Ernährungstipps & Patienteninfos & Beratungsmaterialien
Ernährungstipps
Auf diesen Seiten finden Sie die bewährten DEBInet-Ernährungstipps, die wir für Sie in unveränderter Form aus dem alten DEBInet (vor 11/2025) übernommen haben.Die Ernährungstipps werden ab 12/2025 sukzessive überarbeitet.
Patienteninfos
Ganz neu konzipiert haben wir kurze und prägnante Patienteninfos zur Weitergabe an Betroffene und Interessierte. Der Inhalt kann unten eingesehen werden, zum Ausdruck empfehlen wir das übersichtliche zweiseitige PDF-Format.Beratungsmaterialien
Dieser Bereich wird nach und nach mit Schulungsunterlagen, LM-Tabellen und anderen Beratungsmaterialien gefüllt, die dann unter den PREMIUM-Anwendern ausgetauscht werden können. Wir freuen uns dabei auf Ihre Anregungen und Ihre Mitwirkung.Patienteninfos/Ernährungsinfos
Stillen und Beikost (Ernährung im ersten Lebensjahr)
Stillen
Muttermilch ist in den ersten Lebensmonaten die beste Ernährung für das Baby. Sie ist in ihrer Zusammensetzung genau an die Bedürfnisse des Säuglings angepasst, gut verträglich, hygienisch einwandfrei und immer in der richtigen Temperatur verfügbar. Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung der stillenden Mutter unterstützt dabei, den erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf zu decken und eine optimale Zusammensetzung der Muttermilch zu fördern.
In den ersten Tagen nach der Geburt
Ein guter Stillstart wird durch frühen Hautkontakt unterstützt. Direkt nach der Geburt kann das Baby auf den Bauch gelegt werden, damit es in Ruhe die Brust finden kann. Das erste Saugen an der Brust erfolgt idealerweise innerhalb der ersten 1-2 Stunden nach der Geburt. In den ersten Tagen bildet der Körper zunächst das sogenannte Kolostrum, eine besonders wertvolle Vormilch. Nach etwa 2 bis 5 Tagen kommt es bei den meisten Frauen zum Milcheinschuss und die Milchmenge nimmt deutlich zu.
Stillen im Alltag nach Bedarf
Stillen nach Bedarf bedeutet, dass Häufigkeit und Dauer sich an den Signalen des Babys orientieren und nicht an festen Uhrzeiten. Es ist normal, dass Babys an manchen Tagen häufiger und an anderen seltener trinken. Das Achten auf Hunger- und Sättigungssignale unterstützt ein gesundes Essverhalten. Das Baby lernt, auf das eigene Sättigungsgefühl zu vertrauen.
- Hungersignale: Das Baby sucht die Brust, dreht den Kopf hin und her, schmatzt oder macht Saugbewegungen, führt Hände zum Mund und wird unruhiger. Schreien ist oft ein spätes Zeichen.
- Sättigungssignale: Das Baby trinkt langsamer, macht Pausen oder hört von selbst auf, lässt die Brust los, wendet den Kopf ab und wirkt anschließend entspannt und zufrieden.
Wenn das Baby zunimmt, mehrmals täglich nasse Windeln hat und insgesamt wach, zufrieden und gesund wirkt, ist meist alles in Ordnung.
Alternativen zum Stillen: Säuglingsmilchnahrung
Säuglingsmilchnahrung eine geeignete Alternative. Säuglingsanfangsnahrungen mit „Pre“ oder „1“ sind von Geburt an geeignet und können auch während des gesamten ersten Lebensjahres gegeben werden. Ein Wechsel auf Folgenahrung ist im ersten Lebensjahr nicht zwingend notwendig. Wichtig ist eine hygienische Zubereitung:
- Säuglingsmilchnahrung immer frisch zubereiten, Reste wegschütten (nicht aufbewahren/aufwärmen).
- Für die Zubereitung kaltes Leitungswasser verwenden und es kurz laufen lassen.
- Nur lauwarm anrühren (ca. 40 °C), damit es nicht zu Verbrühungen kommt.
Beikost
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Beikost?
Die Einführung von Beikost sollte frühestens ab Beginn des fünften Lebensmonats und spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats erfolgen. Neben dem Alter ist vor allem wichtig, ob das Baby bereit ist und die nötigen Reifezeichen zeigt. Beikost ist in der Regel gut möglich, wenn das Baby
- den Kopf selbstständig gut halten kann und mit Unterstützung aufrecht sitzt,
- neugierig beim Essen zuschaut, nach Essen greift, Kaubewegungen „nachmacht“,
- den Mund öffnet und Essen nicht mehr automatisch mit der Zunge herausdrückt sowie
- sich Dinge selbst in den Mund steckt.
Zu Beginn der Beikost bleibt Muttermilch oder eine Muttermilchersatznahrung weiterhin die Hauptnahrungsquelle. Wichtige Grundprinzipien für den Beikoststart sind eine liebevolle, entspannte Atmosphäre, Blickkontakt, kein Drängen, Vielfalt anbieten und auch Ablehnung zunächst zu akzeptieren.
Breiplan im ersten Lebensjahr
Die Breifütterung ist die häufigste Methode, um Beikost einzuführen. Sie ermöglicht einen strukturierten Übergang von Milchnahrung zu fester Nahrung, indem pürierte Lebensmittel Schritt für Schritt in den Alltag integriert werden. Häufig wird dabei ein „Breifahrplan“ genutzt. Zuerst wird mit einem Gemüse- Kartoffel-Fleisch-Brei begonnen. Etwa einen Monat nach Einführung des ersten Breis können schrittweise ein Milch-Getreide-Brei und anschließend ein Getreide-Obst-Brei folgen.
- Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei: Zunächst wird Gemüse als Hauptbestandteil eingeführt und anschließend mit Kartoffeln ergänzt. Später können Kartoffeln auch durch Nudeln, Reis usw. ersetzt werden. Wichtig ist es, egal ob selbst gekocht oder gekauft, auf die Zugabe eines hochwertigen Öls (z.B. Rapsöl) zu achten. Fisch sollte 1-2x/Woche angeboten werden, da er hochwertiges Eiweiß, Jod und Omega-3-Fettsäuren liefert. Geeignet sind sowohl magere Sorten wie Kabeljau oder fettreiche Sorten wie Lachs und Makrele. Bei einer vegetarischen Variante ohne Fleisch oder Fisch sollte möglichst ein eisenreiches Vollkorngetreide wie Hirse oder Hafer eingesetzt werden.
- Milch-Getreide-Brei: Dieser Brei besteht aus Vollmilch (Fettgehalt 3,5-3,8% Fett.i.Tr.), Getreide und Obst. Er kann sowohl morgens als auch abends gegeben werden. Vollmilch liefert unter anderem Calcium, Eiweiß, Jod und fettlösliche Vitamine. Bis zum ersten Lebensjahr solltennicht mehr als 200 ml Vollmilch pro Tag gegeben werden. Beim Getreide ist Vollkorn grundsätzlich empfehlenswert. Zu Beginn sind Instantflocken oder Grieß oft gut bekömmlich.
- Getreide-Obst-Brei: Dieser Brei eignet sich besonders als Vor- oder Nachmittagsbrei und wird ohne Milchprodukte zubereitet.
Wenn nicht selbst gekocht wird: Beim Kauf ist eine kurze Zutatenliste sinnvoll, am besten orientiert am Grundrezept des Selbstkochens. Nicht empfehlenswert sind Breie mit zugesetztem Zucker, Schokolade oder Aromen (z.B. Vanillin). Falls noch kein Fett enthalten ist (Orientierung: mind. 5g Fett/Glas), kann der Brei durch die Zugabe eines hochwertigen Öls aufgewertet werden.
Getränke: Am besten Wasser trinken
meist nicht nötig. Spätestens nach Einführung des dritten Breis wird empfohlen, zusätzlich Wasser anzubieten (ca. 200 ml täglich). Am besten eignet sich reines Wasser (Leitungswasser) als Durstlöscher. Ab und zu kann auch ungesüßter Tee getrunken werden. Süße Getränke, z.B. mit Zucker oder Honig, und süße Säfte sowie Saftschorlen sind nicht zu empfehlen. Idealerweise wird das Wasser von Beginn an aus Becher oder Tasse angeboten. Eine Flasche zum Einschlafen und dauerhaftes Nuckeln erhöhen das Kariesrisiko.
