Irisin – auf diesen Namen tauften Wissenschaftler des Dana-Farber Cancer Instituts in Boston ein Hormon, dessen Entdeckung mit hohen Erwartungen verbunden ist. Ersten Studien zufolge wandelt Irisin weiße Fettzellen in braune Fettzellen um und kann außerdem den Blutzuckerstoffwechsel verbessern.

Namensgeberin des Hormons ist die griechische Götterbotin Iris. Wie diese ist Irisin im Dienste eines anderen unterwegs. Irisin vermittelt Signale zwischen Muskelzellen und Fettgewebe. Das Hormon wird bei sportlicher Aktivität freigesetzt und bewirkt im Fettgewebe eine Umwandlung von weißen Fettzellen in braune. Im Gegensatz zu weißen Fettzellen speichern braune Fettzellen keine Energie, sondern verbrennen sie. Vor allem Neugeborene verfügen über braune Fettzellen, die bei ihnen zum Schutz vor einer Unterkühlung beitragen. Sicher hätte auch gerne die eine oder andere ältere Person ein paar dieser energiezehrenden Zellen. Bislang wurde allerdings davon ausgegangen, dass sie mit dem „Babyspeck“ für immer verloren gehen. Vor einigen Jahren wurden braune Fettzellen wider Erwarten erstmals bei Erwachsenen entdeckt. Sie bieten einen neuen, vielversprechenden Ansatz für die Therapie von Übergewicht und Diabetes und wecken das Interesse zahlreicher Forscher.

Die Wirkung von Irisin wurde bislang nur bei Mäusen untersucht. Eine Irisin-Injektion führte bei unsportlichen, stark übergewichtigen Mäusen bereits nach zehn Tagen zu einer Verbesserung ihrer Blutzucker- und Insulinwerte sowie einer geringen Gewichtsreduktion. Weitere Experimente sollen zeigen, ob die positiven Wirkungen von Irisin auch über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben und vor allem ob die Behandlung mit Irisin frei von Nebenwirkungen ist. Auch die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den menschlichen Organismus muss noch überprüft werden. Sollten die weiteren Untersuchungen positiv verlaufen, könnten entsprechende Produkte möglicherweise irgendwann einmal auf Rezept oder im Handel erhältlich sein. Bis dahin liegt noch ein weiter Weg vor den Forschern. Die Arbeitsgruppe des Dana-Farber Cancer Instituts aus Boston ist allerdings sehr zuversichtlich, mit ihren weiteren Tests Erfolg zu haben: Bereits jetzt wurde eine neue Firma gegründet, die für die spätere Vermarktung des Produkts zuständig sein soll.
Einstweilen haben Übergewichtige die Möglichkeit, ihre körpereigene Irisinbildung selbst zu steigern – zum Beispiel durch einen zügigen Spaziergang durch die Natur. Positive Begleiterscheinung: Ein Spaziergang ist kostenfrei, hat keine Nebenwirkungen und fördert darüber hinaus die körpereigenen Abwehrkräfte und das Wohlbefinden. Dann nichts wie los…
Quellen einblenden
- P. Boström, J. Wu, M. P. Jedrychowski, A. Korde, L. Ye, J. C. Lo, K. A. Rasbach, E. Almer Boström, J. H. Choi, J. Z. Long, S. Kajimura, M. C. Zingaretti, B. F. Vind, H. Tu, S. Cinti, K. Højlund, S. P. Gygi, B. M. Spiegelman (2012): A PGC1-a-dependent myokine that drives brown-fat-like development of white fat and thermogenesis. Nature (Online-Vorabveröffentlichung).
- Dana-Farber Cancer Institute (2012): Researcher isolate messenger protein linking exercise to health benefits. Pressemitteilung des Dana-Farber Cancer Institutes vom 12.01.2012.
- Ember Therapeutics (2012): Ember Therapeutics Announces Nature Publication of Brown Fat Biology Data; Program Exclusively Licensed from the Dana-Farber Cancer Institute. Pressemitteilung der Firma Ember Therapeutics vom 11.01.2012.
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