Pankreatitis


Ernährungstipps & Patienteninfos & Beratungsmaterialien

Ernährungstipps

Auf diesen Seiten finden Sie die bewährten DEBInet-Ernährungstipps, die wir für Sie in unveränderter Form aus dem alten DEBInet (vor 11/2025) übernommen haben.

Die Ernährungstipps werden ab 12/2025 sukzessive überarbeitet.

Patienteninfos

Ganz neu konzipiert haben wir kurze und prägnante Patienteninfos zur Weitergabe an Betroffene und Interessierte. Der Inhalt kann unten eingesehen werden, zum Ausdruck empfehlen wir das übersichtliche zweiseitige PDF-Format.

Beratungsmaterialien

Dieser Bereich wird nach und nach mit Schulungsunterlagen, LM-Tabellen und anderen Beratungsmaterialien gefüllt, die dann unter den PREMIUM-Anwendern ausgetauscht werden können. Wir freuen uns dabei auf Ihre Anregungen und Ihre Mitwirkung.


Patienteninfos/Ernährungsinfos

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Patienteninfo Akute Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)

Krankheitsbild

Definition

Die akute Pankreatitis ist eine plötzlich auftretende Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Sie kann leicht oder schwer verlaufen. Bei der milden, ödematösen Form treten meist keine Komplikationen auf. Die schwere, hämorrhagisch-nekrotisierende Form kann zu Gewebeschädigungen, Blutungen und lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

Symptome

Typisch sind plötzlich einsetzende, starke Oberbauchschmerzen, oft mit gürtelförmiger Ausstrahlung in den Rücken. Häufig treten zusätzlich Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Kreislaufprobleme und ein aufgeblähter Bauch auf.

Ursachen

Häufigste Auslöser sind Gallensteinleiden und schädlicher Alkoholgebrauch. Weitere Risikofaktoren sind Tabakrauchen, stark erhöhte Blutfette (Triglyceride), bestimmte Infektionen (selten), Verengungen oder Vernarbungen (Stenosen) der Gallenwege, bestimmte Medikamente sowie Stoffwechselstörungen (z. B Diabetes mellitus Typ 2).

Diagnose

Die Diagnose wird gestellt, wenn mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • (1) Typische Symptomatik (plötzlich einsetzende, anhaltende Oberbauchschmerzen mit möglicher Ausstrahlung in den Rücken),
  • (2) erhöhte Serum-Lipase (über das Dreifache des oberen Normwerts) und
  • (3) bildgebende Befunde mittels Ultraschall, CT oder MRT, die mit einer Pankreatitis vereinbar sind.

Therapie

Die Behandlung einer akuten Pankreatitis richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Ziel ist es, die Entzündung der Bauchspeicheldrüse zu reduzieren, Schmerzen zu lindern, die Verdauungsfunktion zu normalisieren und Komplikationen zu vermeiden.
Eine zentrale Rolle der Therapie spielt die Ernährung, die über den Verlauf der Erkrankung individuell angepasst wird

Je nach Situation können folgende Maßnahmen erforderlich sein:

  • Frühzeitige kontrollierte Flüssigkeitsgabe über eine Infusion, angepasst an den individuellen Bedarf, um die Durchblutung der Bauchspeicheldrüse zu sichern
  • Schmerztherapie mit geeigneten Medikamenten
  • Konsequenter Verzicht auf Alkohol und Rauchen
  • Antibiotikatherapie nur bei nachgewiesener bakterieller Infektion; Probiotika werden nicht empfohlen
  • Behandlung der zugrundeliegenden Ursache: z.B. bei Gallenstein-bedingter Pankreatitis, Abklärung und ggf. Entfernung der Gallenblase, um Rückfälle zu vermeiden

Ernährungstherapie


Basis: ausgewogen und individuell

Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle in der Behandlung der akuten Pankreatitis. Sie soll den Körper ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgen, Komplikationen vorbeugen und die Verdauungsfunktion erhalten. Grundsätzlich gilt: Gegessen werden kann, was vertragen wird.

