Neuartige Lebensmittel


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Ernährungstipps

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Patienteninfos

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Beratungsmaterialien

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Patienteninfos/Ernährungsinfos

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Ernährungsinfo Neuartige Lebensmittel

Allgemeine Infos

Verbraucher begegnen zunehmend Begriffen wie „Novel Food“, „Functional Food“ oder „Designer Food“. In diesem Text verwenden wir „neuartige Lebensmittel“ im weiteren Sinn: Gemeint sind Produkte mit neuen Zusammensetzungen oder zugesprochenen gesundheitlichen Wirkungen, darunter auch Functional Foods und sogenannte Nutraceuticals.

Aber solche Produkte können eine bewusste Ernährung unterstützen, sie jedoch nicht ersetzen. Entscheidend bleibt das gesamte Ernährungsmuster. Viele Inhaltsstoffe entfalten ihre Wirkung erst im Zusammenspiel mit anderen Komponenten im Lebensmittel. Isoliert zeigen sie oft nicht denselben Effekt.

Functional Food

Der Begriff „Functional Food“ wurde in den 1980er-Jahren in Japan geprägt. Als Vorreiter hat Japan mitFOSHU („Foods for Specified Health Uses“) eine gesetzlich anerkannte Kategorie für funktionelleLebensmittel geschaffen. Auch andere Länder wie die EU oder die USA haben mittlerweile Regelungenfür gesundheitsbezogene Angaben.


Definition und Einordnung

Eine vielzitierte Definition stammt aus der von der EU unterstützten wissenschaftlichen Initiative FUFOSE(Functional Food Science in Europe). Demnach gilt ein Lebensmittel als funktionell, wenn zufriedenstellend belegt ist, dass es eine oder mehrere Zielfunktionen im Körper positiv beeinflusst, und zwar über die klassischen Ernährungseffekte hinaus. Dies kann zur Förderung von Gesundheit, des Wohlbefindens oder zur Risikoreduktion für bestimmte Krankheiten beitragen. In der EU existiert jedoch keine rechtlich verbindliche Kategorie für „Functional Food“. Stattdessen regelt die Health-Claims-Verordnung (EG Nr. 1924/2006), welche gesundheitsbezogenen Angaben auf Lebensmitteln wissenschaftlich belegt und zulässig sind.


Ziele

Funktionelle Lebensmittel sollen zur Prävention und Unterstützung der Ernährung und Gesundheit beitragen. Mögliche Einsatzbereiche sind:

  • Mangelernährung vorbeugen: z.B. „Golden Rice“ - ß-Carotin-angereichter Reis zur Verbesserung der Vitamin-A-Versorgung (Einsatz regional begrenzt)
  • Lebensstilbedingten Erkrankungen entgegenwirken: z.B. mit Ballaststoffen angereicherte Lebensmittel
  • Ernährung bei Allergien oder Unverträglichkeiten erleichtern: z.B. laktosefreie Milch, glutenfreie Backwaren
  • Krankheiten gezielt unterstützen: z.B. Milcherzeugnisse mit Probiotika bei Durchfallerkrankungen

Um diese Ziele zu erreichen, werden in Lebensmitteln bioaktive Inhaltsstoffe gezielt zugesetzt, erhöht oder unerwünschte Stoffe entfernt. Beispiele für Functional Food sind:

  • Probiotika, die in Form von Milchprodukten angeboten werden
  • bestimmte Ballaststoffe
  • Lebensmittel mit einem höheren Gehalt an Antioxidantien (A-C-E-Getränke) oder Omega-3- Fettsäuren
  • Lebensmittel mit zusätzlichen sekundären Pflanzenstoffen

Pro-, Prä- und Synbiotika

Probiotika (probiotisch = “für das Leben”) sind Lebensmittel mit lebenden Mikroorganismen, die - in ausreichender Menge eingenommen - eine gesundheitsförderliche Wirkung im Darm entfalten können. Dazu zählen unter anderem bestimmte Milchsäurebakterien wie Lactobacillus casei und Bifidobacterium. Studien belegen eine wirksame Unterstützung bei bestimmten Durchfallerkrankungen, etwa bei Antibiotika-assoziiertem oder rotavirusbedingtem Durchfall. Andere potenzielle Effekte, etwa auf den Cholesterinspiegel oder das Immunsystem, sind Gegenstand aktueller Forschung, aber noch nicht abschließend gesichert.