Baby-led Weaning
Beim Baby-led Weaning bekommt das Baby ab Beikostbeginn weiche, gut greifbare Lebensmittelstücke und isst weitgehend selbstständig. Da die verzehrte Menge an festen Lebensmitteln allein zur Sättigung und Versorgung lebensnotwendiger Nährstoffe nicht ausreicht, wird Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung weiterhin als Hauptnahrungsquelle bis mindestens zum 10. Monat empfohlen.
Gut zu wissen
- Beikoststart bedeutet nicht automatisch Abstillen. Muttermilch/Säuglingsmilch bleibt in der Beikostzeit wichtig. Wie lange insgesamt gestillt wird, bestimmen Mutter und Kind.
- In den ersten neun Monaten sollte möglichst komplett auf Salz verzichtet werden, um den Wasserhaushalt der Babys nicht zu belasten und den sensiblen Geschmackssinn zu fördern.
- Bei erhöhtem Allergierisiko gelten grundsätzlich dieselben Empfehlungen. Für „HA-Nahrung“ bzw. hydrolysierte Nahrung ist ein allergievorbeugender Nutzen nicht gesichert.
- Im 1. Lebensjahr werden in Deutschland in der Regel eine Supplementierung von Vitamin D sowie eine Fluoridgabe (abhängig u.a. vom Zahndurchbruch und Fluoridgehalt des Wassers) empfohlen. Zusätzlich soll in den ersten Lebenswochen Vitamin K (im Rahmen von U1-U3) verabreicht werden.Lassen Sie sich dazu beim Kinderarzt beraten.
Wo finde ich Unterstützung und weitere Informationen?
Weitere Informationen und professionelle Beratungsangebote
In unserer DEBInet-Rezeptdatenbank finden Sie zahlreiche gesunde und ausgewogene Rezepte.
Ausführlichere Informationen zu Ernährung in der Stillzeit und Beikost erhalten Sie im Premium-
Bereich, bei einer zertifizierten Ernährungsfachkraft oder einem Ernährungsmediziner DAEM/DGEM.
Literatur
- DEBInet – Deutsches Ernährungsberatungs- & -informationsnetz: Ernährung in besonderen Lebenssituationen I Kinderernährung/Stillen
- Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen – Teilaktualisierte Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben (2024). https://doi.org/10.1007/s00112-024-02014-7
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) (2020): DGE Beratungsstandards. 1. Auflage 2020
Ernährungstipps
Stillen des Säuglings
Milchproduktion
Einfluss der Hormone
Die Voraussetzungen für die Milchproduktion werden bereits während der Schwangerschaft geschaffen. Die Drüsenläppchen des Brustgewebes vergrößern sich unter dem Einfluss der Hormone Progesteron ("Gelbkörperhormon") und Prolaktin ("Milchbildungshormon"). Insbesondere das Milchbildungshormon spielt für das Stillen eine wichtige Rolle. Vom Moment der Geburt an wird die Milchproduktion ganz entscheidend durch das Saugen des Kindes geregelt. Je größer der Saugreiz an der Brust, desto mehr Prolaktin wird gebildet und desto größer ist die Milchproduktion.
Für den Vorgang des Stillens ist dann noch ein weiteres Hormon erforderlich, nämlich das Oxytocin. Dieses führt dazu, dass die Milch von den Brustdrüsen-Läppchen in die Ausführungsgänge gepresst wird. Aus ihnen wird sie beim Saugen aufgenommen.
Es gibt jedoch auch Einflüsse, die den Stillvorgang negativ beeinflussen: Verärgerung, Unsicherheit, mangelndes Selbstvertrauen, aber auch Stress hemmen die Oxytocinwirkung auf die Brustdrüse.
Milchmenge
Häufig dauert es ein bis fünf Tage, bis die Milchproduktion in Schwung kommt. Zunächst werden nur geringe Mengen produziert (10 ml / Mahlzeit). Am zweiten bis fünften Tag erfolgt dann der Milcheinschuss und die Produktion steigt auf etwa 40 ml / Mahlzeit an. Am Ende der Stillzeit ergibt sich eine durchschnittliche Milchmenge von 750 ml pro Tag. Die Milchmenge lässt sich durch folgende Formel errechnen:
Milchmenge in ml = (Lebenstage - 1) x Anzahl der Mahlzeiten x 10
Die Zusammensetzung der Frauenmilch ändert sich im Laufe der Zeit und ist so an die jeweiligen Bedürfnisse des Säuglings angepasst.
[premium]Kolostrum
Unter "Kolostrum" versteht man die eiweißreiche Milch, die in den ersten Tagen produziert wird. Sie ist außerdem reich an sogenannten Immunglobulinen. Das sind körpereigene Proteine, die die Kinder widerstandsfähiger gegenüber Infektionskrankheiten machen.
Transitorische Milch (Übergangsmilch)
Die Übergangsmilch wird zwischen dem sechsten und zehnten Tag nach der Geburt gebildet. Sie enthält weniger Eiweiß, dafür mehr Kohlenhydrate und Fett.
Reife Milch
Die reife Milch ist besonders reich an essentiellen Fettsäuren (Linolsäure). Sie enthält weniger Eiweiß, jedoch mehr Fett im Vergleich zur Kuhmilch.
Rückstände
Gegner des Stillens argumentieren häufig, dass der Schadstoffgehalt der Muttermilch negative Konsequenzen für das Heranwachsende habe. Im Folgenden wird darauf eingegangen, um welche Schadstoffe es sich handelt und inwiefern daraus eine Gefahr für den Säugling resultiert.
Die wichtigsten Vertreter
Zu den Schadstoffen, die in der Muttermilch enthalten sein können, zählen vor allem chlorierte Kohlenwasserstoffe wie
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DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan),
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HCH (Hexachlorcyclohexan),
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HCB (Hexachlorbenzol) und
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PCB (polychlorierte Biphenyle).
Anreicherung im Fettgewebe
Gut fettlösliche Substanzen, wie chlorierte Kohlenwasserstoffe, reichern sich meist im Fettgewebe zu einem gewissen Anteil an. Stillende scheiden einen kleinen Teil dieser Substanzen über die Muttermilch aus, bei verstärktem Fettabbau auch größere Mengen. Aus diesem Grund wird stillenden Müttern empfohlen, möglichst wenig Gewicht in der Stillzeit abzunehmen, damit die im Fettgewebe gespeicherten Schadstoffe nicht in größeren Mengen in die Muttermilch übertreten können.
Schadstoffgehalt gesunken
Trotz der Schadstoffe in der Muttermilch wird angenommen, dass die Vorteile des Stillens, insbesondere im ersten Lebenshalbjahr, ein mögliches Risiko durch derartige Rückstände aufwiegen. Dafür spricht auch, dass die Schadstoffkonzentration seit Mitte der 80er Jahre stetig gesunken ist.
Sollte eine Frau im Laufe ihres Lebens besonderen Belastungen ausgesetzt gewesen sein - etwa durch häufige Arbeit mit Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln auf einem Bauernhof - kann über das zuständige Gesundheitsamt eine Milchprobe auf Schadstoffe analysiert werden. Je nach Höhe der gemessenen Rückstände ist es dann sinnvoll, die Stillzeit zu begrenzen. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie bei Ihrem Gesundheitsamt.
Diese Lebensmittel sollten Sie meiden
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Leber, Niere, Wild, v. a. von älteren Tieren (Anhäufung von Schadstoffen!)
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ungereinigte, pflanzliche Lebensmittel
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langlebige Raubfische wie Thunfische, Haie (Anhäufung von Rückständen in der Nahrungskette)
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übermäßig geräucherte und gegrillte Produkte
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Rohmilch und -produkte
Allergien
In den ersten Lebensmonaten ist die Darmschleimhaut für Eiweiß durchlässiger als im Erwachsenenalter. Da beim Stillen nur arteigenes Protein resorbiert wird, kann es bei der Ernährung mit Muttermilch nicht zu Allergien kommen.
In der Kuhmilch ist ein besonders potentes Allergen (Beta-Lactoglobulin) enthalten, durch das eine Kuhmilcheiweißallergie ausgelöst werden kann. Allergiegefährdete Säuglinge sollten daher möglichst lange, mindestens ein halbes Jahr lang gestillt werden.
Kinderernährung / Stillen - Vor- und Nachteile des Stillens
Vorteile des Stillens
Muttermilch ist durch ihre optimale Zusammensetzung die beste Nahrung für den Säugling (auch bei Frühgeburten). Einige Gründe dafür sind:
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eine hohe Bioverfügbarkeit der Nährstoffe,
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eine minimale Stoffwechselbelastung,
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eine gute Verdaulichkeit,
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keine Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. -allergien wie bei körperfremden Proteinen,
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Schutz vor Infektionen des Magen-Darm-Traktes (durch Antikörper),
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Schutz vor Überernährung (gestillte Kinder leiden weniger häufig an Übergewicht),
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bessere Entwicklung des Unterkiefers,
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Anregung der Uterusmuskulatur durch Oxytocin führt zu einer schnelleren Rückbildung der Gebärmutter,
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Arbeits- und Zeitersparnis,
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Muttermilch hat immer die richtige Temperatur,
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eine bessere Hygiene.
