Nierenerkrankungen


Ernährungstipps & Patienteninfos & Beratungsmaterialien

Ernährungstipps

Auf diesen Seiten finden Sie die bewährten DEBInet-Ernährungstipps, die wir für Sie in unveränderter Form aus dem alten DEBInet (vor 11/2025) übernommen haben.

Die Ernährungstipps werden ab 12/2025 sukzessive überarbeitet.

Patienteninfos

Ganz neu konzipiert haben wir kurze und prägnante Patienteninfos zur Weitergabe an Betroffene und Interessierte. Der Inhalt kann unten eingesehen werden, zum Ausdruck empfehlen wir das übersichtliche zweiseitige PDF-Format.

Beratungsmaterialien

Dieser Bereich wird nach und nach mit Schulungsunterlagen, LM-Tabellen und anderen Beratungsmaterialien gefüllt, die dann unter den PREMIUM-Anwendern ausgetauscht werden können. Wir freuen uns dabei auf Ihre Anregungen und Ihre Mitwirkung.


Patienteninfos/Ernährungsinfos

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Patienteninfo Nierenerkrankungen

Krankheitsbild

Definition

Eine chronische Nierenkrankheit (CKD) liegt vor, wenn die Nieren länger als drei Monate geschädigt sind und Abfallstoffe und überschüssige Flüssigkeit nicht mehr ausreichend entfernen (sichtbar z.B. an verminderter eGFR oder Eiweiß im Urin). Die Erkrankung wird je nach Schweregrad in Stadien eingeteilt. Sehr ausgeprägte Formen werden oft als Niereninsuffizienz/Nierenversagen bezeichnet. Entsteht die Verschlechterung plötzlich (innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen), spricht man von einer akuten Nierenschädigung (AKI).

Symptome

In frühen Stadien verursacht eine chronische Nierenkrankheit meist keine Beschwerden. Später können unspezifische Zeichen auftreten wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit/Erbrechen, Juckreiz, Schlafstörungen sowie Wassereinlagerungen (Ödeme), Bluthochdruck und teils Herzrhythmusstörungen.

Ursachen

  • akute Nierenschädigung (AKI): plötzlicher Blutdruckabfall/Schock, Sepsis oder schwere Infektionen, nephrotoxische Stoffe (z.B. Röntgenkontrastmittel, bestimmte Schmerzmittel wie NSAID), Schwermetalle sowie starker Flüssigkeitsverlust
  • chronische Nierenkrankheit (CKD): v.a. Diabetes und Bluthochdruck; außerdem entzündliche Nierenerkrankungen (z.B. Glomerulonephritis), erblich bedingte Formen (z.B. Zystennieren), langandauernde Harnabflussstörung (z.B. Steine/Prostata) und langjährige Medikamenteneinnahme

Diagnose

Eine chronische Nierenkrankheit wird durch Blut- und Urinuntersuchungen festgestellt. Wichtig ist die eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) (GFR-Rechner hier). Sie wird aus dem Kreatininwert im Blut berechnet und gibt die Filterleistung der Nieren an. Im Urin wird zusätzlich die Eiweißausscheidung gemessen, meist als Albumin-Kreatinin-Quotient (ACR) aus einer Morgenurinprobe. Aus eGFR und ACR ergibt sich die Einteilung in die Stadien G1 bis G5 und A1 bis A3. Diese Einteilung hilft, das persönliche Risiko einzuschätzen und die Behandlung zu planen.

Therapie

Ziel der Behandlung ist es, das Fortschreiten der Nierenschädigung zu verlangsamen, Beschwerden zu lindern, Mangelernährung vorzubeugen und Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Wichtige Maßnahmen sind:

  • regelmäßige körperliche Bewegung: mind. 30-60 Min. moderate Aktivität, mehrmals wöchentlich
  • Verzicht auf Nikotin!
  • Gewichtsmanagement: Übergewicht und Adipositas können die Nieren zusätzlich belasten.
  • Blutdruckkontrolle: Ein gut eingestellter Blutdruck schützt die Nieren. Der Zielwert wird individuell festgelegt, meist etwas niedriger als bei Menschen ohne Nierenerkrankung.
  • Optimale Blutzuckereinstellung: Bei Diabetes mellitus ist eine gute und stabile Blutzuckereinstellung entscheidend, um weitere Nierenschäden zu verhindern.
  • Medikamente: Je nach Situation können nierenprotektive Mittel (z.B. ACE-Hemmer, SGLT2- Hemmer) sowie Medikamente gegen Bluthochdruck, Blutarmut (Anämie) oder Wassereinlagerungen (Ödeme) notwendig sein - immer in enger Abstimmung mit Ihrem Arzt.

Ernährungstherapie


Basis: pflanzlich basierte Ernährung (mediterrane Kost)

Empfohlen wird eine pflanzenbetonte Kost nach Art der Mittelmeerkost mit viel Obst/Gemüse. Sie kann das Fortschreiten der Nierenerkrankung verlangsamen und das Herz-Kreislauf-Risiko senken.

  • Flüssigkeit: meist ca. 1,5 Liter pro Tag als Orientierung; bei Bedarf ärztlich angepasst
  • Eiweiß: 0,8 g/kg Körpergewicht (KG) pro Tag; bei fortgeschrittener Erkrankung ggf. reduziert
  • Energie: 25-35 kcal/ kg KG pro Tag zur Sicherung des Ernährungszustands
  • Kochsalz/Natrium: Kochsalzreduktion auf < 5 g Salz/Tag (ca. 2 g Natrium). Frische Lebensmittel bevorzugen, Kräuter statt Nachsalzen verwenden
  • Kalium: keine generelle Einschränkung; bei erhöhten Kaliumwerten im Blut (Hyperkaliämie) kaliumreiche Lebensmittel nur in Maßen und durch Kochen in reichlich Wasser zubereiten
  • Phosphat: Verzicht auf Fertigprodukte und gesüßte Getränke mit phosphathaltigen Zusatzstoffen bei fortgeschrittener Erkrankung empfohlen

Flüssigkeitszufuhr

Die tägliche Trinkmenge liegt meist bei etwa 1,5 Litern und wird bei Bedarf ärztlich angepasst. Ziel ist ein ausgeglichener Flüssigkeitshaushalt, erkennbar z.B. an stabilem Körpergewicht und ausreichender Urinausscheidung. Bei Ödemen, Herzschwäche oder deutlich eingeschränkter Nierenfunktion kann weniger Flüssigkeit sinnvoll sein, bei Hitze, Fieber oder Durchfall kann mehr Flüssigkeit notwendig sein.

