Gicht


Ernährungstipps & Patienteninfos & Beratungsmaterialien

Ernährungstipps

Auf diesen Seiten finden Sie die bewährten DEBInet-Ernährungstipps, die wir für Sie in unveränderter Form aus dem alten DEBInet (vor 11/2025) übernommen haben.

Die Ernährungstipps werden ab 12/2025 sukzessive überarbeitet.

Patienteninfos

Ganz neu konzipiert haben wir kurze und prägnante Patienteninfos zur Weitergabe an Betroffene und Interessierte. Der Inhalt kann unten eingesehen werden, zum Ausdruck empfehlen wir das übersichtliche zweiseitige PDF-Format.

Beratungsmaterialien

Dieser Bereich wird nach und nach mit Schulungsunterlagen, LM-Tabellen und anderen Beratungsmaterialien gefüllt, die dann unter den PREMIUM-Anwendern ausgetauscht werden können. Wir freuen uns dabei auf Ihre Anregungen und Ihre Mitwirkung.


Patienteninfos/Ernährungsinfos

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Patienteninfo Gicht (Hyperurikämie)

Krankheitsbild

Definition

Bei Gicht handelt es sich um eine Störung des Purinstoffwechsels, bei der es infolge einer hohen Harnsäurekonzentration im Blut zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen in Gelenken und Geweben kommt. Beträgt der Anteil der Harnsäure im Blut mehr als ca. 6,8-7,0 mg/dl, so spricht man von einer Hyperurikämie („zu viel Harnsäure im Blut“).

Symptome

Ein akuter Gichtanfall führt zu Schwellungen und Hautrötungen an den Gelenken. Häufig sind das Großzehengrundgelenk oder Daumengrundgelenk betroffen. Begleitend können Symptome wie allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber, erhöhter Puls, Kopfschmerzen und Erbrechen auftreten.

Ursachen

Die Erhöhung der Harnsäurekonzentration kann zum einen durch eine vermehrte Bildung von Harnsäure, zum anderen durch eine verminderte Harnsäureausscheidung über die Niere hervorgerufen werden. Während beim Stoffwechselgesunden ein Gleichgewicht zwischen der Harnsäurezufuhr und –ausscheidung besteht, ist dieses beim Gichtkranken gestört. Somit kommt es zu einer Vergrößerung des sogenannten Harnsäurepools (siehe Grafik unten).

Diagnose

Die Diagnose der Gicht erfolgt durch eine Kombination aus Anamnese (Schmerzen, frühere Anfälle, mögliche Auslöser), körperlicher Untersuchung (Lokalisation, Rötung, Schwellung, Überwärmung) und der Bestimmung der Harnsäurekonzentration im Serum. Erhöhte Harnsäurewerte führen nicht zwangsläufig zur Gicht, erhöhen jedoch mit steigender Konzentration das Risiko eines Gichtanfalls. Ergänzend zur Diagnostik können bildgebende Verfahren wie die Gelenksonografie eingesetzt werden.

Therapie

Basis der Langzeittherapie von Hyperurikämie und Gicht ist die Lebensstiländerung, insbesondere eine Ernährungsumstellung, um eine dauerhafte Senkung der Harnsäurewerte im Blut zu erzielen (< 6,0 mg/dl für Frauen und Männer). Der Einsatz von Medikamenten sollte nur als Therapieergänzung, z.B. bei gleichzeitigem Auftreten von Komplikationen wie Nierensteinen, erfolgen und kritisch geprüft werden. Es stehen zwei Arten von Medikamenten zur Verfügung, die entweder die Bildung von Harnsäure hemmen (Urikostatika) oder die Harnsäureausscheidung über die Nieren fördern (Urikosurika).


Bild Harnsäurepool

Ernährungstherapie


Basis: purinarme Kost - ausgewogen und vollwertig

Mit der Nahrung aufgenommene Purine werden im Körper zu Harnsäure umgewandelt, weshalb sowohl von einer purinarmen Kost als auch von einer Harnsäure-reduzierten Kost gesprochen wird. Um Gichtanfällen entgegenzuwirken und die Harnsäure im Blut zu senken, sind max. 500 mg Harnsäure / Tag bzw. max. 3000 mg Harnsäure pro Woche empfehlenswert.

