phosphor |
↓ |
|
Triglyceride |
↓ |
|
Hämoglobin |
↓ |
|
Hämatokrit |
↓ |
|
Leukozyten |
↓ |
|
Schilddrüsenhormon (T3) |
↓ |
|
Thrombozyten |
↓ |
|
Leberenzyme (GOT, GPT) |
↑ |
Therapie
Psychologische Unterstützung
Die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie der Magersucht stellt zunächst die Einsicht des Patienten dar. Ohne diese ist die Prognose äußerst ungünstig und Therapieerfolge sind kaum zu erwarten.
Ist eine Bereitschaft zur Therapie vorhanden, ist das oberste Ziel die Normalisierung des Körpergewichts, wobei eine verhaltenstherapeutische Unterstützung notwendig ist. Ein weiterer Bestandteil der psychologischen Betreuung stellt die Behandlung der verzerrten Körperwahrnehmung dar. Die Stärkung des Selbstwertgefühls ist ebenfalls von Bedeutung. Der Kontakt mit anderen Betroffenen und ehemaligen Anorektikern im Rahmen von Gruppentherapien wirkt sich häufig besonders positiv aus.
Die Zusammenarbeit mit einem Psychologen ist bei der Therapie unerlässlich. Optimal ist eine stationäre Behandlung in einer entsprechenden Einrichtung.
Ernährungstherapie
Neben der psychologischen Betreuung spielt die richtige Ernährung zur Normalisierung des Körpergewichts eine wichtige Rolle.
In schweren Fällen kann zunächst eine künstliche Ernährung erforderlich sein. Wichtig ist anschließend eine langsame Steigerung der Nahrungsaufnahme, um Unverträglichkeiten zu vermeiden. Dabei sollten am Anfang nur Nahrungsmittel in leicht verwertbarer Form verabreicht werden. Da oft Schleimhautschädigungen und Lactasemangel (milchzuckerspaltendes Enzym) vorliegen werden Milch und Milchprodukte anfangs häufig nicht vertragen.
Im Anschluss daran erfolgt eine schrittweise Annäherung an eine energiereiche Basiskost. Der Energiebedarf wird dabei so veranschlagt, dass für jeweils 10 kg Untergewicht ein Zuschlag von 20 Prozent des normalen Tagesbedarfs empfohlen wird (ca. 2500-3000 kcal / Tag).
Die Nahrung sollte auf mehrere Mahlzeiten (ca. sechs) am Tag verteilt werden und reich an Kohlenhydraten und Fetten sein. Letztere sollten vor allem in versteckter Form aufgenommen werden und viele ungesättigte Fettsäuren enthalten.
Der Proteinbedarf entspricht dem einer "normalen" Ernährung, liegt also bei ca. 15 Prozent der Gesamtenergieaufnahme. Die Kost sollte vitamin- und mineralstoffreich, ausgewogen und abwechslungsreich sein. Zu meiden sind jedoch Lebensmittel, die energiearm, voluminös oder blähend sind (siehe Abbildung).
Weniger geeignete Lebensmittel beim Kostaufbau
-
Hülsenfrüchte, Blattkohlsorten, Pilze
-
Fleisch-, Fisch- und Wurstwaren mit hohem Anteil an sichtbarem Fett
-
Mayonnaise, fettreiche Backwaren
-
Fettarme, proteinreiche Lebensmittel (z. B. Magermilchprodukte)
-
stark kohlensäurehaltige Getränke
Mit steigender Energiezufuhr kann auch mit leichter körperlicher Aktivität begonnen werden. Dies fördert sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch das Muskelwachstum.
Grundsätzlich sollten die Speisen schmackhaft und appetitlich zubereitet werden. Individuelle Bedürfnisse sollten dabei berücksichtigt werden. Auch geringe Mengen Alkohol zur Steigerung des Appetits sind erlaubt.
Sonstige medizinische Maßnahmen
Aufgrund der gravierenden Folgen der unzureichenden Östrogenproduktion wird der gezielte Einsatz von Östrogenen, Gestagenen und Calcium im Rahmen der Osteoporoseprophylaxe diskutiert.
Sofern eine begleitende depressive Erkrankung vorliegt, wird diese mit Antidepressiva behandelt.
Eine weitere medikamentöse Therapie ist nicht erforderlich. Trotz der niedrigen Konzentration des Schilddrüsenhormons T3 (Trijodthyronin), ist eine Therapie mit Schilddrüsenhormonen in der Regel nicht erforderlich.