Eiweißzufuhr

Bei chronischer Nierenkrankheit ohne Dialyse wird eine eiweißbewusste Ernährung mit 0,8 g Eiweiß pro kg KG pro Tag empfohlen. Diese Menge erhält die Muskulatur und belastet die Nieren nicht unnötig. In fortgeschrittenen Stadien (G4-G5) kann eine Reduktion auf 0,6 bis 0,8 g sinnvoll sein, jedoch nur mit ärztlicher und ernährungstherapeutischer Begleitung und bei ausreichender Energiezufuhr von 25 bis 35 kcal pro kg KG zur Vermeidung von Mangelernährung. Sehr niedrige Mengen unter 0,6 g pro kg KG werden nicht empfohlen. Bei Dialyse sind meist 1,0 bis 1,2 g Eiweiß pro kg KG erforderlich. Bevorzugen Sie hochwertige Eiweißquellen wie mageres Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte und Hülsenfrüchte. Kombinationen wie Kartoffeln mit Ei oder Getreide mit Milch verbessern zusätzlich die Eiweißqualität.

Kochsalzreduzierte Kost – Kräuter statt Salz

Eine kochsalzreduzierte Ernährung schützt die Nieren, senkt den Blutdruck und verringert Wassereinlagerungen. Ziel sind < 5 g Salz pro Tag (ca. 2 g Natrium). Bevorzugen Sie frische, wenig verarbeitete Lebensmittel, würzen Sie mit Kräutern statt nachzusalzen und achten Sie auf „versteckte“ Salzquellen wie Brot, Wurst, Käse, Fertiggerichten und Konserven (Natrium x 2,5 = Salz).

Kalium

Bei Nierenerkrankungen ist meist keine Kaliumbeschränkung nötig. Nur bei erhöhtem Kaliumspiegel (Hyperkaliämie) sollten kaliumreiche Lebensmittel wie z. B. Bananen, Avocado, Trockenfrüchte, Nüsse und Kartoffeln nur in Maßen verzehrt werden. Durch spezielle küchentechnische Aufbereitung (z.B. Wässern von Kartoffeln) lässt sich der Kaliumgehalt von Lebensmitteln reduzieren. Schonende Garmethoden wie Dämpfen mit wenig Wasser senken den Kaliumgehalt kaum.

Wo finde ich Unterstützung und weitere Informationen?

Weitere Informationen und professionelle Beratungsangebote

In unserer DEBInet-Rezeptdatenbank finden Sie zahlreiche kochsalzarme und kaliumarme Rezepte. Ausführlichere Informationen zu Krankheitsverlauf und Ernährungstherapie erhalten Sie im Premium- Bereich, bei einer zertifizierten Ernährungsfachkraft oder einem Ernährungsmediziner DAEM/DGEM.

Literatur

  • DEBInet – Deutsches Ernährungsberatungs- & -informationsnetz: Ernährungstipps I Nierenerkrankungen
  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), DGfN (2024): Versorgung von Patient*innen mit chronischer, nicht-nierenersatztherapiepflichtiger Nierenkrankheit in der Hausarztpraxis. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/053-048; Zugriff am 04.10.2025


Ernährungstipps


  • Nierenfunktion: Anatomie, Wasser- und Elektrolythaushalt, Entgiftungsfunktion, Säure-Basen-Haushalt, Hormone
  • Nierenversagen: Definition, Ursachen, Symptome, Krankheitsverlauf
  • Ernährung: Ernährungstherapie bei akutem Nierenversagen, Ernährungstherapie bei chronischem Nierenversagen, Eiweißzufuhr, Flüssigkeitszufuhr, Natrium, Kalium, Phosphat
  • Dialysediät: Allgemeines, Flüssigkeitszufuhr, Ernährung bei Hämodialyse, Ernährung bei Peritonealdialyse, Nahrungsergänzung
  • Andere Nieren-Erkrankungen: Schwangerschaftsniere, Nephrotisches Syndrom, Nierenentzündungen, Nierenvenenthrombose, Nierenzyste, Papillennekrose, Zystennieren, Nephrocalcinose, Nierenkolik
  • Praktische Tipps: Flüssigkeitszufuhr, Natriumarme Kost, Phosphorarme Kost, Kaliumarme Kost
 

Nierenfunktion

Anatomie

Lage und Größe

Die beiden bohnenförmigen menschlichen Nieren sind unterhalb des Zwerchfells links und rechts neben der Wirbelsäule angeordnet.

Eine Niere ist im Durchschnitt etwa 10-12 cm lang, 5-7 cm breit und 120-200 g schwer.

Wasser- und Elektrolythaushalt

Niere als Filter

Die Aufgabe der Nieren besteht vor allem darin, das Volumen der Körperflüssigkeit (insbesondere des Blutplasmas) und die Konzentration der darin enthaltenen Substanzen konstant zu halten.

Um dies zu gewährleisten, ist eine gute Durchblutung der Nieren erforderlich. Aus dem Blutplasma werden in den Nierenkörperchen (Glomeruli) pro Tag etwa 180 l des sogenannten Primärharns abfiltriert. Dieser besteht neben Wasser aus sämtlichen im Blut gelösten Substanzen (außer Proteinen). Alle Stoffe, die im Überschuss vorliegen, werden mit dem Urin (Endharn) ausgeschieden (ca. 1-1,5 l), während der größte Teil dem Körper zurückgeführt wird.