  • Die Ernährung richtet sich nach dem Schweregrad und der individuellen Verträglichkeit.
  • Möglichst frühzeitig (innerhalb von 24-48 Stunden) sollte wieder Nahrung angeboten werden.
  • Bei milder akuter Pankreatitis sind Nüchternphasen nicht erforderlich; empfohlen wird ggf. eine leicht verdauliche Kost (angepasste Vollkost).
  • Bei schwerer akuter Pankreatitis und fehlender oraler Nahrungsaufnahme wird eine frühzeitige enterale Ernährung (über eine Sonde) bevorzugt. Eine vollständige parenterale Ernährung (über Infusion) ist nur bei zwingender Notwendigkeit angezeigt.

Wichtige Empfehlungen

  • mehrere kleine statt wenige große Mahlzeiten testen; regelmäßig essen, nicht zu heiß oder zu kalt.
  • schonende Zubereitungsarten wie Dünsten, Dämpfen oder Backen in Folie mit wenig Fett wählen
  • auf Eiweißkombinationen mit hoher biologischer Wertigkeit achten (z.B. Kartoffeln mit Ei oder Quark)
  • moderates Maß an Ballaststoffen (je nach Verträglichkeit)
  • kein Alkohol; wenig Zucker; Kaffee nur in Maßen (2 Tassen täglich, bei Verträglichkeit)

Geeignete Lebensmittel (angepasste Vollkost)

  • Getränke: Wasser, ungesüßter Kräuter- oder Früchtetee, verdünnte Säfte
  • Brot & Getreide: Fein gemahlenes Vollkorn- oder Mischbrot, Reis, Nudeln, feine Haferflocken
  • Kartoffeln & Gemüse: Salzkartoffeln, Kartoffelpüree, gedünstetes oder gekochtes Gemüse (z.B.Karotten, Zucchini, Kürbis)
  • Obst: reife, weiche Obstsorten oder gedünstetes/gekochtes Obst; z.B. Apfelmus, Bananen
  • Milchprodukte: fettarme Varianten ohne Zusätze (z.B. Naturjoghurt, Quark, Kefir, Buttermilch)
  • Fleisch/Fisch: magere Sorten; z.B. Geflügel, Filet; fettarmer Fisch: z.B. Kabeljau, Seelachs
  • Fette: kleine Mengen hochwertiger pflanzlicher Öle (z.B. Raps- oder Olivenöl) zur Zubereitung

Weniger geeignete Lebensmittel (schwer verdaulich, fett- oder reizstoffreich)

  • sehr fette- und frittierte Speisen: Pommes, Chips, panierte Speisen, Wurst mit hohem Fettgehalt
  • sehr zuckerreiche Lebensmittel: Kuchen, Schokolade, Süßigkeiten in großen Mengen
  • blähende Gemüsearten wie Kohl-, Lauch- und Paprikagemüse
  • stark gewürzte oder sehr salzige Speisen
  • Alkohol und koffeinhaltige Getränke (Kaffee, Energy-Drinks)

Wo finde ich Unterstützung und weitere Informationen?

Verbände und Selbsthilfegruppen

Betroffene und Angehörige finden beim Arbeitskreis der Pankreatektomierten e.V. (AdP e.V.) umfassende Informationen zu Kliniken, Selbsthilfegruppen und weiteren Angeboten.

Weitere Informationen und professionelle Beratungsangebote

In unserer DEBInet-Rezeptdatenbank finden Sie zahlreiche geeignete Rezepte und können sich den Fettgehalt von Lebensmitteln anzeigen lassen.
Ausführlichere Informationen zu Krankheitsverlauf und Ernährungstherapie erhalten Sie im Premium- Bereich, bei einer zertifizierten Ernährungsfachkraft oder einem Ernährungsmediziner DAEM/DGEM.

Literatur

  • DEBInet – Deutsches Ernährungsberatungs- & -informationsnetz: Ernährungstipps I Pankreatitis
  • Hauner et al. (2019): Leitfaden Ernährungstherapie in Klinik und Praxis (LEKuP). Aktuelle Ernährungsmedizin, 44, 384-419. https://doi.org/10.1055/a-1030-5207
  • S3 – Leitlinie Pankreatitis - Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). September 2021. AWMF Registernummer 021-003

Patienteninfo Chronische Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)

Krankheitsbild

Definition

Die chronische Pankreatitis ist eine anhaltende oder wiederkehrende Entzündung der Bauchspeicheldrüse, bei der gesundes Drüsengewebe zunehmend durch Bindegewebe ersetzt wird. Dadurch gehen sowohl die Bildung von Verdauungsenzymen (exokrine Funktion) als auch die Produktion wichtiger Hormone wie Insulin und Glucagon (endokrine Funktion) fortschreitend verloren.

