Rheuma


Ernährungstipps & Patienteninfos & Beratungsmaterialien

Ernährungstipps

Auf diesen Seiten finden Sie die bewährten DEBInet-Ernährungstipps, die wir für Sie in unveränderter Form aus dem alten DEBInet (vor 11/2025) übernommen haben.

Die Ernährungstipps werden ab 12/2025 sukzessive überarbeitet.

Patienteninfos

Ganz neu konzipiert haben wir kurze und prägnante Patienteninfos zur Weitergabe an Betroffene und Interessierte. Der Inhalt kann unten eingesehen werden, zum Ausdruck empfehlen wir das übersichtliche zweiseitige PDF-Format.

Beratungsmaterialien

Dieser Bereich wird nach und nach mit Schulungsunterlagen, LM-Tabellen und anderen Beratungsmaterialien gefüllt, die dann unter den PREMIUM-Anwendern ausgetauscht werden können. Wir freuen uns dabei auf Ihre Anregungen und Ihre Mitwirkung.


Patienteninfos/Ernährungsinfos

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Patienteninfo Rheuma (Rheumatoide Arthritis)

Krankheitsbild

Definition

Der Begriff „Rheuma“ umfasst eine Vielzahl von Erkrankungen des Bewegungsapparats, die mit Schmerzen, Entzündungen oder Bewegungseinschränkungen einhergehen. Dazu gehören sowohl entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis als auch degenerative oder weichteilrheumatische Formen.

Im Mittelpunkt steht hier die rheumatoide Arthritis, eine chronische Entzündung vor allem der Gelenke, bei der die Ernährungstherapie eine wichtige unterstützende Rolle spielt.

Symptome

Typische Leitsymptome der rheumatoiden Arthritis sind Schmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit der Gelenke, meist symmetrisch und zunächst an kleinen Gelenken wie Finger-, Hand- oder Zehengelenken. Im akuten Schub treten häufig Rötungen, Überwärmung und Bewegungseinschränkungen auf. Begleitend können ein allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit, Appetitlosigkeit sowie Gewichtsverlust auftreten.

Ursachen

Die rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift und dadurch Entzündungen in den Gelenken auslöst. Obwohl die immunologischen Abläufe weitgehend verstanden sind, bleibt die genaue Ursache unklar. Neben einer genetischen Veranlagung können äußere Faktoren wie Infekte, Rauchen oder bestimmte Umwelt- und Ernährungsgewohnheiten das Risiko beeinflussen. Eine westlich geprägte Ernährung mit hohem Fleisch- und Fettanteil kann Entzündungsprozesse im Körper verstärken, indem sie die Produktion entzündungsfördernder Eicosanoide und Zytokine begünstigt.

Diagnose

Die Diagnose der rheumatoiden Arthritis erfolgt aus der Kombination von klinischer Untersuchung, Laborwerten und bildgebenden Verfahren (z.B. Ultraschall, Röntgen). Im Blut lassen sich häufig Rheumafaktoren und Antikörper gegen citrullinierte Peptide (Anti-CCP) nachweisen. Diese Befunde unterstützen die Diagnose, sind aber allein nicht beweisend. Zusätzlich werden typische Beschwerden wie Morgensteifigkeit und Schwellungen mehrerer Gelenke berücksichtigt.

Therapie

Die Rheumatherapie beruht auf mehreren Säulen, die darauf abzielen, Entzündungsreaktionen und Schmerzen zu lindern und damit die Gelenkfunktion sowie die Lebensqualität zu erhalten:

  • medikamentöse Therapie: Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten zur Kontrolle von Entzündungen und Schmerzlinderung
  • Physiotherapie, Ergotherapie und Bewegung(stherapie): Gezielte Übungen und physikalische Maßnahmen erhalten die Gelenkfunktion und fördern die Mobilität
  • Nikotinverzicht: Der Verzicht auf Nikotin reduziert Entzündungsprozesse, unterstützt die Therapiewirksamkeit und senkt das kardiovaskuläre Risiko
  • Ernährungstherapie: Eine ausgewogene, entzündungshemmende Kost unterstützt den Therapieerfolg

Ernährungstherapie


Basis: ausgewogen und pflanzenbetont

Empfohlen wird eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung, die Entzündungsprozesse günstig beeinflussen kann. Wichtige Maßnahmen sind:

  • Reduktion der Arachidonsäurezufuhr über die Nahrung
  • Abbau von bestehendem Übergewicht (z.B. durch Reduktion des Fettverzehrs)
  • weniger Fleisch- und Wurstwaren, d.h. weniger tierische Fette, dafür mehr pflanzliche Öle
  • mind. 1-2x pro Woche Fisch (z.B. Hering, Lachs), evtl. Einsatz von Fischölkapseln
  • viel Obst und Gemüse (reich an Antioxidantien), bevorzugt mit schonendem Garverfahren (Dämpfen, Dünsten) zubereitet
  • Einschränkung des Alkoholkonsums
  • Eine Nulldiät wird nicht empfohlen. Entscheidend sind eine langfristig pflanzenbetonte, energieangepasste Ernährung und eine Gewichtsabnahme (bei Übergewicht).

Fettsäuren

Die richtige Fettsäurezusammensetzung ist wichtig, um Entzündungsprozesse zu verringern. Bestimmte tierische Lebensmittel, z.B. Schweinefleisch, Innereien und Eigelb, liefern Arachidonsäure und häufig gesättigte Fettsäuren, die die Bildung entzündungsfördernder Eicosanoide begünstigen. Im Gegensatz dazu wirken mehrfach ungesättigte Fettsäuren, v.a. Omega-3-Fettsäuren, entzündungshemmend. Der Fleisch- und Wurstkonsum sollte daher reduziert werden, idealerweise im Rahmen einer (vorwiegend) vegetarischen Ernährung. Stattdessen empfiehlt sich der Einsatz von pflanzlichen Ölen (z.B. Raps-, Lein- oder Walnussöl), von Nüssen und Samen (etwa 25 g täglich) sowie von fettreichem Seefisch wie Lachs, Hering oder Makrele.

Vitamine und Spurenelemente

Die Ernährung orientiert sich an den DGE-Referenzwerten. Hochdosierte Präparate sind i. d. Regel nicht erforderlich. Calcium und Vitamin D sind zentral für die Knochengesundheit, da bei rheumatoider Arthritis und unter Glukokortikoidtherapie ein erhöhtes Osteoporoserisiko besteht.

  • Calcium: Etwa 1000 mg Calcium pro Tag für Erwachsene, gute Quellen sind Milchprodukte (z.B. Joghurt, Käse), calciumreiches Mineralwasser (mind. 150 mg Ca/L) und grünes Gemüse.
  • Vitamin D: Der Versorgungsstatus sollte überprüft werden. Wenn nötig, können Supplemente individuell festgelegt werden. Der Aufenthalt im Freien unterstützt die körpereigene Bildung.
  • Antioxidantien (Vitamine A, C, E) und Selen: Provitamin A ist reichlich z.B. in Karotten, Süßkartoffeln, Kürbis, Spinat und Grünkohl vorhanden. Vitamin A findet sich in Milchprodukten, Eiern und Leber. Vitamin C z.B. in Paprika, Zitrusfrüchten, Brokkoli und Spinat. Vitamin E ist u.a. in Nüssen (Mandeln, Haselnüsse), Samen und Pflanzenölen (Olivenöl, Weizenkeimöl) enthaltenGute Selenquellen sind Fisch (Lachs, Thunfisch), Eier, Nüsse (Paranüsse) und Vollkornprodukte.

Wo finde ich Unterstützung und weitere Informationen?

Verbände und Selbsthilfegruppen

Die Selbsthilfeorganisation Deutsche Rheuma-Liga bietet praktische Hilfen (z.B. Bewegungsangebote) und umfangreiche Informationen für Patienten, die mit Rheuma leben.

Weitere Informationen und professionelle Beratungsangebote

In unserer Datenbank finden Sie zahlreiche geeignete Rezepte bei Rheuma. Ausführlichere Informationen zu Krankheitsverlauf und Ernährungstherapie erhalten Sie im Premium-Bereich, bei einer zertifizierten Ernährungsfachkraft oder einem Ernährungsmediziner DAEM/DGEM.

