Tim Mälzer als Ernährungsexperte: Gesunde Ernährung auf dem Prüfstand

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Am 27. Februar (20.15 Uhr) strahlt das Erste den großen „Ernährungs-Check“ aus. Fernsehkoch Tim Mälzer geht in dieser Sendung der Frage nach, wem eine gesunde Ernährung eigentlich nützt und begleitet einen „großen Ernährungstest“.

Salat

Vollkornprodukte, Obst und Gemüse sind gesund. Frittierte, fett- und zuckerreiche Lebensmittel sind ungesund. Lassen sich die Speisen, die wir essen, so einfach in „gut“ oder „schlecht“, „gesund“ oder „krank machend“ einteilen? Dieser Frage möchten der NDR und Tim Mälzer in einem großen „Ernährungstest“ auf den Grund gehen. Im Vorfeld wurden in einer Art Experiment 45 Männer (1) vier Woche lang in einer Studioküche verköstigt. Während der ersten beiden Wochen erhielten alle Probanden das gleiche Essen (Auswaschphase). Dann wurden Blutproben von jedem Teilnehmer genommen. In der nun folgenden eigentlichen Testphase wurden die Männer in drei Gruppen aufgeteilt. Untersucht wurden drei verschiedene „Ernährungsformen“:

  • deutsche Hausmannskost: viel Fleisch, viele Kohlenhydrate, kaum Obst
  • leichte Mittelmeerküche: viele Vitamine und Ballaststoffe
  • Fast Food: Burger, Pommes und Co.

Burger mit Pommes frites

Der Energiegehalt der Speisen, die an einem Tag insgesamt verzehrt wurden, war identisch (2.900 Kilokalorien), die Gehalte an Mikro- und Makronährstoffen variierten jedoch deutlich. Zwei Wochen mussten die Probanden diese Ernährung durchhalten, dann wurde noch einmal Blut abgenommen und Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes sowie die Versorgung mit Vitaminen bestimmt.

Das Ergebnis des Tests erstaunte selbst Tim Mälzer, wie er bei der Vorstellung des Ernährungstests bekannte: „Ich war mir sicher, dass sich die Nahrung eindeutig auf die Blutwerte auswirken würde. Doch es kam anders. Zwar fühlte sich die Fast-Food-Gruppe träge und hatte bald Lust auf etwas Knackiges, gesundheitlich geschadet hat ihr das Burger-Essen aber nicht.“

Grünkohl mit Pinkel

Mälzers Fazit? „Für mich heißt das konkret: Man muss sich locker machen. Ich fühle mich wohl, wenn ich esse, was mir schmeckt.“ Man müsse nicht gleich Ernährungswissenschaften studieren, so Mälzer weiter, „wenn ich zu viel wiege, muss ich mich mehr bewegen und weniger Kalorien zu mir nehmen… Bei mir gehören immer noch der Burger oder die Ravioli aus der Dose, die ich gerade gestern Abend wieder an der Tanke gekauft habe, dazu.“ Die Dokumentation ist für Mälzer ein Plädoyer für einen „entspannten und undogmatischen Umgang mit jeder Form von hinlänglich bekannten Ernährungsregeln“. Er ist sich sicher: „Jede wirklich genossene Mahlzeit ist wichtiger und besser als jede nicht genossene, die man nur zu sich nimmt, weil sie nach irgendwelchen Gesundheitskriterien angeblich gut für einen selbst sein soll.“

Was lässt sich zu dieser „Studie“ sagen? Bei der Betrachtung des Studiendesigns stößt man schnell auf methodische Mängel, die an der Aussagekraft des Tests zweifeln lassen, z. B.:

  • Die Dauer der Studie: Zwei Wochen Testphase genügen nicht, um signifikante Veränderungen der Blutwerte zu bewirken.
  • Die Mahlzeitenzuteilung: Um Unterschiede zwischen den Probanden auszuschließen, hätten alle Probanden in zufälliger Reihenfolge alle Kostformen erhalten müssen.
  • Die Probanden: Wie wurde sichergestellt, dass außer den Mahlzeiten aus der Versuchsküche keine weiteren Lebensmittel zwischendurch verzehrt wurden? Wie war das Bewegungsverhalten der Probanden?
  • Die Kalorienbegrenzung: Wenn alle Probanden die gleiche Menge an Energie über die Nahrung aufnehmen, ist es nicht verwunderlich, dass sich auch das Körpergewicht zwischen den verschiedenen Gruppen nicht unterscheidet. Offen bleibt allerdings die Frage, wie realitätsnah eine solche Studie ist. Würden Sie unter Alltagsbedingungen auf ein Drittel des Hamburgers oder der Pommes, die sie gekauft haben verzichten, weil Ihr Kalorienlimit für das Mittagessen erreicht ist? Obwohl Sie eigentlich noch gar nicht richtig satt sind? Wohl kaum…

Die Darstellung einer gesunden, abwechslungsreichen Ernährung als eine Form der Selbstaufopferung für Gesundheit ist künstlich überspitzt und nachweislich falsch. Gesunde Ernährung ist keinesfalls gleichbedeutend mit dauerhaftem Entsagen. Vielmehr geht es um das richtige Maß: Es darf geschlemmt werden, aber zwischendurch ist auch wieder Zeit für Salat, Obst und Gemüse.

Das Abwechseln zwischen gesunden und weniger gesunden Speisen geschieht meist ganz von selbst – wie auch bei Tim Mälzers Fast-Food-Probanden, die sehr bald „Lust auf etwas Knackiges“ hatten. Bleibt abzuwarten, welchen Eindruck die gesamte Sendung hinterlässt. Interessant dürfte auf jeden Fall die Diskussion „Hart aber Fair“ mit Frank Plasberg im Anschluss daran sein.

(1) Bei Frauen könnten hormonelle Veränderungen die Ergebnisse verfälschen.

Quellen:

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