Nachteile des Stillens
Neben den zahlreichen Vorteilen, vor allem für das Kind, aber auch die Mutter, bringt das Stillen auch einige Nachteile mit sich, die überwiegend auf Einschränkungen der Mutter zurückzuführen sind. Dazu zählen:
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ständige Verfügbarkeit der Mutter (auch nachts),
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während der Stillzeit: kein Nikotin, kein Alkohol (geht zu ca. 5 % in die Milch über), wenig Koffein,
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Mutter muss auf eine bedarfsgerechte Ernährung achten, um die Nährstoffverluste durch das Stillen auszugleichen,
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Rückstände in der Milch.
Kontraindikationen
Bedingungen, die es notwendig machen, auf das Stillen zu verzichten, können entweder durch die Mutter oder das Kind begründet sein.
Einschränkende Bedingungen der Mutter
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Behandlung mit bestimmten Antibiotika (Ausnahme: Penicilline; Antibiotika grundsätzlich nur nach Absprache mit dem Arzt)
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übertragbare Infektionen wie z. B. AIDS, Hepatitis B und Windpocken
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schwere Brustentzündung (vorübergehend)
Einschränkende Bedingungen des Kindes
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Phenylketonurie des Kindes (Unverträglichkeit gegen den Eiweißbaustein Phenylalanin)*
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Galaktoseintoleranz
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Deformation des Kiefers* (Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte)
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Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 2000 g fehlt in der Regel die Kraft und das Koordinationsvermögen, um an der Brust zu saugen. Dennoch lohnt es sich, einen Stillversuch mit entsprechender fachlicher Anleitung zu unternehmen.
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Missbildungen* im Bereich der Speiseröhre (broncho-ösophageale Fistel)
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schwerer Herzfehler*
* Entscheidend ist der Schweregrad der Erkrankung. Besprechen Sie im Einzelfall mit einer qualifizierten Fachkraft (z. B. Arzt, Hebamme, Stillberaterin), ob Sie Ihr Kind trotzdem stillen können.
Kinderernährung im 1. Lebensjahr
Stillbeginn, Stillpraxis und Stilldauer
Bedeutung des Stillens
Stillen bietet viele gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind. Daher sollten werdende Mütter sich zur Durchführung des Stillens beraten lassen und in der Anfangszeit unterstützt und begleitet werden. Einem frühzeitigem Stillende, das durch Stillprobleme und Unsicherheiten beim Anlegen und Stillen des Kindes hervorgerufen wird, kann so entgegengewirkt werden.
Für einen guten Stillbeginn
Die Milchbildung setzt direkt nach der Geburt ein, d. h. das Stillen kann bereits in den ersten Stunden beginnen. Ein früher Hautkontakt unmittelbar nach der Geburt unterstützt den Stillbeginn und wirkt sich positiv auf die Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind aus. Hierzu wird das Kind auf den Bauch der Mutter gelegt, welches dann i.d.R. intuitiv die Brustwarze findet und mit den ersten Saugversuchen beginnt. Wenn möglich sollte das erste Saugen an der Brust in den ersten ein bis zwei Stunden nach der Geburt stattfinden, da die meisten Säuglinge zu diesem Zeitpunkt noch besonders aufmerksam und wach sind.
Am besten nach Bedarf des Kindes gestillt (self-demand-system). Voraussetzung hierfür ist die gemeinsame Unterbringung von Mutter und Kind (rooming-in) in der Klinik.
Stillpraxis
In den ersten Lebenstagen verlangt das Neugeborene oft sehr unregelmäßig nach der Brust. Meistens wird fünf- bis sechsmal pro Tag und auch ein- bis zweimal pro Nacht gestillt. Allerdings gibt es von Kind zu Kind große Unterschiede, so dass sich die Mutter keinesfalls nach einem starren Schema richten sollte.
Ein Stillen nach Bedarf ist die Basis für eine positive Stillbeziehung und erfolgreiches Stillen. Dabei werden sowohl die Stillhäufigkeit als auch die Dauer der einzelnen Stillmahlzeiten durch das Baby bestimmt. Abhängig von den individuellen Bedingungen (Schlafbedarf, aufgenommene Milchmenge pro Mahlzeit, Krankheit, Entwicklungsphase, etc.) sollte jedes Mutter-Kind-Paar seinen eigenen Rhythmus finden.
Um die Milchbildung anzuregen, ist zu Beginn ein häufigeres Anlegen bzw. Stillen notwendig. In den ersten 7 Tagen verlangt das Neugeborene meist von sich aus in unregelmäßigen Zeitabständen (alle 1 – 3 Stunden) nach der Brust. Bis sich die Milchproduktion stabilisiert hat, sollten in den ersten Wochen nie mehr als 4 Stunden zwischen 2 Stillmahlzeiten vergehen. Insbesondere bei geringer Gewichtszunahme, Trinkschwäche oder Gelbsucht (Hyperbilirubinämie, Ikterus) kann es zudem notwendig sein, den Säugling zur Stillmahlzeit vorsichtig zu wecken.
Im weiteren Verlauf der Stillzeit spielen sich Mutter und Kind meist auf 8 bis 12 Stillmahlzeiten innerhalb von 24 Stunden ein. Auch längere Zeitabstände sind möglich.
Allgemein sollte das Stillen immer in entspannter Atmosphäre stattfinden, denn Stress und Hektik beeinträchtigen nicht nur die Milchbildung, sondern übertragen sich auch auf das Kind und stören eine ruhige Nahrungsaufnahme. Das Stillen kann sowohl im Sitzen als auch im Liegen durchgeführt werden. Zu beachten ist, dass die Nasenatmung durch die anliegende Brust nicht eingeschränkt ist. Danach sollte die beim Stillen verschluckte Luft entweichen können ("Bäuerchen").
Stilldauer
In den ersten 4 Lebensmonaten sollte das Baby voll gestillt werden. Mit der Beikost-Einführung sollte frühestens mit Beginn des 5. und spätestens mit Beginn des 7. Lebensmonats begonnen werden. Schritt für Schritt ersetzt die Beikost dann einzelne Stillmahlzeiten. Wie lange insgesamt gestillt wird, bestimmen Mutter und Kind.
Alternativen zum Stillen an der Brust
Abgepumpte Muttermilch
Wenn das Kind aus medizinischen oder beispielsweise beruflichen Gründen nicht an der Brust gestillt werden kann, kann die Mutter die Milch für das Kind auch abpumpen. Die Muttermilch kann das Baby aus der Flasche, aus dem Becher oder vom Löffel zu sich nehmen.
Zu beachten sind beim Abpumpen, Aufbewahren, Erwärmen der Milch sowie der Reinigung von Pumpe und Flasche besondere hygienische Vorsichtsmaßnahmen (siehe Merkblätter rund ums Thema Stillen und Abpumpen).
Säuglingsanfangsnahrungen
Wenn aus medizinischen, beruflichen oder persönlichen Gründen nicht oder nicht ausschließlich gestillt werden kann, benötigt das Baby eine nach strengen gesetzlichen Regelungen hergestellte Säuglingsanfangsnahrung.
Die Säuglingsanfangsnahrungen, die mit „Pre-“ oder „1“ gekennzeichnet sind, sind von Geburt an geeignet und können in den ersten vier Lebensmonaten ausschließlich und auch noch nach Beginn der Beikost-Einführung als Muttermilchersatz im gesamten ersten Lebensjahr gegeben werden. „Pre“-Nahrungen sind der Muttermilch in ihrer Kohlenhydratzusammensetzung am ähnlichsten. Sie enthalten als einziges Kohlenhydrat Lactose (= Milchzucker). „1“-Nahrungen können auch andere Kohlenhydrate wie z.B. Stärke enthalten.
Die sogenannten Folgenahrungen sind mit einer „2“ gekennzeichnet. Sie sind in ihrer Zusammensetzung der Säuglingsanfangsnahrung sehr ähnlich, enthalten aber zusätzlich mehr Eisen. Sie können frühestens mit Beginn der Beikost-Einführung (also mit Beginn des 5. Lebensmonats) gegeben werden. Ein Wechsel auf von Säuglingsanfangsnahrung auf Folgenahrung im ersten Lebensjahr ist grundsätzlich nicht notwendig.