Literatur

  • DEBInet – Deutsches Ernährungsberatungs- & -informationsnetz: Ernährungstipps I Rheuma (Rheumatoide Arthritis)
  • Hauner et al. (2019): Leitfaden Ernährungstherapie in Klinik und Praxis (LEKuP). Aktuelle Ernährungsmedizin, 44, 384-419. https://doi.org/10.1055/a-1030-5207
  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (2020): S3-Leitlinie “Management der frühen rheumatoiden Arthritis”. AWMF-Leitlinien Register Nummer: 060/002


Ernährungstipps


  • Krankheitsbild: Definition, Symptome, Ursachen, Diagnose
  • Ernährung: Allgemeines, Fettsäuren, Vitamine und Spurenelemente, Einfluss des Fastens, Zusammenfassung
  • Medikamente: Allgemeines, Nicht-steroidale Antirheumatika, Glucocorticoide, Basistherapeutika, Knorpeldegenerations-hemmende Präparate, Nicht-steroidale Antirheumatika zur örtlichen Anwendung
 

Krankheitsbild

Definition

Der Begriff "Rheuma" umfasst eine Reihe schmerzhafter und funktionsbeeinträchtigender Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, die sich folgendermaßen einteilen lassen:

  • entzündlicher Rheumatismus (rheumatoide Arthritis)

  • Muskelrheumatismus

  • Gelenkrheumatismus

  • degenerativer Rheumatismus

Im Folgenden wird speziell auf die rheumatoide Arthritis eingegangen, da hier die Ernährungstherapie eine wichtige Rolle spielt.

Symptome

Die rheumatoide Arthritis geht mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl (z.B. Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme) einher. Es kommt zu Schmerzen in den Gelenken, wobei vor allem kleinere Gelenke (besonders Fingergrundgelenk) betroffen sind. Im akuten Schub treten weiterhin Gelenkergüsse auf, die zu Schwellungen und Rötungen im Gelenkbereich führen. Die darüberliegende Haut verfärbt sich häufig blau. Typisch für eine rheumatoide Arthritis ist die Gelenksteifheit, die besonders in den frühen Morgenstunden auftritt. Bei 20% der Patienten finden sich zudem sogenannte Rheumaknoten (Knoten im Unterhautfettgewebe und an Sehnen).

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Ursachen

Die immunologischen Abläufe der rheumatoiden Arthritis sind zwar bekannt, über die eigentliche Ursache gibt es jedoch noch keine eindeutigen Angaben. Es handelt sich hier um eine sogenannte Autoimmunerkrankung, d.h. Abwehrzellen (weiße Blutkörperchen) richten sich plötzlich gegen körpereigenes Gewebe und zerstören es.

Wahrscheinlich wird auch die Veranlagung zu dieser Krankheit vererbt. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer. In Europa leiden etwa 16% unter Rheumatismus. Eine vollständige Heilung ist heutzutage noch nicht möglich.

Diskutiert wird heute ebenfalls, welchen Einfluss Umwelteinflüsse auf den Krankheitsverlauf haben. Es konnte z.B. gezeigt werden, dass rauchende Rheumakranke häufiger an Gelenkverformungen leiden und 50% häufiger einen positiven Rheumafaktor aufweisen als Nichtraucher.

Diagnose

Da die rheumatoide Arthritis durch eine Abwehrreaktion des Immunsystems gekennzeichnet ist, lassen sich im Blut der Patienten häufig bestimmte Antikörper (v.a. IgM) nachweisen. Diese Antikörper werden auch als Rheumafaktoren bezeichnet. Sie sind jedoch nur bei 70-80% der Betroffenen vorhanden. Andererseits gibt es Menschen, die nicht an Rheuma erkrankt sind und ebenfalls Rheumafaktoren im Blut aufweisen. Deshalb stellt die Antikörperbestimmung nur eine unterstützende Maßnahme für die Diagnose dar.

Um die rheumatoide Arthritis eindeutig zu diagnostizieren, müssen weitere Kriterien erfüllt sein. Dazu zählt die Morgensteifheit der Gelenke, die Entzündung von mindestens drei Gelenkbereichen sowie das Vorhandensein von Rheumaknoten. Weiterhin sind Röntgenveränderungen der Hände und Finger zu beobachten, die durch gelenknahe osteoporotische Veränderungen gekennzeichnet sind.

Rheuma - Ernährung

Die Entzündungen werden durch die Bildung von Entzündungsfaktoren, den sogenannten Eicosanoiden (Thromboxan A2, Prostaglandin E2, Leukotrien B4) ausgelöst, die aus der Fettsäure Arachidonsäure gebildet werden. Je weniger Arachidonsäure mit der Nahrung zugeführt wird, desto weniger Entzündungsmediatoren können gebildet werden.