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Entgiftungsfunktion

Sowohl körperfremde (Arzneimittel) als auch körpereigene Substanzen werden mit Hilfe der Nieren ausgeschieden. Bei letzteren handelt es sich um körpereigene Stoffwechselendprodukte wie z.B. Kreatinin, Harnstoff und Harnsäure.

Bei Nierenerkrankungen, bei denen diese Funktion gestört ist, kommt es zu einem Anstieg dieser sogenannten harnpflichtigen Substanzen im Blutserum (Urämie). Dies äußert sich in Übelkeit, Erbrechen usw.

Säure-Basen-Haushalt

Der menschliche Organismus ist auf einen konstanten pH-Wert des Blutes angewiesen (pH=7,4). Dafür stehen ihm mehrere Regulationsmechanismen zur Verfügung, wie z.B. Puffersysteme des Blutes, die Lunge, die Leber und die Niere.

Die im Körper auftretenden "fixen" Säuren (z.B. Milchsäure, Ketonkörper) werden mit Hilfe der Nieren eliminiert. Hierfür werden Wasserstoffionen an Ammoniak und Phosphat gebunden und mit dem Urin ausgeschieden.

Hormone

In den Nieren werden auch einige wichtige Hormone wie z.B. das Erythropoetin (EPO) produziert. Dieses ist für die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) verantwortlich. Ein Mangel kann daher zur Blutarmut (Anämie) führen. Häufig wird es auch als Dopingmittel missbraucht.

Das für Aufnahme von Calcium und Phosphor benötigte Vitamin D wird in den Nieren in seine eigentlich wirksame Hormonform überführt (Calcitriol). Eine gestörte Umwandlung bei Nierenerkrankungen kann zu Knochenerweichungen (Osteoporose) führen.

Nierenerkrankungen - Nierenversagen

Definition

Sind die Nieren durch eine Erkrankung so geschädigt, dass sie nicht mehr in der Lage sind, die bei normaler Ernährung anfallenden Stoffwechselendprodukte vollständig auszuscheiden, so spricht man von Nierenversagen oder Niereninsuffizienz. Je nachdem, ob sich das Nierenversagen rasch (z.B. durch akuten Blutverlust mit Schock) oder langsam (z.B. aufgrund einer chronischen Nierenentzündung) entwickelt, unterscheidet man zwischen akuter und chronischer Niereninsuffizienz.

Bei beiden Erkrankungen ist eine der Schwere der Erkrankung angepasste eiweißarme Ernährung die Grundlage der Behandlung. Den Grad der Niereninsuffizienz bestimmt der Arzt mit Hilfe des Kreatinin- und Harnstoffspiegels im Blut. Der Normalwert bei Kreatinin liegt zwischen 0,8-1,2 mg/dl und der Normalwert von Harnstoff liegt bei 20-45 mg/dl. Bei einer Niereninsuffizienz sind diese Werte erhöht. Ist die Niereninsuffizienz allerdings so stark ausgeprägt, dass mit eiweißarmer Diät keine Besserung mehr möglich ist, muss entweder mit der künstlichen Niere (Hämodialyse) oder mit Bauchfellspülung (Peritonealdialyse) behandelt werden. Später kann dann eventuell auch eine Nierentransplantation (Nierenverpflanzung) nötig sein.

Tipp

In unserer Rubrik Berechnungstools können Sie mit Hilfe des Kreatininwertes ihre Glomeruläre Filtrationsrate berechnen.

Akutes Nierenversagen

Beim akuten Nierenversagen verringert sich die Urinausscheidung auf 100-500 ml/ Tag (Oligurie) oder sogar auf <100ml / Tag (Anurie). Im allgemeinen kommt es ca. 14 Tage nach dem akuten Ereignis wieder zu einer Urinausscheidung. Zur Vermeidung einer Vergiftung mit harnpflichtigen Substanzen ist in der Zwischenzeit eine Dialysebehandlung erforderlich. Nach etwa einem halben Jahr hat sich in der Regel die Nierenfunktion wieder normalisiert.

Chronisches Nierenversagen

Alle fortschreitenden Nierenerkrankungen können, wenn die Zerstörung des Nierengewebes ein bestimmtes Ausmaß erreicht hat, zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen. Je nach Grad der Nierenfunktionsstörung lassen sich im Verlauf der chronischen Niereninsuffizienz verschiedene Stadien unterscheiden.

Ursachen

Akutes Nierenversagen

  • plötzlicher Blutverlust (z.B. nach schweren Unfällen oder Operationen)

  • plötzlicher Blutdruckabfall

  • Vergiftungen (bakterieller Infekt, Quecksilber, Pilztoxine)

  • allergische Schädigung der Nierenkörperchen durch Medikamente

Chronisches Nierenversagen

  • Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis)

  • Schädigung der Niere durch Zuckererkrankung (diabetische Nephropathie)

  • Nierenbeckenentzündung bzw. Entzündung des Nierenzwischengewebes

  • Zystennierenerkrankung

  • Nierensteine

  • Bluthochdruck

  • Schmerzmittelmissbrauch (v.a. Phenacetin)

Symptome

  • Abgeschlagenheit, Teilnahmslosigkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen usw.

