Ernährungstipps & Patienteninfos & Beratungsmaterialien
Ernährungstipps
Auf diesen Seiten finden Sie die bewährten DEBInet-Ernährungstipps, die wir für Sie in unveränderter Form aus dem alten DEBInet (vor 11/2025) übernommen haben.Die Ernährungstipps werden ab 12/2025 sukzessive überarbeitet.
Patienteninfos
Ganz neu konzipiert haben wir kurze und prägnante Patienteninfos zur Weitergabe an Betroffene und Interessierte. Der Inhalt kann unten eingesehen werden, zum Ausdruck empfehlen wir das übersichtliche zweiseitige PDF-Format.Beratungsmaterialien
Dieser Bereich wird nach und nach mit Schulungsunterlagen, LM-Tabellen und anderen Beratungsmaterialien gefüllt, die dann unter den PREMIUM-Anwendern ausgetauscht werden können. Wir freuen uns dabei auf Ihre Anregungen und Ihre Mitwirkung.Patienteninfos/Ernährungsinfos
Ernährung in der Schwangerschaft
Physiologische Veränderungen in der Schwangerschaft
Eine angemessene Gewichtszunahme in der Schwangerschaft beträgt bei normalgewichtigen Frauen zwischen 10 und 16 kg. Sie setzt sich zusammen aus der Zunahme des Körperwassers, dem Gewicht des Fötus, des Fruchtwassers, der Plazenta, der Brust und des vergrößerten Uterus. Zusätzlich werden ein bis zwei Kilo angelegt, die als Energiespeicher dienen und während der Stillzeit mobilisiert werden. Der Anstieg des Hormons Progesteron (Schwangerschaftsschutzhormon) führt in der Schwangerschaft zu einer verminderten Darmperistaltik und einer verringerten Muskelspannung des Ösophagussphinkters, der den Rückfluss des Mageninhaltes in die Speiseröhre verhindert. Deshalb kann es zu Verstopfung, Sodbrennen, Übelkeit und Völlegefühl während der Schwangerschaft kommen.
Ernährungsempfehlungen
Eine bedarfsgerechte Ernährung ist essenziell, um in jeder Phase der Schwangerschaft den Fötus optimal zu versorgen, ohne den Nährstoffhaushalt der Mutter zu gefährden.
Energiebedarf
Ab dem vierten Monat steigt der Energiebedarf um etwa 250 kcal pro Tag. Im dritten Trimester kann er, sofern die körperliche Aktivität im Vergleich zur Zeit vor der Schwangerschaft unverändert bleibt, um bis zu 500 kcal täglich ansteigen. Dieser Mehrbedarf ist auf das Wachstum des Föten und der Plazenta zurückzuführen. Im Vergleich zum erhöhten Nährstoffbedarf ist der Mehrbedarf an Energie gering. Deshalb sollten Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte – wie frisches Obst, Gemüse, magere Milchprodukte und Vollkornprodukte – bevorzugt werden. Diese Empfehlungen gelten sowohl für Einzel- als auch für Mehrlingsschwangerschaften.
Hauptnährstoffe
- Kohlenhydrate: Etwa 55 % der Gesamtenergiezufuhr (ca. 260 - 300 g / Tag) sollten aus langkettigen, komplexen Kohlenhydraten stammen, die den Blutzucker langsam ansteigen lassen. Der hohe Ballaststoffgehalt empfohlener Vollkornprodukte kann schwangerschaftsbedingter Verstopfung entgegenwirken – ergänzt durch eine reichliche Flüssigkeitszufuhr von mind. 2 Litern täglich. Der Anteil an freien Zuckern in der täglichen Ernährung sollte dabei höchstens 10 % der Energiezufuhr ausmachen (bei 2000 kcal ca. 50 g Zucker). Als „freie Zucker“ werden Monosaccharide (Glucose, Fructose, Galactose) und Disaccharide (Saccharose, Lactose, Maltose) bezeichnet, die Hersteller Lebensmitteln zusetzen, sowie in Honig, Agavendicksaft, Sirupen, Fruchtsäften und –konzentraten natürlich vorkommende Zucker (WHO).