Symptome

Der Verlauf der chronischen Pankreatitis kann schubweise oder stetig fortschreitend sein. Typisch sind wiederkehrende oder dauerhafte Oberbauchschmerzen, die häufig gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen. Im frühen Stadium können Beschwerden auch fehlen. Mit zunehmender Krankheitsdauer entwickeln sich eine diabetische Stoffwechsellage sowie Verdauungsstörungen, die zu Gewichtsabnahme, Fettstuhl (Steatorrhoe), Durchfall und Meteorismus (Blähungen) führen können.

Ursachen

Die häufigste Ursache ist ein langjähriger übermäßiger Alkoholkonsum. Auch Tabakrauchen gilt als unabhängiger Risikofaktor und beschleunigt den Krankheitsverlauf. Weitere mögliche Auslöser sind Autoimmunerkrankungen, genetische Veränderungen, ein primärer Hyperparathyreoidismus oder sehr hohe Blutfettwerte (Hypertriglyceridämie). In seltenen Fällen kann auch ein bösartiger Tumor zugrunde liegen. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt die Ursache unklar (idiopathische Pankreatitis).

Diagnose

Die Diagnose einer chronischen Pankreatitis erfordert eine Kombination verschiedener Verfahren:

  • klinische Symptomatik (siehe „Symptome“)
  • Funktionstests zum Nachweis der exokrinen Pankreasinsuffizienz, z.B. Bestimmung der Elastase im Stuhl als Parameter der Enzymsyntheseleistung.
  • bildgebende Verfahren: zunächst Ultraschall, bei unklaren Befunden Endosonografie, MRT oder CT zur Darstellung typischer Veränderungen (z.B. Gangverengungen, Pseudozysten)

Therapie

Die Behandlung der chronischen Pankreatitis erfordert eine langfristige und individuell angepasste Betreuung. Wichtige Säulen sind Schmerztherapie, Enzymsubstitution, Ernährung sowie in bestimmten Fällen endoskopische oder chirurgische Eingriffe.

  • Schmerztherapie mit geeigneten Medikamenten, deren Wirkung regelmäßig überprüft und angepasst werden sollte
  • Enzymsubstitution: Einnahme von Pankreasenzymen bei Verdauungsstörungen (z.B. Fettstuhl, Gewichtsverlust), um die Nährstoffaufnahme zu verbessern und Beschwerden zu lindern
  • Ernährung: normale, ausgewogene Kost mit ausreichender Energiezufuhr
  • Vitamine & Mineralstoffe: häufige Mängel an fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) sowie Mineralstoffen wie Calcium, Magnesium oder Zink sollten gezielt ausgeglichen werden
  • konsequenter Verzicht auf Alkohol und Rauchen
  • Endoskopische und chirurgische Verfahren können notwendig sein, wenn Komplikationen wie Gallen- oder Pankreasverengungen auftreten. Dabei können Verengungen mit Hilfe eines Endoskops erweitert, Steine entfernt oder Teile der Bauchspeicheldrüse operativ entfernt werden

Ernährungstherapie


Basis: ausgewogen und individuell

Die Ernährung ist ein zentraler Baustein der Behandlung. Sie hilft, Beschwerden zu lindern, Mangelernährung vorzubeugen und die Lebensqualität zu erhalten. Wichtig ist eine individuell angepasste Kost, die ausreichend Energie und Nährstoffe liefert. Entscheidend sind:

  • konsequente Alkoholkarenz
  • mehrere kleine Mahlzeiten (4-6x) über den Tag verteilt
  • regelmäßige Einnahme von Pankreasenzymen bei Verdauungsstörungen
  • normale, ausgewogene Kost; keine spezielle “Pankreasdiät” und keine generelle Fettrestriktion bei korrekter Enzymeinnahme
  • ausreichende Energiezufuhr: 25-30 kcal/kg Körpergewicht/ Tag (bei erhöhtem Bedarf 35 kcal)
  • eiweißreich essen: ca. 1,5 g/kg Körpergewicht/Tag
  • Lebensmittelauswahl & Zubereitung: leicht verdaulich, individuell verträglich, schonende Zubereitung bevorzugen

Grundsätzlich gilt: Gegessen werden darf, was vertragen wird.