Wenn Eltern oder Geschwister von einer Allergie betroffen sind und nicht oder nicht ausschließlich Muttermilch gegeben werden kann, sollte das Baby in den ersten sechs Lebensmonaten mit einer HA-Nahrung (hydrolisierte Säuglingsnahrung) gefüttert werden.
Spezialnahrungen für Säuglinge sind sogenannte „diätetische Lebensmittel“, die einem besonderen medizinischen Zweck dienen. Sie sollten nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt und unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden, um schwerwiegende Erkrankungen nicht zu übersehen.
Generell ist von der eigenen Herstellung einer Flaschennahrung für Säuglinge dringend abzuraten, da keine Tiermilch in Ihrer Zusammensetzung der Frauenmilch entspricht. Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an lebenswichtiger Nährstoffen birgt ernste gesundheitliche Risiken.
Weiterführende Informationen
Mehr rund ums Thema Säuglingsernährung finden Sie unter
Merkblätter rund ums Thema Stillen und Abpumpen
-
Meine Muttermilch für mein Kind, BfR und nat. Stillkommission
-
Hinweise zum Umgang mit Muttermilch in Kita oder Tagespflege, BfR und nat. Stillkommission
Buchtipp
-
Das Handbuch für die stillende Mutter, La Leche League international, Taschenbuch (2016)
Beikost
Mit der Beikost-Einführung sollte frühestens mit Beginn des 5. und spätestens mit Beginn des 7. Lebensmonats begonnen werden, da ab dem sechsten Monat die Muttermilch aus ernährungsphysiologischen Gründen nicht mehr ausreicht. Schritt für Schritt ersetzt die Beikost dann einzelne Stillmahlzeiten.
Beikost-Fahrplan
Mit Beginn des 5. und spätestens mit Beginn des 7. Lebensmonats wird zunächst mit einer kleinen eiswürfelgroßen Portion (2-3 Teelöffel) Gemüse-Mus oder Gemüse-Kartoffel-Mus getestet, ob das Baby bereits bereit für den Brei ist. Erste Zeichen sind, dass sich das Baby für anderes Essen interessiert, den Baby-Brei nicht mehr mit der Zunge herausstößt und es seinen Kopf stabil halten, wenn es im Sitzen etwas unterstützt wird.
Anschließend kann die Muttermilchmahlzeit am Mittag durch einen Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei (ohne Zusalzen!) mit Fettzusatz ersetzt werden.
Wird der erste Brei gut akzeptiert, kann ungefähr einen Monat später (im 6. bis 8 Lebensmonat) der Getreide-Milch-Brei z.B. am Abend eingeführt werden. Er ersetzt eine weitere Brustmahlzeit. Der beigefügte Obstsaft verbessert durch seinen Vitamin C-Gehalt die Resorption von Eisen. Die Rezeptur für die Gemüsemahlzeit ändert sich nur wenig (eventuell andere Gemüsesorten etc.).
Im 7. bis 9. Lebensmonat kommt der Getreide-Obst-Brei als Zwischenmahlzeit am Nachmittag hinzu. Spätestens jetzt, ab der Einführung des dritten Breis, benötigt das Baby neben Muttermilch oder Flaschennahrung zusätzlich Wasser zum Trinken.
Im 10. bis 12. Lebensmonat findet der Übergang zum Familienessen statt. Die vier gleichwertigen Säuglingsmahlzeiten gehen über in drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten, um eine Annäherung an eine normale Kost zu erreichen. Anstelle des Milch-Getreide-Breis kann zu Beginn zum Beispiel Brot mit Milch gereicht werden. Anstelle des Obst-Getreide-Breis Obst.
Die Essens-Fahrpläne für Babys vom Netzwerk Junge Familie und dem Forschungsinstitut für Kinderernährung zeigen anschaulich die Übergänge von den Stillmahlzeiten über die B(r)eikost bis hin zum Essen am Familientisch innerhalb des ersten Lebensjahres.
Selbst gekocht oder aus dem Glas?
Selbst zubereiteter Brei (siehe Rezepte) ist in der Regel preiswerter, er hilft dem Baby die geschmackliche Vielfalt zu entdecken und den Geschmack zu schulen.
Fertige Babybreie müssen hohe gesetzliche Anforderungen erfüllen, sie machen weniger Arbeit und können aufgrund der Zeitersparnis eine praktische und stressfreie Alternative im Familienalltag darstellen. Bei gekauften Breien sollte immer die Zutatenliste beachtet werden. Die verwendeten Lebensmittel sollten der Grundrezeptur von selbstgekochtem Brei entsprechen. Salz und Zucker oder zuckerreiche Zutaten, die einen starken Süßgeschmack erzeugen, sollten nicht enthalten sein.
Unabhängig davon ob es sich um Selbstgekochtes oder ein Fertigprodukt handelt – die Portionsgröße wird vom Alter und Appetit des Kindes bestimmt und nicht vom Rezept oder dem Gläscheninhalt. Das Verhältnis der einzelnen Zutaten zueinander sollte allerdings gleich bleiben und der Grundrezeptur entsprechen.
Grundrezepte für Babybreie
Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei
- 100 g geputztes Gemüse (z.B. Karotten, Zucchini, Kürbis, Pastinake, Kohlrabi, Brokkoli,…)
- 50 g Kartoffeln ohne Schale (Nudeln, Reis oder anderes Getreide gekocht)
- 30 g Fleisch oder Fisch
- 1,5 EL (15 ml) Obstsaft oder Obstpüree als Nachtisch
- 1 EL (10 g) Rapsöl
Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei (bei vegetarischer Ernährung)
- 100 g geputztes Gemüse (z.B. Karotten, Zucchini, Kürbis, Pastinake, Kohlrabi, Brokkoli,…)
- 50 g Kartoffeln ohne Schale (Nudeln, Reis oder anderes Getreide gekocht)
- 10 g Haferflocken
- 1,5 EL (15 ml) Obstsaft oder Obstpüree als Nachtisch
- 1 EL (10 g) Rapsöl
Milch-Getreide-Brei
- 200 g Vollmilch 3,5% (keine Roh- und Vorzugsmilch)
- 20 g Vollkorn-Getreide (Flocken oder Grieß)
- 2 EL (ca. 20 g) Obstsaft, -püree (z.B. Orangensaft)
Getreide-Obst-Brei
- 90 ml Wasser
- 20 g Vollkorn-Getreide (Flocken oder Grieß)
- 100 g Obst, als Püree, zerdrückt oder fein gerieben (z.B. Apfel, Banane, Birne,…)
- 1 TL (5 g) Rapsöl
Quellen:
Netzwerk Junge Familie - Beikosteinführung
Netzwerk Junge Familie - Rezepte
Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE)
Kinderernährung / Stillen - Unterschiede Mutter- und Kuhmilch
Energie
Der Energiegehalt von Frauen- und Kuhmilch unterscheidet sich nicht.
Eiweiß
Kuhmilch enthält dreimal soviel Eiweiß wie Frauenmilch. Die Niere des Säuglings ist nicht in der Lage, überschüssiges Eiweiß auszuscheiden. Wird Kuhmilch unverdünnt zugeführt, kann es zu Beeinträchtigungen der Nierenfunktion kommen.
Kuhmilch enthält einen höheren Anteil an dem Eiweiß Casein, das schlecht verdaulich ist. Das besser verdauliche Lactalbumin kommt hauptsächlich in der Muttermilch vor.
Muttermilch ist besonders in den ersten Tagen nach der Geburt reich an Immunglobulinen. Diese überstehen den Magen-Darm-Trakt und entfalten im Darm ihre Schutzfunktion gegenüber pathogenen Keimen.
Kohlenhydrate
Frauenmilch enthält neben Lactose mindestens 25 weitere Kohlenhydrate. Daher ist ihr Gehalt an Kohlenhydraten deutlich höher als jener der Kuhmilch. Unter den Kohlenhydraten ist vor allem der sogenannte Bifidus-Faktor zu nennen. Dies ist ein stickstoffhaltiges Kohlenhydrat, das bestimmten Darmbakterien (Lactobacillus bifidus) als Nährstoff dient. Die Bakterien bilden daraus Milchsäure, was zu einem Abfall des pH-Wertes im Darm führt und dadurch das Wachstum pathogener Mikroorganismen hemmt.
Fett
Während der Anteil kurzkettiger Fettsäuren bei Kuhmilch überwiegt, besitzt die Frauenmilch einen hohen Anteil an Linolsäure. Weiterhin enthält sie Lipase, mit deren Hilfe die Fettverdauung bereits im Magen beginnt.