- Eiweiß: Da Eiweiß für den Aufbau von Körpersubstanz benötigt wird, ist der Eiweißbedarf in der Schwangerschaft erhöht. Der Bedarf steigt ab der 13. Schwangerschaftswoche auf 0,9 g / kg Körpergewicht und ab der 29. Woche auf 1,0 g / kg Körpergewicht (ausgehend vom Normalgewicht). Dies entspricht bei einem Körpergewicht von 65 kg einer Eiweißzufuhr von mindestens 59 bzw. 65 g am Tag. Obwohl tierisches Eiweiß eine höhere biologische Wertigkeit aufweist als pflanzliches, empfiehlt es sich, hochwertige tierische Eiweißquellen (z.B. mageres Fleisch, Fisch, fettarme Milchprodukte) mit pflanzlichen Eiweißquellen (z.B. Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Kartoffeln) zu kombinieren, um den Fettgehalt moderat zu halten.
- Fett: Der Anteil an Fett kann ab dem vierten Monat von 30 auf 30 - 35 % der Gesamtenergiezufuhr angehoben werden. Entscheidend ist die Fettqualität: Die empfohlene Zufuhr von 200 mg Docosahexaensäure (DHA) / Tag kann durch 1 - 2 Portionen Lachs, Hering oder Makrele pro Woche gedeckt werden. Schwangere sollten große Raubfische wegen des hohen Quecksilbergehalts meiden, z.B. Schwertfisch, Hai und Thunfisch. 1 - 2 Esslöffel hochwertige Pflanzenöle wie Rapsöl, Olivenöl, Walnuss- oder Leinöl und eine kleine Portion Nüsse, Samen oder Saaten (25 g / Tag) sind ebenfalls empfehlenswert, da sie lebensnotwendige ungesättigte Fettsäuren liefern. Auf Paranüsse sollten Schwangere aufgrund der radioaktiven Belastung vorsorglich verzichten. Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren, z.B. Fleisch, Wurstwaren sowie fettreiche Milchprodukte und Käse, sollten bewusst ausgewählt und eher sparsam verzehrt werden.
Vitamine
- Folsäure ist wichtig zur Prävention von Neuralrohrdefekten (z.B. „offener Rücken“, Entwicklungsstörungen des Gehirns). Der Bedarf steigt von 300 µg auf 550 µg täglich. Da sich das Neuralrohr meist in der 6. - 8. Schwangerschaftswoche schließt, die Schwangerschaft aber oft erst zu dieser Zeit festgestellt wird, sollte bereits vor der Empfängnis auf eine folsäurereiche Ernährung geachtet und mind. 4 Wochen vor der Konzeption ein Folsäurepräparat mit 400 µg / Tag eingenommen werden. Gute Folsäurequellen sind Spinat, Salate, Grünkohl, Rosenkohl, Fenchel, Tomaten, Hülsenfrüchte, Nüsse, Sprossen, Weizenkeime, Vollkornprodukte, Kartoffeln und Eigelb. Eine Supplementierung ersetzt nicht die natürliche Aufnahme mit der Nahrung.
- B-Vitamine: Der Bedarf an Vitaminen der B-Gruppe ist im Allgemeinen leicht erhöht. Aufgrund der erhöhten Eiweißzufuhr ist der Bedarf an Vitamin B6 um 58 % erhöht. Reich an diesen Vitaminen sind insbesondere Vollkornprodukte, Milch, Fleisch, Fisch und einige Gemüsesorten wie grünes Blattgemüse. Wichtig: Speisen schonend zubereiten, um Vitaminverluste zu minimieren.
Mineralstoffe und Spurenelemente
- Calcium ist ein wichtiger Bestandteil der Knochensubstanz. Bei unzureichender Zufuhr mobilisiert der Körper Reserven aus den Knochen, was Osteoporose begünstigt. Um den täglichen Bedarf von 1000 mg zu decken, sind Milchprodukte wie 1 Glas (250 ml) Milch + 1 Becher (150 g) Naturjoghurt sowie 2 Scheiben (à 30 g) Käse unerlässlich. Weitere Quellen sind calciumreiches Mineralwasser (mind. 150 mg / L), grüne Gemüsesorten wie Brokkoli und Grünkohl, Küchenkräuter, Samen, Nüsse sowie calciumangereicherte Pflanzendrinks. Die Aufnahme sollte über den Tag verteilt erfolgen.