Essstörungen - Bulimia nervosa
Definition
Bei der Ess-Brech-Sucht handelt es sich um eine Essstörung, die durch den Wechsel von Essanfällen und Versuchen der Gewichtsreduktion gekennzeichnet ist. Charakteristisch ist der Kontrollverlust während der Fressattacken, bei denen bis zu 20.000 kcal (!) verschlungen werden.
Die häufigsten Maßnahmen, die unternommen werden, um die exzessive Nahrungs- und Energiezufuhr auszugleichen, sind Erbrechen und der Missbrauch von Abführmitteln und Diuretika (purging-Typ) sowie andere unangemessene kompensatorische Verhaltensweisen wie Fasten oder exzessiver Sport (non-purging-Typ). Im Gegensatz zur Magersucht wird die Bedrohung durch die Krankheit wahrgenommen und der Zustand als unangenehm empfunden.

Abb.: Bulimischer (Teufels-)Kreis
Von einer Bulimie können sowohl Unter- als auch Übergewichtige betroffen sein. Da sich viele Betroffene ihrer Krankheit schämen, muss von einer relativ hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Schätzungen zufolge leiden etwa 3 Prozent der jungen Frauen an Bulimie.
Diagnose
Die Bulimia nervosa weist zwar Gemeinsamkeiten mit der Anorexie auf (krankhafte Beschäftigung mit dem eigenen Körper), jedoch gibt es auch einige Unterschiede. Um diese zu verdeutlichen, sind die Kriterien für die Diagnose der Bulimia nervosa in der folgenden Abbildung zusammengefasst.
Diagnostische Kriterien der Bulimia nervosa (DSM-IV-Kriterien)
- Fressanfälle
- wiederholte Fressattacken mit hastigem Herunterschlingen der Nahrung
- Kontrollverlust
- die Betroffenen haben das Gefühl, nicht mit dem Essen aufhören zu können
- Kompensationsverhalten
- um eine Gewichtszunahme zu vermeiden, erfolgen regelmäßig Maßnahmen wie Erbrechen, Diäten, übertriebener Sport, Missbrauch von Abführmitteln (Laxanzien) und Diuretika (harntreibende Medikamente)
- Häufigkeit der Fressanfälle
- mindestens zwei Fressanfälle pro Woche über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten
- Körperschema
- andauernde, übertriebene Beschäftigung mit Figur und Gewicht
- Störung
- tritt nicht ausschließlich während einer Phase der Anorexia nervosa auf
- - Subtyp -
- Abführender Typ (purging subtyp)
- regelmäßig selbst-herbeigeführtes Erbrechen oder Missbrauch von Abführmitteln, Diuretika oder Einläufen
- Nicht-abführender Typ (non-purging subtyp)
- anderes unangemessenes Kompensationsverhalten wie Fasten, exzessiver Sport, jedoch kein Erbrechen oder Missbrauch von Abführmitteln
Für die Diagnose ist eine ausführliche Anamnese erforderlich. Häufig findet sich ein gezügeltes, rein vom Kopf gesteuertes Essverhalten (engl.: restrained eating) in Kombination mit zahlreichen Diäten. Viele Patienten essen morgens und mittags nichts bzw. nur sehr wenig, woraus abends ein unerträglicher Heißhunger resultiert.
Der Heißhunger hat zum einen physiologische Gründe, denn durch den Abfall des Blutzuckerspiegels reagiert der Körper mit Hunger. Zum anderen können auch psychologische Faktoren eine Rolle spielen. Während die Patienten tagsüber auf der Arbeit abgelenkt und in Gesellschaft sind, können Einsamkeit, Frust oder andere emotionale Belastungen dazu führen, dass abends versucht wird, diese Probleme mit Fressattacken zu kompensieren.
Auswirkungen auf den Körper
Die negativen Auswirkungen der Bulimie sind sowohl auf die Fastenperioden als auch auf das bei dieser Erkrankung typische Verhalten zurückzuführen. Die hormonellen Störungen ähneln in abgeschwächter Form denen der Magersucht.
Kaliummangel
Der durch die Mangelernährung meist vorliegende Kaliummangel wird durch die Kaliumverluste verstärkt, die durch das Erbrechen entstehen. Dies erhöht weiter das Risiko von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen bzw. eines Herzstillstandes.
Mundhöhle
Der Kontakt von Magensäure mit der Mundhöhle hat ebenfalls negative Auswirkungen. Durch die Säure wird der Zahnschmelz angegriffen und geschädigt, was zu einer Entmineralisierung der Zähne führt. Dennoch ist die Karieshäufigkeit nur leicht erhöht, da die meisten Betroffenen anschließend ihre Zähne putzen, um den unangenehmen Geschmack zu beseitigen. Das Eindringen von Magensäure in die Speicheldrüsen kann dort Entzündungen und Schwellungen hervorrufen.