  • entzündliche Schädigungen der Magen-Darm-Schleimhaut (sog. urämische Gastritis und Enteritis), die mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall einhergehen

  • Störungen des Zentralnervensystems mit Krampfneigung und psychischen Veränderungen (Konzentrationsschwäche, Sprachstörungen, depressive und paranoide Zustände, Muskelkrämpfe)

  • Blutarmut infolge Mangel an Erythropoetin (EPO)

  • entzündliche Veränderungen am Herzen (z.B. Perikarditis)

  • entzündliche Veränderungen an der Haut (Trockenheit, Schuppung, Hautblutungen, starker Juckreiz)

  • gestörte Wundheilung

  • Störungen hormoneller Funktionen (sekundärer Hyperparathyreoidismus, sek. Hyperaldosteronismus)

  • Rückbildung der Skelettmuskulatur

Krankheitsverlauf

1. Stadium

Stadium der leichten Niereninsuffizienz (volle Kompensation)

In diesem Stadium ist die Nierenfunktion unter Ruhebedingungen noch normal. Mit Hilfe empfindlicher Nierenfunktionsproben lässt sich jedoch eine geringe Einschränkung der Leistungsbreite erkennen. Die Symptome einer Niereninsuffizienz fehlen im allgemeinen, ebenso erfolgt noch keine Ansammlung harnpflichtiger Substanzen im Blut.

Serumkreatinin <2 mg/dl

2. Stadium

Stadium der mäßigen Niereninsuffizienz (kompensierte Retention)

In diesem Stadium kommt es zu einer vermehrten Urinausscheidung von mehreren Litern pro Tag (Polyurie) und zu einer geringfügigen Erhöhung der harnpflichtigen Substanzen im Blut (Serumkreatinin 2-6 mg/dl, Serumharnstoff 100-150 mg/dl).

3. Stadium

Stadium der fortgeschrittenen Niereninsuffizienz (Präurämie)

Neben einem weiteren Anstieg der harnpflichtigen Substanzen im Blut (Serumkreatinin 6-12 mg/dl) treten deutliche Symptome der chronischen Niereninsuffizienz auf. Außerdem vermindert sich die Urinausscheidung auf Werte bis unter 500ml/Tag (Oligurie).

4. Stadium

Stadium der dekompensierten Niereninsuffizienz (Urämie/ Dialysebehandlung)

Unter weiterer Abnahme der Harnmenge auf ca. 100 ml/Tag und weniger (Anurie) kommt es zum klassischen Bild der Urämie. Der Serumharnstoff liegt bei >150 mg/dl, das Serumkreatinin bei >12 mg/dl.

Nierenerkrankungen - Ernährung

Ernährungstherapie bei akutem Nierenversagen

Die Therapie richtet sich zunächst nach der auslösenden Grunderkrankung und dem Schweregrad der akuten Niereninsuffizienz. Bei einer schwach ausgeprägten Verlaufsform reichen diätetische Maßnahmen meist aus. Entscheidend ist die Höhe der Flüssigkeitszufuhr, die sich nach der Harnausscheidung des Patienten richtet und daher individuell angepasst werden muss. Regelmäßiges Wiegen kann dabei helfen, Wassereinlagerungen durch eine zu hohe Flüssigkeitszufuhr zu verhindern.

In der Regel müssen sich Patienten mit akutem Nierenversagen kurzfristig einer Dialysebehandlung unterziehen, sofern die Flüssigkeitsausscheidung weiter abnimmt und/oder die Kaliumwerte im Blut stark ansteigen. In diesen Fällen muss die Ernährung den Erfordernissen der Dialyse angepasst werden (siehe Ernährungstherapie bei Dialysebehandlung).

Im Gegensatz zur chronischen Niereninsuffizienz muss die Dialyse nur für die Dauer der akuten Phase durchgeführt werden. Nach der Normalisierung der Nierenfunktion (nach ca.14 Tagen) kommt es zu einer reaktiv vermehrten Urinproduktion und -ausscheidung (mehrere Liter/ Tag), so dass die Flüssigkeitszufuhr entsprechend der Urinmenge gesteigert werden kann.

Ernährungstherapie bei chronischem Nierenversagen

Die Ernährung chronisch niereninsuffizienter Patienten nimmt im Rahmen der Gesamttherapie eine bedeutende Rolle ein. Das Ziel ernährungstherapeutischer Maßnahmen ist die Absenkung der harnpflichtigen Substanzen im Blut, die Senkung und Normalisierung des Blutdrucks bei häufig vorhandenem Hochdruck sowie die Ausschwemmung von krankhaften Wassereinlagerungen (Ödemen). Außerdem soll eine Mangelernährung vermieden und ein Fortschreiten der Nierenerkrankung sowie ihren Folgekrankheiten verhindert werden.

Ein wichtiger Teil der richtigen Ernährung ist eine dem Bedarf des Organismus und der Nierenfunktion angepasste Eiweißzufuhr, da durch eine zu hohe Eiweißaufnahme nicht nur kranke, sondern auch gesunde Nieren belastet werden. Ferner kann durch eine Eiweißrestriktion das Fortschreiten der Niereninsuffizienz verlangsamt werden.

Eiweißzufuhr im...

1. Stadium

Patienten in diesem Stadium wissen häufig noch nichts von ihrer Erkrankung. Die Nieren sind noch in der Lage, alle physiologischen Aufgaben zu erfüllen. Die Eiweißzufuhr sollte entsprechend den Empfehlungen für Gesunde bei etwa 0,8g Eiweiß/ kg Körpergewicht liegen, was sich am einfachsten über eine vegetarische Kost realisieren lässt.

2. Stadium

In diesem Stadium ist eine eiweißarme (0,45-0,6g Eiweiß/ kg Körpergewicht/ Tag) Ernährung angezeigt. Bei der Zusammenstellung einer solchen Kost sollte man möglichst die höhere biologische Wertigkeit bestimmter Eiweißkombinationen beachten, z.B. Kartoffel-Ei, Bohnen-Ei, Getreide-Milch etc.

3. Stadium

Zur Senkung der stark erhöhten Kreatinin- und Harnstoffwerte im Blut darf in diesem Stadium die täglich zugeführte Menge an Eiweiß 0,35-0,45g/ kg Körpergewicht nicht überschreiten. Hier ist die Verwendung speziell eiweißreduzierter Lebensmittel notwendig (z.B. eiweißarmes Mehl, Brot, Teigwaren). Eine solche Kost am Rande des Eiweißminimums muss jedoch streng ärztlich überwacht werden, da bei nicht ausreichender Eiweißzufuhr körpereigenes Leber- und Muskeleiweiß abgebaut werden. Um zu verhindern, dass Eiweiß zusätzlich zur Energiegewinnung herangezogen wird, ist auf eine bedarfsdeckende Energiezufuhr zu achten.