- Magnesium unterstützt die Entwicklung von Muskeln, Nerven und Knochen des ungeborenen Kindes und kann Muskelkrämpfen und vorzeitigen Wehen vorbeugen. Der tägliche Bedarf liegt bei 300 mg und ist in der Schwangerschaft nicht höher als sonst. Er lässt sich gut durch eine ausgewogene Mischkost mit der Wahl von Vollkornprodukten, Nüssen, grünem Gemüse und magnesiumreichem Mineralwasser decken.
- Eisen: Trotz erhöhter Eisenresorption und Ausbleiben der Menstruation in der Schwangerschaft entwickelt ein Großteil der Frauen in der Spätschwangerschaft eine Eisenmangelanämie. Der tägliche Bedarf wird mit 27 mg pro Tag angegeben. Eisenreich sind vor allem tierische Lebensmittel wie rotes Fleisch, dessen Eisen besser aufgenommen wird als pflanzliches Eisen. Die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C (z.B. aus Paprika oder Zitrusfrüchten) fördert die Bioverfügbarkeit aus pflanzlichen Quellen wie z.B. Hirse, Roggen, Fenchel, Spinat, Hülsenfrüchte sowie Nüssen.
- Jod: Eine unzureichende Jodaufnahme in der Schwangerschaft kann Entwicklungsstörungen und eine verminderte kognitive Leistungsfähigkeit begünstigen. Zur Deckung des erhöhten Jodbedarfs von 230 µg täglich wird der Verzehr von jodreichem Seefisch (2x pro Woche, z.B. Kabeljau, Scholle), die Verwendung von jodiertem Speisesalz und der Verzehr von Milch und Eiern, die bei entsprechender Tierfütterung auch jodreich sind, empfohlen. Zusätzlich kann eine Jod-Supplementation mit 100 µg (bis 150 µg) pro Tag, nach Rücksprache mit dem Arzt, sinnvoll sein.
Auf was sollten Schwangere noch achten bzw. verzichten?
- Alkohol: Auf alkoholische Getränke sollte in der Schwangerschaft konsequent verzichtet werden, da es keine sichere Alkoholmenge für einen unbedenklichen Konsum gibt.
- Nikotin: Rauchen in der Schwangerschaft schädigt nicht nur die Gesundheit der Mutter, sondern vor allem die des Föten. Deshalb sollte die Mutter (und auch der Vater) auf das Rauchen verzichten.
- Koffein: Ein übermäßiger Koffeinkonsum in der Schwangerschaft kann das Risiko für Fehl- oder Frühgeburten erhöhen, daher wird empfohlen, die tägliche Aufnahme auf maximal 200 mg zu begrenzen. Das entspricht z.B. 2 kleinen Tassen Filterkaffee.
- Rohe Lebensmittel können gefährliche Infektionen wie Toxoplasmose oder Listeriose auslösen, die dem ungeborenen Kind schaden können. Deshalb sollten rohe oder nicht vollständig gegarte Produkte wie rohes Fleisch / Fisch / Eier / Rohmilchprodukte usw. gemieden werden. Gemüse, Salat und Obst sollten vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden.
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Literatur
- DEBInet – Deutsches Ernährungsberatungs- & -informationsnetz: Ernährungstipps I Ernährung Schwangerschaft
- Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben (2018). https://doi.org/10.1055/a-0713-1058
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) (2020): DGE Beratungsstandards. 1. Auflage 2020
Ernährungstipps
Allgemeine Informationen
Physiologische Veränderungen
Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft beträgt in der Regel zwischen neun und 15 kg. Sie setzt sich zusammen aus der Zunahme des Körperwassers, dem Gewicht des Föten, des Fruchtwassers, der Plazenta und des vergrößerten Uterus. Weiterhin werden zusätzliche Fettdepots von ein bis zwei Kilo angelegt, die als Energiespeicher dienen und während der Stillzeit mobilisiert werden.
