Deutsche Diabetes-Gesellschaft warnt vor falschen Werbeversprechungen

Diabetes mellitus Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper Antikörper gegen die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse bildet. Die daraufhin einsetzende Zerstörung der Betazellen führt zu der Notwendigkeit, Insulin künstlich (per Spritze, Pen oder Pumpe) zuführen zu müssen. Meist erkranken die Patienten bereits im Kindesalter.
Die Diagnose eines Typ 1-Diabetes ist für die Betroffenen selbst wie auch für deren Familien ein einschneidendes Ereignis, zum einen aufgrund der gerade in der Anfangszeit sehr aufwändigen Therapie, zum anderen aber auch wegen der damit einhergehenden psychischen Belastungen und Einschränkungen im privaten wie auch im schulischen/beruflichen Bereich. Gerade die Gewissheit, von nun an ein Leben lang mit der Erkrankung und den damit verbundenen Folgen leben zu müssen, ist für viele Betroffene ein Schock.
Umso verlockender klingt das Versprechen von Herrn Professor Ulrich von Arnim. Er will einen Impfstoff entwickelt und erforscht haben, der den körpereigenen Zerstörungsprozess der Betazellen nicht nur aufhalten, sondern darüber hinaus sogar die Bildung neuer Insulin produzierender Zellen und deren Ansiedlung in der Bauchspeicheldrüse bewirken kann. Entsprechende Studien mit insgesamt 16.000 Probanden hätten gezeigt, dass ca. 80% der Patienten nach der Therapie dauerhaft auf die Gabe von Insulinpräparaten verzichten könnten, so von Arnim. Weiterhin werden auf seiner Homepage Namen von Experten und renommierten Instituten (Universitäten Tübingen und Heidelberg, Charité Berlin sowie Universitäten Manchester und Uppsala) genannt, die seine Forschungsergebnisse (angeblich) unterstützen und bestätigen könnten.
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Die Behauptungen von Professor von Arnim stießen in der Öffentlichkeit auf großes Interesse und sowohl die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) als auch die Selbsthilfeorganisation Diabetes-kids.de überprüften die Argumente und angeblichen Referenzen. Hierbei kam Erstaunliches zutage: Nicht nur, dass einem leitenden Arzt der Universität Tübingen, an der eine der von Professor von Arnim zitierten Studien durchgeführt worden sein soll, die Studie nicht bekannt ist und dass Herr Professor Dr. K. D. Hepp, der die Ergebnisse laut Facebook bestätigen können soll, Herrn Professor von Arnim gar nicht kennt, lassen aufhören. Diabetes-Kids.de will außerdem herausgefunden haben, dass von Arnim in Australien bereits wegen mehrfachen medizinischen Betrugs inhaftiert war. Außerdem weigerte sich von Arnim, dem Initiator der Initiative Diabetes-kids.de, Herrn M. Bertsch, und einem Kinderdiabetologen eine der Familien mit einem geheilten Kind vorzustellen (angeblich aus Datenschutzgründen). Dies untermauert den Verdacht, dass hier falsche Hoffnungen geweckt werden sollen.
Und so warnen die Deutsche Diabetes-Gesellschaft und das Internetportal diabetesDE vor diesem wohl unseriösen Behandlungsangebot. Zu den angeblich durchgeführten Studien und der Zusammenarbeit mit Universitäten meint Professor Dr. med. Thomas Danne, Präsident der DDG und Vorstandsvorsitzender von diabetesDE: „Das haben wir überprüft und hoffen, dass sich Patienten nicht auf dieses oder ähnliche Angebote einlassen. Zurzeit gibt es zur Insulintherapie keine Alternative für Typ-1-Diabetiker und das wird sich kurzfristig auch nicht ändern.“
Nach Angaben der DDG arbeiten zurzeit weltweit Wissenschaftler an der Heilung der Autoimmunerkrankung und es gibt wohl auch vielversprechende Teilergebnisse auf dem Weg dorthin. Bislang ist es allerdings noch nicht gelungen, den Prozess der Selbstzerstörung der Insulin produzierenden Zellen zu verhindern/stoppen oder bereits zerstörte Zellen dauerhaft zu ersetzen.




