Viel Fett, aber kaum Kohlenhydrate: Eine ketogene Diät hat das Potential, Gichtsymptome zu lindern und könnte zukünftig auch bei anderen, altersbegleitenden Entzündungsreaktionen eingesetzt werden. In einer aktuellen Studie identifizierten Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Yale zugrunde liegende Mechanismen.

Stark schmerzende Gelenke, Entzündungen und Fieber zählen zu den klassischen Symptomen eines Gichtanfalls. Als Folge einer zu hohen Harnsäurekonzentration im Körper lagern sich Harnsäurekristalle insbesondere an Gelenken ab und aktivieren dort das Immunsystem. Die einsetzende, schmerzhafte Entzündungsreaktion wird durch einen Proteinkomplex namens NLRP3-Inflammasom gesteuert.
Primäres Ziel der Gichttherapie ist die Verringerung der Harnsäurekonzentration. Daher wird erkrankten Menschen empfohlen, den Verzehr purinreicher Lebensmittel, bei deren Verstoffwechslung im Körper Harnsäure entsteht, einzuschränken. Gelingt dies nicht, können zusätzlich Harnsäure senkende Medikamente verordnet werden. Paradoxerweise begünstigen diese Medikamente aber insbesondere in den ersten Einnahmemonaten einen Gichtschub, da beim Auflösen der bereits vorhandenen Kristalle kleine Teilchen in das Gelenk geschwemmt werden können. Erleiden Patienten trotz Einnahme von Medikamenten einen Gichtanfall, gefährdet dies ihre Therapietreue.
Wissenschaftler um Dr. Emily Goldberg von der Medizinischen Fakultät Yale (New Haven, USA) haben in ihrer aktuellen Studie einen anderen Therapieansatz verfolgt. Basierend auf früheren Studien gingen sie davon aus, dass eine ketogene Ernährungsweise die Symptome einer Gicht lindern kann. Bislang war allerdings wenig über die zugrunde liegenden Mechanismen bekannt.
In einer Reihe von Experimenten stellten Goldberg und ihre Kollegen fest, dass die Gelenke von Ratten, die eine solche fettreiche, aber kohlenhydratarme Diät erhielten, weniger stark anschwollen und die Konzentration von Entzündungsmarkern bei diesen Tieren geringer war als in der normal ernährten Kontrollgruppe. Die Wissenschaftler führten dies auf die erhöhte Konzentration des Ketonkörpers Betahydroxybutyrat (kurz: BHB) zurück. Weitere Analysen ließen darauf schließen, dass die Entzündungsantwort in den betroffenen Gelenken durch eine ketogene Ernährung abgeschwächt und auch die Gewebezerstörung vermindert wird. Dies geschieht ohne Beeinträchtigung der bakteriellen Immunabwehr – eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz der ketogenen Diät bei Menschen. Mechanistisch lassen sich die positiven Wirkungen einer ketogenen Ernährung bei Gicht dadurch erklären, dass BHB spezifisch das NLRP3-Inflammasom hemmt. Im Labor wurden vergleichbare Ergebnisse auch an menschlichen Zellen (in vitro) beobachtet.
Für Goldberg stellt das NLRP3-Inflammasom einen guten Ansatzpunkt dar, um Entzündungsreaktionen während eines Gichtschubs abzumildern. Entsprechende Studien bei Menschen (in vivo) stehen allerdings bislang noch aus. Dies wäre auch vor dem Hintergrund interessant, dass eine dauerhaft fettreiche Ernährung eine Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie) auslösen kann, was wiederum die Entstehung einer Arteriosklerose begünstigt.
Quellen einblenden
- E.L. GoldbergJ. L. Asher, R.D. Molony et al. (2017): β-Hydroxybutyrate deactivates neutrophil NLRP3 inflammasome to relieve gout flares. Cell Reports 18: Seite 2088-2087
- S. Schmitzer (2017): Gicht-Patienten: Abendbrot gestrichen. Online-Artikel vom 04.04.2017