Damit probiotische Kulturen wirken können, ist eine regelmäßige und ausreichende Aufnahme erforderlich. Nach dem Absetzen der Probiotika ähnelt die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm nach einiger Zeit wieder dem Ausgangszustand.

Präbiotika sind unverdauliche Nahrungsbestandteile, z.B. Ballaststoffe wie Inulin oder Oligofructose, die das Wachstum nützlicher Darmbakterien gezielt fördern. Sie unterstützen dadurch das mikrobielle Gleichgewicht im Darm und können zur Förderung der Darmgesundheit beitragen.

Als Synbiotika bezeichnet man Lebensmittel, die sowohl Probiotika (lebende Mikroorganismen) als auch Präbiotika enthalten. Ziel ist es, die Überlebensfähigkeit der probiotischen Kulturen im Darm zu verbessern und ihre Wirkung gezielt zu unterstützen.

Nutraceuticals

Der Begriff Nutraceuticals (aus „Nutrition“ und „Pharmaceuticals“) bezeichnet bioaktive Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, die einen potenziellen gesundheitlichen oder medizinischen Nutzen haben. „Nutraceuticals“ ist kein Rechtsbegriff. Oft sind damit isolierte oder konzentrierte bioaktive Stoffe gemeint, und Heilversprechen sind bei Lebensmitteln nicht zulässig. Dazu zählen zum Beispiel Ballaststoffe, Antioxidantien oder sekundäre Pflanzenstoffe, denen Effekte wie die Regulierung des Blutzucker- oder Cholesterinspiegels oder eine Risikosenkung für bestimmte Krankheiten zugeschrieben werden.

Gesundheitsversprechen – was ist erlaubt?

Gesundheitsbezogene Aussagen auf Lebensmitteln unterliegen in der EU der Health-Claims- Verordnung (EG Nr. 1924/2006). Sie dürfen nur verwendet werden, wenn die beworbene Wirkung wissenschaftlich belegt ist, der betreffende Inhaltsstoff in ausreichender Menge enthalten und in verwertbarer Form vorhanden ist. Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) prüft die Nachweise und die Ergebnisse werden im EU-Register veröffentlicht. Ziel der Verordnung ist es, Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführender Werbung zu schützen.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen und professionelle Beratungsangebote

Unsere umfangreiche Lebensmitteldatenbank ermöglicht den Zugriff auf über 40.000 Lebensmittel und Produkte mit über 150 Inhaltsstoffen.

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Literatur



Ernährungstipps


  • Allgemeine Informationen: Designer Food, Functional Food, Pro-, Prä- und Synbiotika, Nutraceuticals, Health-Claims-Verordnung, Novel Food
 

Allgemeine Informationen

Verbraucher werden zunehmend mit neuen, international gebräuchlichen Begriffen wie Novel Food, Functional Food, Designer Food etc. konfrontiert. Hinter diesen Begriffen verbergen sich u. a. Lebensmittel, die aufgrund bestimmter gesundheitsfördernder Effekte ausgelobt und besonders empfohlen werden.

Einzelne Lebensmittel spielen jedoch nur im Kontext der gesamten Ernährung eine Rolle. Sie können eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung nicht ersetzen und sind, wenn eine solche praktiziert wird, in der Regel überflüssig. Zudem wirkt ein Inhaltsstoff in Lebensmitteln im Verbund mit anderen Inhaltsstoffen (synergistisch bzw. antagonistisch, additiv ...). Daher wird er isoliert nie die gleiche Wirkung entfalten können, die er als Bestandteil eines Lebensmittels hat.

Designer Food

Dabei handelt es sich um eine 1989 geprägte Bezeichnung für Lebensmittel, die auf bestimmte Bedürfnisse abgestimmt sind, so z. B. Elektrolytgetränke für Sportler.