Therapie
Bei der Therapie der Bulimia nervosa steht zunächst die Normalisierung des Essverhaltens im Vordergrund. Für unterernährte Bulimiker gelten die unter dem Abschnitt Anorexie aufgeführten Ernährungsempfehlungen.
Bei der Veränderung des Essverhaltens ist die verhaltenstherapeutische Unterstützung von besonderer Bedeutung. Im Rahmen eines Esstrainings werden die "normalen" Verhaltensweisen einstudiert, geübt und durch entsprechende Aufklärungsmaßnahmen unterstützt (engl.: nutritional counselling).
Nach der Normalisierung des Essverhaltens gewinnt die Therapie der ursächlichen Probleme an Bedeutung. Dazu zählen in erster Linie die gestörte Körperwahrnehmung, der Bezug zu Gewicht und Figur sowie die Stressbewältigung. Erst wenn die psychischen Probleme überwunden sind, können Rückfälle vermieden bzw. reduziert werden.
Auch hier ist eine psychologische Unterstützung erforderlich. Das Austauschen von Informationen mit Betroffenen kann ebenfalls sehr nützlich sein. Hierfür sind auch Selbsthilfegruppen geeignet, die es in jeder größeren Stadt gibt.
Essstörungen - Binge Eating Disorder
Definition
Bei der Binge Eating Disorder handelt es sich um einen relativ neuen Begriff, der sich am besten mit "Essattacken - Störung" übersetzen lässt. Allerdings ist auch in Deutschland die Verwendung des angloamerikanischen Begriffs üblich.
Die American Psychiatric Association erkannte die Binge Eating Disorder erst spät als eigenständige Essstörung an. Eine entsprechende Einstufung erfolgte erstmals in der fünften Auflage des Klassifikationssystems Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM), die im Mai 2013 herausgegeben wurde. Vorab waren im DSM nur Anorexia nervosa und Bulimia nervosa als Essstörungen näher beschrieben, alle anderen Störungen der Nahrungsaufnahme liefen unter "nicht weiter spezifizierten" Essstörungen.
Häufigkeit und Ursachen
Amerikanischen Schätzungen zufolge sind etwa zwei bis dreieinhalb Prozent der Bevölkerung von einer Binge Eating Disorder betroffen. Damit ist es die am häufigsten auftretende Essstörung. Bei den Übergewichtigen liegt der Anteil bei 5 Prozent, in Gruppen zur Gewichtsreduktion bei 30 Prozent.
Anders als bei einer Anorexie und einer Bulimie gibt es keine typische Altersgruppe. Außerdem ist der Anteil an Männern bei dieser Essstörung deutlich höher. Zirka ein Drittel der Betroffenen sind Männer.
Genaue Ursachen sind bisher nicht bekannt. Erfahrungen der Baseler Universitätsklinik zeigten drei Faktoren als mögliche Ursachen: Übergewicht bereits im Kindesalter, kohlenhydratarme, fettreiche Ernährung sowie Probleme im Umgang mit Konflikten.
Außerdem zeigten Untersuchungen, dass etwa die Hälfte der Betroffenen schon einmal depressiv war. Ob eine Depression Binge Eating verursacht oder ob sie Teil der Krankheit ist, ist derzeit nicht bekannt.
Befragungen von Patienten zeigten, dass negative Gefühle wie Ärger, Frust etc. Auslöser von Essattacken sind, d. h. die Essattacken treten häufig in Zeiten psychischer Belastungen auf. Durch das Essen, das allgemein mit positiven Gefühlen assoziiert wird, sollen die negativen Gefühle kompensiert werden. Verschiedene Studien haben ergeben, dass viele Menschen mit emotionalen Schwierigkeiten unfähig sind, Hunger von anderen unbehaglichen Gefühlen zu unterscheiden.
Wie auch bei den anderen Essstörungen berichten die Betroffenen häufig über eine lange andauernde Unzufriedenheit mit der eigenen Figur und über eine Vielzahl an Diätversuchen.
Auch bei der Binge Eating Disorder haben Modetrends, Schlankheitswahn und der Überfluss an Nahrungsmitteln bei der Entwicklung der Krankheit einen großen Einfluss.
Diagnose
Die Binge Eating Disorder weist zwar Gemeinsamkeiten mit der Bulimie auf, jedoch gibt es auch einige Unterschiede. Kriterien für die Diagnose der Binge Eating Disorder sind im Folgenden zusammengefasst.