Lebensmittel

Arachidonsäure-Gehalt (mg) pro Portion

Portionsgröße [g]

Arachidonsäure-Gehalt (mg) pro 100 g

Hühnerragout

1600

400

400

Suppenhuhn

1095

150

730

Brathähnchen

851

370

230

Croissant

749

70

1070

Schweineleber

650

125

520

Kalbskotelett

480

150

320

Schweinegulasch

345

150

230

Kalbfleisch

330

150

220

Chickenburger

270

150

180

Schweineschmalz

255

15

1700

Aal

225

150

150

Labskaus

175

350

50

Schweinshaxe

150

300

50

Omelett

84

140

60

Gyros

62,5

125

50

Rindfleisch

60

150

40

Bauernbratwurst

57

30

190

Eigelb

38

19

200

Ei

36

60

60

Landjäger

30

30

100

Milch, 1,5% Fett

15

150

10

Sülze

12

30

40

Quelle: berechnet mit PRODI expert®

Aus der oben stehenden Tabelle wird ersichtlich, dass nur tierische Lebensmittel diese Fettsäure enthalten, d.h. optimal wäre eine vegetarische Kost bzw. eine Einschränkung des Fleisch- und Wurstkonsums. Bei normaler Kost werden etwa 200-400mg/Tag, bei einer vegetarischen Ernährung nur ca. 50mg Arachidonsäure pro Tag aufgenommen.

Fettsäuren

Aufbau

Die mit der Nahrung zugeführten Fette (Triglyceride) bestehen aus einem Molekül Glycerin und drei damit verbundenen (veresterten) Fettsäuren.

 

Je nach dem, welche Fettsäuren enthalten sind, besitzen Fette unterschiedliche Wirkungen im menschlichen Körper. Bei der diätetischen Behandlung des Rheumas spielen folgende Fettsäuren eine wichtige Rolle.

Omega-3-Fettsäuren

Die Fette bestimmter Fischarten sind reich an sogenannten Omega-3-Fettsäuren, insbesondere an Eicosapentaensäure.

Fisch(-erzeugnisse)

Eicosapentaensäure-Gehalt (mg) pro Portion

Portionsgröße [g]

Eicosapentaensäure-Gehalt (mg) pro 100 g

Sushi

5,2

400

1,3

Hering

3,32

150

2,21

Lachs

1,26

150

0,84

Schillerlocke

0,6

150

0,4

Wels

0,45

150

0,3

Ölsardine

0,42

60

0,7

Steinbutt

0,32

150

0,21

Forelle

0,24

150

0,16

Kabeljau

0,12

150

0,08

Quelle: berechnet mit PRODI expert®

Die Eicosapentaensäure besitzt eine ähnliche chemische Struktur wie die Arachidonsäure. Deshalb konkurriert sie mit dem gleichen Enzymsystem, so dass die Umwandlung der Arachidonsäure in die entzündungsauslösenden Stoffe vermindert ist (kompetetive Hemmung).

Daher wirkt sich der regelmäßige Verzehr (2x/Woche) dieser Fische günstig auf das Krankheitsbild aus. Stehen Fischmahlzeiten gar nicht oder nur selten auf dem Speiseplan, empfiehlt sich eine tägliche Zufuhr von 30mg Fischölfettsäuren pro kg Körpergewicht.

alpha-Linolensäure

Ein ähnlicher, positiver Effekt lässt sich mit der alpha-Linolensäure erreichen, da diese im menschlichen Körper zu der oben genannten Eicosapentaensäure umgewandelt werden kann. Sie kommt v.a. in Pflanzenölen wie Leinöl, Rapsöl, Weizenkeimöl, Walnussöl und Sojaöl vor.

Dihomo-gamma-Linolensäure

Diese Fettsäure stellt die Vorstufe der Arachidonsäure dar. Aus ihr werden Substanzen gebildet, die eine entzündungshemmende Wirkung besitzen. Sie hemmt ebenfalls die Umwandlung der Arachidonsäure in die entzündungsauslösenden Substanzen. Sie ist z.B. enthalten in Nachtkerzenöl, Johannisbeeröl und Borretschöl (Reformhaus). Die erforderliche Dosierung beträgt 2-3 g täglich.

Vitamine und Spurenelemente

Bestimmte Vitamine und Spurenelemente (Antioxidantien) haben eine entzündungshemmende Wirkung und sollten daher bei rheumatischen Erkrankungen vermehrt zugeführt werden. Dies betrifft v.a. die Vitamine C, E sowie das Spurenelement Selen. Die Antioxidantien besitzen die beste Wirkung, wenn sie gemeinsam aufgenommen werden (Synergismus)!

