In Deutschland wird derzeit erneut über die Einführung einer Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke diskutiert. Internationale Erfahrungen zeigen, dass solche Maßnahmen den Konsum beeinflussen können – die langfristigen gesundheitlichen Effekte werden jedoch weiterhin untersucht.

Die Bundesregierung beschäftigt sich im Zuge aktueller Public-Health-Debatten zunehmend mit einer möglichen Abgabe auf stark zuckerhaltige Erfrischungsgetränke. Ziel solcher Maßnahmen ist es, den Konsum zuckerhaltiger Softdrinks zu reduzieren und damit ernährungsmitbedingten Erkrankungen entgegenzuwirken. Hintergrund ist die wissenschaftlich belegte Beobachtung, dass ein hoher Konsum stark gezuckerter Getränke mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht, Adipositas und Typ-2-Diabetes assoziiert ist. Besonders Kinder und Jugendliche gelten dabei als relevante Zielgruppe, da ihr Konsum zuckerhaltiger Getränke vergleichsweise hoch ist. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt seit Jahren steuerliche Maßnahmen zur Verringerung des Zuckerkonsums.
Internationale Studien untersuchten deshalb in den vergangenen Jahren die Auswirkungen sogenannter Zuckersteuern auf das Kauf- und Konsumverhalten der Bevölkerung. Besonders häufig werden dabei Daten aus Ländern wie Mexiko oder Großbritannien analysiert, die entsprechende Modelle bereits eingeführt haben. Die wissenschaftlichen Analysen betrachteten unter anderem Veränderungen beim Kauf zuckerhaltiger Getränke, mögliche Anpassungen der Rezepturen durch Hersteller sowie Veränderungen der täglichen Zuckeraufnahme. Gleichzeitig weisen die Studienberichte darauf hin, dass sich die steuerlichen Modelle und Marktbedingungen zwischen den Ländern teilweise deutlich unterscheiden.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen insgesamt ein relativ konsistentes Bild. Nach Einführung entsprechender Abgaben wurde in mehreren Ländern ein Rückgang des Konsums beziehungsweise Absatzes zuckerhaltiger Softdrinks beobachtet. In Großbritannien reduzierten zahlreiche Hersteller zudem den Zuckergehalt ihrer Produkte, um steuerliche Grenzwerte zu unterschreiten. In Deutschland hingegen, wo die Politik bislang auf freiwillige Vereinbarungen setzt, zeigt das begleitende Produktmonitoring des Max Rubner-Instituts in seinen Auswertungen bei klassischen Limonaden lediglich geringe Reduktionen des Zuckergehalts. Weniger eindeutig ist bislang jedoch, in welchem Ausmaß Zuckersteuern langfristig zu einer Senkung von Adipositas-Raten oder des Risikos für Typ-2-Diabetes beitragen. Forschende betonen, dass das Ernährungsverhalten von vielen weiteren Faktoren beeinflusst wird und gesundheitliche Veränderungen auf Bevölkerungsebene oft erst langfristig messbar sind.
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht erscheint eine reine Zuckersteuer auf Softdrinks daher nicht als alleinige Lösung, sondern als möglicher Bestandteil umfassender Präventionsstrategien. Zwar deuten die bisherigen Erfahrungen darauf hin, dass steuerliche Maßnahmen den Konsum zuckerhaltiger Getränke beeinflussen können, sie erfassen jedoch nur einen Teil der gesamten Zuckeraufnahme. Neben wirtschaftlichen Maßnahmen spielen weiterhin auch eine gezielte Ernährungsbildung, verständliche Lebensmittelkennzeichnungen sowie die allgemeine Verfügbarkeit gesundheitsfördernder Lebensmittel eine wichtige Rolle. Ihr volles Potenzial dürften Zuckersteuern erst dann entfalten, wenn sie Teil eines umfassenderen Public-Health-Konzepts sind.
Literatur:
- World Health Organization: Global report on the use of sugar-sweetened beverage taxes, 2025. Geneva, 2025. Licence: CC BY-NC-SA 3.0 IGO. https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/971f1b69-7eda-4329-a152-3e1d15b5c2c7/content (zuletzt aufgerufen am 28.05.2026)
- Max Rubner-Institut: Ergebnisbericht Produktmonitoring 2024. Karlsruhe, 2025. https://doi.org/10.25826/20250307-160608-0 (zuletzt aufgerufen am 28.05.2026)
- Santos et al.: Sugar sweetened beverages intake and risk of obesity and cardiometabolic diseases in longitudinal studies: A systematic review and meta-analysis with 1.5 million individuals. Clinical Nutrition ESPEN, 2022. https://doi.org/10.1016/j.clnesp.2022.08.021 (zuletzt aufgerufen am 28.05.2026)
- Rogers NT et al.: Estimated changes in free sugar consumption one year after the UK soft drinks industry levy came into force: controlled interrupted time series analysis of the National Diet and Nutrition Survey (2011-2019). Journal of Epidemiology & Community Health, 2024. https://doi.org/10.1136/jech-2023-221051 (zuletzt aufgerufen am 28.05.2026)




