Verhaltensänderung – Routine besiegt Selbstkontrolle
Gute Vorsätze schmeißen wir oft ebenso schnell wieder über Bord, wie wir sie uns vorgenommen haben. Auf Gewohnheiten hingegen ist Verlass, weil sie ganz automatisch ablaufen. Selbst unter Stress funktionieren diese Automatismen – und dann sogar noch verstärkt. Das Erfreuliche daran: Dies gilt nicht nur für schlechte, sondern auch für gute Gewohnheiten.
Unter Stress geben wir ein Stück weit die Kontrolle ab, indem wir überwiegend unbewusst handeln. Dadurch reagieren wir jedoch nicht unbedingt zügellos und genusssüchtig – wie wir in dieser Situation handeln, hängt von der bei uns üblichen Routine ab.
„Wenn wir versuchen, unser Verhalten zu ändern, entwerfen wir eine Strategie für Motivation und Selbstkontrolle“, erklärt Wendy Wood, Psychologieprofessorin an der University of Southern California. „Aber worüber wir stattdessen nachdenken sollten, ist, wie wir neue Gewohnheiten einführen können. Gewohnheiten sind beständig, selbst wenn wir müde sind und nicht die Kraft haben, uns selbst zu kontrollieren.“
google()

Automatisch ablaufendes Verhalten ermöglicht uns jeden Tag einen reibungslosen Ablauf zahlreicher Tätigkeiten. Das fängt morgens schon mit dem Zähneputzen an. Erlerntes Verhalten spielt aber auch für unsere Gesundheit eine große Rolle. Maßvoll essen, sich ausreichend bewegen, nicht rauchen – das Ess- und Bewegungsverhalten und die Gewohnheiten in Bezug auf den Konsum von Suchtmitteln können der Gesundheit zuträglich sein, aber ihr auch schaden.
Zur Prävention von Erkrankungen scheint weniger die Selbstkontrolle von Bedeutung zu sein, sondern vielmehr das Wissen, wie man loslassen kann. „Jeder hat Stress. Die Kontrolle des Verhaltens alleinig in den Mittelpunkt zu rücken, ist vielleicht nicht der beste Weg, um Leute dabei zu unterstützen, ihre Ziele zu erreichen“, sagt Wood. „Nehmen Sie jemanden, der nicht besonders willensstark ist, in diesem Fall sind Gewohnheiten sogar noch wichtiger, wie unsere Studie zeigt.“
Wood und ihr Team führten mehrere Untersuchungen zu diesem Thema durch. In einem Ansatz begleiteten sie Studenten ein Semester lang, auch während der Prüfungen. Sie fanden heraus, dass die Studenten in Phasen des Stresses und des Schlafmangels besonders eisern an ihren alten Gewohnheiten festhielten. Als hätte ihnen die Kraft gefehlt, etwas Neues zu versuchen, meint Wood.
google()
Studenten, die während des Semesters vor allem Ungesundes frühstückten, verzehrten während der Prüfungen sogar noch mehr Junk Food. Für die „Haferflocken-Fraktion“ galt jedoch das gleiche: Studenten, die in aller Regel gesund frühstückten, aßen unter Stress besonders gesund. Ähnliches beobachteten die Forscher für den regelmäßigen Besuch eines Fitnessstudios oder die Vorliebe, morgens die Zeitung zu lesen.
Die in der Studie beobachteten Studenten hielten unter Stress – selbst verbunden mit Zeitdruck – verstärkt an diesen Gewohnheiten fest. „Man könnte annehmen, dass gestresste Studenten unter Zeitmangel gar keine Zeitung mehr lesen würden, aber statt dessen fielen sie in ihre alten Lesegewohnheiten zurück“, berichtet Wood. Gewohnheiten verlangten weder nach viel Willensstärke noch nach Nachdenken oder Überlegung, meint Psychologieprofessorin Wood. „Wie lassen sich gesunde, nutzbringende Gewohnheiten ausbilden – sollte also die zentrale Frage bei dem Bestreben, ein Verhalten zu ändern, sein“, bringt sie es auf den Punkt. Auf diese Weise sei es zum Beispiel wichtig, dass ein Verhalten leicht durchführbar sei, so dass Leute es oft wiederholen und es Teil ihrer täglichen Routine werde.
Quelle:
- Wu S (USC News, 27.05.2013): Healthy habits die hard




