Der Goldene Windbeutel geht an…

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… den Bio-Hersteller Zwergenwiese. Mit diesem Negativpreis zeichnet die Verbraucherorganisation Foodwatch den Hersteller mit der nach eigenen Angaben dreistesten Werbelüge des Jahres aus. Die Reaktion von Zwergenwiese verblüffte sogar Foodwatch.

© foodwatch/picture alliance/Udo Fischer

Seit Anfang November konnten Verbraucher sich an der Wahl zum Goldenen Windbeutel beteiligen. Fast 70.000 gültige Stimmen gingen ein. Das Ergebnis war so eindeutig wie noch nie: 53 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher stimmten für die „Kinder-Tomatensauce Bio“ des Bio-Pioniers Zwergenwiese. Mit weitem Abstand folgten „Yakult Original“ (26 Prozent), „Hipp Direktsaft Karotte Bio“ (7 Prozent), Rewe Beste Wahl Wasabi Erdnüsse (7 Prozent) und der „Schwartau Corny Protein Lower Carb“ Riegel (7 Prozent).

Was war der Anlass für die Empörung von Foodwatch und den Verbrauchern? Die für Kinder beworbene Tomatensoße enthält derzeit mehr als doppelt so viel Zucker wie die Erwachsenenversion desselben Herstellers. Dies widerspricht der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO, wonach Soßen für Kinder kein Zucker zugesetzt werden soll. Nach der Nominierung hat Zwergenwiese sein Kinderprodukt verteidigt, das keinen „zugesetzten Kristallzucker“, sondern Apfeldicksaft enthalte. Doch in den Augen der WHO zählt auch Zucker aus Fruchtsaftkonzentraten zu den freien beziehungsweise zugesetzten Zuckern, deren Konsum reduziert werden sollte. Auch der Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin Prof. Hans Hauner teilt diese Einschätzung: „Dieser Zucker gehört zu den ‚freien Zuckerarten‘ und ist deshalb nicht viel anders einzuschätzen als kristalliner Rübenzucker. Einen besonderen Gesundheitswert oder relevanten Vorteil gegenüber Haushaltszucker kann ich nicht erkennen.“

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Im Gegensatz zu den bisherigen Herstellern hat Zwergenwiese den Negativpreis Goldener Windbeutel angenommen. Vor laufenden Kameras versprach Geschäftsleiter Jochen Walz, die Rezeptur der „Kinder-Tomatensauce“ zu überarbeiten. Foodwatch begrüßte diese Ankündigung, betonte aber zugleich, Zielmarke müsse sein, dass alle Zwergenwiese-Produkte die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation für gesunde Kinderlebensmittel einhielten. Das Bio-Unternehmen versicherte, alle Kinderlebensmittel ihres Sortiments kämen „auf den Prüfstand“, Details wollte Zwergenwiese aber nicht preisgeben. „Noch werden wir den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation nicht gerecht, aber wir sind auf einem guten Weg. Wir brauchen halt ein wenig Zeit dafür“, warb Jochen Walz für Verständnis. „Wir arbeiten mit einem dreiköpfigen Entwicklerteam mit Hochdruck daran.“

Damit es nicht bei bloßen Versprechungen bleibt, kündigte Foodwatch an, die weiteren Schritte von Zwergenwiese genau zu beobachten. Im Gegenzug versprach der Bio-Pionier Zwergenwiese, Foodwatch umgehend über Neuigkeiten zu informieren. Und dann hatte Geschäftsleiter Walz noch eine Überraschung in petto. Als wörtlich „Zeichen der Kooperation“ überreichte er Foodwatch eine goldene Zwergenmütze. Ende gut, alles gut…

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