  • Fleisch, Wurst oder Fisch maximal einmal täglich 100 - 150 g bzw. max. 300 g pro Woche 100 g Brathähnchen = 174 mg HS, 50 g Kochschinken = 65 mg HS, 150 g Forelle = 300 mg HS
  • auf Innereien wie Leber, Niere oder Herz besser ganz verzichten, 100 g Rinderleber=554 mg HS
  • mehrmals pro Woche ein vegetarisches Gericht wählen, dabei fettreduzierte Milchprodukte und Eier als Eiweißquelle bevorzugen. Sie sind purinfrei bzw. sehr purinarm und eignen sich besonders als Proteinquelle, da Eiweiß die Harnsäureausscheidung über die Niere fördert
  • Auch purinreiche pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte und Rosenkohl sollten reduziert werden, wirken jedoch weniger harnsäuresteigernd als tierische Produkte (100 g Linsen gekocht = 58 mg HS; 100 g Rosenkohl = 54 mg HS).
  • Ein hoher Konsum von Fructose (> 50 g/Tag), Xylit, Sorbit und Haushaltszucker trägt zur vermehrten Bildung von Harnsäure bei. Süßwaren und fructosehaltige Getränke sollten daher nur in Maßen genossen werden, während Obst ohne Einschränkung verzehrt werden kann.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Eine tägliche Flüssigkeitszufuhr von bis zu 3 Liter/Tag fördert die Ausscheidung von Harnsäure über den Urin. Zu empfehlen sind energiefreie und -arme Getränke wie Wasser oder ungesüßter Tee. Die Zugabe von Zitronensaft ins Mineralwasser und Beachtung eines hohen Hydrogencarbonat-Anteils (je mehr, desto besser) kann zur Alkalisierung des Urins und damit besseren Löslichkeit von Harnsäure beitragen.

Alkohol

Häufiger Auslöser von Gichtanfällen ist der übermäßige Konsum von Alkohol. Alkohol hemmt die Harnsäureausscheidung über die Nieren, steigert die Harnsäurebildung in der Leber und setzt die Löslichkeitsgrenze der Harnsäure herab. Zusätzlich sollte der Puringehalt von Bier berücksichtigt werden.
Alkoholhaltiges und alkoholfreies Bier enthalten etwa die gleiche Menge an Purinen. (500 ml Bier = ca. 100 mg Purine). Die Kombination von Alkoholkonsum und fettreicher Ernährung ist besonders ungünstig. Empfohlen werden durchschnittlich ca. 70g Fett pro Tag.

Gewichtsreduktion und Fasten

Bei totalem Fasten („Nulldät“) oder schnellem, starken Gewichtsverlust kommt es zum Abbau von Körperfett und dadurch zur Bildung von Ketonkörpern, die die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere hemmen. Dadurch relativiert sich der positive Effekt der Gewichtsabnahme auf den Harnsäurepool. Bei Übergewicht ist daher auf eine langsame, aber stetige Gewichtsabnahme und eine reichliche Flüsigkeitszufuhr zu achten.

Wo finde ich Unterstützung und weitere Informationen?

Weitere Informationen und professionelle Beratungsangebote

In unserer DEBInet-Rezeptdatenbank finden Sie zahlreiche harnsäurearme Rezepte.
Ausführlichere Informationen zu Krankheitsverlauf und Ernährungstherapie erhalten Sie im Premium- Bereich, bei einer zertifizierten Ernährungsfachkraft oder einem Ernährungsmediziner DAEM/DGEM.

Literatur



Ernährungstipps


  • Krankheitsbild: Definition, Symptome, Häufigkeit, Krankheitsverlauf, Ursachen, Harnsäurepool, Folgeschäden
  • Ernährung: Therapieziele, Purine, Milch und Milchprodukte, Alkohol, Fette, Fasten
  • Medikamente: Indikation, Urikosurika, Urikostatika, Kombinationspräparate
 

Definition

Bei Gicht handelt es sich um eine Störung des Purinstoffwechsels, bei der es infolge hoher Harnsäurekonzentrationen im Blut zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen in Gelenken und Geweben kommt. Beträgt der Anteil der Harnsäure im Blut mehr als 6,5 mg/dl, so spricht man von einer Hyperurikämie (griech.: "zu viel Harnsäure im Blut").

