Morbus Crohn


Ernährungstipps & Patienteninfos & Beratungsmaterialien

Ernährungstipps

Auf diesen Seiten finden Sie die bewährten DEBInet-Ernährungstipps, die wir für Sie in unveränderter Form aus dem alten DEBInet (vor 11/2025) übernommen haben.

Die Ernährungstipps werden ab 12/2025 sukzessive überarbeitet.

Patienteninfos

Ganz neu konzipiert haben wir kurze und prägnante Patienteninfos zur Weitergabe an Betroffene und Interessierte. Der Inhalt kann unten eingesehen werden, zum Ausdruck empfehlen wir das übersichtliche zweiseitige PDF-Format.

Beratungsmaterialien

Dieser Bereich wird nach und nach mit Schulungsunterlagen, LM-Tabellen und anderen Beratungsmaterialien gefüllt, die dann unter den PREMIUM-Anwendern ausgetauscht werden können. Wir freuen uns dabei auf Ihre Anregungen und Ihre Mitwirkung.


Patienteninfos/Ernährungsinfos

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Patienteninfo Morbus Crohn

Krankheitsbild

Definition

Morbus Crohn (MC) ist eine chronisch entzündliche, in Schüben verlaufende Darmerkrankung, die gleichzeitig in mehreren Bereichen des gesamten Verdauungstraktes, vom Mund bis zum After, auftreten kann. Am häufigsten ist der letzte Dünndarmabschnitt, das terminale Ileum, von der Entzündung betroffen. Alle Schichten der Darmwand können von der Entzündung betroffen sein, wodurch Fisteln, Abszesse, Strikturen und Verklebungen von Darmschlingen entstehen können. Neben dem Verdauungstrakt können auch andere Organe wie Gelenke, Haut, Leber und Augen betroffen sein.

Symptome

Typische Anzeichen sind Schmerzen im Bauchbereich (häufig im rechten Unterbauch), Durchfälle und Fieber. Bei länger anhaltenden Schüben kann es zur Gewichtsabnahme und einer Mangelernährung kommen.

Ursachen

Die eigentliche Ursache ist bis heute noch nicht geklärt. Diskutiert werden erbliche Veranlagungen in Kombination mit noch unbekannten Faktoren (z. T. Umweltfaktoren), die zu einer Veränderung des Immunsystems führen. Auch scheint das Mikrobiom aufgrund einer geringeren Artenvielfalt, einer erhöhten Anzahl pathogener Keime sowie einer veränderten Durchlässigkeit der Darmbarriere ursächlich beteiligt zu sein. Diskutiert wird auch, ob der hohe Verzehr von Fleisch, Zucker, gesättigten Fettsäuren, n- 6-Fettsäuren, ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln, Emulgatoren sowie Carboxymethylcellulose und Adipositas oder ein niedriger BMI das Risiko für MC erhöhen.

Diagnose

Neben der ärztlichen Befragung, der körperlichen Untersuchung, dem Screening auf Mangelernährung, der Auswertung eines Ernährungs- und Symptomtagebuches, Blut- und Stuhluntersuchungen, werden bei der Diagnostik ggf. eine Sonographie und Magnetresonanztomographie sowie eine Magen- und Darmspiegelung (u. a. Entnahme von Gewebeproben) durchgeführt

Therapie

Es kommen verschiedene Therapiemaßnahmen entsprechend dem Krankheitsstadium zum Einsatz. Neben der medikamentösen und ggf. chirurgischen Therapie nimmt die Ernährungstherapie einen besonderen Stellenwert ein.


Basis: stadien- und symptomorientierte Ernährungstherapie

Eine spezielle Diät bei MC gibt es nicht. Vielmehr orientieren sich die Empfehlungen am Krankheitsstadium (akuter Schub, abklingender Schub, Remissionsphase [keine oder nur milde Krankheitszeichen]), den persönlichen Symptomen sowie den Begleiterkrankungen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Prävention und Behandlung der Mangelernährung. Hierbei sollte dem Refeeding-Syndrom (lebensbedrohliche Situation durch zu schnelle Kaloriensteigerung bei Mangelernährung) eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Empfehlung: Nehmen Sie eine begleitende Ernährungsberatung durch eine zertifizierte Ernährungsfachkraft in Anspruch!.



Ernährungsempfehlungen in den verschiedenen Krankheitsphasen

Allgemeine Empfehlung: Prüfen Sie in regelmäßigen Abständen, ob eine Mangelernährung vorliegt.

  • Akuter Schub (sehr schwere bis schwere Entzündungsaktivität):
    • Treffen Sie Ihre Lebensmittelauswahl z. B. nach dem Prinzip der angepassten, ballaststoffarmen Vollkost. Der Kalorien- und Eiweißbedarf ist in diesem Stadium erhöht. Steigern Sie die Essensmengen bei einer Mangelernährung nur langsam. Ggf. ist vorübergehend auch eine enterale oder parenterale Ernährung erforderlich.
    • Achten Sie auf eine ausreichende (ggf. isotone) Flüssigkeitszufuhr.
    • Je nach Symptomen muss die Kost ggf. zusätzlich laktose- und fruktosemodifiziert werden.
    • Fragen Sie Ihren Arzt, ob ein Vitamin- und Mineralstoffmangel ausgeglichen werden muss.
  • Abklingender Schub (mittlere Entzündungsaktivität):
    • Treffen Sie Ihre Lebensmittelauswahl z. B. nach dem Prinzip der angepassten Vollkost. Steigern Sie nun langsam den Ballaststoffgehalt (z. B. 10-15 g Ballaststoffe/Tag) der Kost.
    • Ggf. muss die Kost weiterhin laktose- und fruktosemodifiziert werden.
    • Fragen Sie Ihren Arzt, ob ein Vitamin- und Mineralstoffmangel ausgeglichen werden muss.
    • Ggf. kann eine Ausschlussdiät (CDED) mittels begleitender Formulanahrung sinnvoll sein.
  • Remission: (keine oder geringe Krankheitsanzeichen)
    • Sie können Ihre Lebensmittelauswahl jetzt z. B. nach dem Prinzip der Vollkost in Anlehnung an die mediterrane Ernährung mit wenig verarbeiteten Lebensmitteln treffen. Steigern Sie die Ballaststoffzufuhr weiter, indem Sie z. B. fein ausgemahlenes Vollkornbrot ausprobieren.
    • Der Proteinbedarf entspricht in dieser Phase dem Bedarf der Allgemeinbevölkerung.
    • Bei gewünschter Gewichtszunahme planen Sie zusätzlich ca. 500 kcal/Tag ein.
    • Eine Gewichtsabnahme sollte nur in einer stabilen Phase der Remission angestrebt werden.

Symptomorientierte Ernährungsempfehlungen

  • Durchfall: Achten Sie u. a. auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ggf. müssen Mineral- stoffdefizite ausgeglichen werden (z. B. WHO-Lösung), bei weiterhin anhaltenden Beschwerden: Abklärung von Lebensmittelunverträglichkeiten sowie Lactose- oder Sorbit-Unverträglichkeit.
  • Blähungen: Ein Ernährungs- und Symptomtagebuch ist bei der Ermittlung der Ursache hilfreich.
  • Engstellen im Darm: Treffen Sie eine ballaststoff- und faserarme Lebensmittelauswahl. Es kann auch eine enterale oder parenterale Ernährung erforderlich sein.
  • Fettstuhl: Die Kost muss ggf. fettarm gestaltet werden. Hierbei ist auch auf einen Mangel an fettlöslichen Vitaminen zu achten (Überwachung in regelmäßigen Abständen). Versuchsweise kann ggf. alternativ MCT-Fett probiert werden (vorsichtige Steigerung der Menge, siehe Herstellerang.).
  • Vermehrte Ausscheidung von Oxalsäure über den Urin oder Oxalsäure-Harnsteine: Meiden Sie oxalsäurereiche Lebensmittel. Achten Sie auf eine fettmodifizierte und calciumreiche Ernährung.