Um bei einer derart niedrigen Proteinzufuhr einen Eiweißmangel zu verhindern, ist es notwendig, besonders hochwertige Proteine zuzuführen. Auf dieser Tatsache beruht die "Kartoffel-Ei-Diät". Die Kombination dieser beiden Lebensmittel enthält das bislang hochwertigste Eiweiß überhaupt.

Als Alternative kann auch die sogenannte Schwedendiät durchgeführt werden. Die Nahrungsmittelauswahl ist hier nicht so streng, so dass bei der Speiseplan abwechslungsreicher gestaltet werden kann. Allerdings müssen die bei der Schwedendiät in unzureichender Menge enthaltenen essentiellen Aminosäuren (Eiweißbausteine) in Tabletten- oder Granulatform zugeführt werden.

Tagesbeispiel für eine eiweißarme Diät

Bei einer Eiweißzufuhr von 0,4g/kg Körpergewicht/Tag ergibt sich für eine 70kg schwere Person eine Eiweißaufnahme von ca. 28g/Tag. Um deutlich zu machen, welche Lebensmittel Sie in diesem Fall essen dürften, um Ihre Eiweißzufuhr auf 28g/Tag zu senken, wird im Folgenden ein Menüplan als Tagesbeispiel vorgestellt.

 

Frühstück

kcal

Eiweiß [g]

80g glutenfreies, eiweißarmes Brot

187,2

0,8

20g Butter

148,2

0,13

30g Aprikosenkonfitüre

81,6

0,1

30g Kräuterfrischkäse

74,7

2,55

150ml Kaffee

0

0

10g Kaffeesahne

11,7

0,31

10g Zucker

40,5

0

Zwischenmahlzeit

150g Banane

142,5

1,73

Mittagessen

Kartoffelauflauf:

300g Kartoffeln (gegart)

207

5,88

100g Aubergine (gegart)

17

1,23

80g Zucchini (gegart)

15,2

1,28

80g Tomaten (gegart)

16

0,85

10g Margarine

72,16

0,02

50g Sahne

153,91

1,18

30g Hühnerei (gegart)

44,7

3,73

20g Gouda (45% Fett i.Tr.)

72,96

5,1

Zwischenmahlzeit

Obstsalat:

50g Kiwi

25,31

0,5

50g Birne

26

0,25

50g Apfel

26

0,17

50g Banane

47,5

0,57

10g Zucker

40,5

0

20ml Zitronensaft

5,29

0,08

Abendessen

Schnittlauchbrot und gemischter Salat:

80g glutenfreies, eiweißarmes Brot

187,2

0,84

20g Butter

148,2

0,13

3g Schnittlauch

0,82

0,11

50g Tomate

8,63

0,47

50g Gurke

6

0,3

30g Radieschen

4,5

0,31

10g Sonnenblumenöl

88,2

0

Summe

1902,48 kcal

28,97g Eiweiß

 

Aus diesem Beispiel wird ersichtlich, dass eine eiweißreduzierte Diät mit einer Eiweißzufuhr mit 0,4g/ kg Körpergewicht/ Tag nur dann eingehalten werden kann, wenn auf sehr eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch und Fisch ganz verzichtet wird und wenn eiweißreiche Wurst- und Käsesorten durch eiweißärmere Sorten ersetzt werden.

Tipp: Eiweissarme Rezepte

In unserer Rezeptdatenbank finden Sie zahlreiche eiweißarme Rezepte.

4. Stadium

Da hier eine weitere Reduktion der Eiweißzufuhr nicht mehr möglich ist und ein Ansteigen der Stoffwechselendprodukte durch diätetische Maßnahmen nicht mehr verhindert werden kann, muss in diesem Stadium mit der Dialysebehandlung begonnen werden.

Flüssigkeitszufuhr

Die Flüssigkeitszufuhr sollte zwischen 2 und 2,5l/Tag betragen, um die anfallenden Stoffwechselendprodukte auszuscheiden. In der Regel kann sich der Patient auf sein Durstgefühl verlassen, da eher die Tendenz zur Austrocknung als zur Überwässerung besteht. Stark erhöhte Trinkmengen sind überflüssig und begünstigen die Entstehung von Lungen- und Hirnödemen.

Natrium, Kalium, Phosphat

Eine Einschränkung der Natrium- bzw. Kochsalzaufnahme ist v.a. bei bestehendem Bluthochdruck bzw. bei Wassereinlagerungen notwendig. Ansonsten sollte der Salzgehalt der Nahrung 6g/Tag nicht übersteigen. Streng natriumarme Diäten können sogar zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion führen.

Eine chronische Niereninsuffizienz macht eine Einschränkung des Phosphatverzehrs notwendig. Da der Phosphatgehalt bei einer eiweißarmen Ernährung ohnehin vermindert ist, sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich.

Eine Kaliumreduktion ist nur dann notwendig, wenn der Kaliumgehalt des Blutes erhöht ist. Ist dies der Fall, müssen besonders kaliumreiche Lebensmittel gemieden werden. Durch eine spezielle küchentechnische Aufbereitung lässt sich der Kaliumgehalt der Lebensmittel reduzieren. Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz (Kreatinin>6mg/dl) sollte die tägliche Kaliumzufuhr etwa 2g betragen.

