Geschmacksprägung beginnt schon im Mutterleib

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In einer aktuellen Literaturübersicht ist das Forschungsinstitut für Kinderernährung der Frage nachgegangen, ob und gegebenenfalls wie sich geschmackliche Prädispositionen schon früh auf wünschenswerte Weise beeinflussen lassen. Die Ergebnisse weisen auf längerfristige Wirkungen von geschmacklichen Erfahrungen aus der Zeit vor und nach der Geburt hin.

 © gamene
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Evolutionär bedingt bevorzugen Säuglinge vor allem die Geschmacksrichtung süß, aber auch salzig und das sogenannte umami (herzhaft, fleischig, wohlschmeckend) werden toleriert. Dagegen besteht von Natur aus eine Aversion gegen saure und bittere Geschmacksrichtungen zum Schutz vor Giftigem oder Verdorbenem. Gerade die instinktive Vorliebe für Süßes scheint den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung entgegenzustehen. Daher besteht großes Forschungsinteresse hinsichtlich der Frage, ob und wie sich frühkindliche Geschmacksvorlieben auf ernährungsphysiologisch wünschenswerte Weise prägen lassen.

Auch wenn die Studienlage zu diesem Thema bislang eher lückenhaft ist und insbesondere Studien über langfristige Effekte der geschmacklichen Prägung in jungen Jahren fehlen, scheint eine frühkindliche Geschmacksprägung derzeit als durchaus wahrscheinlich. So wurde beispielsweise berichtet, dass Jugendliche und Erwachsene, die früher Säuglingsmilch mit Vaniellearoma erhalten hatten, mit Vanillearoma aromatisierte Lebensmittel bevorzugten. Acht- bis neunjährige Kinder, deren Mütter in der 35. bis 39. Schwangerschaftswoche drei- bis viermal wöchentlich Knoblauch verzehrt hatten, präferierten im Vergleich zur Kontrollgruppe knoblauchhaltige Gerichte und Kleinkinder, deren Mütter während der Schwangerschaft und Stillzeit Karottensaft tranken, bevorzugten bei der Beikosteinführung karottenhaltigen Getreidebrei. Außerdem ist bekannt, dass Kinder, die länger gestillt wurden, später mehr Gemüse verzehrten. Ob dieser Effekt allerdings auf eine geschmackliche Prägung zurückzuführen ist oder eher darauf, dass Mütter, die länger stillen, generell ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein aufweisen, ist bislang nicht bekannt. Denn auch das Angebot an Obst und Gemüse beeinflusst den Verzehr.

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Aus entwicklungs- und ernährungsphysiologischen Gründen erweist sich eine Einführung der Beikost im fünften bis siebten Lebensmonat als besonders günstig. In diesem Zeitfenster ist die Akzeptanz für unbekannte Lebensmittel größer und saure sowie bittere Lebensmittel werden seltener abgelehnt. Wiederholtes, zwangloses Anbieten von Lebensmitteln, die zuvor abgelehnt wurden, erhöht die Akzeptanz ebenso wie ein rascher Wechsel der Gemüsesorte bei der Beikosteinführung.

Als Fazit hält Professor Dr. Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung fest, dass die „derzeitigen Erkenntnisse aus sensorischer Sicht und im Einklang mit ernährungserzieherischen Konzepten für eine ausgewogene variationsreiche Ernährung im Geschmacks- und im Ernährungskontinuum von Mutter und Kind von Anfang an“ sprechen.

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