Wo finde ich Unterstützung und weitere Informationen?

Verbände und Selbsthilfegruppen

Betroffene und Angehörige finden bei der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V. umfassende Informationen zu Selbsthilfegruppen etc.

Weitere Informationen und professionelle Beratungsangebote

In unserer DEBInet-Rezeptdatenbank finden Sie zahlreiche ballaststoffreiche Rezepte. Ausführlichere Informationen zu Krankheitsverlauf und Ernährungstherapie erhalten Sie im Premium- Bereich, bei einer zertifizierten Ernährungsfachkraft oder einem Ernährungsmediziner DAEM/DGEM.

Literatur

  • DEBInet – Deutsches Ernährungsberatungs- & -informationsnetz: Ernährungstipps I Morbus Crohn.
  • Bischoff S et al. (2024): AS3-Leitlinie Klinische Ernährung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) (Version 2.1) https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/073-027.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) (2021): DGE-Beratungsstandards, 1. aktualisierte Ausgabe, Kapitel 4.3, 4.3.1 Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V. https://www.dccv.de.


Ernährungstipps


  • Krankheitsbild: Definition, Symptome, Diagnose, Ursachen, Häufigkeit, Komplikationen, Mangelernährung, Laktoseintoleranz, Steatorrhö, Fistelbildung, Stenosenbildung
  • Infos zur Therapie: Therapie im Überblick, Ernährungstherapie, Künstliche Ernährung, Kostaufbau, Das Prinzip der leichten Vollkost, Die leichte Vollkost in der Praxis, Nährstoffzufuhr, Das Phänomen Stress, Entspannungstherapie, Medikamente bei CED, Medikamentöse Therapie des Morbus Crohn
 

Definition

Morbus Crohn gehört zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und kann den gesamten Verdauungstrakt - von der Mundhöhle bis zum Anus - betreffen. Meistens ist die Region zwischen dem Ende des Dünndarms und dem Anfang des Dickdarms betroffen. Es können gesunde mit kranken Abschnitten abwechseln.

Die Entzündung reicht durch die Darmwand hindurch, so dass neben den oberflächlichen Schleimhautzellen auch die darunter liegenden Schichten betroffen sind. Dadurch können weite Teile der Darmwand entzündet sein, was zu Verwachsungen, Engstellen und Fistelbildungen mit vielerlei Komplikationen führen kann.

Die Krankheit verläuft schubweise, es wechseln akute Schubphasen mit Remissionsphasen (Phasen mit vorübergehender Beruhigung) ab.

Symptome

Die Krankheitszeichen beschränken sich meist nicht nur auf den Bauch- und Darmbereich. Oft kommen zusätzlich vielfältige Beschwerden an anderen Organen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl hinzu. Der Beginn ist in der Regel schleichend.

Folgende Beschwerden können auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung hinweisen:

[premium]

Allgemeinsymptome bzw. Beschwerden außerhalb des Darmes:

  • Fieber bzw. Fieberschübe

  • Müdigkeit

  • Leistungsabfall

  • Appetit- und Gewichtsverlust

  • Blutarmut

  • Gelenkentzündungen (Arthritis, evtl. Monate oder Jahre vor Auftreten der Darmbeschwerden)

  • Hautveränderungen

  • Augensymptome

  • Symptome einer Mangelversorgung mit Nährstoffen, v.a. Eiweiß, Eisen, Zink, Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D

  • bei Kindern Wachstumsstörungen

Bauch- und Darmbeschwerden

  • heftige Durchfälle, meist mit Beimengungen von Schleim, gelegentlich Blut

  • krampfartige, meist andauernde Bauchschmerzen wie bei einer Blinddarmentzündung

  • Darmverschluss

Diagnose

Im Rahmen der Diagnostik werden unter anderem folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Darmspiegelung (Kolo-Ileoskopie). Endoskopische Bilder der Darmschleimhaut tragen hauptsächlich zur Sicherung der Diagnose bei, da sie unmissverständlich die Veränderungen der Darmschleimhaut zeigen.

  • Biopsien Entnahme von Gewebeproben während einer Darmspiegelung

  • Röntgen

  • Sonographien (Untersuchungen mit Ultraschall)

  • bakteriologische Stuhldiagnostik zum Ausschluss einer infektiösen Darmkrankheit

  • Laboruntersuchung zur Bestimmung von allgemeinen Entzündungsparametern.

Ursachen

Noch liegen keine gesicherten Forschungsergebnisse über die Krankheitsauslöser oder Ursachen vor. Es scheint aber verschiedenen Faktoren zu geben, die den Ausbruch einer entzündlichen Darmerkrankung wie z.B. Morbus Crohn begünstigen:

  • Genetische Disposition (Veränderung)

  • Umweltfaktoren Rauchen, Schadstoffe, Infektionen

  • Ernährungsfaktoren Vermutet werden als begünstigende Faktoren ein hoher Zucker- und Margarineverzehr (gehärtete Fette!), eine Zunahme des Verzehrs von Weißmehlprodukten, ein Mangel an Ballaststoffen, ein hoher Anteil des Mykobakteriums paratuberkulosis in Milch und Milchprodukten.

  • Aufbau der Darmflora. Hier v.a. Veränderungen in der Bakterienflora der Schleimhaut

  • Veränderungen des Immunsystems

  • Psychische Faktoren Häufige Überforderung, Stress, Ängste, Sorgen

Häufigkeit

Seit einigen Jahren wird in den westlichen Industrieländern eine Zunahme der Erkrankungen an Morbus Crohn beobachtet. So hat beispielsweise Schweden die höchste Erkrankungsrate zu verzeichnen.

In Deutschland leiden etwas 300 von 100.000 Einwohnern an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Die Erkrankung befällt Personen jeden Alters, weist jedoch eine Häufigkeitsverteilung zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr sowie um das 60. Lebensjahr auf. Es wurde sowohl eine familiäre Häufung beobachtet, als auch eine ethnische. Weiße erkranken etwa doppelt so oft wie Farbige. In den letzten 20 Jahren hat die Zahl der Neuerkrankungen insgesamt zugenommen.

Morbus Crohn - Komplikationen

Je nach Ausmaß und Ausdehnung der Erkrankung, können bei Morbus Crohn-Patienten vielfältige Komplikationen auftreten. So ist der Ernährungszustand häufig unzureichend: Viele Morbus Crohn-Kranke weisen Zeichen einer Mangelernährung auf. Hierdurch wird sowohl der Krankheitsverlauf als auch das Befinden der Patienten negativ beeinflusst.

Komplikationen können sein:

  • starker Gewichtsverlust

  • Mangelernährung

  • enterales Eiweißverlustsyndrom (erhöhter Eiweißverlust über den Verdauungskanal)

  • Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen

  • Fistelbildung

  • Bildung von Stenosen

  • Kolonkarzinom (Spätkomplikation)

Mangelernährung

Die Mangelernährung resultiert zum einen aus einer unzureichenden Zufuhr von Energie und zum anderen aus einer ungenügenden Deckung des Nährstoffbedarfs, v.a. essentieller Nährstoffe wie Eiweiß, das für viele Körperfunktionen unentbehrlich ist.

