Nahrungsergänzungsmittel: Braucht man sie wirklich?

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Ein aktueller Übersichtsartikel ordnet ein, wann Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein können, wo die Evidenz fehlt und warum eine kritische Bewertung wichtig bleibt. 

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) gehören für viele Menschen längst zum Alltag. Gemäß der Nahrungsergänzungsmittelverordnung sollen sie die allgemeine Ernährung ergänzen und enthalten Vitamine, Mineralstoffe oder andere Stoffe mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung in konzentrierter Form. Ein aktueller Übersichtsartikel in der Ernährungs Umschau fasst die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Evidenzlage sowie Chancen und Risiken von NEM zusammen. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die wissenschaftliche Evidenz je nach Präparat sehr unterschiedlich ausfällt: Während für einzelne Anwendungen ein Nutzen belegt ist, fehlt für viele Produkte ein überzeugender Wirksamkeitsnachweis.

Obst und NEM auf einem Tisch
©DEBInet (Adobe Firefly)

Im Beitrag wird zunächst erläutert, wie NEM rechtlich eingeordnet werden. Anders als Arzneimittel benötigen sie in Deutschland keine behördliche Zulassung vor dem Inverkehrbringen. Hersteller müssen ihre Produkte lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anzeigen. Eine inhaltliche Prüfung von Zusammensetzung, Dosierung oder gesundheitlicher Unbedenklichkeit erfolgt dabei nicht. Die amtliche Kontrolle findet erst nach dem Markteintritt und stichprobenartig statt. Hinzu kommt, dass die Abgrenzung zwischen NEM und Arzneimitteln in der Praxis nicht immer eindeutig ist. Besonders Produkte mit hohen Dosierungen oder arzneimittelähnlicher Aufmachung können hier zu Herausforderungen führen.

Nach Einschätzung der Autoren können NEM in bestimmten Situationen sinnvoll sein, etwa bei diagnostizierten Mangelzuständen oder einem erhöhten Bedarf, der über die normale Ernährung nicht gedeckt werden kann. Genannt werden unter anderem Folsäure in der Schwangerschaft, Vitamin B12 bei veganer Ernährung oder Vitamin D bei unzureichender körpereigener Bildung. Gleichzeitig machen die Autoren deutlich, dass NEM keineswegs grundsätzlich harmlos sind. Neben möglichen Überdosierungen und Wechselwirkungen mit Arzneimitteln thematisiert der Artikel auch problematische Entwicklungen im Bereich der sozialen Medien. Dort werden NEM häufig über persönliche Erfahrungsberichte beworben, die besonders glaubwürdig wirken und teilweise Erwartungen wecken, die wissenschaftlich nicht belegt sind.

Die wichtigste Botschaft des Beitrags ist: Nicht die Frage, welches NEM eingenommen werden sollte, sondern ob überhaupt ein Bedarf besteht, sollte im Mittelpunkt stehen. NEM sind im Alltag häufig eher überflüssig als notwendig und werden dennoch oft als grundsätzlich harmlos wahrgenommen. Gerade hochdosierte Präparate, die gleichzeitige Einnahme mit Medikamenten oder die wie in jedem Medikament enthaltenen Zusatzstoffe können jedoch gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Hinzu kommt, dass NEM ohne behördliche Zulassung auf den Markt gebracht werden können und die Kontrolle erst nachträglich erfolgt. Umso wichtiger ist eine kritische und evidenzbasierte Bewertung. Sinnvoll können NEM dann sein, wenn ein nachgewiesener Mangel oder ein erhöhter Bedarf vorliegt und die Einnahme ärztlich begleitet wird. In einer Zeit, in der soziale Medien Gesundheitsinformationen oft schneller verbreiten als wissenschaftliche Fachgesellschaften, bleibt eine kritische und evidenzbasierte Einordnung wichtiger denn je.

Literatur:

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