Die gesteigerte Sekretion des Hormons Progesteron (Schwangerschaftsschutzhormon) kann eine vorübergehende Verstopfung auslösen, da dieses Hormon die Darmperistaltik herabsetzt. Ebenso verringert es die Muskelspannung des sogenannten Ösophagussphinkters, der den Rückfluss des Mageninhaltes in die Speiseröhre verhindert. Deshalb kann es im letzten Schwangerschaftsdrittel zu Sodbrennen kommen. Auch Übelkeit und Völlegefühl sind auf die gesteigerte Progesteronsekretion zurückzuführen.
Kohlenhydratstoffwechsel
Vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel ist die Insulinproduktion erhöht. Da Insulin eine Hormon ist, das den Blutzucker senkt, kann es zu Unterzuckerungserscheinungen kommen. Deshalb sollte auf eine ausreichende Zufuhr von Kohlenhydraten geachtet werden. Sinnvoll ist es ebenfalls, die Portionen auf mehrere Mahlzeiten aufzuteilen, so dass ein konstanter Blutzuckerspiegel gewährleistet und Verdauungsstörungen vermieden werden. Die Kohlenhydrate sollten hauptsächlich in komplexer Form zugeführt werden (z. B. Vollkornbrot, Kartoffeln, Gemüse, Vollkornnudeln, Vollkornreis).
[premium]Eiweißstoffwechsel
Der Eiweißbestand der Schwangeren bleibt wie das Aminosäurespektrum unverändert. Im Vergleich dazu ist der Aminosäurengehalt im Blut des Föten erhöht, da die Plazenta alle wichtigen Aminosäuren aktiv zum Fetus transportiert.
Fettstoffwechsel
In der Schwangerschaft sind nahezu alle Fettfraktionen (z. B. Cholesterin, Triglyceride) um 50 % erhöht, d. h. das Blutbild einer Schwangeren entspricht dem einer hochgradigen Fettstoffwechselstörung. Der höhere Energiebedarf sollte nicht durch eine höhere Fettzufuhr gedeckt werden. Denn eine höhere Fettzufuhr könnte zu Völlegefühl und Übelkeit führen.
Schwangerschaft - Ernährungsempfehlungen
Eine bedarfsgerechte Ernährung ist die Voraussetzung für einen ungestörten Schwangerschaftsverlauf. Der Organismus der schwangeren Frau ist so ausgerichtet, dass die Versorgung des Föten in jeder Phase gewährleistet wird.
Deshalb sollte darauf geachtet werden, dass der intensive Nährstofftransport zum Föten den weiblichen Organismus nicht an Nährstoffen verarmen lässt. Die Ernährung ist also dem veränderten Nährstoffbedarf anzupassen.
Energiebedarf
Der Energiebedarf einer schwangeren Frau ist ab dem vierten Monat im Durchschnitt um etwa 255 kcal pro Tag erhöht. Dieser Mehrbedarf ist auf das Wachstum des Föten und der Plazenta zurückzuführen. Im Vergleich zum erhöhten Nährstoffbedarf ist der Mehrbedarf an Energie gering. Deshalb sollten Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte (hoher Nährstoffgehalt und niedriger Energiegehalt) bevorzugt werden. Hierfür eignen sich frisches Obst und Gemüse, magere Milch und Milchprodukte sowie Vollkornprodukte. Die Empfehlungen gelten sowohl für Einzel- als auch für Mehrlingsschwangerschaften.
Hauptnährstoffe
Kohlenhydrate
Die Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett entspricht den Empfehlungen für Nichtschwangere.