Auch das Blut enthält Eiweißkörper (Albumine). Der Albumingehalt des Blutes ist, bedingt durch das Eiweißverlust-Syndrom, bei den meisten Morbus Crohn-Erkrankten vermindert (Hypalbuminämie), was zur Minderversorgung des Körpers weiter beiträgt. Sinkt der Albumingehalt im Blut unter 2,5 g/dl ab, kann das Körperwasser nicht mehr im Blutgefäßsystem gehalten werden: Es kommt zu Ödemen (Wasseransammlungen).

Wird der Energiebedarf des Körpers nicht gedeckt, so sinkt das Körpergewicht bis hin zum Untergewicht, an dem viele Morbus Crohn-Patienten leiden.

Hauptursachen des Gewichtsverlusts sind:

  • mangelnder Appetit

  • eine einseitige Ernährung aus Angst vor Unverträglichkeiten mit entsprechender Symptomatik (Erbrechen, Durchfall etc.)

  • restriktive Diätempfehlungen

Bei stärkerem Untergewicht können viele Organfunktionen nicht mehr in vollem Umfang aufrechterhalten werden (siehe Kapitel Essstörungen). Außerdem wird der Körper anfällig für Infekte und andere Krankheiten, da die Immunabwehr geschwächt ist.

Es fehlen Vitamine und Mineralstoffe

Neben der allgemeinen Mangelernährung ist häufig auch die Vitamin- und Mineralstoffversorgung unzureichend. Gründe hierfür sind die ungenügende Zufuhr über die Nahrung sowie die mangelhafte Resorption aus den Dünndarm, da dieser krankhaft verändert ist. Ferner trägt die Hypalbuminämie mit zur mangelnden Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen bei. Hinzu kommt, dass einige Medikamente, die zur Therapie des Morbus Crohn eingesetzt werden, die Resorption hemmen.

Bei folgenden Mineralstoffen und Vitaminen besteht häufig ein Defizit:

  • Vitamin B12

  • Vitamin A

  • Vitamin D

  • Folsäure

  • Eisen

  • Zink

  • Kalzium

  • Kalium

  • Magnesium

  • Selen

Laktoseintoleranz

Viele Morbus Crohn-Patienten (ca. 30%) entwickeln eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit). Die Therapie besteht hier im Ausschluss von Milch und Milchprodukten.

In diesem Fall muss der Mineralstoff Calcium über Präparate zugeführt werden, da ansonsten eine Osteoporose droht.

Steatorrhö

Störung der Fettverwertung

Wenn die Ausnutzung des Nahrungsfettes (v.a. der hochungesättigten Fettsäuren) gestört ist und größere Mengen Fett mit dem Stuhl, meist als Durchfall, den Körper wieder verlassen, so bezeichnet man diesen Zustand als "Steatorrhö" (Fettstuhl).

Viele Morbus Crohn-Kranke leiden an einer Steatorrhö, die u.a. am Zustandekommen der Beschwerden im Darmbereich beteiligt ist: Die Fette werden von der erkrankten Darmwand nicht in ausreichendem Maße aufgenommen und durch den Bakterieneinfluss zu darmwandreizenden Substanzen umgebaut.

Bei der Ernährung muss dieser Fettverlust sowie der mögliche Verlust fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) berücksichtigt werden.

Bei starker Ausprägung schafft man Abhilfe durch den Einsatz spezieller MCT-Fette (Fette mit mittelkettigen Fettsäuren), die eine leichter resorbierbare Fettsäurenzusammensetzung haben. Dieses diätetische Produkt ist über Apotheken zu beziehen.

Fistelbildung

Eine Fistel ist ein abnormer, röhrenförmiger Verbindungsgang von einem Hohlraum oder auch Hohlorgan (z.B. Darm) zu einem anderen Organ. Eine Fistel kann sowohl mehrere Organe miteinander verbinden als auch an einer Körperoberfläche münden.

Es gibt verschiedene Arten von Fisteln. Der Morbus Crohn-Erkrankte neigt zu einer Fistelbildung am Darm. Da die gesamte Darmwand entzündet ist, können durch Aneinanderliegen zweier entzündeter Darmschlingen Verbindungen zwischen diesen Schlingen oder aber vom Darm aus Fisteln zu anderen angrenzenden Organen (z.B. Harnblase, Afterregion) entstehen.

Eine Fistel führt zu vielerlei Komplikationen, z.B. können sich in einer Fistel abgekapselte Entzündungsherde (Abszesse) bilden, die dann operativ entfernt werden müssen.

Stenosenbildung

Eine entzündliche Darmstenose ist eine weitere Komplikation, die im Verlaufe der Erkrankung entstehen kann. Als Stenose bezeichnet man eine Verengung eines Kanals (z.B. des Darmes) oder einer Einmündung (z.B. Gallengang in den Darm) durch Verwachsungen, was zu Funktionseinschränkungen (Passagebehinderungen) führt. Auch hier ist ein operativer Eingriff häufig unumgänglich.

Morbus Crohn / Colitis ulcerosa - Therapie im Überblick

Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen

Auf den folgenden Seiten erfahren Sie Einzelheiten zur Therapie der chronisch entzündlichen Darmerkarnkungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Das therapeutische Vorgehen ist bei beiden Erkrankungen weitgehend identisch.

Da die Krankheitsursache bei beiden Erkrankungen nach wie vor weitgehend unbekannt ist, kann man bisher nur symptomatisch behandeln. Die derzeitig gängige Therapie des Morbus Crohn und der Colitis ulcerosa verfolgt folgende Ziele:

  • Verbesserung des Ernährungs- und Allgemeinzustandes

  • Beeinflussung der Symptomatik und des Verlaufs der Krankheit

  • Erreichung möglichst langer und beschwerdefreier Intervalle (Remissionsphasen) sowie

  • eine geringe Rückfallrate

Die Therapie beider chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen erfolgt im wesentlichen auf zwei Wegen:

  • Ernährungstherapie

  • medikamentöse Therapie

Ernährungstherapie

Eine spezifische Diät für Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen ist bis heute nicht bekannt. Jedoch besteht die Möglichkeit, den Verlauf und den Allgemeinzustand bei Morbus Crohn sowie Colitis ulcerosa mit diätetischen Maßnahmen positiv zu beeinflussen. Je nach Ernährungszustand und Phase der Erkrankung werden unterschiedliche diätetische Ernährungsweisen empfohlen, die in der folgenden Tabelle aufgeführt sind.

Wichtig ist hierbei, das Ausmaß der Störung sowie die Folgen zu beachten und stets eine individuelle Diätverordnung zu treffen!

Die Ernährungstherapie unterteilt sich wie folgt:

Ernährungstherapie im akuten Schub

Ernährungstherapeutische Maßnahmen in der Remissionsphase

Künstliche Ernährung

Orale Ernährung

enterale Ernährung / parenterale Ernährung

Kostaufbau nach parenteraler Ernährung bzw. nach Operationen im Verdauungstrakt

Leichte Vollkost unter Berücksichtigung eventueller Komplikationen wie: - Steatorrhö - Nährstoffmangel - Anorexie - Übelkeit/Erbrechen - Nahrungsmittelunverträglichkeiten - Laktoseintoleranz

Künstliche Ernährung

Sicherung der Nährstoffversorgung

In Phasen, in denen die normale orale Nahrungsaufnahme wegen Unverträglichkeiten im Verdauungstrakt oder wegen starker Inappetenz nur eingeschränkt möglich ist, lässt sich eine ausreichende Versorgung des Körpers nur durch eine künstliche Ernährung sichern.