Einnahme und Dosierung von Pankreasenzympräparaten

  • Pankreasenzyme müssen zu jeder fetthaltigen Mahlzeit eingenommen werden (auch bei Snacks wie Käse, Joghurt oder Kuchen)
  • Einnahme mit den ersten Bissen und ggf. bei längeren Mahlzeiten und mehreren Enzym-Kapseln Dosis aufteilen (Beginn/Mitte/Ende der Mahlzeit)
  • Präparate sind in verschiedenen Stärken erhältlich (z.B. 10.000-40.000 Lipase-Einheiten pro Kapsel)
  • Dosierung: ca. 2.000 Lipase-Einheiten pro Gramm Nahrungsfett
  • Ob die Dosierung passt, zeigt sich an weniger Blähungen, festerem Stuhl, weniger Fettstühlen und stabilerem Gewicht.
  • bei unzureichender Wirkung: Dosiserhöhung oder Kombination mit Magensäureblockern (Protonenpumpenhemmern) in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt

Einsatz von MCT-Fetten bei exokriner Pankreasinsuffizienz

  • Wann sinnvoll? Nur wenn trotz richtiger Enzymeinnahme Beschwerden und Fettstühle bestehen.
  • Vorteil: MCT-Fette werden ohne Pankreasenzyme aufgenommen.
  • Einsatz: langsam einschleichen (mit 10-20 g am Tag starten, dann täglich + 10 g steigern, max. ca. 80 g pro Tag). Bei zu hoher Dosierung können Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall auftreten.
  • Formen: MCT-Fette sind als Streichfette, Öle und Brotaufstriche erhältlich.
  • Wichtig: Auf eine ausreichende Versorgung mit fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) achten!

Wo finde ich Unterstützung und weitere Informationen?

Verbände und Selbsthilfegruppen

Betroffene und Angehörige finden beim Arbeitskreis der Pankreatektomierten e.V. (AdP e.V.) umfassende Informationen zu Kliniken, Selbsthilfegruppen und weiteren Angeboten.

Weitere Informationen und professionelle Beratungsangebote

Nutzen Sie die DEBInet-Lebensmitteldatenbank, um den Fettgehalt einzelner Lebensmittel zu bestimmen. In unserer DEBInet-Rezeptdatenbank finden Sie zahlreiche geeignete Rezepte.
Ausführlichere Informationen zu Krankheitsverlauf und Ernährungstherapie erhalten Sie im Premium- Bereich, bei einer zertifizierten Ernährungsfachkraft oder einem Ernährungsmediziner DAEM/DGEM.

Literatur

  • DEBInet – Deutsches Ernährungsberatungs- & -informationsnetz: Ernährungstipps I Pankreatitis
  • Hauner et al. (2019): Leitfaden Ernährungstherapie in Klinik und Praxis (LEKuP). Aktuelle Ernährungsmedizin, 44, 384-419. https://doi.org/10.1055/a-1030-5207
  • S3 – Leitlinie Pankreatitis - Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). September 2021. AWMF Registernummer 021-003


Ernährungstipps


  • Allgemeine Informationen: Definition, Akute Pankreatitis, Chronische Pankreatitis
 

Definition

Bei der Pankreatitis handelt es sich um eine entzündlich Erkrankung der Bauchspeicheldrüse. Man unterscheidet zwei Formen:

  • akute Pankreatitis

  • chronische / chronisch rezidivierende Pankreatitis

Akute Pankreatitis

Bei der akuten Pankreatitis handelt es sich um eine plötzlich auftretende Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Alkoholmissbrauch, Infektionen oder ein Sekretstau, ausgelöst durch Gallensteine, Stenosen oder Vernarbungen, führen zu einer an dieser Stelle unerwünschten Aktivierung von Verdauungsenzymen und es kommt zu einer schmerzhaften Selbstverdauung der Bauchspeicheldüse.

