Magersucht: Welche Bilder auf das Belohnungssystem wirken

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Entgegen bisheriger Annahmen scheinen Frauen, die an Anorexia nervosa (Magersucht) erkrankt sind, stärker auf Bilder der Kategorien „Sport“, „Gewichtsverlust“ und „gesundes Essen“ zu reagieren als auf Bilder der Themengruppen „Disziplin“, „dünne Körper“ und „Anerkennung durch andere“.

Frau im Spiegel

© pixabay/ DEBInet

Viele Menschen mit Anorexia nervosa nehmen ihr Körperbild anders wahr als es tatsächlich ist. Oft finden sie sich selbst dann noch zu dick, wenn ihr Untergewicht bereits lebensbedrohlich ist. In früheren Studien wurde gezeigt, dass das Belohnungssystem eine wichtige Funktion bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Erkrankung innehat. Dabei ging man davon aus, dass besonders Bilder von untergewichtigen Körpern das Belohnungssystem stimulieren. Bislang war allerdings kaum etwas darüber bekannt, ob auch andere visuelle Stimuli belohnend wirken.

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit gelang es Dr. Ann-Kathrin Kogel störungsspezifische belohnende Reize auf Bildern bei Anorexia nervosa zu identifizieren und einzuordnen. Hierfür verglich sie die Reaktionen von 25 erkrankten Frauen auf verschiedene Bilder mit jenen einer ebenso großen Kontrollgruppe ohne Essstörung.

Um zu erfahren, welche Bilder möglicherweise besonders das Belohnungssystem von Frauen mit einer Anorexia nervosa ansprechen, befragten Kogel und ihre Kollegen im Vorfeld der eigentlichen Studie Frauen mit und ohne Erkrankung zu besonderen Situationen und zeigten Bilder. Hier kristallisierten sich Bilder der Kategorien „gesundes Essen“, „Anerkennung durch andere“, „Disziplin“, „dünne Körper“, „Gewichtsverlust“ und „Sport“ als störungsspezifische Reize heraus.

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Für die Hauptstudie stellten die Wissenschaftler ein Set von Bildern zusammen, das aus jeweils 24 Bildern mit störungsspezifischen Reizen, hochkalorischem Essen, erotischen Motiven und neutralen Bildern (zum Beispiel ein Stuhl, ein Eimer oder Steine) bestand. Alle Probandinnen sahen sich diese Bilder in zufälliger Abfolge an und beantworteten Fragen dazu. Unter anderem wurden sie gebeten, auf einer Skala zwischen 0 und 10 anzugeben, wie lohnenswert ihnen die gezeigte Situation erschien.

Kogel und ihre Kollegen beobachteten, dass die an Anorexie erkrankten Frauen die Bilder der störungsspezifischen Reize durchweg höher (lohnenswerter) bewerteten als die Frauen ohne Essstörung. Bis auf die Sammelgruppe „gesundes Essen“ war der Unterschied zwischen erkrankten und nicht erkrankten Frauen statistisch bedeutsam. Unter den Frauen mit einer Anorexia nervosa erzielten die Bilder der Kategorien „Sport“, „Gewichtsverlust“ und „gesundes Essen“ höhere Bewertungen als „Disziplin“, „dünne Körper“ und „Anerkennung durch andere“. Ein ähnliches Muster zeigte sich auch in der Kontrollgruppe, allerdings fielen die Bewertungen hier insgesamt niedriger aus. Interessant war zudem die Beobachtung, dass mit zunehmendem Schweregrad der Anorexie die Wertschätzung für Bilder der Kategorien „Gewichtsverlust“ und „dünne Körper“ zunahm.

Die Ergebnisse dieser Studie erweitern das bisherige Bild möglicher Stimuli und können helfen, die „Trigger“ für die Entstehung und Aufrechterhaltung dieser gravierenden Erkrankung besser zu verstehen.

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