Außerdem wird durch eine künstliche (parenterale) Ernährung der Verdauungstrakt umgangen und somit ruhiggestellt. Der positive Effekt dieser "Ruhigstellung" der erkrankten Darmabschnitte konnte in mehreren klinischen Studien belegt werden.

Es gibt verschiedene Arten der künstlichen Ernährung, die im Folgenden dargestellt sind.

Parenterale Ernährung

Bei der parenteralen Ernährung wird der gesamte Verdauungstrakt ausgeschaltet. Die Nährstoffe werden über die Blutbahn dem Stoffwechsel unmittelbar zugeführt. Die Ernährung erfolgt mit speziellen Nährstofflösungen, die über einen Venenkatheder verabreicht werden. Durch diese Ernährungsform lässt sich der Ernährungszustand und somit der Allgemeinzustand verbessern. Außerdem wird der entzündete Darm geschont und dadurch eine Remission begünstigt (in 50 bis 90% der Fälle).

Praktiziert wird die parenterale Ernährung in Kliniken bzw. Krankenhäusern. Sie muss überwacht werden, da es durch den Katheder zu Komplikationen wie Blutvergiftung oder Thrombose kommen kann.

Enterale Ernährung

Die enterale Ernährung erfolgt über eine Sonde, mit der die flüssige Nahrung in den Magen (Gastrosonde), den Dünndarm (Jejunalsonde) oder den Zwölffingerdarm (Duodenalsonde) appliziert wird.

Die Ergebnisse bezüglich des Ernährungs- und Allgemeinzustandes sowie einer Remission sind mit denen der reinen parenteralen Ernährung vergleichbar und eignen sich besonders gut bei Patienten mit Dünndarmbefall. Die enterale Ernährung hat gegenüber der parenteralen den Vorteil, dass die Komplikationen durch den Katheder entfallen. Aus diesem Grund sollte sie nach Möglichkeit bevorzugt eingesetzt werden.

Fazit

Betrachtet man die derzeit vorliegenden Ergebnisse klinischer Studien bezüglich der künstlichen Ernährung im akuten Schub der Colitis Ulcerosa oder des Morbus Crohn, so lässt sich zusammenfassen:

  • Basis der Therapie sind entzündungshemmende Medikamente.

  • Sowohl durch parenterale als auch durch enterale Ernährung lässt sich der Ernährungszustand verbessern, wobei die enterale gegenüber der parenteralen zu bevorzugen ist.

  • Bisher gibt es bei der Therapie der Colitis ulcerosa keine gesicherten Nachweise für die günstige Wirkung einer Ernährungstherapie.

Kostaufbau

In Remissionsphasen bzw. in Phasen mit leichten Beschwerden, erfolgt die Nahrungsaufnahme auf normalem Weg. Auch hier gibt es derzeit keine wissenschaftlich gesicherten Empfehlungen für eine bestimmte Kostform, die bei beiden Erkrankungen den Krankheitsverlauf möglichst lange positiv beeinflusst. Daher wird heutzutage im beschwerdefreien Intervall nur noch eine leichte Vollkost empfohlen.

Kostaufbau in 4 Stufen

Nach einer akuten Phase mit künstlicher Ernährung muss der Magen-Darm-Trakt wieder langsam an eine Nahrungszufuhr herangeführt werden. Dies geschieht durch den "Kostaufbau", einer diätetischen Vorgehensweise, bei der stufenweise quantitativ und qualitativ die Lebensmittel- und Nährstoffzufuhr erweitert wird.

Begonnen wird mit leichtverdaulichen, überwiegend kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln. Hier fehlt Fett nahezu völlig! Stufenweise wird die Menge gesteigert und dann mit eiweiß- und zum Schluss fetthaltigen Lebensmitteln ergänzt. Folgende Tabelle zeigt Ihnen detailliert den stufenweisen Kostaufbau.

 

Stufe I

Stufe II

Ergänzung

zusätzlich: parenterale Teilernährung

evt. zusätzlich: parenterale Teilernährung

Nährstoffe/ Sonstiges

ca. 1000 kcal 20 - 30 g Eiweiß 10 g Fett (streng fettarm!) 200 g Kohlenhydrate milchzuckerfrei 5 Mahlzeiten

ca. 1500 kcal 60 g Eiweiß 15 g Fett 265 g Kohlenhydrate 5 Mahlzeiten in passierter Form

Lebensmittel

Tee (alle Sorten), Schleim (Hafer, Reis), entfettete Brühe, Zwieback.

Anreicherung mit Maltodextrin 19 (Apotheke) notwendig

Tee (alle Sorten), Schleim, Zwieback, Weißbrot, Gelee, Honig, Magerquark, passiertes Kompott, Gemüsesaft, Breie aus fettarmer Milch (0,3%) zubereitet, entfettete Brühe mit Nährmittel (z.B. Instant-Haferflocken), gekochtes Fleisch, passiert mit fettarmer Soße), Reis, Teigwaren, Kartoffelschnee, zarte Gemüsesorten, gedünstet u. passiert (z.B. Karotten, Spinat, Blumenkohl, Schwarzwurzeln)

Stufe III

Stufe IV

Ergänzung

evt. parenterale Teilernährung

Energieanreicherung, Vitamin- und Mineralstoffsubstitution (nach Bedarf)

Nährstoffe/ Sonstiges

ca. 1800 kcal 75 g Eiweiß 40 g Fett 300 g Kohlenhydrate 6 Mahlzeiten, nicht passiert

ca. 2000 kcal 75 g Eiweiß 75 g Fett 250 g Kohlenhydrate 5 - 8 Mahlzeiten

Lebensmittel

Erweiterung der Stufe II mit: 25g Streich- und Kochfett, fettarmen (1,5%) Milchprodukten*, fettarmem Aufschnitt, magerem Fisch, Kompott, fettarmem Gebäck (z.B. Hefe), gut verträglichen Gemüsesorten (z.B. Spargel, Karotten, Blumenkohl, Sellerie, Zucchini, jungen Kohlrabi, Spinat, Mangold, Schwarzwurzeln), kein rohes Gemüse und keine Salate!

leichte Vollkost, modifiziert unter Berücksichtigung eventueller Unverträglichkeiten wie Milchzucker (Laktoseintoleranz etc.)

Getränke

geeignete Getränke bei allen Kostformen: Tee und stilles Wasser

bei den Stufen II, III und IV: zusätzlich verdünnte Frucht- und Obstsäfte Achtung: Alkoholische Getränke sind nicht geeignet!

Quelle: mod. nach "Ernährungsmedizin in der Praxis", Hrsg. Kluthe R.

Morbus Crohn / Colitis ulcerosa - Leichte Vollkost

Das Prinzip der leichten Vollkost

Die leichte Vollkost (früher Schonkost oder gastroenterologische Basisdiät genannt) ist eine Kostform, mit der sich kein direkter therapeutischer Effekt erzielen lässt. Sie soll aber zur Entlastung einzelner Verdauungsorgane oder des gesamten Stoffwechselgeschehens beitragen.

Sinn und Zweck dieser Kostform ist somit die Vermeidung unspezifischer Unverträglichkeiten im Bereich des Verdauungstraktes und somit Ausschalten möglicher Beschwerden wie Durchfall, Völlegefühl, Schmerzen, Druck, Übelkeit, die bei Erkrankungen im Verdauungsbereich auftreten können.

Die leichte Vollkost unterscheidet sich von der "normalen" Vollkost durch Weglassen von Lebensmitteln, Getränken und Speisen, die erfahrungsgemäß bei den verschiedenen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes oft Unverträglichkeiten auslösen.

