Frauen, bei denen während ihrer Schwangerschaft ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert wurde, haben auf längere Sicht ein beinahe zehnfach höheres Risiko für Typ-2-Diabetes als Frauen ohne diese Schwangerschaftsbegleiterkrankung. Experten raten daher zu erhöhter Wachsamkeit – auch nach der Schwangerschaft.
Als Schwangerschaftsdiabetes (auch Gestationsdiabetes genannt) wird eine Störung des Zuckerstoffwechsels bezeichnet, die erstmals während der Schwangerschaft auftritt. Da ein unerkannter Schwangerschaftsdiabetes schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind haben kann, sieht die Schwangerschaftsvorsorge in Deutschland einen Blutzuckertest (Glukosetoleranztest) in der 24. bis 27. Schwangerschaftswoche vor. Bei einem auffälligen Testergebnis erfolgt ein aufwändigerer Blutzuckertest zur Diagnose der Schwangerschaftsdiabetes. Etwa jede siebzehnte Frau (knapp sechs Prozent) erkrankt in der Schwangerschaft an Schwangerschaftsdiabetes, wobei die Häufigkeit des Schwangerschaftsdiabetes in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat. Hierzu könnten Übergewicht, das erhöhte Alter der schwangeren Frauen, aber auch die verbesserte Diagnostik beigetragen haben.
Viele Frauen freuen sich, wenn die Einschränkungen durch die Therapie des Schwangerschaftsdiabetes (kontrolliertes Essen, mehr Bewegung, Blutzuckerkontrolle, eventuell Insulintherapie) nach der Geburt ihres Kindes beendet sind. Doch häufig ist das Kapitel Diabetes damit nicht abgeschlossen. Abgesehen davon, dass bei einer erneuten Schwangerschaft ein deutlich erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes besteht, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, mittel- bis langfristig an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Dies unterstreicht eine kürzlich veröffentliche Übersichtsarbeit, in der die Ergebnisse von 20 Studien zusammengefasst wurde. Herausragend an dieser Studie ist die lange Nachbeobachtungszeit der Probanden, die von 12 Monaten bis zu 25 Jahre nach Entbindung reicht.
Insgesamt wurden die Daten von über 1,3 Millionen Frauen ausgewertet, davon knapp 68.000 Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes. In jeder der 20 Studien hatten Frauen mit vorherigem Schwangerschaftsdiabetes später häufiger Typ-2-Diabetes als Frauen ohne Vorgeschichte. Zusammen betrachtet war das Risiko für Typ-2-Diabetes beinahe 10-fach höher (relatives Risiko 9,5) bei Frauen mit früherem Schwangerschaftsdiabetes im Vergleich zu Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes. Dabei war das Risiko, in den ersten 5 Jahren nach der Entbindung an Typ-2-Diabetes zu erkranken, besonders hoch (relatives Risiko 17,1 verglichen mit Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes). Die Unterschiede im Erkrankungsrisiko blieben bestehen, wenn bei der Auswertung Alter, Body Mass Index (BMI), die Dauer der Nachbeobachtungszeit sowie das Publikationsjahr berücksichtigt wurden.
Betroffene Frauen und ihre behandelnden Ärzte sollten daher auch in den Jahren nach der Entbindung ein wachsames Auge auf den Blutzuckerspiegel haben.
Quellen einblenden
- E. Vounzoulaki, K. Khunti, S. C. Abner et al. (2020): Progression to type 2 diabetes in women with a known history of gestational diabetes: systematic review and meta-analysis. British Medical Journal 369:m1361