Unterschieden wird zwischen einer ödematösen (Ansammlung von Wasser) und einer hämorrhagisch-nekrotisierenden (Blutungen, lokaler Gewebetod) Verlaufsform. Bei der ödematösen Form treten in der Regel keine Komplikationen auf (leichte bis moderate akute Pankreatitis). Die hämorrhagisch-nekrotisierende Verlaufsform (schwere akute nekrotisierende Pankreatitis) kann hingegen mit einer hohen Sterblichkeit einhergehen.

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Symptome

In erster Linie treten plötzlich schwere Oberbauchschmerzen auf. Weitere auftretende Symptome und ihre Stärke sind vom Ausmaß der Bauchspeicheldrüsen-Zerstörung abhängig.

  • erhöhte Serumkonzentrationen der Pankreasenzyme Amylase und Lipase

  • Beeinträchtigung der Nierenfunktion

  • Erhöhung des Blutzuckers (ein Diabetes in Folge einer akuten Pankreatitis ist jedoch selten)

  • Wasseransammlungen (Ödeme)

  • Austreten von Flüssigkeiten (Exsudationen)

  • Blutdruckabfall

  • Darmlähmung (Ileus)

  • Fettgewebsnekrosen

Therapie

Die Ernährungstherapie erfolgt in Abhängigkeit von der Verlaufsform.

In 80 – 90 % der Fälle handelt es sich um eine leichte bis moderate akute Pankreatitis, die in der Regel nach 5 – 7 Tages abklingt. Unabhängig vom Verlauf der Lipase- und/oder Amylaseaktivität kann der Patient den Kostaufbau mit einer leichtverdaulichen Kost (leichte Vollkost) beginnen. Eine parenterale Ernährung, eine Ernährung über enterale Sondensysteme oder ein langsames Wiedereinführen der Nahrung mittels eines Stufenplans, ist in der Regel nicht mehr erforderlich.

Ca. 10 – 20 % der Patienten mit einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung benötigen aufgrund eines schweren Krankheitsverlaufes eine akutmedizinische Betreuung. Möglichst frühzeitig (innerhalb von 24 - 48 h) sollte nach anfänglicher parenteraler Ernährung auch bei schweren Verlaufsformen mit einer nährstoffdefinierten und hochmolekularen Sondenernährung begonnen werden, um den Magen-Darmtrakt in seiner Funktion zu erhalten. Nach 3 Tagen sollte erwogen werden, ob eine kombinierte Ernährung begonnen werden kann (enteral, oral). Spätestens nach einer Woche ist eine hypokalorische orale Ernährung erforderlich. Eine reine parenterale Ernährung sollte nur durchgeführt werden, wenn eine minimale enterale Ernährung nicht durchführbar ist, eine Mangelernährung vorliegt oder innerhalb von 5-7 Tagen keine ausreichende Energie- und Nährstoffaufnahme erreicht werden konnte. Bei vollständiger parenteraler Ernährung ist auf eine ausreichende Zufuhr an Kohlenhydraten, Fetten und Aminosäuren zu achten. Bei langfristiger rein parenteraler Ernährungsweise empfiehlt sich zusätzlich eine parenterale Glutaminsupplementation von 0,2 – 0,5 g/kg Körpergewicht Glutamin-Alanin mit dem Ziel infektiöse Komplikationen zu reduzieren. Von einer Probiotikagabe ist nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft abzuraten.

Nach dem Abklingen der Symptome wird in der Regel eine sogenannte leichte Vollkost verordnet. Das bedeutet, dass der Patient alles das essen kann, was er individuell verträgt. Weitere Informationen zur leichten Vollkost sowie eine Liste mit geeigneten und weniger geeigneten Lebensmitteln finden Sie im Kapitel "Morbus Crohn". Diese Auflistung ist jedoch nicht als Verbotsliste zu verstehen, sondern als Grundlage für eigene Erfahrungswerte. Möglichst verzichtet werden sollte lediglich auf Alkohol.