Die leichte Vollkost ist eine vollwertige, ausgewogene Ernährungsweise, die den Körper mit allen notwendigen Stoffen in ausreichendem Maße versorgt.

Generell gilt: Alles was vertragen wird, ist erlaubt!

Wann wird eine leichte Vollkost empfohlen?

Bei folgenden Erkrankungen wird eine leichte Vollkost verordnet:

  • unspezifische Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Speisen, Lebensmitteln und Getränken

  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) - in Remissionsphasen

  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre

  • unkomplizierte Leber- und Gallenerkrankungen (Anfangsstadium einer Zirrhose oder Hepatitis)

  • Chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) - solange noch keine Störung der Fettverdauung vorliegt

  • letzte Stufe des Kostaufbaus nach einer Nahrungskarenz

  • Reizdarm

Die leichte Vollkost in der Praxis

Für die leichte Vollkost liegen die allgemeinen Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie die Empfehlungen für eine vollwertige Ernährung zugrunde.

Auch die empfohlene Nährstoffrelation (der prozentuale Anteil der Nährstoffe Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate) ist mit der der vollwertigen Ernährung identisch.

Sie beträgt:

50-55%> Kohlenhydrate 30 % Fett und 15-20% Eiweiß

Nähere Informationen zur vollwertigen, gesunden Ernährung finden Sie im Kapitel vollwertige Ernährung!

Lebensmittelauswahl

Die nachfolgende Tabelle zeigt Ihnen Empfehlungen der Lebensmittelauswahl bei der leichten Vollkost. Sie bietet eine Richtlinie für die Zusammenstellung einer leicht bekömmlichen Kost, ist jedoch nicht immer allgemeingültig.

Bitte beachten Sie, dass Unverträglichkeiten individuell sehr unterschiedlich sind und fragen Sie bei Unklarheiten Ihre(n) Arzt/Ärztin oder Ihre(n) Ernährungsberater(in)!

Geeignete und weniger bzw. ungeeignete Lebensmittel im Rahmen einer leichten Vollkost:

Lebensmittelgruppen

Geeignete Lebensmittel

Lebensmittel, die im allgemeinen schlecht vertragen werden

Milch und Milchprodukte

fettarme Milch (1,5%), fettarme gesäuerte Milchprodukte (Joghurt, Dickmilch, Sauermilch), milde Käsesorten bis 45% Fett i. Tr. (z.B. Frisch-, Weich-, Schmelz-, Schnittkäse); keine Schimmelkäse!

Vollmilch und vollfette, auch gesäuerte, Milchprodukte, Sahne, Rahm, Sauerrahm über 20% Fett, würzige und fetthaltige Käsesorten (über 45%)., Schimmelkäse Bsp.: Gorgonzola, Roquefort, Bergkäse, überreifer Camembert

Fleisch

mageres Rind-, Kalb-, Geflügelfleisch (Filet, Schnitzel), Hammelfilet, mageres Ziegenfleisch, Kaninchen, Wild und Wildgeflügel, Grillhähnchen, Taube; Wichtig: fettarm zubereitet (gekocht, gegrillt, in Folie gegart, im Römertopf, geschmort)

fettes, geräuchertes, gepökeltes, scharf angebratenes Fleisch, mit Speck gespickte Fleischteile, fettes Fleisch u.a. Ente, Gans, Geflügelhaut

Fleischwaren

milde magere Wurstsorten z.B. Bierschinken, gekochter Schinken ohne Fettrand, deutsches Corned Beef, Geflügelwurst, kalter Braten

fette und geräucherte Wurstwaren

Suppen und Soßen

fettarme Bouillon, Suppen und Soßen

fette Suppen und Soßen

Fisch und Fischwaren

magere Süß- und Salzwasserfische, fettarm zubereitet, Schalen- und Krustentiere

fette Fischsorten wie Aal, Hering, Lachs, geräucherte Fische, eingelegte und/oder konservierte Fische oder Fischwaren

Eier

weichgekochte Eier, fettarme Eierspeisen

hartgekochte Eier, fettreiche süße oder pikante Eierspeisen, Mayonnaise

Fette und Öle

kleine Mengen natürlicher Pflanzenöle, Butter, ungehärtete reine Pflanzenmargarine

größere Mengen Öle, Butter, normale Margarine, Schmalz, Talg

Brot

altbackenes Brot, feine Vollkornbrote

frisches Brot, frische Backwaren, grobe Vollkornbrote

Backwaren

Backwaren aus einfachen Rühr- und Hefeteigen, Kuchen aus Quark-Öl-Teig, Obstkuchen ohne Sahne, Baiser, einfache Kekse

frisches Hefegebäck, fette Backwaren wie z.B. Sahne- u. Cremetorten, Blätterteig, Fettgebackenes

Getreideprodukte

Reis, Nudeln, Grieß, Mehle, Stärkemehle, Getreideflocken

keinerlei Einschränkungen

Kartoffeln

fettlos bzw. fettarm zubereitet, Pell-, Salzkartoffeln, Kartoffelpüree, Klöße

alle gebratenen u. in Fett ausgebackenen Kartoffelgerichte, z.B. Pommes frites, Bratkartoffeln, Kroketten, Kartoffelsalat mit Speck, Mayonnaise o. viel Öl

Gemüse

leichtverträgliche Gemüsesorten wie z.B. Karotten, Fenchel, junge Kohlrabi, Blumenkohl, feine grüne Erbsen und Bohnen, Tomaten, Zucchini, grüner Salat

schwerverdauliche und blähende Sorten wie z.B. Kohlsorten, Lauch, Zwiebeln, Pilze, Paprika, Oliven, Gurken, Rettich, Hülsenfrüchte, Gemüsesalate, die mit Mayonnaise o. fetten Soßen zubereitet wurden

Obst

reife, leichtverträgliche Sorten roh oder gekocht

unreifes Obst, rohes Steinobst, Nüsse, Mandeln, Pistazien, Avocados

Zucker

nur in kleinen Mengen

größere Mengen

Süßigkeiten

Konfitüre, Marmelade, Honig

Schokolade, Pralinen, Nougat, Marzipan, Sahnebonbons etc.

Gewürze

frische und getrocknete Kräuter, milder Essig (z.B. Balsamico), Zitronensaft, mäßig Salz

größere Mengen Pfeffer, Salz, Curry, Paprikapulver, Senf, Meerrettich, Zwiebel- und Knoblauchpulver, scharfe Gewürzmischungen

Getränke

alle Teesorten, milder Kaffee, Getreidekaffee, Mineralwasser ohne Kohlensäure, Gemüsesäfte, verdünnte Obstsäfte

Alkohol in jeder Form, kohlensäurehaltige Getränke z.B. Limonade, Cola, eisgekühlte Getränke

Zubereitungsarten

Kochen, Dünsten, Dämpfen, Garen in Folie, im Tontopf, in der beschichteten Pfanne oder im beschichteten Topf, im Backofen, in der Mikrowelle, Grillen ohne Fett

starkes Anbraten, Rösten, Frittieren, mit Speck und Zwiebeln anbraten

Quelle: mod. nach "Ernährungsmedizin in der Praxis", Hrsg. Kluthe R.

Die leichte Vollkost sollte so zusammengestellt sein, dass sie möglichst keinen Zucker und keine Weißmehlprodukte enthält. Die Kost sollte reich an Ballaststoffen sein, da diese sich günstig auf den Darm und die Verdauung auswirken.