Mineralstoffe
Der Mineralstoffgehalt der Kuhmilch liegt viel höher als jener der Frauenmilch. Säuglinge können überschüssige Mineralstoffe nicht ausscheiden, was zu einer Anhäufung im Körper führt. Der besonders hohe Calciumgehalt der Kuhmilch kann zur Bildung unlöslicher Kalkseifen mit freier Palmitinsäure führen. Dies begünstigt die Entstehung von Fettstühlen und hemmt die Calciumresorption.
Vitamine
Sowohl Kuhmilch als auch Muttermilch sind relativ arm an Vitamin D, weshalb eine zusätzliche Gabe von 400-500 IE / Tag dieses Vitamins zur Prophylaxe der Vitamin D-Mangelkrankheit Rachitis empfohlen wird.
Der Gehalt an wasserlöslichen Vitaminen ist stark vom Ernährungsstatus der Mutter abhängig. Deshalb kommt einer vitaminreichen Kost während der Stillzeit eine besondere Bedeutung zu. Frauenmilch enthält zusätzlich die Vitamine A, E und C, wobei letzteres die Resorption des Eisens fördert.
Kinderernährung / Stillen - Ernährung der stillenden Mutter
Wie in der Schwangerschaft ist auch beim Stillen (Laktation) der Organismus der Mutter darauf bedacht, dem Säugling alle notwendigen Nährstoffe zur Verfügung zu stellen. Während der Laktation kann es zu Nährstoffverarmungen der Mutter kommen, da bei einem Defizit die körpereigenen Speicher der Stillenden angegriffen werden. Um dies zu verhindern, muss die Nährstoffzufuhr dem erhöhten Bedarf der Mutter angepasst werden.
Energiebedarf
Der Mehrbedarf an Energie beträgt während des Stillens im Durchschnitt ca. 500 kcal pro Tag. Viele Frauen nutzen die Zeit der Laktation zur Gewichtsreduktion. Ein solches Vorgehen ist für das Neugeborene allerdings ungünstig, da bei einer Gewichtsabnahme die im Fettgewebe gespeicherten Rückstände frei werden und in die Muttermilch übertreten. Hinzu kommt, dass ein Untergewicht (aber auch ein Übergewicht) der stillenden Mutter die Milchproduktion verringert und den Energiegehalt der Milch vermindert.
Eiweiß
Um 1 g Muttermilcheiweiß zu produzieren, benötigt die Stillende 2 g Nahrungseiweiß. Aus diesem Grund ist auf eine ausreichende Proteinzufuhr zu achten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Stillenden eine tägliche Eiweißzufuhr von 1,2 g Eiweiß pro kg Körpergewicht und einem BMI zwischen 18,5 und 24,9 kg/m² (Normalgewicht). Durch die Kombination von pflanzlichen und tierischen Proteinen erreicht man eine hohe biologische Wertigkeit, d. h. über eine ausgewogene Mischkost kann eine bedarfsgerechte Eiweißversorgung gewährleistet werden.
Fett
Der Anteil des Nahrungsfetts hat keinen Einfluss auf den Fettgehalt der Muttermilch. Deshalb sind Fettzulagen nicht erforderlich. Hier entspricht der Bedarf dem einer Nichtstillenden, d. h. der Fettanteil sollte 30 % der Gesamtenergiezufuhr nicht übersteigen. Empfehlenswert ist ein hoher Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, da die Fettsäurezusammensetzung der Nahrung die der Muttermilch beeinflussen kann. Besonders wertvoll sind die beiden Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), da sie die geistige Entwicklung des Kindes positiv beeinflussen können. Diese Fettsäuren sind hauptsächlich in Seefischen enthalten. Deshalb sollte die werdende Mutter ein bis zwei Fischmahlzeiten in ihren Speiseplan aufnehmen.
Calcium
Der Bedarf an Calcium während des Stillens liegt nach den DGE/ÖGE - Referenzwerten bei etwa 1000 mg am Tag (< 19 Jahre = 1200 mg / Tag). Um diese Menge zu erreichen, ist der Verzehr von Milch und Milchprodukten unumgänglich. Bei einer veganen Ernährung (keine tierischen Produkte) ist die entsprechende Calciummenge durch Tabletten zu ersetzen. Liegt eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) vor, kann die Betroffene auch auf fermentierte Milchprodukte zurückgreifen, die in der Regel gut vertragen werden.
Jod
Die Jodversorgung der Mutter bestimmt die Jodkonzentration in der Muttermilch und somit die Versorgung des Neugeborenen. Eine ausreichende Jodversorgung von Neugeborenen ist sehr wichtig, da ein Mangel zu Entwicklungsstörungen führen kann. Die in der Schwangerschaft empfohlene zusätzliche Aufnahme von 200 µg Jodid sollte auch während des Stillens beibehalten werden, da der tägliche Bedarf von 260 µg sonst kaum erreicht wird. Die nötige Supplementierung sollte unbedingt mit dem Arzt abgesprochen werden.
Vitamine
Eine abwechslungsreiche Kost mit einem hohen Anteil an frischem Obst und Gemüse reicht aus, um den Vitaminbedarf zu decken. Multivitaminpräparate sind in der Regel nicht notwendig. In der folgenden Tabelle sehen Sie eine Übersicht über die Vitamine sowie Nahrungsmittel, die besonders reich an diesen Nährstoffen sind.
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Vitamin |
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Vitamin A (Vorläufer: β-Carotin) |
Vitamin A in: Leber, Lebertran β-Carotin in: Karotten, gelb-orangene Gemüsesorten |
|
Vitamin D |
Margarine, Pilze, Fisch (Aal, Hering, Heilbutt, Lachs) |
|
Vitamin E |
grünes Blattgemüse, pflanzliche Öle (Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Walnussöl) |
|
Vitamin K |
grünes Blattgemüse, Eigelb, Huhn, Butter |
|
Vitamin B1 |
Weizenkeime, Hülsenfrüchte, Schweinefleisch |
|
Vitamin B2 |
Milch, Eier, Fisch (Heilbutt, Hering), Pilze |
|
Vitamin B6 |
Bananen, Bohnen, Linsen, Sojabohnen, Leber, Hafer |
|
Vitamin B12 |
Leber, Nieren, Eier, Käse, Fisch (v. a. Hering, Rotbarsch) |
|
Vitamin C |
nahezu alle Obst- und Gemüsesorten; besonders: Zitrusfrüchte, Kiwi, Paprika, Sanddorn |
|
Niacin |
Fleisch, Fisch, Nüsse, Hülsenfrüchte |
|
Pantothensäure |
Hefe, Hülsenfrüchte, Erdnüsse, Eigelb, Leber, Wassermelone |
|
Folsäure |
Hefe, Rinderleber, Rosenkohl, Grünkohl, Weizenkeime, Eigelb, Sojabohnen |
|
Biotin |
Leber, Eigelb, Erdnuss, Sojabohnen, Naturreis, Weizenkleie |
Nährstoffbedarf
Stillende haben bei verschiedenen Nährstoffen laut Empfehlungen der Fachgesellschaften einen erhöhten Bedarf.
|
Nährstoff |
normaler Tagesbedarf ab dem 19. Lebensjahr |
Tagesbedarf während des Stillens |
|---|---|---|
|
Protein |
0,8 g pro kg KG ¹ |
1,2 g pro kg KG ¹ |
|
Wasser |
35 ml pro kg KG ¹ |
45 ml pro kg KG ¹ |
|
Vitamin A (Retinol-Äquivalent) |
700 µg |
1300 µg |
|
Vitamin D 2, 4 |
20 µg |
20 µg |
|
Vitamin E 2 (Tocopherol-Äquivalent) |
12 mg |
17 mg |
|
Vitamin B1 |
1,0 mg |
1,3 mg |
|
Vitamin B2 |
1,1 mg |
1,4 mg |
|
Vitamin B6 |
1,4 mg |
1,6 mg |
|
Vitamin B12 ² |
4,0 µg |
5,5 µg |
|
Vitamin C |
95 mg |
125 mg |
|
Niacin |
12 - 13 mg |
16 mg |
|
Folsäure (Gesamtfolat-Äquivalent) |
300 µg |
450 µg |
|
Calcium |
1000 mg |
1000 mg (1200 mg bei Frauen < 19 J.) |
|
Magnesium 2 |
300 mg |
300 mg |
|
Eisen |
14 - 16 mg |
20 mg |
|
Zink ³ |
7 -10 mg |
11 - 14 mg |
|
Jod |
200 µg |
260 µg |
¹ KG = Körpergewicht ² Hierbei handelt es sich um einen Schätzwert ³ Die empfohlene Zufuhr für Zink ist abhängig von der Phytataufnahme über die Ernährung 4 Die Versorgung an Vitamin D wird in der Regel über die Ernährung (mit 2-4 µg/d) und durch die endogene Synthese (Bildung von Vitamin D unter der Haut bei Sonnenbestrahlung) gedeckt. Bei geringer Sonnenexposition kann die gewünschte Vitamin-D-Versorgung über ein Vitamin-D-Präparat erreicht werden
Quelle:DGE/ÖGE Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 8. aktualisierte Ausgabe 2024
Kinderernährung / Stillen - Hauptnährstoffe / Vitamine
Hauptnährstoffe
Nährstoffbedarf
Nach der Abnabelung ist der Säugling auf die äußere Zufuhr von Nährstoffen angewiesen. Die physiologischen Grundlagen hierfür sind der Warzensuchreflex, der Saugreflex und der Schluckreflex des Neugeborenen. Durch die Besiedelung des Darms mit Mikroorganismen aus der Umwelt kann es anfangs zu leichten Verdauungsstörungen kommen, die sich jedoch schnell bessern. Die in der Muttermilch enthaltenen Bifidus-Bakterien hemmen das Wachstum krankheitserregender Keime, indem sie über die Bildung von Milch- und Essigsäure den pH-Wert des Darms senken.