Der Anteil der Kohlenhydrate sollte 55 % der Gesamtenergiezufuhr betragen, was ca. 260-300 g pro Tag entspricht. Dabei sollten langkettige Kohlenhydrate bevorzugt werden, die den Blutzuckerspiegel langsam und kontinuierlich ansteigen lassen. Besonders geeignet sind Vollkornprodukte, die zusätzlich einen hohen Ballaststoffgehalt aufweisen, was eine schwangerschaftsbedingte Verstopfung lindert bzw. verhindert. Wichtig dabei ist zusätzlich eine reichliche Flüssigkeitszufuhr (mind. 2 Liter), da durch die Quellung der Ballaststoffe ein höheres Stuhlvolumen erreicht und somit die Verdauung beschleunigt wird.
Der Anteil an freien Zuckern sollte 10 % der gesamten Energiezufuhr nicht überschreiten. Als „Freie Zucker“ werden Monosaccharide (Glucose, Fructose, Galactose) und Disaccharide (Saccharose, Lactose, Maltose, Trehalose) bezeichnet, die Hersteller oder Verbraucher Lebensmitteln zusetzen, sowie in Honig, Sirupen, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten natürlich vorkommende Zucker (WHO). Bei einem Energiebedarf von 2000 kcal entspricht dies etwa 50 g Zucker bzw. weniger als 0,5 l Fruchtsaft, Fruchtsaftgetränk oder Limonade.
Eiweiß
Da Eiweiß für den Aufbau von Körpersubstanz benötigt wird, ist der Eiweißbedarf in der Schwangerschaft erhöht. Um ein ausreichendes Wachstum des Föten zu gewährleisten, empfiehlt sich ab der 13. Schwangerschaftswoche eine tägliche Proteinzufuhr von 0,9 g Eiweiß pro kg Körpergewicht und 1,0 g Eiweiß pro Körpergewicht ab der 29. Schwangerschaftswoche (ausgehend vom Normalgewicht). Dies entspricht bei einer 65 kg schweren Frau einer Eiweißzufuhr von mindestens 59 g bzw. 65 g Eiweiß/Tag.
Obwohl tierisches Eiweiß hochwertiger ist als pflanzliches, sollte mit tierischem Protein sparsam umgegangen werden, da es gleichzeitig meist einen hohen Fettgehalt aufweist. Durch die Kombination von tierischem mit pflanzlichem Eiweiß lässt sich die biologische Wertigkeit des Proteins erhöhen.
Fett
Die Fettzufuhr kann während der Schwangerschaft von 30 auf 30-35 Energie% Fett pro Tag leicht angehoben werden. Allerdings ist dabei besonders auf Lebensmittel mit einer guten Fettqualität zu achten. Die empfohlene Zufuhr von 200 mg Docosahexaensäure/Tag kann durch 1-2 Portionen Lachs, Hering und Makrele pro Woche gedeckt werden. 1-2 EL hochwertige Pflanzenöle wie Rapsöl, Olivenöl, Walnuss-, Lein- oder Sojaöl und eine kleine Portion Nüsse, Samen oder Saaten (25 g/Tag) sind ebenfalls empfehlenswert und liefern lebensnotwendige ungesättigte Fettsäuren. Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren wie z.B. Fleisch, Fleischwaren, Wurst sowie Milchprodukte und Käse sollten nach wie vor fettbewusst ausgewählt und sparsam verzehrt werden.
Vitamine
Folsäure
Folsäure besitzt eine besondere Bedeutung bei der Prävention von Neuralrohrdefekten (z. B. offener Rücken, Entwicklungsstörungen des Gehirns). Der Bedarf erhöht sich von 300 µg auf 550 µg pro Tag während der Schwangerschaft. Durch eine rechtzeitige zusätzliche Folsäuregabe von 400 µg synthetischer Folsäure pro Tag kann das Risiko dieser Krankheit um 60-75 % reduziert werden.
Da der Verschluss des Neuralrohres bereits in der sechsten bis achten Woche abgeschlossen ist, die Schwangerschaft aber meist erst zu dieser Zeit festgestellt wird, empfiehlt es sich, bereits vor der Empfängnis auf eine folsäurereiche Ernährung zu achten und mind. 4 Wochen vor Konzeption ein Folsäurepräparat mit 400 µg Folsäure einzunehmen. Besonders reich an Folsäure sind Spinat, Salate, Grünkohl, Rosenkohl, Fenchel, Spargel Tomaten, Hülsenfrüchte, Orangen, Nüsse, Sprossen, Weizenkeime, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Leber und Eigelb.