Anfänglich kann es bei einer ballaststoffreichen Ernährung jedoch zu Blähungen und Missempfindungen im Darm- bzw. Bauchbereich kommen, die jedoch in der Regel nach einigen Tagen wieder verschwinden. Deshalb sollte die Menge langsam gesteigert werden.

Nähere Informationen zum Thema Ballaststoffe und ballastsstoffreicher Ernährung finden Sie im Kapitel Verstopfung.

Bitte beachten Sie beim Morbus Crohn:

Bestehen bereits ausgedehnte Stenosierungen (röntgenologisch nachgewiesen), dann sollte die Kost ballaststoffarm sein!

Für die Colitis ulcerosa gilt:

In der akuten Phase empfiehlt sich eine ballaststoffarme Ernährung, während in der symptomfreien bzw. symptomarmen Zeit eine leichte Vollkost mit normalem Ballaststoffgehalt empfohlen wird.

Was ist sonst noch zu beachten?

Neben der Auswahl der Speisen und Getränke sind zusätzlich zur Entlastung des Stoffwechselgeschehens folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Die Nahrungsmenge sollte auf viele kleine Mahlzeiten aufgeteilt werden.

  • Es sollte ausreichend Zeit zum Essen bestehen.

  • Alle Speisen sollten gründlich gekaut werden.

  • Die Speisen sollten weder zu heiß noch zu kalt verzehrt werden.

Morbus Crohn / Colitis ulcerosa - Nährstoffzufuhr

Nährstoffzufuhr

Zu den Beschwerden bzw. Komplikationen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) zählen neben einem Eiweißverlust auch die Mangelversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sowie die daraus resultierenden Mangelerscheinungen wie z.B. Müdigkeit, Leistungsabfall und Blutarmut (Anämie).

Müssen Milch und Milchprodukte aufgrund einer Laktoseintoleranz gemieden werden, so kann es zu einem Mangel an Calcium und bei stärkerer Ausprägung zu einer Osteoporose kommen.

Hierzu finden Sie ausführliche Informationen auf unseren Seiten Laktoseintoleranz und Osteoporose.

Im Folgenden erhalten Sie Empfehlungen, durch welche Lebensmittel Sie einen Mangel vermeiden bzw. ausgleichen können.

Im Zweifelsfall fragen Sie Ihre(n) Arzt/Ärztin oder eine(n) Ernährungsberater (in) um Rat.

Eiweiß

Der Nährstoff Eiweiß ist lebensnotwendig und muss mit der Nahrung in ausreichendem Maße zugeführt werden. Täglich sollten ca.15% der Nahrungsenergiemenge auf Eiweiß entfallen, das sind im Durchschnitt ca. 50 bis 80 g Eiweiß pro Tag.

Eiweiß findet sich überwiegend in mageren tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Milch und Milchprodukten bzw. in pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreide, Getreideprodukten und Hülsenfrüchten.

Besonders bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen muss auf eine ausreichende Zufuhr geachtet werden, da Eiweiß in größeren Mengen über den Darm ausgeschieden wird und ein Eiweißmangel resultieren kann.

Ausführliche Informationen zum Thema Eiweiß finden Sie im Kapitel "allgemeine Infos".

Vitamine

Auch Vitamine sind lebensnotwendig, da sie vielfältige Funktionen im gesamten Stoffwechselgeschehen ausüben. Ein Mangel hat weitreichende Folgen. Bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen besteht häufig eine Mangelversorgung an den Vitaminen:

  • Vitamin A

  • Vitamin B12

  • Vitamin D

  • Folsäure

Die nächste Tabelle informiert Sie über den Bedarf und nennt Lebensmittel, die durch ihren besonders hohen Gehalt zur Bedarfsdeckung bestens geeignet sind.

Nährstoff

empfohlene Zufuhr/Tag

besonders reiche Quellen

Vitamin A

0,8 -1 mg

Karotten, Aprikosen, Hagebutten, Honigmelone, Mango, Papaya, Staudensellerie, Chicoree, Mangold, Feldsalat, Fenchel, Spinat

Vitamin B12

3 µg

Camembert, Rotbarsch, Seelachs, Rindfleisch, Hammelfleisch, Kalbfleisch, Milch, Leber

Folsäure

400 µg

Rinderleber, Weizenkeime, Blumenkohl, Erbsen, Endivien, Spinat, Kichererbsen, Briekäse

Vitamin D

5 µg

Kalbfleisch, Leber, Heilbutt, Rotbarsch, Pilze

Anmerkung: Alle aufgeführten Lebensmittel sind - bei entsprechender Zubereitung - im Rahmen einer leichten Vollkost geeignet!

Mineralstoffe und Spurenelemente

Mineralstoffe und Spurenelemente sind, wie die Vitamine, unentbehrliche Nahrungsbestandteile, die in ausreichender Menge zugeführt werden müssen.

Bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen besteht häufig ein Mangel an:

  • Eisen

  • Zink

  • Kalzium

  • Kalium

  • Magnesium

  • Selen

Durch welche Nahrungsmittel Sie den Bedarf an oben aufgeführten Mineralstoffen und Spurenelementen decken können, zeigt die folgende Tabelle:

Nährstoff

empfohlene Zufuhr/Tag

Besonders reiche Quellen

Calcium

1000 mg

Milch, Milchprodukte, Broccoli, Sesam, Spinat, Bleichsellerie

Magnesium

300 - 350 mg

Getreide, Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Spinat, Zuckermais, grüne Erbsen, Kohlrabi, Bananen, Beerenfrüchte

Kalium

2 g

Hülsenfrüchte, alle Gemüsesorten, die meisten Obstsorten (v.a. Bananen, Melonen), Kartoffeln

Eisen

10 - 15 mg

Fleisch, Getreide, Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Schwarzwurzeln, Süßkartoffeln, Spinat, Zucchini, Heidelbeeren, Himbeeren, Pfifferlinge

Zink

7-10 mg

Camembert, Edamer, Rinderfilet, Rinderkeule, Leber, Brot, Hülsenfrüchte

Selen

20-100 µg

Reis, Mais, Hummer, Weizenkeime, Eiernudeln, Endivien, Kichererbsen, Schweinekotelett, Rinderfilet, Leber, Haferflocken,Steinpilze, Nüsse

Anmerkung: Alle aufgeführten Lebensmittel (Hülsenfrüchte + Nüsse eventuell eingeschränkt) sind bei entsprechender Zubereitung im Rahmen einer leichten Vollkost geeignet!

Morbus Crohn / Colitis ulcerosa - Stress / Entspannung

Das Phänomen Stress

"Stress" - darunter kann sich heute jeder etwas vorstellen. Stress bei der Arbeit, beim Einkaufen, im Verkehr - es gibt wohl keinen Bereich des täglichen Lebens, der von Stress verschont bleibt.

Bis zu einem gewissen Grad ist Stress anregend und Quelle für Vitalität und Erfolgserleben. Wenn dieser Grad jedoch zeitweilig oder gar ständig überschritten wird, wenn die Anforderungen "über den Kopf wachsen", dann ist das für unseren Körper und unsere Psyche ein krankmachender Zustand. Häufig gibt uns der Körper Signale, wenn uns etwas zu viel ist. Diese Warnung äußert sich meist in Funktionsstörungen, z.B. Durchfall oder auch ein Überreagieren des Darms.

Wichtig - wie bereits zuvor bemerkt:

Organische Ursachen für die Symptome müssen ausgeschlossen sein!

Die folgenden Tipps sind kein Ersatz für psychotherapeutische oder ärztliche Hilfe. Die Informationen und Verhaltenstipps sollen Ihnen viel mehr helfen, mit Stressbelastungen im Alltag besser umzugehen.