Vitamin E

Vitamin E (Tocopherol) ist in der Lage, die Entstehung von entzündungsfördernden Substanzen durch verschiedene Stoffwechselvorgänge zu reduzieren. Bei 60% aller männlichen und 50% aller weiblichen Patienten bestehen zu niedrige Plasmawerte an Vitamin E. Aus diesem Grund wird für Rheumatiker eine höhere Vitamin E-Zufuhr empfohlen.

Vitamin C

Vitamin C (Ascorbinsäure) alleine scheint keinen Effekt auf rheumatische Erkrankungen zu haben. Es ist jedoch zusammen mit Selen in der Lage, oxidierte Vitamin E-Radikale zu reduzieren, d.h., dass bereits unwirksam gewordenes Vitamin E erneut in seine wirksame Form zurückgeführt wird.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Gesunde eine tägliche Vitamin C-Zufuhr von 95 mg für Frauen und 110 mg für Männer. Für Patienten mit rheumatischen Erkrankungen scheint diese Menge zu gering. Hier wird eine Dosis von etwa 200mg/Tag empfohlen. Eine weitere Dosiserhöhung scheint nicht sinnvoll, da höhere Mengen über die Niere ausgeschieden werden.

Vitamin A

Obwohl bei vielen Rheumatikern niedrige Vitamin A-Spiegel im Blutserum nachgewiesen werden konnten, scheint eine höhere Vitamin A-Zufuhr keinen therapeutischen Nutzen zu haben. Für einen Ausgleich der niedrigen Plasmawerte ist eine ausgewogene Kost ausreichend.

Selen

Selen ist Bestandteil des antioxidativ wirkenden Enzyms Glutathionperoxidase und hat somit ebenfalls einen Einfluss auf das Krankheitsgeschehen. Da dieses Spurenelement hauptsächlich in den sonst weniger empfehlenswerten tierischen Lebensmitteln vorkommt, empfiehlt es sich, den Bedarf durch Fisch, Nüsse oder Selentabletten zu decken.

Empfohlene Tagesdosis

 

Empfohlene Tagesdosis

Inhaltsstoff

Gesunde

Rheumatiker

Vitamin A

0,7 - 0,85 mg

1 mg

Vitamin E

11 - 15 mg

100 - 200 mg

Vitamin C

95 - 110 mg

200 mg

Selen

60 - 70 µg

100 - 200 µg

 

Quellen:

Geeignete Lebensmittel

 

Nahrungsmittel, die reich an den genannten Nährstoffen sind:

Vitamin A (Beta-Carotin)

Vitamin C

Vitamin E

Selen

Leber

Sanddornbeeren

Sonnenblumenöl

Fisch

Karotten

Zitrusfrüchte

Walnussöl

Nüsse

Grünkohl

Paprika

Sojaöl

Fleisch

Aprikosen

Broccoli

Maiskeimöl

Leber

 

Einfluss des Fastens

Es konnte gezeigt werden, dass durch absolutes Fasten ("Nulldiät") eine Linderung der Schmerzen erreicht werden kann. Wichtig dabei ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2-3 Liter/Tag) mit geeigneten Getränken wie z.B. Mineralwasser, Molke oder Gemüsesäften.

Die Ursache dieser positiven Wirkung scheint die fehlende Arachidonsäurezufuhr mit der Nahrung zu sein, denn nach etwa zwei Tagen werden nur noch ein Drittel der entzündungsauslösenden Eicosanoide gebildet.

Die unter totalem Fasten beobachteten erhöhten Cortisonspiegel tragen ebenfalls zu einer Besserung der Symptomatik bei.

Eine Reduktion des Körpergewichts kann zusätzlich zur Entlastung der Gelenke beitragen. Dies kann jedoch nicht mit einer Nulldiät, sondern nur durch eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten erreicht werden.

Zusammenfassung

6 Regeln

  • Reduktion der Arachidonsäurezufuhr mit der Nahrung (ideal: vegetarische Ernährung)

  • Bestehendes Übergewicht abbauen (Reduktion des Fettverzehrs)

  • Weniger Fleisch- und Wurstwaren, d.h. weniger tierische Fette, dafür mehr pflanzliche Öle

  • Mind. 2x pro Woche Fisch (z.B. Hering, Lachs), ev. Einsatz von Fischölkapseln

  • Viel Obst und Gemüse (Antioxidantien) mit schonendem Garverfahren (Dämpfen, Dünsten)

  • Wenig Alkohol und Nikotin

Rheuma - Medikamente

Bemerkung

Die hier angegebenen Dosierungen dienen lediglich der Orientierung. Sie sollten in jedem Fall mit dem Hausarzt oder Apotheker besprochen werden!