Energiebedarf
Eine bedarfsgerechte Energiezufuhr lässt sich am einfachsten durch Stillen erreichen. Muttermilch ist in der Regel optimal an die Bedürfnisse des Säuglings angepasst. Dies ist der Grund, warum gestillte Kinder seltener an Übergewicht leiden als nicht-gestillte.
Der Energiebedarf steigt stetig und nähert sich dem Bedarf des Erwachsenen allmählich an (siehe Tabelle). Die benötigte Energiemenge, bezogen auf das Körpergewicht, nimmt mit zunehmendem Alter hingegen ab.
-
Richtwerte für die Energiezufuhr für Säuglinge (gerundet)
Altersgruppe
Energie in kcal/Tag
männlich
weiblich
0-4 Monate
550
500
4-12 Monate
700
600
Quelle: DGE/ÖGE Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 8. aktualisierte Ausgabe 2024
-
Richtwerte für die Energiezufuhr für Kinder und Jugendliche mit PAL 1,4 (gerundet)
Altersgruppe
Energie in kcal/Tag
männlich
weiblich
1-4 Jahre
1200
1100
4-7 Jahre
1400
1300
7-10 Jahre
1700
1500
10-13 Jahre
1900
1700
13-15 Jahre
2300
1900
15-19 Jahre
2600
2000
Quelle: DGE/ÖGE Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 8. aktualisierte Ausgabe 2024
Eiweiß
Auf eine bedarfsgerechte Eiweißzufuhr ist ebenfalls zu achten, da sowohl zu wenig (beeinträchtigte Entwicklung) als auch zu viel Eiweiß schädlich für Heranwachsende ist.
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Empfohlene Eiweißzufuhr für Säuglinge, Kinder und Jugendliche |
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|---|---|---|---|---|
|
Altersgruppe |
in g Eiweiß pro kg KG¹ und Tag |
in g Eiweiß pro Tag |
||
|
männlich |
weiblich |
männlich |
weiblich |
|
|
0 - 1 Monate ² |
2,5 |
8 |
||
|
1 - 2 Monate ² |
1,8 |
8 |
||
|
2 - 4 Monate ² |
1,4 |
8 |
||
|
4 - 12 Monate |
1,3 |
11 |
||
|
1 - 4 Jahre |
1,0 |
14 |
||
|
4 - 7 Jahre |
0,9 |
18 |
||
|
7 - 10 Jahre |
0,9 |
26 |
||
|
10 - 13 Jahre |
0,9 |
37 |
38 |
|
|
13 - 15 Jahre |
0,9 |
50 |
49 |
|
|
15 - 19 Jahre |
0,9 |
0,8 |
62 |
48 |
¹ KG = Körpergewicht ² hierbei handelt es sich um einen Schätzwert
Quelle: DGE/ÖGE Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 8. aktualisierte Ausgabe 2024
Fett
Fett ist ein wichtiger Energielieferant und enthält mit 9 kcal /g über doppelt soviel Energie wie Kohlenhydrate und Eiweiß. 50 % seiner Energiezufuhr bezieht das Neugeborene daher aus dem Fettgehalt der Muttermilch.
Neben der Menge des zugeführten Fetts spielt auch die Art der Fettsäuren eine wichtige Rolle. Die Muttermilch zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Linolsäure, Linolensäure) sowie der einfach ungesättigten Ölsäure aus. Weiterhin ist die Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure und die Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure enthalten. Diese beiden Fettsäuren werden v. a. im letzten Schwangerschaftsdrittel vom Fetus im Gehirn, Zentralnervensystem und der Retina des Auges gespeichert, was wahrscheinlich zu einer Verbesserung der kognitiven, intellektuellen und visuellen Leistung des Kindes führt.
Der Erwachsene ist in der Lage, aus Linolsäure und Linolensäure Omega-3-Fettsäuren bzw. Omega-6-Fettsäuren aufzubauen. Im frühen Kindesalter ist das hierfür notwendige Enzymsystem noch nicht ausreichend aktiv. Deshalb ist das Neugeborene auch nach der Geburt auf die ständige Zufuhr von Arachidonsäure und Docosahexaensäure angewiesen. Durch die Muttermilch ist eine bedarfsgerechte Zufuhr gewährleistet. Diese Fettsäuren werden teilweise industriellen Babynahrungen zugesetzt, um die positiven Wirkungen der Fettsäuren auch nicht-gestillten Säuglingen zugänglich zu machen. Diese Zusätze sollten sich an dem Fettsäuregehalt der Muttermilch orientieren. Weiterhin ist ein Vitamin E-Zusatz angebracht, um eine Oxidation der Fettsäuren zu vermeiden.
|
Richtwerte für die Fettzufuhr von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen |
|||
|---|---|---|---|
|
Altersgruppe |
in % der Energie |
Mittelwert in g pro Tag (PAL 1,4) |
Mittelwert in g pro Tag (PAL 1,4) |
|
männlich |
weiblich |
||
|
0-4 Monate |
45-50 |
28,1 |
25,5 |
|
4-12 Monate |
35-45 |
30,1 |
25,8 |
|
1-4 Jahre |
30-40 |
45,2 |
41,4 |
|
4-7 Jahre |
30-35 |
48,9 |
45,4 |
|
7-10 Jahre |
30-35 |
59,4 |
52,4 |
|
10-13 Jahre |
30-35 |
66,4 |
59,4 |
|
13-15 Jahre |
30-35 |
80,4 |
66,4 |
|
15-19 Jahre |
30 |
83,9 |
64,5 |
Quelle: modifiziert nach DGE/ÖGE Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 8. aktualisierte Ausgabe 2024
Kohlenhydrate
Das Hauptkohlenhydrat der Frauen- und Kuhmilch ist die Lactose (Milchzucker). Sie dient hauptsächlich der Energiegewinnung. Da das milchzuckerspaltende Enzym (Lactase) noch nicht vollständig funktionsfähig ist, gelangt ein Teil des Milchzuckers in untere Darmabschnitte und kann dort von den Darmbakterien zu Essig- und Milchsäure abgebaut werden.
Die Kohlenhydrate sollten vorwiegend in komplexer Form verzehrt werden, also in Form von Vollkornprodukten, Kartoffeln, Obst, Gemüse etc. Der Anteil der unverdaulichen Ballaststoffe erhöht sich nach der Umstellung auf Breikost. Im Zuge der Anpassung an die Ernährung des Erwachsenen sollte die Ballaststoffzufuhr im Jugendalter bei 30 g pro Tag liegen.
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Richtwerte für die Kohlenhydratzufuhr |
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|---|---|---|
|
Altersgruppe |
Kohlenhydratzufuhr in g pro Tag (PAL 1,4) |
Kohlenhydratzufuhr in g pro Tag (PAL 1,4) |
|
männlich |
weiblich |
|
|
0-4 Monate |
54,8 |
48,5 |
|
4-12 Monate |
89,0 |
74,7 |
|
1-4 Jahre |
157,1 |
144,0 |
|
4-7 Jahre |
183,3 |
170,2 |
|
7-10 Jahre |
222,6 |
196,4 |
|
10-13 Jahre |
248,8 |
222,6 |
|
13-15 Jahre |
301,2 |
248,8 |
|
15-19 Jahre |
356,0 |
273,8 |
Quelle: modifiziert nach DGE/ÖGE Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 8. aktualisierte Ausgabe 2024
Vitamine
Vitamine sind lebenswichtige Bestandteile unserer Nahrung. Sie besitzen im menschlichen Organismus die unterschiedlichsten Funktionen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen wasserlöslichen und fettlöslichen Vitaminen. Beim Stillen ist die Versorgung des Säuglings mit Vitaminen (Ausnahme: Vitamin D und Vitamin K) gewährleistet, da der mütterliche Organismus darauf ausgerichtet ist, den Nachwuchs ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Bei einer unausgewogenen Ernährung kann es aber unter Umständen zu einer Nährstoffverarmung der Mutter kommen.