Probieren Sie einige Tipps aus und entscheiden Sie dann für sich selbst!

Auf die Dosis kommt es an

Das richtige Maß an Anspannung und Stress ist bei jedem Menschen anders. Was für den einen gerade die adäquate Anforderung ist, bedeutet für den anderen bereits Überforderung. Auch die Tagesform spielt eine entscheidende Rolle. Es gibt Tage, da reagieren wir auf Stress eher gelassen, während wir an anderen Tagen bei der gleichen Stressmenge aus dem Gleichgewicht geraten. Der Reizdarm ist in den meisten Fällen eine psychosomatische Erkrankung, die viel mit Überforderung und Stress zu tun hat.

Wodurch kann Stress entstehen

Auch die Stressauslöser (Stressoren) sind von Mensch zu Mensch und auch von Zeit zu Zeit unterschiedlich. Es gibt jedoch Stressoren, die wohl für jeden Menschen eine große Belastung darstellen, wie z.B. Krankheit, Trennungen, Tod, Arbeitslosigkeit, Umzug etc.

Oft sind es jedoch die täglichen, nervenden "Kleinigkeiten", die uns stressen, wie z.B. ständiges Telefonklingeln, Autostaus, Gedränge und Hektik beim Einkauf, Kinder etc. Es gibt viele solcher Stressoren. Wichtig ist, dass Sie wissen, was für Sie stressauslösend ist, um diesen Stress dann in Zukunft besser in den Griff zu bekommen.

Tipp: Fertigen Sie eine Liste mit den Situationen oder Dingen, die Sie in Stress versetzen.

Einen guten Überblick bekommen Sie, wenn Sie die Liste unterteilen nach:

  • sozialen Stressoren (z.B. Konflikte mit dem Partner, Kindern, Kollegen etc.)

  • Leistungsstressoren (Überforderung am Arbeitsplatz, Mangel an Abwechslung, Zeitdruck)

  • physikalische Stressoren (z.B. Verkehrsstau, Lärmbelästigung am Arbeitsplatz, schlechtes Licht, PC-Arbeit etc.)

Stressbewältigung

Ansatzpunkte zur Stressbewältigung liegen zum einen in der Reduzierung von Belastungen und zum anderen im Aufbau an Fertigkeiten, besser mit stressigen Situationen umgehen zu können.

Ein Reihe von Strategien praktizieren die meisten Menschen, um dem Stress zu Leibe zu rücken, z.B. ein Kinobesuch oder ein Spaziergang am Abend.

Hier nun einige Anregungen, Ihren Stress besser in den Griff zu bekommen:

  • Machen Sie eine Bestandsaufnahme dessen, was Sie bereits gegen Stress tun.

  • Finden Sie Möglichkeiten, wie Sie schnell und kurzfristig stressige Situationen mildern, z.B. Aufstehen vom Schreibtisch, Fenster öffnen, tief durchatmen.

  • Erlernen und praktizieren Sie eine Entspannungstechnik, z.B. Autogenes Training.

  • Machen Sie sich mit Zeitmanagement vertraut.

  • Treiben Sie Sport und bewegen Sie sich regelmäßig und ausdauernd an der frischen Luft.

  • Nutzen Sie das Wochenende zum Entspannen, Wandern und Abschalten.

  • Delegieren Sie Tätigkeiten.

  • Setzen Sie Prioritäten, was wirklich wichtig ist.

  • Überprüfen Sie Ihre Ansprüche

Entspannungstherapie

Entspannung kann man lernen

Die Wege zu Entspannung und Erholung sind vielfältig. Besonders hilfreich sind jedoch ganz spezielle Entspannungsübungen. Auch hier gibt es verschiedene Angebote, die Auswahl ist groß.

Nicht jede Entspannungsmethode ist für jeden geeignet. Für den einen ist Autogenes Training die beste Möglichkeit, ins Gleichgewicht zu kommen, während für den anderen Yoga am zweckmäßigsten ist. Probieren Sie doch einfach verschiedene Entspannungsübungen oder -techniken aus!

Krankenkassen, Volkshochschulen und viele andere Institutionen bieten heute die Gelegenheit, die unterschiedlichsten Entspannungstechniken zu erlernen.

Eines haben alle Entspannungsverfahren gemeinsam: Um wirkungsvoll zu sein, sollten sie regelmäßig praktiziert werden!

Die gängigsten Entspannungstechniken werden Ihnen im folgenden vorgestellt.

Autogenes Training

Autogenes Training (AT) ist wohl die bekannteste Art, um zur Ruhe zu kommen. Beim AT handelt es sich um eine konzentrative Selbstentspannung durch Autosuggestion. Die Entspannung erfolgt über eine intensive Vorstellung von Ruhe und Entspannung. AT besteht aus vielen verschiedenen Übungen. Ziel ist im wesentlichen die Regulation des vegetativen Nervensystems, die mit einer schnellen Erholung sowohl im körperlichen als auch im seelischen Bereich verbunden ist.

Progressive Muskelentspannung (PM)

Die Entspannung entsteht durch die systematische, aufeinanderfolgende Anspannung und Entspannung verschiedener Muskelgruppen. Hierdurch gelingt auf Dauer eine bewusstere Körperwahrnehmung. Stresssituationen können früher wahrgenommen werden. Durch ein zeitiges Entgegenwirken bleibt ein Gleichgewicht von Anspannung und Entspannung erhalten.

Yoga

Fernöstliche Entspannungsmethoden wie z.B. Yoga werden mit großem Erfolg seit Jahren auch in westlichen Ländern praktiziert. Yoga besteht aus einer Folge von Körperstellungen bzw. -haltungen, die die gesamte Muskulatur miteinbeziehen. Diese werden bewusst und v.a. langsam ausgeführt. Der Übende konzentriert sich auf seine Bewegungen und versucht gedanklich bei der Sache zu sein. Durch Yoga bleibt der Körper beweglich, und es werden Verspannungen gelöst.

Atemübungen

Die meisten Menschen atmen in Stresssituationen unzureichend und ungleichmäßig. Bei allen Entspannungstechniken spielt daher die Atmung eine große Rolle, denn ruhige, bewusste Atmung wirkt beruhigend auf das zentrale Nervensystem und trägt somit zu Ausgeglichenheit und innerer Ruhe bei.

Eine einfache Atemübung ist, wenn Sie sich auf den Rücken legen, ihre Konzentration auf den Atem lenken und ganz bewusst tief ein- und wieder ausatmen und dem Atem folgen.

Auch im Berufsalltag, z.B. am Schreibtisch, wirkt entspannend, wenn Sie sich kurz Ihrem Atem zuwenden und bewusst tief ein- und ausatmen. Es gibt Atemtherapeuten, bei denen man spezielle Atemtechniken erlernen kann.

Tipp zum Schluss

Als Hobby sind v.a. Tätigkeiten geeignet, die Ihnen Entspannung bieten und die Sie gerne machen. Achten Sie darauf, keinen "Freizeitstress" aufkommen zu lassen!

Morbus Crohn / Colitis ulcerosa - Medikamente bei CED

Indikation

Die bisher durchgeführten klinischen Studien und die praktische Erfahrung zeigen, dass eine medikamentöse, entzündungshemmende Therapie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn insbesondere während des akuten Entzündungsschubes unerlässlich ist.

Daher möchten wir im folgenden auf die derzeit gängigen Prinzipien einer medikamentösen Therapie eingehen. Da die Entscheidung über eine medikamentöse Therapie aber immer individuell getroffen werden muss, sollten Sie die folgenden Hinweise nur als allgemeine Informationen verstehen.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt.