Nierenerkrankungen - Dialysediät

Das Stadium der Urämie ist eine lebensbedrohliche Situation für den Patienten. Ein Weiterleben ist hier nur noch mit der künstlichen Niere (Dialyse) möglich. Es muss dabei beachtet werden, dass sämtliche Dialyseverfahren zu Aminosäureverlusten führen, die Peritonealdialyse (Bauchfellspülung) zusätzlich noch zu einem Verlust an Plasmaproteinen (Eiweißbestandteile des Blutes). Diese Verluste müssen durch eine entsprechende Ernährung kompensiert werden.

Flüssigkeitszufuhr

Eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr kann beim Nierenkranken aufgrund der verminderten Ausscheidung zu Nierenschwellungen sowie Lungen- und Hirnödemen führen. Um dies zu vermeiden, sollte die tägliche Trinkmenge folgendermaßen eingestellt werden:

Trinkmenge = Urinvolumen des Vortages + 500ml

Die Gewichtszunahme zwischen zwei Dialysebehandlungen sollte maximal 1kg betragen. Andererseits ist die Flüssigkeitszufuhr weiter zu reduzieren.

Hier finden Sie Tipps zum erleichterten Einhaltung der limitierten Trinkmenge.

Ernährung bei Hämodialyse

Proteinzufuhr

Der Proteinbedarf ist leicht erhöht, da Aminosäuren und Peptide in das Dialysat übertreten. Die tägliche Zufuhr sollte zwischen 1,0 und 1,2g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht betragen. Dabei sollten möglichst hochwertige Proteine bevorzugt werden. Eiweißzulagen sind jedoch nicht erforderlich, da die tatsächliche Aufnahme in der BRD bereits darüber liegt.

Natrium, Kalium, Phosphat

Während beim Nierengesunden eine reichliche Kaliumzufuhr erwünscht ist, kann dies beim Patienten mit Niereninsuffizienz (insbesondere in den fortgeschrittenen Stadien) zu einer krankhaften Erhöhung des Blutkaliumspiegels führen. Dies wiederum kann zu tödlichem Herzversagen führen. Daher ist eine Vermeidung kaliumreicher Lebensmittel notwendig. Die tägliche Kaliumzufuhr sollte auf <2g Kalium/Tag beschränkt werden.

Die Phosphatzufuhr sollte zwischen 1 und 1,2g/Tag liegen. Da proteinreiche Lebensmittel meist auch einen hohen Phosphatgehalt aufweisen (phosphatarme Diät) und die Dialysekost relativ proteinreich sein sollte, ist der Einsatz von Phosphatbindern (z.B. Calciumacetat) häufig unumgänglich. Zu meiden sind Lebensmittel mit besonders hohem Phosphatgehalt (z.B. Schmelzkäse).

Um Wassereinlagerungen vorzubeugen, sollte die tägliche Kochsalzzufuhr 6g NaCl nicht übersteigen, Außerdem verstärkt eine natriumreiche Kost das Durstgefühl.

Ernährung bei Peritonealdialyse

Proteinzufuhr

Bei der Peritonealdialyse können neben Aminosäuren und Peptiden auch Proteine (8-13g) die Peritonealmembran passieren, so dass sich der Eiweißbedarf im Vergleich zur Hämodialyse auf 1,2 bis 1,5 g/kg Körpergewicht erhöht.

Die häufigste Komplikation der Peritonealdialyse stellt die Peritonitis (Entzündung des Bauchfells) dar, woraus ein massiver Eiweißverlust (>15g) resultiert. Während dieser Phase sollte die Proteinzufuhr auf 1,8 g/kg Körpergewicht angehoben werden.

Natrium, Kalium, Phosphat

Eine Einschränkung der Natrium- und Kaliumzufuhr ist aufgrund der dialysebedingten Verluste nicht erforderlich. Für die Phosphatzufuhr gelten die gleichen Richtlinien wie bei der Hämodialyse.

Nahrungsergänzung

Vitamine

Der dialysebedingte Verlust an wasserlöslichen Vitaminen (v.a. Vitamine der B-Gruppe, Folsäure, Vitamin C) macht eine regelmäßige Substitution erforderlich. Außerdem enthalten vitaminreiche Lebensmittel meist auch viel Kalium.

Eisen

Um eine Blutarmut zu vermeiden, sollte bei Dialysepatienten sogenanntes "zweiwertiges" Eisen in Form von Tabletten zugeführt werden. Zur Unterstützung der Blutbildung eignet sich die Gabe der Aminosäure L-Histidin (1,0-1,5g/Tag) sowie des "Blutbildungshormons" Erythropoetin (EPO).

L-Carnitin

Möglicherweise kommt es auch zu einem Mangel an dem ebenfalls wasserlöslichen Carnitin, das für den Transport langkettiger Fettsäuren in die Mitochondrien verantwortlich ist. Bei etwa 50% der Patienten liegen niedrige Serumwerte vor, was zu einem Anstieg von freien Fettsäuren im Blutserum führt. Daher ist bei nachgewiesenem Carnitinmangel eine gezielte Supplementierung, vor allem bei erhöhten Triglyceridwerten, sinnvoll.

Nierenerkrankungen - Andere Nierenerkrankungen

Schwangerschaftsniere

Die während einer Schwangerschaft auftretenden Nierenerkrankungen werden als Schwangerschaftsniere (Nephropathia gravidarium) bezeichnet. Diese ist meistens gekennzeichnet durch Wassereinlagerungen, Eiweißausscheidung mit dem Urin und Bluthochdruck.

Schwangere sollten daher auf eine kochsalzarme (6g/Tag), kaliumreiche Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr (mindestens 1,5l/Tag) achten. Weiterhin gelten die Empfehlungen für schwangere Frauen.

Nephrotisches Syndrom

Chronische Entzündungen und Infektionen können die Durchlässigkeit der Nierenkörperchen für bestimmte Proteine erhöhen. Dies führt dazu, dass Eiweiß mit dem Urin ausgeschieden wird und die Entstehung von Wassereinlagerungen begünstigt wird. Diese Symptomatik wird als Nephrotisches Syndrom bezeichnet.