Auch eine Ernährung mit Säuglingsnahrung bringt keine Probleme bezüglich der Vitaminversorgung. Ausnahme davon ist ebenfalls das Vitamin D. Im Folgenden wird auf die beiden kritischen Vitamine, Vitamin D und Vitamin K, näher eingegangen.
Vitamin D
Dieses Vitamin ist für die Resorption von Calcium und Phosphat im Darm sowie die Einlagerung der beiden Mineralstoffe in die Knochensubstanz verantwortlich. In der Haut kann Vitamin D unter Sonneneinstrahlung bzw. ultraviolettem Licht aus Cholesterin (7-Dehydrocholesterol) gebildet werden. Bei einem Vitaminmangel bzw. unzureichender Sonneneinstrahlung kann es zu Verformungen des Skeletts (Rachitis) kommen.
Aufgrund des erhöhten Vitamin D-Bedarfs im ersten Lebensjahr und des niedrigen Gehalts in der Muttermilch bzw. der Säuglingsnahrung wird eine zusätzliche Gabe von 10 µg (400 I.E.) Vitamin D empfohlen. Nach heutigem Wissen reicht auch eine Aufnahme von 2,5-5 µg.
Vitamin K
Vitamin K ist maßgeblich an der Blutgerinnung beteiligt. Deshalb kann es bei einem Vitaminmangel zu inneren Blutungen kommen. Dies kann verschiedene Bereiche umfassen, z. B. das Gehirn, die Haut und den Darm. Besonders gefährdet sind Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft Medikamente gegen Epilepsie bzw. Mittel zur Blutverdünnung eingenommen haben.
Der niedrige Vitamin-K-Gehalt der Muttermilch trägt auch zum Entstehen der Blutungen bei. Deshalb wird eine orale Gabe von 2 µg Vitamin K direkt nach der Geburt empfohlen sowie je einmal in den ersten beiden Lebensmonaten. Die Gabe erfolgt im Rahmen der gesetzlich empfohlenen U1 bis U3.
Kinderernährung / Stillen - Mineralstoffe / Spurenelemente
Mineralstoffe
Natrium
Natrium beeinflusst die Zellmembranfunktion und spielt bei der Muskelreizbarkeit und -kontraktion eine wichtige Rolle. Es ist weiterhin an der Resorption von Glucose (Traubenzucker) aus dem Dünndarm beteiligt.
Eine übermäßige Zufuhr dieses Mineralstoffs kann zu Wassereinlagerungen (Ödeme), Bluthochdruck, Erbrechen u. ä. führen. Eine zu hohe Natriumkonzentration im Körper kann jedoch auch durch Fieber (Verdunstung) und Diabetes insipidus hervorgerufen werden. Bei dieser Art des Diabetes kommt es infolge einer verstärkten Wasserausscheidung über die Nieren zu einer Konzentrationserhöhung des Natriums im menschlichen Körper. Beim Stillen bzw. der Verwendung von industriellen Säuglingsnahrungen ist eine bedarfsgerechte Zufuhr gewährleistet, da der Natriumgehalt den Bedürfnissen des Säuglings angepasst ist. Zu einer Unterversorgung kann es z. B. durch anhaltendes Erbrechen oder starken Durchfall kommen.
Kalium
Kalium ist im Gegensatz zu Natrium im Inneren der Zellen lokalisiert und sorgt so für eine Elektroneutralität. Weiterhin ist Kalium bei der Aktivierung verschiedener Enzyme beteiligt. Störungen bei der Kaliumversorgung treten vor allem bei Übersäuerungen des Bluts sowie Nieren- und Nebennierenfunktionsstörungen mit der Folge von neuromuskulären Symptomen und Herzrhythmusstörungen auf.
Calcium und Phosphat
Die Funktionen dieser beiden Mineralstoffe werden im Kapitel Ernährung von Kindern und Jugendlichen besprochen. Für Calcium liegt der Tagesbedarf für Säuglinge bei 220 mg (null bis vier Monate) bzw. 330 mg (vier bis zwölf Monate), bei Kindern zwischen 600 und 1200 mg (je nach Alter). Die Phosphatzufuhr sollte bei Säuglingen 120 mg bzw. 180 mg / Tag (null bis vier, vier bis zwölf Monate) betragen, während Kinder zwischen 330 und 660 mg / Tag aufnehmen sollten.
Spurenelemente
Fluor
Fluor schützt vor der Entstehung von Karies und Osteoporose. Die Zufuhr von Fluor ist in den ersten 15 Lebensjahren besonders effektiv, da nur in dieser Zeit das Spurenelement in den Zahnschmelz aufgenommen wird und so die Widerstandskraft der Zähne erhöht. Eine Überdosierung kann jedoch negative Konsequenzen haben. So kann eine zu hohe Zufuhr von Fluor zu einer verstärkten Bruchanfälligkeit der Zähne führen (Dentalfluorose).
Eisen und Jod
Diese beiden Spurenelemente werden ebenfalls näher im Kapitel Ernährung von Kindern und Jugendlichen besprochen.
Kinderernährung / Stillen - Säuglingsmilch / Flaschenernährung
Ernährung mit Kuhmilch
Generell ist von der eigenen Herstellung einer Flaschennahrung aus Milch oder anderen Rohstoffen für Säuglinge abzuraten. Keine Tiermilch entspricht in ihrer Zusammensetzung der Frauenmilch. Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an lebenswichtigen Nährstoffen birgt ernste gesundheitliche Risiken. Wenn ein Säugling nicht mit Muttermilch ernährt werden kann, sollte eine industriell hergestellte Säuglingsnahrung als Ersatz für Muttermilch verwendet werden.
Industrielle Säuglingsmilch
Die Säuglingsanfangsnahrungen, die mit „Pre-“ oder „1“ gekennzeichnet sind, sind von Geburt an geeignet und können in den ersten vier Lebensmonaten ausschließlich und auch noch nach Beginn der Beikost-Einführung als Muttermilchersatz im gesamten ersten Lebensjahr gegeben werden. „Pre“-Nahrungen sind der Muttermilch in ihrer Kohlenhydratzusammensetzung am ähnlichsten. Sie enthalten als einziges Kohlenhydrat Lactose (= Milchzucker). „1“-Nahrungen können auch andere Kohlenhydrate wie z.B. Stärke enthalten.
Die sogenannten Folgenahrungen sind mit einer „2“ gekennzeichnet. Sie sind in ihrer Zusammensetzung der Säuglingsanfangsnahrung sehr ähnlich, enthalten aber zusätzlich mehr Eisen. Sie können frühestens mit Beginn der Beikost-Einführung (also mit Beginn des 5. Lebensmonats) gegeben werden. Ein Wechsel von Säuglingsanfangsnahrung auf Folgenahrung im ersten Lebensjahr ist allerdings nicht notwendig.
Wenn Eltern oder Geschwister von einer Allergie betroffen sind und nicht oder nicht ausschließlich Muttermilch gegeben werden kann, sollte das Baby in den ersten sechs Lebensmonaten mit einer HA-Nahrung (hydrolisierte Säuglingsnahrung) gefüttert werden.
Spezialnahrungen für Säuglinge sind sogenannte „diätetische Lebensmittel“, die einem besonderen medizinischen Zweck dienen. Sie sollten nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt und unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden, um schwerwiegende Erkrankungen nicht zu übersehen.
Durchführung der Flaschenernährung
Auch hier richtet sich die Mahlzeitenhäufigkeit nach dem Bedarf des Kindes ("self-demand-system") also nach Anzeichen von Hunger und Bereitschaft zum Essen. Eine Überfütterung mit Säuglingsanfangsnahrung ist möglich, wenn Hunger- und Sättigungssignale dauerhaft ignoriert werden.
Tipps für die Zubereitung von Säuglingsmilchnahrung
-
Säuglingsmilchnahrung sollte immer frisch zubereitet werden.