Symptome

Ein akuter Gichtanfall führt zu Schwellungen und Hautrötungen an den Gelenken. In 2/3 aller Fälle ist das Großzehengrundgelenk betroffen. Die Ablagerungen können auch an den Sprunggelenken Schmerzen und Entzündungsymptome verursachen. Diese können sich auf benachbarte Gebiete ausdehnen. Begleitend treten Symptome wie allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber, erhöhter Puls, Kopfschmerzen und Erbrechen auf.

Nach dem ersten akuten Gichtanfall können Wochen bis Jahre vergehen (symptomfreies Intervall), bis weitere Komplikationen auftreten. Zur chronischen Gicht kann es kommen, wenn die Krankheit unbehandelt bleibt. Hier treten die Schmerzattacken in immer kürzeren Zeitintervallen auf. Weiterhin kann es zu den unten beschriebenen Folgeerkrankungen kommen.

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Häufigkeit

Die Gicht zählt zu den typischen Wohlstandserkrankungen. In Zeiten des Notstandes war die Gicht kaum anzutreffen, während die Anzahl der Erkrankungen seit dem 2. Weltkrieg stetig zunimmt. Heute weisen 5% aller Männer erhöhte Harnsäurewerte auf. Frauen sind weitaus weniger betroffen. Ihr Anteil steigt jedoch nach den Wechseljahren, was auf die hormonelle Umstellung zurückzuführen ist.

Krankheitsverlauf

Erhöhte Harnsäurewerte führen nicht zwangsläufig zur Gicht, sie stellen lediglich die biochemische Grundlage dar. Mit der Höhe der Harnsäurekonzentration steigt aber die Wahrscheinlichkeit eines Gichtanfalles. Der Grenzwert liegt bei 6,5 mg/dl Blut, da hier die Löslichkeitsgrenze der Harnsäure erreicht ist, d.h. bei Werten über 6,5 mg/dl kann es zu Harnsäureausfällungen in Form von Kristallen (Natriumurat) im Gewebe oder in Gelenken kommen. Dies führt zu den typischen Symptomen eines Gichtanfalles.

Ursachen

Die Ursachen erhöhter Harnsäurewerte sind abhängig vom jeweiligen Krankheitsbild der Hyperurikämie. Bei den primären Hyperurikämien handelt es sich um angeborene Stoffwechselerkrankungen, während sekundäre Formen als Folge anderer Krankheiten auftreten.

Primäre Hyperurikämie

  • Störung der Harnsäureausscheidung (bei 99%)

  • vermehrte körpereigene Harnsäurebildung aufgrund von Enzymdefekten (bei 1%)

Sekundäre Hyperurikämie

  • vermehrter Harnsäureanfall durch erhöhten Zellaufbau und Zellabbau (z.B. bei Blutkrankheiten)

  • verminderte Harnsäureausscheidung (z.B. bei Nierenschäden)

  • vermehrte Harnsäurebildung bei gleichzeitig verminderter Harnsäureausscheidung (z.B. bei Glykogenspeicherkrankheit Typ I)

Harnsäurepool

Die Erhöhung der Harnsäurekonzentration kann zum einen durch eine vermehrte Bildung von Harnsäure, zum anderen durch eine verminderte Harnsäureausscheidung über die Niere hervorgerufen werden. Während beim Stoffwechselgesunden ein Gleichgewicht zwischen Harnsäurezufuhr und -ausscheidung besteht, ist dieses beim Gichtkranken gestört. Somit kommt es zu einer Vergrößerung des sogenannten Harnsäurepools (siehe Abbildung).

 

Folgeschäden

Im Stadium der chronischen Gicht kann es zu einer Vielzahl an Folgeerkrankungen kommen. Charakteristisch ist das Auftreten sogenannter Gichtknoten (Tophi), die Knochen und innere Organe betreffen können. Weiterhin kann es zur Ausbildung einer Gichtniere (Uratnephropathie) und Nierensteinen (Nephrolithiasis) kommen.