Therapieprinzipien

Die Abfolge von Therapien bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen besteht aus zwei wichtigen Abschnitten:

  • Das Erreichen einer Remission, d.h. ein vollständiges Abklingen der Symptome und das Fehlen aktiver Entzündungszeichen bei der Darmspiegelung

  • Den Erhalt der Remission, d.h. die Vermeidung eines erneuten Entzündungsschubes

Beide Abschnitte erfordern den Einsatz von unterschiedlichen Medikamenten, die im weiteren beschrieben werden.

Corticosteroide

Seit langem ist die verlässliche entzündungshemmende Wirkung von Corticosteroiden bekannt. Cortison hemmt die Vermehrung und Entwicklung von Entzündungszellen im Knochenmark und verhindert deren Einwandern von der Blutbahn in den Darm. Zusätzlich hemmt es direkt die Aktivität aller Arten von Entzündungszellen (weiße Blutkörperchen).

Leider haben die Steroide in therapeutischer Dosierung aber auch viele unerwünschte Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Nebennieren-Schrumpfung, Osteoporose, Diabetes mellitus, grauer und grüner Star, Nervenschädigung, Psychosen, Infektionsneigung und andere. Diese Nebenwirkungen treten besonders unter einer Langzeittherapie auf. Auch künstlich hergestellte (synthetische) Steroide weisen zwar eine verbesserte Wirksamkeit auf, führen aber ebenso zu den genannten Nebenwirkungen. Dies ist der Grund, weswegen Steroide auch bei entzündlichen Darmerkrankungen nur kurzfristig im akuten Schub angewendet werden sollten.

Lokal wirkende Steroide

Um bei weitgehend gleicher Wirksamkeit die Nebenwirkungen weiter zu verringern, wurden in den letzten Jahren die sogenannten "topischen" Corticosteroide, z.B. das Budesonid, entwickelt. "Topisch" bedeutet, dass eine Wirkung vor allem lokal, also am Ort der Entzündung, stattfindet.

Bei oraler Aufnahme des Budesonids wird der Wirkstoff zwar gut resorbiert und zur Leber transportiert, dort wird er aber direkt zu 90% abgebaut, so dass nur noch ein geringer Wirkstoffanteil in den restlichen Körper gelangt. Dies bedeutet, dass deutlich weniger Nebenwirkungen zu erwarten sind als mit herkömmlichen Steroidpräparaten. Allerdings reicht ihre Wirksamkeit bei schweren Formen der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oft nicht aus, so dass hier auf die systemisch wirksamen Präparate zurückgegriffen werden muss.

5-Aminosalicylsäure

Bereits 1942 wurde von der schwedischen Ärztin Nanna Svartz das Sulfasalazin entdeckt, das im Dickdarm in seine aktive Form, die 5-Aminosalicylsäure umgewandelt wird und eine gute entzündungshemmende Wirkung bei akuten Dickdarmentzündung zeigte.

Mittlerweile gibt es neuere Präparate, die reine 5-Aminosalicylsäure enthalten und bei gleicher Wirksamkeit weniger Nebenwirkungen verursachen. Das Medikament steht sowohl in Tablettenform als auch lokal als Zäpfchen, Einlauf oder Schaumpräparat zur Verfügung. Es eignet sich im Gegensatz zu den Steroiden auch gut zur Langzeittherapie im Rahmen einer Rezidivprophylaxe.

Andere Entzündunghemmer

Im beschwerdefreien Intervall sind 5-Aminosalicylsäurepräparate die Mittel der ersten Wahl. Patienten, die nicht ausreichend auf eine Therapie mit 5-Aminosalicylsäurepräparaten ansprechen, können statt dessen auf andere entzündungshemmende Substanzen wie Azathioprin oder 6-Mercaptopurin ausweichen, die aber z.T. erhebliche Nebenwirkungen hervorrufen können. Lassen Sie sich hierbei ausführlich von Ihrem Arzt beraten.

Medikamentöse Therapie der Colitis ulcerosa

Leichte bis mäßig aktive Form

Bei einer leicht bis mäßig aktiven Colitis ulcerosa ist in den meisten Fällen eine Therapie mit 5-Aminosalicylsäure (Mesalazin) ausreichend. Gegebenenfalls können zusätzliche Cortisongaben, die über maximal drei Wochen in absteigender Dosierung verabreicht werden, zu einer schnelleren Besserung der Krankheitssymptome beitragen. Die meisten Patienten sprechen auf diese Kombination schnell an, allerdings können auch Nebenwirkungen durch das Cortison auftreten.

Linksseitige Colitis ulcerosa

Bei der sog. linksseitigen Colitis ulcerosa, bei der nur die letzten 50 cm des Dickdarms betroffen sind, werden bevorzugt 5-Aminosalicylsäure Einläufe und eventuell Corticoid-Einläufe oder -Schaumpräparate verwendet. Mit dieser Applikationsform kann die höchste Wirkstoffkonzentration im betroffenen Darmabschnitt erreicht werden. Es kann aber auch eine Kombination von Einläufen mit Tabletten oder Kapseln erforderlich sein.

Hochaktive Colitis ulcerosa

Die hochaktive Colitis ulcerosa bedeutet immer eine akute Gefahr für den Patienten. Eine Therapie mit Tabletten ist oft nicht ausreichend und Einläufe können aufgrund der häufigen Durchfälle nicht ausreichend lange gehalten werden. In diesen Fällen ist immer eine stationäre Behandlung mit intravenöser Gabe von hohen Corticosteroiddosen erforderlich.

Erhaltungstherapie

Im beschwerdefreien Intervall sind 5-Aminosalicylsäurepräparate die Mittel der ersten Wahl. Corticosteroide sollten als Erhaltungstherapie nicht eingesetzt werden, um irreversible Nebenwirkungen zu vermeiden. Bei Patienten, die nicht ausreichend auf eine Therapie mit 5-Aminosalicylsäurepräparaten ansprechen, können statt dessen andere entzündungshemmende Substanzen wie Azathioprin oder 6-Mercaptopurin zum Einsatz kommen.

Medikamentöse Therapie des Morbus Crohn

Leichte bis mäßig aktive Form

Leichte bis mäßige Schübe des Morbus Crohn werden heute entweder mit 5-Aminosalicylsäurepräparaten oder Corticosteroiden behandelt. Die Dauer der Therapie und die Dosisreduzierung der Steroide wird je nach Ansprechen auf die Medikamente individuell festgelegt. Bewährt haben sich auch die sogenannten topischen Steroide wie das Budesonid, da sie aufgrund ihres schnellen Abbaus in der Leber geringere Nebenwirkungen als die herkömmlichen Cortisonpräparate aufweisen. Zusätzlich werden auch bilanzierte Diäten verabreicht, um die betroffenen Darmabschnitte zu schonen.

Hochaktiver Morbus Crohn

Das hochaktive Entzündungsstadium stellt wie bei der Colitis ulcerosa eine für den Patienten akut bedrohliche Situation dar und muss daher unter stationären Bedingungen mit hochdosierten, intravenös applizierten Corticosteroidgaben behandelt werden.

Erhaltungstherapie

Zur Erhaltung der Beschwerdefreiheit (Remission) bei Morbus Crohn liegen keine einheitlichen Therapieempfehlungen vor. 5-Aminosalicylsäurepräparate scheinen sich nur zu eignen, wenn die Remission bereits durch eine Therapie mit 5-Aminosalicylsäurepräparaten eingeleitet wurde. Ihr Wert ist aber fraglich, wenn die Therapie primär mit Corticosteroiden eingeleitet wurde.

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