-
Milch, die nicht getrunken wurde, sollte nicht erneut aufgewärmt und angeboten werden.
-
Das für die Zubereitung benötigte Wasser sollte immer frisch sein. Es empfiehlt sich das Leitungswasser hierfür solange ablaufen zu lassen, bis kaltes Wasser aus der Leitung kommt.
-
Das Wasser sollte bei der anschließenden Zubereitung nicht heißer als 40 °C sein, um Verbrühungen zu vermeiden.
-
Flaschen und Sauger sind immer direkt nach der Mahlzeit gründlich zu reinigen und trocken aufzubewahren.
-
Die Trinkwasserqualität ist zu prüfen! Das verwendete Trinkwasser muss mikrobiologisch einwandfrei sein und darf maximal 50 mg Nitrat / l enthalten. Eine erhöhte Nitrataufnahme kann bei Säuglingen aufgrund eines Enzymmangels zur Blausucht (Methämoglobinämie) führen. Es sollte kein Wasser aus Bleileitungen verwendet werden. Bei Wasser aus Hausbrunnen, bei denen die Wasserqualität nicht eindeutig sichergestellt ist, sollte im Zweifelsfall ebenfalls ein stilles Wasser gekauft werden, das mit der Aufschrift „zur Herstellung von Säuglingsnahrung geeignet“ gekennzeichnet ist. Informationen über die Qualität Ihres Leitungswassers erhalten Sie bei den jeweiligen Wasserwerken
Kinderernährung / Stillen - Praktische Ernährungstipps
Ernährung von Kindern und Jugendlichen
Nach der Umstellung auf feste Nahrung sollte die Ernährung des Kleinkinds an die des Erwachsenen angepasst werden. Dies bedeutet eine tägliche Einnahme von drei Hauptmahlzeiten sowie zwei bis drei kleinere Zwischenmahlzeiten. Grundlage für die Entwicklung des Kindes ist eine gesunde, abwechslungsreiche Vollkost, die sich im wesentlichen aus Vollkornprodukten, Kartoffeln, frischem Obst und Gemüse, Milch und Milchprodukten, Fisch, Fleisch und pflanzlichen Ölen zusammensetzen sollte.
Beachtet man die einfachen Regeln einer vollwertigen Ernährung, lässt sich der Tagesbedarf an allen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen ohne den Zusatz von Tabletten erreichen. Bei einigen Nährstoffen ist der Bedarf im Kindes- und Jugendalter leicht erhöht. Sie werden im Folgenden näher erläutert.
Proteinbedarf
Da Proteine für den Aufbau von Körpersubstanz benötigt werden, haben Heranwachsende einen erhöhten Bedarf. Mit der Nahrung sollte täglich ausreichend Eiweiß zugeführt werden. Besonders sinnvoll ist der Verzehr von hochwertigem Eiweiß. Grundsätzlich gilt, dass tierisches Protein wertvoller ist als pflanzliches. Eine noch höhere biologische Wertigkeit erhält man, indem man tierische mit pflanzlichen Lebensmitteln gemeinsam verzehrt. Diese ergänzen sich optimal in ihrer Aminosäurenzusammensetzung. Eine gesunde Mischkost fördert also optimal das Wachstum des Kindes.
Calcium und Phosphat
Calcium und Phosphat sind maßgeblich am Aufbau des Knochenskeletts beteiligt. Die Einlagerung dieser beiden Mineralstoffe in die Knochensubstanz findet vor allem im Kindes- und Jugendalter statt, wodurch der tägliche Bedarf in dieser Zeit erhöht ist. Eine ausreichende Zufuhr führt zu einer hohen Knochendichte, die als Schutz vor Osteoporose angesehen wird.
Der Tagesbedarf an Calcium und Phosphat beträgt (gemäß DGE/ÖGE-Referenzwerten) bei Kindern über 10 Jahren etwa 1100 mg Calcium bzw. 610 mg Phosphat und lässt sich am leichtesten über Milch und Milchprodukte decken. Deshalb wird Kindern und Jugendlichen die tägliche Aufnahme von 0,5 l Milch empfohlen.
Eisen
Durch das starke Wachstum in der Pubertät erhöht sich der Eisenbedarf der Jungen auf 14 mg / Tag bzw. ab 15 Jahren liegt er bei 11 mg / Tag, bei Mädchen steigt der Bedarf mit einsetzender Menstruation weiter auf 16 mg / Tag, da ein Teil des Eisens an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden ist und über die Regelblutungen verloren geht.
Jod
Der Jodbedarf eines Jugendlichen beträgt wie beim Erwachsenen 200 µg am Tag. Diese Menge lässt sich nur durch den Verzehr von Seefisch bzw. die Verwendung von jodiertem Speisesalz erreichen. Eine ausreichende Jodzufuhr stellt die Grundlage für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung dar.
Praktische Ernährungstipps
Pausenbrot
Die Zwischenmahlzeit sollte ebenfalls aus vollwertigen Nahrungsmitteln bestehen, um Leistungstiefs während der Schule vorzubeugen. Die Konzentrationsfähigkeit lässt sich am besten durch kohlenhydratreiche Lebensmittel wie z. B. Brot erhöhen. Vollkornbrot besitzt den Vorteil, dass es den Blutzucker sehr langsam, aber dafür kontinuierlich anhebt. So wird das Gehirn ausreichend mit energieliefernder Glucose (Zucker) versorgt. Es sollten also Mischbrote oder Vollkornbrote bevorzugt werden, die mit mageren Käse- oder Wurstsorten belegt sind. Tomaten- oder Gurkenscheiben sind nicht nur gesund, sie werten auch optisch das Pausenbrot auf. Geeignet sind ebenfalls alle Obst- und Gemüsesorten wie Bananen, Äpfel oder Karotten. Als Pausengetränk sind insbesondere Milch oder Milchprodukte (Buttermilch, Kefir) zu empfehlen, um den Calciumbedarf des Heranwachsenden zu decken.
Getränke
Kinder und Jugendliche sollten auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Täglich sollten mindestens 1,5 l Flüssigkeit mit der Nahrung zugeführt werden. Dabei empfiehlt es sich, auf kalorien- und zuckerarme Getränke zurückzugreifen. Besonders eignen sich Mineralwasser, Fruchtsäfte, Saftschorlen und Tee (möglichst ohne Zucker). Zuckerhaltige Getränke fördern nicht nur die Entstehung von Karies, sondern begünstigen auch die Entstehung von Übergewicht und sind deshalb einzuschränken.
Ernährung und Prävention gegen Krankheiten
Karies
Unter Karies versteht man eine Erkrankung der Zähne, die auf eine Entmineralisierung des Zahnschmelzes zurückzuführen ist. Zucker und zuckerhaltige Speisen werden im Mund durch Bakterien zu organischen Säuren abgebaut, die den Zahnschmelz schädigen.
Bereits bei Kindern werden kariöse Veränderungen der Zähne festgestellt. Diese sind auf den regelmäßigen Verzehr von zuckerhaltigen Limonaden bzw. gesüßten Tees zurückzuführen. Neben einer sorgfältigen Mundhygiene kommt einer gesunden Ernährung (arm an Einfachzuckern) eine wichtige Bedeutung zur Prophylaxe von Karies zu.
Übergewicht
30 % der deutschen Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig. Die Ursache hierfür liegt in der übermäßigen Energie- und Fettzufuhr. Auch der Verzehr von fettreichen Süßigkeiten (z. B. Schokolade) trägt zur Entstehung des Übergewichts bei.
Ein Verbot bestimmter Nahrungsmittel ist hier nicht angebracht, denn ein solches Vorgehen bewirkt häufig das Gegenteil des Gewünschten. Es ist wesentlich sinnvoller, den Heranwachsenden attraktive Alternativen in Form einer gesunden und schmackhaften Verpflegung aufzuzeigen. Hier eignen sich z. B. spezielle Rezepte für Kinder. Auch die optische Aufwertung des Essens bewirkt manchmal Wunder, denn "das Auge isst mit ". Ein entscheidender Aspekt ist auch die Vorbildfunktion der Eltern, zumal neben den Genen auch die Essgewohnheiten an die Kinder weitergegeben werden.
Früh richtig anzusetzen ist wichtig. Fettzellen, die im Kindes- und Jugendalter aufgebaut werden, bleiben im weiteren Leben erhalten. Erwachsene können diese Fettzellen nur noch verkleinern, d. h. übergewichtige Kinder besitzen ein Leben lang die Tendenz zum Übergewicht und haben zusätzlich ein erhöhtes Risiko, ernährungsmitbedingte Erkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankung) zu bekommen.
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