Eine reine Supplementierung ersetzt nicht die natürliche Aufnahme mit der Nahrung.
Vitamin B-Komplex
Der Bedarf an Vitaminen der B-Gruppe ist im Allgemeinen leicht erhöht. Aufgrund der erhöhten Eiweißzufuhr ist der Bedarf an Vitamin B6 um 58% erhöht. Reich an diesen Vitaminen sind insbesondere Vollkornprodukte, Milch, Bierhefe, Fisch, Fleisch und einige Gemüsesorten. Zu beachten ist jeweils eine schonende Zubereitung der Speisen, um Vitaminverluste zu minimieren.
Vitamin A
Obwohl der Bedarf leicht erhöht ist, kann eine zu hohe Aufnahme dieses Vitamins zu Missbildungen des Säuglings führen. Deshalb ist von übermäßigem Verzehr von Leber und dem Einsatz von Vitaminpräparaten abzuraten, vor allem im 1. Schwangerschaftsdrittel. Zu bedenken ist ebenfalls der Schadstoffgehalt der Leber, wobei dieser bei älteren Tieren ausgeprägter ist als bei Jungtieren. Dennoch stellt dieses Nahrungsmittel ein hochwertiges Lebensmittel dar, das in Maßen genossen (ein- bis zweimal im Monat) für die Ernährung der Schwangeren geeignet ist.
Beim Verzehr von Provitamin A (Beta-Carotin) besteht nicht die Gefahr einer Überdosierung. Dieses kommt in allen gelb-orangen Gemüse und besonders in der Karotte vor.
Zufuhrempfehlungen
|
Vitamin |
normaler Tagesbedarf |
Tagesbedarf i. d. Schwangerschaft |
|---|---|---|
|
Vitamin A (Retinol-Äquivalent) |
0,7 mg |
0,8 mg |
|
Vitamin D |
20 µg |
20 µg |
|
Vitamin E (Tocopherol-Äquivalent) |
12 mg |
13 mg |
|
Vitamin B1 |
1,0 mg |
1,2 mg (2. Trimester) 1,3 mg (3. Trimester) |
|
Vitamin B2 |
1,1 mg |
1,3 mg (2. Trimester) 1,4 mg (3. Trimester) |
|
Vitamin B6 |
1,4 mg |
1,5 mg (1. Trimester) 1,8 mg (2. und 3. Trimester) |
|
Vitamin B12 |
4,0 µg |
4,5 µg |
|
Vitamin C |
95 mg |
105 mg (ab dem 4. Schwangerschaftsmonat) |
|
Niacin |
12 - 13 mg |
14 mg (2. Trimester) 16 mg (3. Trimester) |
|
Folsäure (Gesamtfolat-Äquivalent) |
300 µg |
550 µg |
Quelle: DGE/ÖGE Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 8. aktualisierte Ausgabe 2024
Mineralstoffe und Spurenelemente
Calcium
Als Bestandteil der Knochensubstanz spielt Calcium eine wichtige Rolle. Steht dem Körper nicht genügend Calcium zur Verfügung, greift er auf die Reserven in den Knochen zurück. Dies fördert die Entstehung einer Osteoporose.
Um den täglichen Bedarf von 1000 mg (1200 mg für Frauen unter 19 Jahren) decken zu können, ist der regelmäßige Verzehr von Milch und Milchprodukten unerlässlich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt täglich 250 ml Milch, Joghurt, Kefir oder Buttermilch und 50 – 60 g Käse zu genießen. Damit werden ca. 600 mg Calcium erreicht und der Tagesbedarf zu etwa 50 % gedeckt. Weitere Calciumlieferanten sind calciumhaltiges Mineralwasser (> 150 mg Ca/l), calciumreiche Gemüse- und Obstsorten wie Brokkoli, Grünkohl und Rucola sowie Hasel- und Paranüsse. Die empfohlene Menge sollte über den Tag verteilt aufgenommen werden.