Diagnostische Kriterien der Binge Eating Disorder (DSM-IV-Kriterien)
- Regelmäßige Essanfälle mit folgenden Merkmalen
- - übergroße Nahrungsaufnahme in einem abgrenzbaren Zeitraum - Kontrollverlust während des Essanfalls
- Die Essanfälle sind mit mind. drei der folgenden Merkmale verbunden
- - es wird wesentlich schneller gegessen als normal - es wird gegessen, bis man sich unangenehm voll fühlt - es werden große Mengen ohne wahrnehmbaren Hunger gegessen - es wird allein gegessen, weil es einem peinlich ist, wie viel man isst - nach dem übermäßigem Essen treten Ekel, Depression und Schuldgefühle auf
- Seelisches Befinden
- merkliche Verzweiflung hinsichtlich der Essanfälle
- Häufigkeit der Essanfälle
- im Durchschnitt an mindestens zwei Tagen pro Woche über sechs Monate
- Kein Kompensationsverhalten
- keine abführenden Maßnahmen, Fasten oder exzessiver Sport
- kein Auftreten im Verlauf einer Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa
Für die Diagnose ist eine ausführliche Anamnese erforderlich. Da während der Fressattacken überwiegend Nahrungsmittel verzehrt werden, die kohlenhydrat- und fettreich sind und die nur wenige Vitamine und Mineralstoffe enthalten, weisen die Betroffenen häufig Mangelerscheinungen auf.
Symptome
Wie bei der Bulimia nervosa sind beim Binge Eating wiederkehrende Heißhungeranfälle das Hauptmerkmal. In den meisten Fällen verlieren die Betroffenen während der Anfälle die Kontrolle. Anders als bei der Bulimie fehlen jedoch entsprechende Kompensationsmaßnahmen wie Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln etc. Wegen der hohen Kalorienaufnahme während eines solchen Essanfalls entwickeln viele Betroffene mit der Zeit Übergewicht. Sie unterscheiden sich in ihrem Essverhalten jedoch von einem "typischen" Übergewichtigen. Während Adipöse ständig zu viel essen, haben Übergewichtige mit Binge Eating Disorder gelegentliche Fressanfälle.
Die Anfälle sind mit Ekelgefühl gegen sich selbst, Niedergeschlagenheit, Scham und Schuldgefühlen verbunden. Oft wird im Bemühen um Kontrolle versucht, weitere Essattacken zu unterdrücken. Scheitert dieser Versuch, ziehen sich die Betroffenen häufig zurück und leben ihre Essattacken im Verborgenen aus. Sie können ihre Sucht meist vor Familie und Freunden gut verstecken.
Therapie
Für die Behandlung der Binge Eating Disorder bestehen recht gute Erfolgsaussichten. Die verhaltenstherapeutische Therapie ähnelt der der Bulimie. Es werden zwei Ziele verfolgt:
-
Normalisierung des Essverhaltens
-
Behandlung der zugrunde liegenden seelischen Konflikte
Die Normalisierung des Essverhaltens soll z. B. durch gemeinsame Einkäufe, Kochen und Essen in der Gruppe sowie durch eine Anleitung zu bewusstem Essen erfolgen.
In den Therapiesitzungen lernen die Betroffene die Auslöser ihrer Essattacken kennen und üben neue Strategien ein, um mit den kritischen Situationen umgehen zu können, die bisher Auslöser waren. Um die Stimmungen, Gefühle und Gewohnheiten, die zu den Attacken führen, zu ermitteln, können die Betroffenen Tagebuch führen.
Da Patienten häufig ein gestörtes Körpererleben haben, sind auch Bewegungstherapie und Sport Bestandteile der Therapie.
Eine Diät gehört nicht zum Behandlungskonzept. Versuche der Gewichtsabnahme sollen unterlassen werden. Die Regulierung des Körpergewichts kann durch die Normalisierung des Essverhaltens erfolgen.
Essstörungen - Sonstige Essstörungen
Unbestimmte und seltene Formen
Neben der Anorexie, der Bulimie und dem Binge Eating Syndrom gibt es noch eine Reihe weiterer Essstörungen. Diese machen nach Schätzungen einen Anteil von ca. 50-60 Prozent aus.
Unter die weiteren Essstörungen fallen ein gestörtes Essverhalten, das nicht alle Kriterien für die Diagnose einer Essstörung erfüllt, Mischformen der beschriebenen Essstörungen sowie einige seltene Formen. Dazu zählen z. B. das Night Eating Syndrom, die Purging Disorder und die als Essstörung umstrittene Orthorexia nervosa, die bisher kein offiziell anerkannter Bestandteil des DSM ist.
Informationen für Angehörige: www.bzga-essstoerungen.de
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