Als Synonym wird auch der gängigere Begriff "Functional Food" verwendet.

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Functional Food

Der Begriff "Functional Food" wurde in Japan geprägt. Japan ist bisher das einzige Land, das funktionelle Lebensmittel als eigene Lebensmittel-Kategorie anerkannt hat. Funktionelle Lebensmittel sind im japanischen Lebensmittelrecht gesetzlich verankert als FOSHU "Foods for specified health use" (in etwa: Lebensmittel mit ausgewiesenem Gesundheitsnutzen). Der Markt für diese Lebensmittel ist in Japan im globalen Vergleich am weitesten entwickelt.

Die europäische Definition für Functional Food lautet:

"Ein Lebensmittel kann als funktionell bezeichnet werden, wenn zufriedenstellend belegt ist, dass es auf eine positive Weise eine oder mehrere Zielfunktionen im Organismus beeinflusst, die über vergleichbare Ernährungseffekte hinausgehen. Ein solcher Einfluss kann entweder eine Verbesserung des Gesundheitszustandes oder des Wohlbefindens und/oder eine Reduktion eines Krankheitsrisikos sein." European Commission Concerted Action on Functional Food Science

Die amerikanische Definition ist etwas kürzer gefasst:

"Funktionelle Lebensmittel sind jede Art von Lebensmitteln, die einen Gesundheitsvorteil gegenüber traditionellen Lebensmitteln aufweisen." International Food Information Council.

Durch den Einsatz von Functional Food erhofft man sich z. B.:

  • eine Mangelernährung abzuwenden Beispiel: "golden rice" - gentechnisch veränderter Reis, der β-Carotin enthält und dadurch einen Beitrag zur Vitamin A-Versorgung leisten kann

  • Erkrankungen, die durch den Lebensstil mitbedingt werden, entgegen zu wirken Beispiel: mit Ballaststoffen angereicherte Lebensmittel

  • Menschen, die an einer Erkrankung leiden, welche ihnen den Verzehr bestimmter Lebensmittel eingeschränkt oder gar nicht ermöglicht, geringeren Einschränkungen auszusetzen Beispiele: Laktose-freie Milch für Laktose-Intolerante, Gluten-freie Backwaren für Zöliakie-Patienten

  • eine Unterstützung bei bestehenden Erkrankungen durch spezifische Inhaltsstoffe Beispiel: Milcherzeugnisse mit Probiotika zum Einsatz bei Durchfallerkrankungen

Um diese Ziele zu erreichen, werden in Lebensmitteln unerwünschte bioaktive Komponenten entfernt, erwünschte hingegen neu zugesetzt oder deren Anteil erhöht.

Beispiele für Functional Food sind:

  • Probiotika, die in Form von Milchprodukten angeboten werden

  • bestimmte Ballaststoffe

  • Lebensmittel mit einem höheren Gehalt an Antioxidantien (A-C-E-Getränke) oder Omega-3-Fettsäuren

  • Nahrungsmittel mit zusätzlichen sekundären Pflanzenstoffen

Für die Bezeichnung "Functional Food" existiert in Deutschland, der EU und in den USA im Gegensatz zu Japan momentan noch keine rechtliche Grundlage. Das ist auch der Grund, weshalb noch keine genaue Unterscheidung zwischen funktionellen und traditionellen Lebensmitteln gemacht werden kann und die Definition je nach Herkunftsland variiert.

Pro-, Prä- und Synbiotika

Mittlerweile gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Lebensmitteln, die unter dem Begriff "Functional Food" angeboten werden. Dazu gehören beispielsweise Pro-, Prä- und Synbiotika, die im Folgenden näher erläutert werden.

Probiotika

Besonders beliebt sind probiotische Lebensmittel (probiotisch = für das Leben). Sie enthalten lebende, gesundheitsfördernde Mikroorganismen, die das mikrobielle Gleichgewicht im Darm positiv beeinflussen können und sollen somit das Risiko für Infektionskrankheiten senken. Daneben wird ihnen auch eine cholesterinsenkende und krebsschützende Wirkung zugeschrieben.