Chronische Pankreatitis

Im Rahmen einer chronischen Pankreatitis kommt es zu einer Zerstörung der funktionstüchtigen Zellen der Bauchspeicheldrüse. Dies äußert sich sowohl in einer fehlenden Sekretion von Verdauungsenzymen (exokrine Funktion) als auch in der unzureichenden Produktion der Bauchspeicheldrüsenhormone, Insulin und Glucagon (endokrine Funktion).

Ursachen

Bei Erwachsenen sind wie auch bei der akuten Pankreatitis Alkoholmissbrauch (zu 80%) und Gallenerkrankungen die häufigste Ursache. Zusätzlich kann die chronische Pankreatitis auch durch einen Hyperparathyreoidismus oder eine Mangelernährung (Malnutrition) ausgelöst werden. Bei Kindern ist meist eine Mukoviszidose die Ursache.

Symptome

Die chronische Pankreatitis kann schubweise oder langsam stetig verlaufen und ist im Anfangsstadium meist symptomlos. Oberbauchschmerzen wie bei der akuten Verlaufsform treten vereinzelt auf. Mit zunehmender Zerstörung des Drüsenapparats kommt es zu einer diabetischen Stoffwechsellage und Verdauungsstörungen, in deren Folge es zu

  • Gewichtsabnahme

  • Fettstuhl (Steatorrhö)

  • Durchfall

  • Meteorismus (verstärkte Blähungen)

kommen kann.

Patienten mit einer chronischen Pankreatitis haben ein hohes Risiko für Ernährungsdefizite.

Therapie

Fast alle Patienten mit einer chronischen Pankreatitis entwickeln aufgrund einer oftmals schmerzbedingt reduzierten Nahrungsaufnahme und der beeinträchtigten Verdauung (=Maldigestion) im weiteren Krankheitsverlauf eine Mangelernährung. Sie profitieren besonders von einer individuellen Ernährungsberatung mit gezielten diätetischen Interventionen. Individuelle Probleme und Nährstoffdefizite können mittels eines ernährungsmedizinischen Assessment entdeckt und ausgeglichen werden, um den Ernährungszustand zu verbessern, die Fettverwertungsstörung zu reduzieren und die Schmerzen positiv zu beeinflussen.

Tabelle mit Ernährungstherapeutischem Prinzip

Die folgende Austauschtabelle kann Ihnen als kleine Einkaufshilfe dienen. Drucken Sie sich die Tabelle doch einfach aus und nehmen Sie sie auf Ihren Einkauf mit.

Empfehlung:

Begründung:

Ausreichende Energiezufuhr:

25 – 30 kcal/kg KG*/Tag (ggf. bis 35 kcal/kg KG*/Tag)

erhöhter Ruheenergieumsatz bei 50% der Patienten

Eiweißzufuhr

1,5 g/kg KG*/Tag

häufig Eiweißmangelernährung

Adäquate Fettzufuhr im Rahmen der individuellen Verträglichkeit

keine Fettrestriktion Enzymsubstitution bei Steatorrhoe (Stuhlfett > 15g/Tag bzw. 7 – 15 g/Tag) ggf. Einsatz von MCT-Fetten

Eine Reduktion der Nahrungsfette erhöht das Risiko für eine hypokalorische Ernährung und sollte daher vermieden werden, solange die exokrine Pankreasinsuffizienz durch Enzymgabe ausreichend kompensiert ist.

Kohlenhydratzufuhr

angepasst an die Eiweiß-, Fett- und Kalorienzufuhr

Vitamine und Mineralstoffe

Vitamin A Vitamin D Vitamin E Vitamin K Calcium Magnesium Zink Thiamin Folsäure

DGE/ÖGE-Referenzwerte für Erwachsene (≥19 Jahre):

0,7 - 0,85 - mg/Tag 20 µg/Tag** 11 – 15 mg/Tag 60 – 80 µg/Tag 1000 mg/Tag 300 – 350 mg/Tag 7 – 16 mg/Tag 1,0 – 1,3 mg/Tag 300 µg/Tag

Mangel durch exokrine Pankreasinsuffizienz Eine frühzeitige Therapie mit Pankreasenzymen kann bei einer asymptomatischen Steatorrhoe (=Fettstühlen) erniedrigte Blutspiegel der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K wieder normalisieren.

Alkohol

Lebenslange Alkoholkarenz!