Eisen
Obwohl in der Schwangerschaft die Eisenresorption erhöht ist und die Menstruation ausfällt, entwickeln viele Frauen in der Spätschwangerschaft eine Eisenmangelanämie (Blutarmut). Häufig besteht allerdings nur eine relative Blutarmut, die aus der deutlichen Erhöhung des Blutvolumens bei nur geringer Zunahme der roten Blutkörperchen resultiert.
Im letzten Schwangerschaftsdrittel fällt daher der sogenannte Hämatokritwert (Gesamtheit aller festen Stoffe im Blut) von 38-44% auf etwa 34% ab. Aufgrund dessen wird der tägliche Eisenbedarf in der Schwangerschaft mit 27 mg pro Tag angegeben. Eisenreich sind vor allem tierische Produkte, die zudem besser vom Körper aufgenommen werden können. Die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C verbessert die Bioverfügbarkeit aus pflanzlichen Lebensmitteln, wie z.B. Hirse, Roggen, Fenchel und Spinat und Hülsenfrüchten sowie Nüssen und Mandeln.
Jod
Deutschland zählt immer noch zu den Jodmangelgebieten. Die tägliche Jodzufuhr in Deutschland beträgt nur etwa ein Drittel der empfohlenen Menge. Jodmangel führt zu einer Vergrößerung der Schilddrüse (Struma), Müdigkeit und anderen Symptomen. Die Verwendung von Jodsalz bringt nur eine geringe Besserung. Um den erhöhten Bedarf (230g) bei Schwangeren zu decken, wird der regelmäßige Verzehr (2x pro Woche) von Seefisch wie z.B. Kabeljau und Scholle empfohlen. Ist dies nicht möglich, sollte eine prophylaktische Jodsubstitution von 100 - 150 µg/Tag über den gesamten Zeitraum der Schwangerschaft, nach Rücksprache mit dem Arzt, vorgenommen werden.
Nährstoffbedarf
|
Mineralstoff / Spurenelement |
normaler Tagesbedarf |
Bedarf in der Schwangerschaft |
|---|---|---|
|
Calcium |
1000 mg |
1000 mg (1200 mg bei Frauen < 19 J.) |
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Magnesium |
300 mg |
300 mg |
|
Eisen |
16 mg |
27 mg |
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Zink 1 |
7 - 10 mg |
7 - 11 mg (1. Trimester) 9 - 13 mg (2. und 3. Trimester) |
|
Jod |
200 µg |
230 µg |
1 Die Empfehlung für die Zinkzufuhr steht in Abhängigkeit zur Phytataufnahme
Quelle: DGE/ÖGE Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 8. aktualisierte Ausgabe 2024
Schwangerschaft - Komplikationen
Untergewicht
Anzustreben ist in jedem Fall ein normales Körpergewicht, da hier die Anzahl und das Ausmaß der Komplikationen am geringsten sind. Die Fruchtbarkeit ist bei einem BMI im oberen Normbereich am höchsten.
Ein hochgradiger Gewichtsverlust (z.B. durch Magersucht) führt in vielen Fällen zu einer Amenorrhö (Ausbleiben der Monatsblutung) und damit zur Sterilität. Außerdem besteht bei Untergewicht ein erhöhtes Risiko einer sogenannten EPH-Gestose, deren typische Symptome Ödeme (Wassereinlagerungen), Eiweißausscheidung mit dem Urin und Bluthochdruck sind.
Genussmittel
Alkohol
Die Auswirkungen von Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft (embryofetales Alkoholsyndrom) sind vielfältig. Im wesentlichen äußern sich beim Säugling folgende Symptome:
-
Verminderung des Kopfumfanges
-
Veränderungen der Schädelform
-
Vermindertes Geburtsgewicht
-
Schädigung des Zentralnervensystems, die sich häufig erst im (Vor-) Schulalter manifestieren
Auf Alkohol sollte während der Schwangerschaft möglichst vollständig verzichtet werden, da man bis heute nicht weiß, ab welcher Menge Alkohol für den Fetus schädlich ist. Besonders gefährlich ist der Alkoholgenuss in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten.