Die Höhe der Proteinzufuhr mit der Nahrung richtet sich nach der Höhe der Eiweißverluste sowie nach der Nierenfunktion des Patienten. Als Richtwert wird eine Menge von etwa 1,3-1,5g Eiweiß pro kg Körpergewicht angegeben. Aufgrund der häufig bestehenden Wassereinlagerungen sollte die Kochsalzzufuhr auf 6g/Tag reduziert werden. Das entspricht etwa der Hälfte der tatsächlich in Deutschland verzehrten Salzmenge.

Nierenentzündungen

Nierenentzündungen werden meist durch bestimmte Bakterien (z.B. Escherichia coli) ausgelöst und können an verschiedenen Stellen der Nieren auftreten. Dazu zählen Entzündungen der Nierenkörperchen, Entzündungen des Nierenzwischenraums sowie Entzündungen des Nierenbeckens.

Während akute Nierenentzündungen meist ohne Folgen ausheilen, kann sich aus der chronischen Verlaufsform eine Niereninsuffizienz entwickeln. Nierenentzündungen äußern sich u.a. in lokalen Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost.

Die Entstehung von Nierenentzündungen wird begünstigt durch Verengungen der ableitenden Harnwege (z.B. Harnsteine, Prostatavergrößerung), Diabetes mellitus sowie Schwangerschaft und Querschnittslähmung.

Bei der Therapie sollte zunächst die Ursache behandelt und die Trinkmenge (mindestens 2 l/Tag) erhöht werden. Häufig kommt auch eine Antibiotika-Therapie in Betracht.

Senfölhaltige Lebensmittel wie z.B. Meerrettich wirken antibakteriell und können therapiebegleitend bzw. prophylaktisch eingesetzt werden. Eine Ansäuerung des Harns mit der Aminosäure L-Methionin kann ein erneutes Auftreten vorbeugen.

Nierenvenenthrombose

Eine Thrombose (Blutpfropfen) der Nierenvene führt zu kolikartigen Schmerzen und kann unter Umständen eine Schädigung des Nierengewebes hervorrufen. Die häufigsten Ursachen sind Traumata und Operationen, Entzündungen der Nierenkörperchen sowie starke Wasserverluste bei Säuglingen.

Nierenzyste

Eine Nierenzyste ist eine - im Gegensatz zu Zystennieren - harmlose Geschwulst im Nierengewebe, die meist keine Symptome hervorruft und daher in der Regel keine Behandlung erforderlich macht. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko einer Nierenzyste an.

Papillennekrose

Ein durch eine Entzündung von einzelnen bzw. mehreren Nierenpapillen hervorgerufener Untergang von Nierengewebe wird als Papillennekrose bezeichnet. Sie geht häufig aus Nierenentzündungen in Kombination mit Diabetes mellitus oder dem regelmäßigen Gebrauch von Scherzmitteln hervor. Sie führt zu lokalen Schmerzen, Blutausscheidung mit dem Urin und eventuell zu Verstopfungen der ableitenden Harnwege.

Zystennieren

Darunter versteht man die angeborene, meist beidseitige Ausbildung von mehreren Zysten an den verschiedenen Stellen der Niere, die in der Regel zu einer Vergrößerung der Nieren, Bluthochdruck und einer fortschreitenden Niereninsuffizienz führen. Bei etwa 7-10% aller Dialysebehandlung sind Zystennieren die Ursache.

Häufig werden auch andere Organe in Mitleidenschaft gezogen. Dazu zählen vor allem Leber, Milz und Bauchspeicheldrüse.

Da eine Heilung nicht möglich ist, beschränkt sich die Behandlung auf die Therapie der auftretenden Komplikationen (z.B. Dialyse).

Nephrocalcinose

Unter diesem Begriff versteht man die Einlagerung von Kalksalzen in das Nierengewebe. Die Nephrocalcinose tritt bei erhöhten Blutcalciumwerten, bei verstärkter Calciumausscheidung über die Nieren und bei Malignomen mit Skelettbeteiligung auf.

Sie kann aber auch als Folge von degenerativen Veränderungen des Nierengewebes auftreten (z.B. bei Gewebsuntergang, Schmerzmittelmissbrauch). Aus der häufig symptomfreien Nephrocalcinose kann sich im Laufe der Zeit eine Niereninsuffizienz entwickeln.

Nierenkolik

Die Bezeichnung Nierenkolik beschreibt einen stechenden Schmerz in der Nierengegend, der durch das krampfhafte Zusammenziehen der Nierenmuskulatur ausgelöst wird. Weitere Anzeichen sind Übelkeit, Erbrechen und motorische Unruhe.

Besonders häufig werden Nierenkoliken ausgelöst durch Nierensteine, aber auch Nierenentzündungen, Nierenschwellungen, Gefäßverschlüsse (Niereninfarkt) Nierenzysten sind häufige Auslöser.

Die Therapie besteht in der Behandlung der Erkrankung, die die Nierenkolik verursacht hat.

Nierenerkrankungen - Praktische Tipps

Flüssigkeitszufuhr

Tipps zum leichteren Einhalten der limitierten Trinkmenge

  • Trinken nur bei wirklichem Durst, nicht aus bloßer Gewohnheit

  • Nährstoffhaltige Flüssigkeiten (erlaubte Säfte, Milchgetränke, Suppen) den "leeren" Getränken (Kaffee, Tee, Limonaden, Alkoholika) vorziehen

  • für Getränke und Suppen möglichst kleine Gläser und Tassen verwenden

  • häufiger Mundspülen mit Wasser, ohne das Wasser zu schlucken

  • häufigere kleine Mahlzeiten gleichmäßig über den Tag verteilt zu sich nehmen

Natriumarme Kost

Kräuter statt Salz

Eine zu hohe Natrium- bzw. Kochsalzzufuhr begünstigt Wassereinlagerungen (Ödeme) und hohen Blutdruck. Dieser Tatsache wird durch eine entsprechende natriumarme Diät Rechnung getragen. Hierbei wird die Natriumzufuhr auf < 2,4g /Tag bzw. die Kochsalzzufuhr auf 5-6g /Tag reduziert. Eine solche Natriumeinschränkung kann in der Regel eingehalten werden durch Verwendung von frischen Kräutern anstelle von Salz und der Empfehlung, bei Tisch nicht zuzusalzen. Außerdem sollten anstelle von industriell hergestellten Produkten (Fertigprodukte, Konserven), die in der Regel sehr salzhaltig sind, bevorzugt frische Lebensmittel verwendet werden.