Mahlzeitenrhythmus

6-8 kleinere Mahlzeiten anstelle von 3-4 großen Portionen/Tag

Lebensmittelauswahl und Zubereitung

leicht verdaulich in Abhängigkeit von der individuellen Verträglichkeit (siehe "Leichte Vollkost")

Oral bilanzierte Diäten

Einsatz von hochkalorischen, eiweißreichen Trinknahrungen

Wenn die diätetischen Maßnahmen alleine nicht ausreichen, um den Energie- und Nährstoffbedarf zu decken.

Enterale Ernährungstherapie

Beginn einer enteralen Ernährungstherapie mit einer hochmolekularen oder auch niedermolekularen Sondenernährung erwägen.

Wenn die diätetischen Maßnahmen mit oral bilanzierter Diät zur Energie- und Nährstoffanreicherung nicht ausreichen, um den Energie- und Nährstoffbedarf zu decken.

*KG = Körpergewicht, **bei fehlender endogener Synthese

Übersicht des „Ernährungstherapeutischen Prinzips bei chronischer Pankreatitis" finden Sie hier als pdf zum Download.

Richtige Einnahme und Dosierung der Pankreasenzyme bei exokriner Pankreasinsuffizienz

Bei einer exokrinen Pankreasinsuffizienz werden von der Bauchspeicheldrüse zu wenig Verdauungsenzyme gebildet. Sie müssen daher mit der Mahlzeit eingenommen werden, um einer ausgeprägten Verdauungsstörung (Blähungen, Diarrhoe (=Durchfall), Steatorrhoe (=Fettstühle)), mit Gewichtsverlust und Vitamin- und Nährstoffmangel entgegenzuwirken.

Die Kapseln werden mit wenig Wasser mit den ersten Bissen zu jeder fetthaltigen Mahlzeit eingenommen.

Die Enzympräparate sind in der Regel in den Stärken 10.000, 25.000 und 40.000 LE erhältlich. Die Zahl im Produktnamen bezieht sich auf die Lipase-Einheiten (LE) pro Kapsel. Ob und wie viele Enzyme benötigt werden, ist abhängig von den Symptomen der Fettverwertungsstörung. Als Anfangsdosis werden pro Gramm Nahrungsfett 2.000 Ph.-Eur.-Einheiten Lipase empfohlen. Der Fettgehalt einzelner Mahlzeiten wird mit Hilfe von Nährwert- oder Fettaustauschtabellen geschätzt. (siehe auch "Lebensmitteldatenbank")

Ausführliche Informationen mit Beispielen zur Richtigen Einnahme und Dosierung von Bauchspeicheldrüsenenzymen bei exokriner Pankreasinsuffizienz finden Sie in unserem Merkblatt.

Einsatz von MCT-Fetten bei exokriner Pankreasinsuffizienz

Bei MCT-Fetten handelt es sich um mittelkettige Triglyceride, die ohne Pankreasenzyme von unserem Darm in die Blutbahn aufgenommen werden können. Nur wenn sich unter korrekter Pankreasenzymsubstitution eine Fettverwertungsstörung zeigt, sollte die allgemeine Fettzufuhr reduziert und auf MCT-Fette umgestellt werden.

MCT-Fette sollten langsam eingeführt werden, da bei zu hoher Dosierung Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen auftreten können. Es empfiehlt sich mit 10 – 20 g MCT-Margarine oder MCT-Öl/Tag zu beginnen und jeweils täglich um 10 g zu steigern bis die Tagesdosis von ca. 80 g (evtl. auch 100 – 130 g/Tag) erreicht ist.

MCT-Fette sind als Streichfette, Öle und Brotaufstriche erhältlich. Auf eine ausreichende Versorgung mit fettlöslichen Vitaminen (A, D, E und K) ist zu achten.

Quellen:

(1) Aktuelle Ernährungsmedizin (2014), J. Ockenga et. Al. S3-Leitlinie der DGEM, in Zusammenarbeit mit der GEDKES, AKE und DGVS, Klinische Ernährung in der Gastroenterologie (Teil2) – Pankreas"

(2) WVG (2012) Praktische Diätetik, Höfler und Sprengart

(3) DGE/ÖGE Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 8. aktualisierte Ausgabe 2024

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