Deutsche Gesellschaft für Ernährung bezieht Stellung zur Planetary Health Diet

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In ihrer Stellungnahme ordnet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) die Ernährungsempfehlungen der Planetary Health Diet, hinsichtlich ihrer Ableitung, der empfohlenen Lebensmittelmengen und Umsetzbarkeit ein. Außerdem vergleicht sie die vorgeschlagenen nachhaltigen Lebensmittelmengen mit den Ernährungsempfehlungen der DGE und aktuellen Verzehrsdaten.

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Bei der Planetary Health Diet handelt es sich um ein globales Konzept. Sie verfolgt das Ziel, durch eine veränderte Ernährungsweise in 30 Jahren eine Weltbevölkerung von 10 Milliarden Menschen ernähren zu können, ohne die planetaren Grenzen zu überschreiten. Durch die Einhaltung der Prinzipien der Planetary Health Diet soll es nicht nur möglich sein, dass mehr Menschen ihren Energie- und Nährstoffbedarf decken. Sie dient auch dazu, die Gesamtsterblichkeit sowie ernährungsmitbedingte Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes oder Krebs zu reduzieren. Die Empfehlungen der DGE sind speziell auf die Ernährungsgewohnheiten, die Lebensmittelproduktion hierzulande sowie die kulturellen Gegebenheiten in Deutschland abgestimmt und berücksichtigen Nachhaltigkeitsaspekte. Sie zielen auf eine gesundheitsfördernde und bedarfsgerechte Ernährung und die Vermeidung ernährungsmitbedingter Erkrankungen ab.

Die Zielsetzungen beider Ernährungskonzepte sind damit recht ähnlich. Dies spiegelt sich auch in den Ernährungsempfehlungen wider. Beide Ernährungsweisen sind pflanzenbetont und bevorzugen Vollkornprodukte und Öle mit ungesättigten Fettsäuren. Dagegen sollen weniger tierische und hoch verarbeitete Lebensmittel, gesättigte Fettsäuren und Zucker konsumiert werden. Die vorgeschlagenen Lebensmittelmengen für Gemüse und Obst, Fleisch, Fisch, Eier und Öl der Planetary Health Diet stimmen sehr gut mit jenen der DGE überein. Darüber hinaus bieten beide Ernährungskonzepte Spielraum für eigene, flexible Anpassungen.

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Bei näherer Betrachtung bestehen allerdings auch durchaus relevante Unterschiede zwischen beiden Ernährungsweisen. „Wesentliche Unterschiede zeigen sich aus der globalen versus deutschlandspezifischen Betrachtung und bei der Ableitung der Lebensmittelmengen, vor allem bei Milch und Milchprodukten“, erläutert Prof. Dr. Bernhard Watzl, Vizepräsident der DGE und Vorsitzender der DGE-Arbeitsgruppe lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen. So empfiehlt die Planetary Health Diet, höchstens 500 Gramm Milchäquivalente1 täglich aufzunehmen. Die Orientierungswerte der DGE liegen mit umgerechnet 596 bis 728 Gramm pro Tag deutlich höher. Ursache für die Abweichungen sind unterschiedliche Annahmen in Bezug auf die benötigte Calciumzufuhr. Hier unterschreitet der Wert der Planetary Health Diet den Referenzwert der Fachgesellschaften von Deutschland, der Schweiz und Österreich (D-A-CH-Referenzwert) und die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO deutlich. Die DGE warnt in diesem Zusammenhang vor möglichen Defiziten bei Kindern und Jugendlichen, die mehr Calcium benötigen, um eine optimale Knochendichte im Erwachsenenalter zu erreichen.

Dagegen übersteigt die in der Planetary Health Diet vorgesehene Energiezufuhr (2.500 Kalorien pro Tag) die Empfehlungen der DGE (1.600-2.400 Kalorien pro Tag). Außerdem fehlt eine Differenzierung nach Alter und Geschlecht. Die tatsächliche durchschnittliche Energiezufuhr beträgt in Deutschland momentan circa 2.000 Kalorien pro Tag. Eine Erhöhung um 500 Kalorien täglich könnte bei Beibehaltung der bisherigen Bewegungsgewohnheiten die Übergewichtsproblematik in Deutschland noch verstärken, so die DGE.

Eine Gegenüberstellung der derzeit verzehrten Lebensmittelmengen in Deutschland mit beiden Empfehlungen zeigt deutliche Diskrepanzen. Nach wie vor verzehren die Bewohner Deutschlands zu wenig Gemüse, Fisch und Öl, während sie die Empfehlungen für den Verzehr von Fleisch (insbesondere rotem Fleisch) und Zucker deutlich überschreiten. Die Ernährungswirklichkeit in Deutschland steht damit im deutlichen Kontrast zu den beiden Ernährungsempfehlungen, folgert die DGE. Dieser Aspekt stelle die zentrale Herausforderung für die Umsetzung einer gesundheitsfördernden und nachhaltigeren Ernährung dar, schreibt die DGE weiter.

1 Um ein einheitliches Maß für alle Milchprodukte zu haben, werden diese in die zu ihrer Herstellung verwendete Milchmenge umgerechnet.

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