Fleischalternativen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Wissenschaftler vom Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik an der Universität Bonn haben untersucht, aus welchen Gründen Konsumenten zu fleischfreien Alternativen greifen – mit teilweise überraschendem Ergebnis.
Früher fristeten Fleischersatzprodukte ein Nischendasein in Bio-Läden oder Reformhäusern. Mittlerweile sind sie nicht nur in gut sortierten Supermärkten, sondern auch in Discountern erhältlich und werden intensiv beworben. Kein Wunder, denn immer mehr Menschen kaufen zumindest zwischendurch gerne vegetarische Alternativen. „Wir wollten wissen, aus welchen Gründen Konsumentinnen und Konsumenten zu diesen Alternativen greifen“, erläutert Doktorandin Jeanette Klink-Lehmann den Ausgangspunkt des Forschungsprojekts.
Die Wissenschaftler befragten 331 Frauen und Männer aus ganz Deutschland. Zum Fragekatalog zählte beispielsweise, wie sehr die Teilnehmenden auf ihre Gesundheit achten, ob die Menschheit aus ihrer Sicht auf eine ökologische Krise zusteuere und ob die Tierhaltung in der Landwirtschaft ethisch hinterfragt werden müsse. Außerdem gaben die Probanden Auskunft über ihre Einstellung zu Fleischersatz-Produkten und ihre Absicht, diese in Zukunft verstärkt zu konsumieren.
„Wir haben nun basierend auf der Erweiterung eines anerkannten Verhaltensmodells die statistischen Beziehungen zwischen diesen Antworten untersucht“, beschreibt Kollege Nick Marcus. Dabei überraschte die Forschenden insbesondere ein Ergebnis: Eine stärkere Sorge um die Umwelt war weder mit einer besseren Bewertung von Fleischersatz-Produkten assoziiert noch mit einer größeren Absicht, diese zu kaufen. „Wir hatten erwartet, dass für den Umstieg auf Fleischalternativen auch ökologische Aspekte eine Rolle spielen“, erläutert Marcus. „Das hat sich jedoch nicht bestätigt.“
Ein entscheidendes Argument für den Einkauf von Fleischalternativen stellten Tierwohl-Aspekte dar: Menschen, die Massentierhaltung kritisch sehen, hatten eine positivere Einstellung zu fleischfreien Alternativen. Diese Haltung wirkt sich wiederum förderlich auf die Absicht aus, künftig eher zu Fleischalternativen zu greifen. Darüber hinaus waren Teilnehmende mit einem ausgeprägten Gesundheitsbewusstsein eher bereit, die vegetarischen Varianten zu konsumieren. Der Einfluss von Freunden und engen Bezugspersonen sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden.
Da die Umfrage bereits 2017 stattfand, ist es durchaus möglich, dass der Umweltaspekt zwischenzeitlich an Bedeutung gewonnen hat. „Seitdem steht das Thema Umwelt deutlich stärker auf der Tagesordnung„, betont Klink-Lehmann. „Damit sind heute vermutlich mehr Menschen als noch vor fünf Jahren über die potenziell negativen Umweltauswirkungen des Fleischkonsums informiert.“
Quellen einblenden
- N. Markus, J. Klink-Lehmann, M. Hartmann (2022): Exploring factors determining German consumers’ intention to eat meat alternatives. Food Quality and Preference