Unterscheidung

Aufgrund der vielfältigen Krankheitsformen des Rheumas gibt es auch eine Reihe unterschiedlicher Medikamente (Antirheumatika). Grundsätzlich unterscheidet man folgende Wirkstoffgruppen:

  • nicht-steroidale Antirheumatika

  • Glucocorticoide

  • "Basistherapeutika"

  • Knorpeldegenerations-hemmende Stoffe

  • Nicht-steroidale Antirheumatika zur örtlichen Anwendung

Nicht-steroidale Antirheumatika

Sie werden bei allen entzündlichen rheumatischen Erkrankungsformen eingesetzt. Diese recht heterogene Substanzgruppe besitzt sowohl entzündungshemmende als auch schmerzlindernde Eigenschaften und unterscheidet sich v.a. in ihrer Halbwertszeit. Das bedeutet, dass bei akuten Beschwerden (Steifheit am Morgen) Medikamente mit einer kurzen Halbwertszeit (kurzzeitige Wirkung) eingesetzt werden. Bei chronischen Schmerzzuständen (z.B. Morbus Bechterew) wird auf langwirkende Arzneimittel zurückgegriffen.

Nebenwirkungen

Typische Nebenwirkungen sind u.a. Magen-Darm-Beschwerden (z.T. Blutungen, Magengeschwüre), Nierenfunktionsstörungen, Hautreaktionen und Kopfschmerzen, Störungen der Blutbildung, Leberschäden, zentralnervöse Störungen wie Kopfschmerzen, Schwindel etc.

Wirkstoffe

  • Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin, Paracetamol)

  • Indometacin

  • Diclofenac (z.B. Voltaren)

  • Ibuprofen

Glucocorticoide

Die in der Nebennierenrinde gebildeten Hormone (z.B. Cortisol, Cortison) werden bei akuten Problemen in hochdosierter Form verabreicht. Jedoch sollte die Therapie nur kurzzeitig angewandt werden, da sonst mit erheblichen Nebenwirkungen (z.B. Morbus Cushing) zu rechnen ist. Eine niedrigdosierte Behandlung zur Langzeittherapie kann im Einzelfall sinnvoll sein. Hier ist das Auftreten von Nebenwirkungen eher unwahrscheinlich.

Das künstlich aus Cortisol hergestellte Prednisolon (bzw. das Prednison aus Cortison) ist etwa 4x wirksamer als das Ausgangsprodukt.

Nebenwirkungen

  • Magen-Darm-Beschwerden (Gefahr eines Magengeschwürs, besonders in Kombination mit nicht-steroidalen Antirheumatika)

  • erhöhte Infektionsgefahr

  • verzögerte Wundheilung

  • Osteoporose durch Hemmung von Vitamin D

  • Cushing Syndrom (Umverteilung des Fettgewebes)

  • Bluthochdruck, Wassereinlagerungen, psychische Störungen, Verschlechterung einer diabetischen Stoffwechsellage

Basistherapeutika

Trotz ihres unscheinbaren Namens ist der Einsatz dieser Medikamente nur bei eindeutiger Diagnose sowie im fortgeschrittenen Krankheitsstadium angezeigt. Hierbei handelt es sich um langwirkende Antirheumatika, die nur über einen längeren Zeitraum wirken (Wochen bis Monate) und die v.a. bei der rheumatoiden Arthritis eingesetzt werden. Zur Therapie von degenerativen rheumatischen Veränderungen sind sie nicht geeignet. Als Basistherapeutika werden zur Zeit folgende Substanzen eingesetzt:

Wirkstoffe

  • Goldpräparate

  • D-Penicillamin

  • Salazosulfapyridin

  • Immunsuppressiva und Immunmodulatoren

Knorpeldegenerations-hemmende Medikamente

Hierbei handelt es sich um Substanzen, die der Abnutzung der Gelenkknorpel entgegenwirken und eine partielle Regeneration ermöglichen sollen. Die Wirksamkeit dieser Präparate ist umstritten. Als Nebenwirkungen wurden allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock beobachtet.

Nicht-steroidale Antirheumatika zur örtlichen Anwendung

Es besteht weiterhin die Möglichkeit, nicht-steroidale Antirheumatika in Form von Salben, Gelen oder Sprays zu verabreichen. Die Wirksamkeit ist im Gegensatz zur oralen Einnahme wesentlich geringer.

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