Nikotin
Das Rauchen in der Schwangerschaft schädigt nicht nur die Gesundheit der Mutter, sondern vor allem die des Föten. Deshalb sollte die Mutter (möglichst auch der Vater) in der Schwangerschaft auf das Rauchen verzichten.
Koffein
Die Wirkung von Koffein in der Schwangerschaft ist noch nicht eindeutig geklärt. Vermutet werden bislang folgende Auswirkungen von hohen Koffein-Dosen (>200mg/Tag):
-
Niedrige Geburtsgewichte
-
Wachstumsverzögerung im Uterus
-
Höhere Anzahl an Fehlgeburten
Moderate Dosen (<200mg/Tag) haben wahrscheinlich keine Auswirkungen, jedoch sollte zur Sicherheit möglichst auf koffeinhaltige Getränke verzichtet werden.
EPH-Gestose / Präeklampsie
Definition
Von einer EPH-Gestose oder einer Präeklampsie spricht man, wenn während der Schwangerschaft Wassereinlagerungen, Eiweißausscheidungen mit dem Urin und Bluthochdruck gemeinsam auftreten (EPH: Edema, Proteinuria, Hypertension). Präeklamsie tritt meistens in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf, nach der 20.Schwangerschaftswoche.
Ursache
Beim schwangerschaftsinduzierten Bluthochdruck handelt es sich um eine schwangerschaftsspezifische Erkrankung, bei der aus noch ungeklärter Ursache ein Gefäßspasmus zu generalisierter Gefäßverengung mit erhöhtem Blutdruck, schlechterer Durchblutung und Sauerstoffminderversorgung der Organe, insbesondere der Plazenta und des Fetus, führt. Desweiteren kann ein Gestationsdiabetes zu einer Präeklamsie führen.
Ernährung
Die seit langem diskutierte Hypothese, ob Salzzulagen über den normalen Bedarf hinaus die Entstehung oder den Verlauf einer Präeklampsie günstig beeinflussen, kann zu diesem Zeitpunkt nicht positiv bestätigt werden. Allgemein werden derzeit Salzzulagen in der Ernährung der Schwangeren nicht als notwendig erachtet, da die Salzzufuhr im Rahmen einer normalen, gesunden Mischkost meist bereits über die empfohlene Menge (DGE: 5-6g/Tag) hinausgeht.
Insgesamt wird heute eine kochsalzarme und flüssigkeitsreduzierte Ernährung während der Schwangerschaft wegen ihrer fehlenden positiven Effekte und ihrer potentiell negativen Auswirkungen abgelehnt.
Frauen können während der Schwangerschaft ihren gewohnten Salzkonsum beibehalten, das heißt, schmackhaft zu würzen und zu salzen.
Im Rahmen einer gesunden Mischkost wird in unserer Gesellschaft genügend Speisesalz aufgenommen, um den täglichen Bedarf zu decken. Für die Flüssigkeitszufuhr gilt grundsätzlich dasselbe, allerdings sollte die Trinkmenge die Mindestempfehlung von 1,5 l täglich nicht unterschreiten.
Ernährungstipps bei Schwangerschaftsbeschwerden
Übelkeit am Morgen
Kleine Mahlzeit vor dem Aufstehen (ca. 30 min) und mehrere kleine Mahlzeiten lindern die Beschwerden.
Heißhunger
Durch die in der Schwangerschaft gesteigerte Insulinproduktion kommt es häufig zu einem starken Abfall des Blutzuckerspiegels und damit zu Heißhungerattacken. Diese lassen sich durch mehrere kleine Mahlzeiten vorbeugen.
Wadenkrämpfe
Erhöhte orale Magnesiumzufuhr (z.B. in Tablettenform)
Sodbrennen
Zufuhr von Mandeln, Nüssen, eventuell Milch-Magnesium-Präparaten
Verstopfung
Ballaststoffreiche Kost (z.B. Vollkornprodukte, Obst und Gemüse) mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2l/Tag), um die Quellung der Ballaststoffe im Darm zu ermöglichen (siehe Kapitel "Verstopfung").
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