Gicht - Ernährungstherapie

Ziel der diätetischen Behandlung ist eine dauerhafte Senkung des Harnsäurebestandes auf etwa 5,5 mg/dl. Wenn bei Harnsäurewerten zwischen 8,5 und 9 mg/dl keine akuten Probleme auftreten, reichen diätetische Maßnahmen meist aus. Bei Konzentrationen über 9 mg/dl bzw. bei gleichzeitigem Auftreten von Komplikationen (Gichtanfälle, Nierensteine) ist eine zusätzliche medikamentöse Behandlung erforderlich.

Purine

Nahrungspurine werden im menschlichen Körper zu Harnsäure abgebaut. Deshalb ist bei entsprechender Veranlagung (Hyperurikämie) die Zufuhr von Harnsäure auf etwa 500 mg pro Tag zu reduzieren. Um diesen Wert nicht zu überschreiten, sollten höchstens einmal am Tag 150g Fleisch, Fisch oder Wurst verzehrt werden. Innereien enthalten den höchsten Harnsäuregehalt. Sie sind deshalb ganz zu meiden. Aber auch der Verzehr von harnsäurereichen pflanzlichen Nahrungsmitteln wie z.B. von Hülsenfrüchten, Kohl und Rosenkohl sollte eingeschränkt werden. So wie der Genuß von fructosehaltigen Getränken, da der Abbau von Fructose auch zur vermehrten Bildung von Harnsäure beiträgt. Den Harnsäuregehalt zahlreicher Lebensmittel aus dem Bundeslebensmittelschlüssel finden Sie in der folgenden Liste:

Liste mit dem Harnsäuregehalt als pdf

(Quelle: PRODI 6, www.nutri-science.de)

Tipp

In unserer Rubrik "Lebensmittel" finden Sie den Harnsäure- bzw. Puringehalt zahlreicher Lebensmittel. Am besten schränken Sie bei der Suche die Datenquelle auf Lebensmittel aus dem Bundeslebensmittelschlüssel ein. Zudem gibt es in der DEBInet-Rezeptdatenbank harnsäurearme Rezepte.

Milch und Milchprodukte

Da ein hoher Eiweißgehalt von Lebensmittel meist auch mit einem hohen Puringehalt verbunden ist, sollte mit proteinreichen Lebensmitteln sparsam umgegangen werden.

Milch und Milchprodukte sowie Eier sind purinfrei bzw. sehr purinarm. Sie eignen sich besonders als Proteinquelle, da reines Eiweiß die Harnsäureausscheidung über die Niere fördert.

Alkohol

Häufiger Auslöser von Gichtanfällen ist der übermäßige Konsum von Alkohol. Der Harnsäurestoffwechsel wird dabei auf mehreren Wegen beeinflusst. Zum einen wird die Bildung von Milchsäure begünstigt, was zu einer Übersäuerung des Blutes (Hyperlaktazidämie) führt. Dies setzt die Löslichkeitsgrenze der Harnsäure herab, was die Auskristallisation von Natriumurat fördert.

Zum anderen hemmt Alkohol die Harnsäureausscheidung über die Niere und stimuliert durch den verstärkten Abbau sogenannter Adeninnukleotide in der Leber die endogene (körpereigene) Harnsäuresynthese.

Zu berücksichtigen ist ebenfalls der Puringehalt des Bieres. Ein halber Liter Bier enthält immerhin 170 mg Harnsäureäquivalent. Dadurch und durch die negativen Wirkungen des Alkohols erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines Gichtanfalles. Die Kombination von Alkoholkonsum und fettreicher Nahrung ist besonders ungünstig.

Fette

Eine hohe Fettzufuhr begünstigt die Entstehung sogenannter Ketonkörper, die die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere hemmen. Die tägliche Aufnahme sollte 70g Fett nicht übersteigen. Das entspricht etwa 30% der Gesamtenergiezufuhr.

Die Art des Fettes ist in diesem Fall nicht von Bedeutung. Im Rahmen einer gesunden Ernährung empfiehlt es sich jedoch, den Anteil tierischer Fette zugunsten von pflanzlichen Ölen zu reduzieren.