Vollständig bewiesen sind diese Wirkungen allerdings noch nicht; es gibt jedoch einige Hinweise, die für die positiven Eigenschaften von fermentierten Milchprodukten sprechen. Als bewiesen gilt der günstige Einfluss von Probiotika auf Durchfallerkrankungen durch Rotavirus-Infektionen sowie auf Durchfälle, die auf Antibiotika-Therapien zurückzuführen sind.

Zu den eingesetzten Bakterienkulturen in probiotischen Produkten wie z. B. Joghurt gehören Milchsäurebakterien (z. B. Lactobacillus casei) und Bifidobakterien. Durch ihre erhöhte Widerstandskraft gegenüber Säuren, Enzymen und Gallensalzen können sie die Magenpassage überstehen und sich dann im Dickdarm ansiedeln.

Damit sie dort ihre günstige Wirkung entfalten können, muss allerdings ein täglicher, dauerhafter und ausreichender Verzehr erfolgen. Nach Absetzen der Probiotika ähnelt die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm nach einiger Zeit wieder dem Ausgangszustand.

Präbiotika

Als Präbiotka werden nichtverdauliche Lebensmittelbestandteile, wie z. B. Oligofructose, bezeichnet, die das Wachstum probiotischer Bakterien und damit deren Aktivität im Darm fördern und dadurch die Gesundheit des Menschen verbessern können.

Synbiotika

Lebensmittel, die eine Kombination aus pro- und präbiotischen Bestandteilen enthalten, werden auch als Synbiotika bezeichnet.

Nutraceuticals

Zur Bezeichnung der wertgebenden Inhaltsstoffe, die in Functional Food vorkommen und pharmakologisch wirksam sind, wird der Begriff Nutraceuticals (nutrient - pharmaceuticals) verwendet.

Dabei handelt es sich um Nahrungsmittelbestandteile, die von medizinischem und gesundheitlichem Nutzen sind, d. h. deren prophylaktische bzw. therapeutische Verwendung sinnvoll sein kann.

Als Beispiel können z. B. Antioxidantien, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe genannt werden, denen u. a. Wirkungen wie die Regulierung des Cholesterin- und Blutzuckerspiegels, eine Senkung des Krebsrisikos etc. zugesprochen werden.

Health-Claims-Verordnung

Die Health-Claims-Verordnung wurde u. a. erlassen, um den Verbraucher vor lückenhaft belegter gesundheitsbezogener Werbung zu schützen. Die Verordnung beinhaltet "spezielle Vorschriften für die Verwendung von nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben bei Lebensmitteln".

Besonders auf die Nachweisbarkeit der beworbenen Wirkung wird Wert gelegt, aber auch darauf, dass die entsprechenden Inhaltsstoffe in ausreichender Menge enthalten sind bzw. reduziert wurden und dass diese in der dargereichten Form verwertet werden können. (Weitere Forderungen die in diesem Rahmen gestellt werden, finden sich in der Verordnung).

Eine Bewertung dazu, ob stichhaltige Nachweise zu der Wirkung des Produkts vorliegen, wird von der EFSA, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, erbracht. Die Europäische Kommission veröffentlicht diese Ergebnisse online in Form eines Registers für zugelassene und abgewiesene Produkt-assoziierte claims.

Mögliche Inhalte von health claims sind z. B.:

  • Reduktion eines Risikofaktors, der zur Entwicklung einer Erkrankung beiträgt

  • Beitrag zur Entwicklung und Gesundheit von Kindern

Novel Food

Unter Novel Food versteht man "Lebensmittel bzw. Lebensmittelbestandteile, die bisher vom Mensch in nicht nennenswertem Umfang konsumiert wurden."

Dazu zählen Produkte mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen bzw. mit Bestandteilen, die eine veränderte Molekülstruktur aufzeigen und Lebensmittel, die mit bislang unüblichen Produktionsverfahren hergestellt wurden.

Im Gegensatz zu Functional Food besteht für diese Lebensmittel eine rechtliche Grundlage innerhalb der EU, die auf der Novel-Food-Verordnung (EU-Verordnung über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten) basiert.

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