Phosphorarme Kost

Bei chronischer Niereninsuffizienz ist eine Begrenzung der Phosphataufnahme auf etwa 1-1,2g Phosphor/Tag notwendig.

Reicht jedoch die diätetische Phosphatsenkung nicht aus (v.a. bei eiweißreichen Dialysediät), sollten zusätzlich Phosphatbinder gegeben werden (z.B. Antiphosphat, Calciumacetat). Durch die Phosphatbinder werden allerdings nur 2000mg in der Woche aus dem Körper entfernt. Phosphat wird dem Körper in erster Linie durch Fleisch und Wurstwaren, aber auch durch Brot bzw. Getreide und Käse zugeführt.

Einzuschränken sind zum Beispiel folgende phosphorreiche Lebensmittel:

Lebensmittel

Phosphor [mg] pro Portion

Portionsgröße [g]

Phosphor [mg/100g]

Milch und Milchprodukte, Käse:

Mozzarella

423

150

282

Emmentaler, 45% Fett i. Tr.

252

30

840

Parmesan

261

30

871

Schmelzkäse , 45% Fett i. Tr.

239

30

795

Milch, 3,5% Fett

138

150

92

Camembert, 30% Fett i. Tr.

105

30

350

Edamer

121

30

403

Milchpulver

71

10

714

Fleisch und Fisch:

Sushi

564

400

141

Grillsteak

493

250

197

Heilbutt

430

200

215

Gebratene Rinderleber

410

125

328

Lachs

371

150

247

Truthahn

287

150

191

Matjes

255

90

283

Schweinekotelett

213

150

142

Rinderbrust

203

125

162

Getreideprodukte:

Weizenkleie

457

40

1142

Haferflocken

195

60

325

Knäckebrot

30

10

303

Getränke:

Helles Bier

92

330

28

Colagetränke

12

200

6

Sonstiges:

Käsespätzle

1461

670

218

Zitronenkuchen

477

320

149

Nasi Goreng

413

75

550

Nüsse, z. B. Paranüsse

405

60

675

Kräuteromelett

322

180

179

Mandeln

208

60

347

Pilze, z. B. getrocknete Steinpilze

161

25

642

Hühnereigelb

112

19

590

Schokolade

56

20

280

Kakaopulver

29

4

729

Quelle: berechnet mit PRODI expert®

Kaliumarme Kost

Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz ist eine Begrenzung der Kaliumaufnahme auf etwa 2g Kalium/Tag notwendig.

Kaliumgehalt einiger Lebensmittel

Lebensmittel

Kalium-Gehalt pro Portion [mg]

Portionsgröße [g]

Kalium-Gehalt [mg/100g]

Getreideerzeugnisse:

Weizenkleie

536

40

1340

Müsli

219

50

438

Vollkornbrot

146

50

291

Vollkornnudeln

130

125

104

Buchweizen

94

80

118

Nudeln

66

125

53

Weißbrot

40

30

132

Getreideflocken

38

10

382

Fleisch und Fisch:

Fisch, z. B. Forelle

581

150

387

Schweineinnereien

561

170

330

Rinderfilet

465

125

372

Pute

303

150

202

Gemüse:

Pommes frites

1852

200

926

Topinambur

956

200

478

Meerettich

942

150

628

Weiße Bohnen

926

200

463

Fenchel

790

200

395

Pastinake

785

150

523

Kartoffeln

768

200

384

Rettich

675

150

450

Pilze

672

200

336

Rosenkohl

546

150

363

Hülsenfrüchte

533

250

213

Kohlrabi

483

150

322

Spinat

465

150

310

Küchenkräuter

441

50

881

Rote Paprika

390

150

260

Schwarzwurzel

387

150

258

Sauerkraut

377

150

251

Pfifferlinge

370

200

185

Gurke

246

150

164

Blumenkohl

242

150

161

Tomate

188

80

235

Zucchini

147

150

98

Obst:

Datteln

813

125

650

Avocado

688

125

550

Banane

459

125

367

Schwarze Johannisbeeren

363

125

290

Passionsfrucht

334

125

267

Feigen

313

125

250

Zwetschgen

300

125

240

Himbeeren

250

125

200

Ananas

225

180

125

Orange

205

125

164

Apfel

149

125

119

Birne

143

125

114

Wassermelone

136

125

109

Sonstiges:

Nüsse

660

100

660

Rote-Rüben-Saft

484

200

242

Obst- und Gemüsesaft, z. B. Orangensaft

284

200

142

Alkoholfreies Bier

132

330

40

Tomatenmark

116

10

1160

Wein

107

130

82

Kaffee

99

150

66

Kräutertee

11

125

9

Quelle: berechnet mit PRODI expert®

Kaliumreduktion

Der Kaliumgehalt von Kartoffeln und Gemüse kann beispielsweise durch "Wässern" um bis zu 2/3 des Ausgangswertes gesenkt werden. Dazu werden die geschälten und kleingeschnittenen Kartoffeln oder das Gemüse über Nacht in der zehnfachen Wassermenge gewässert. Zum Kochen wird frisches Wasser verwendet, wobei das Kochwasser anschließend verworfen wird.

Alle Garmethoden, bei denen wenig Wasser verwendet wird (z.B. Schnellkochtopf), sind für die kaliumarme Ernährung nicht geeignet, da kaum Kaliumverluste auftreten.

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