Fasten

Beim totalen Fasten ("Nulldiät") kommt es zu einem starken Verlust von Körpersubstanz. Hierbei werden durch den Abbau von Körperfett ebenfalls Ketonkörper gebildet, die die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere hemmen. Dadurch relativiert sich der positive Effekt der Gewichtsabnahme auf den Harnsäurepool in der Phase der initialten starken Gewichtsreduktion. Daher sollte eine langsame, aber stetige Gewichtsreduktion bevorzugt werden. Hierfür empfiehlt sich eine langfristige Ernährungsumstellung mit der damit verbundenen geringeren Fettzufuhr. Tipps zum Abnehmen finden Sie auf den Übergewichtsseiten.

Zusammenfassung

  1. Harnsäure-reduzierende Kost (<500mg Harnsäure/Tag)

    • maximal einmal am Tag 150g Fleisch, Fisch oder Wurst (am Anfang ist es sinnvoll, die Portionen abzuwiegen, da man dazu neigt, die Portionsgröße zu unterschätzen!)

    • auf Innereien verzichten

    • purinreiche pflanzliche Lebensmittel wie z.B. Hülsenfrüchte, Kohl, Rosenkohl, Linsen, Erbsen, weiße Bohnen etc. meiden

  2. Milch und Milchprodukte und Eier als bevorzugte Eiweißquelle

  3. Alkoholkonsum einschränken (max. 1 Glas eines alkoholischen Getränkes pro Tag)

  4. Normalisierung des Körpergewichtes

  5. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mind.2l)

Die beste Vorbeugung gegen Hyperurikämie und Gicht ist das Vermeiden von Exzessen, üppigen Feierlichkeiten und extremen Fastenkuren.

Quelle: Das Rationalisierungsschema 2004 des Bundesverbandes Deutscher Ernährungsmediziner

Gicht - Medikamente

Die hier angegebenen Dosierungen dienen lediglich der Orientierung. Sie sollten in jedem Fall mit dem Hausarzt oder Apotheker besprochen werden!

Eine medikamentöse Behandlung ist dann notwendig, wenn die Diätvorschriften nicht eingehalten werden, die Harnsäurekonzentration über 9 mg/dl liegt oder bereits klinische Komplikationen wie Gichtanfälle, Nierensteine etc. vorliegen. Um den Harnsäurepool des Körpers zu verringern, stehen zwei Arten von Medikamenten zur Verfügung.

Urikosurika

Unter diesem Begriff versteht man Medikamente, die die Harnsäureausscheidung fördern. Es gibt zwei verschiedene Wirkstoffe: das Probenecid und das häufiger eingesetzte Benzbromaron. Beide hemmen die Rückresorption der Harnsäure in der Niere und vermindern so deren Konzentration im Blut. Die Neubildung von Gichtknoten (Tophi) wird verhindert, es kann sogar zu einem teilweisen Abbau kommen.

Dosierung: Von Probenecid werden in der ersten Woche 500 mg gegeben, anschließend 1000 mg am Tag, bei Benzbromaron erhöht man von 50 mg auf 100 mg täglich.

Nebenwirkungen: Es können unter Umständen Magen-Darm-Beschwerden auftreten, ferner wurden allergische Hautreaktionen beobachtet.

Urikostatika

Hierbei handelt es sich um Medikamente, die die Harnsäuresynthese hemmen. Das einzige Urikostatikum ist derzeit Allopurinol. Es hemmt ein Enzym (Xanthinoxidase) des Purinstoffwechsels, das die Bildung von Harnsäure katalysiert. Dadurch werden bestimmte Stoffwechselprodukte, die als Vorstufe bei der Bildung der Harnsäure beteiligt sind (Hypoxanthin, Xanthin), vermehrt mit dem Urin ausgeschieden, was zu einer Senkung des Harnsäurebestandes führt.

Dosierung: täglich etwa 150-300 mg

Nebenwirkungen: Als Nebenwirkungen werden Magen-Darm-Beschwerden sowie allergische Hautreaktionen beobachtet. In der Schwangerschaft sowie während des Stillens sollte Allopurinol nicht verschrieben werden.

Kombinationspräparate

Die Kombination von Benzbromaron und Allopurinol bietet keinen Vorteil, da Benzbromaron die Ausscheidung von Allopurinol (bzw. Oxipurinol) beschleunigt.

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