Schon Alltagsaktivitäten erhöhen das Wohlbefinden

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Sport steigert das Wohlbefinden. Es müssen aber nicht unbedingt sportliche Höchstleistungen sein, die uns glücklich machen. Bereits Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen oder zur Straßenbahn laufen können die Stimmung aufhellen. Und Personen mit psychischen Problemen scheinen davon besonders zu profitieren.

Aus früheren Studien ist bekannt, dass Sport das eigene Wohlbefinden erhöht und dazu beiträgt, auch psychisch gesund zu bleiben. Bislang wurde allerdings kaum untersucht, wie sich alltägliche Aktivitäten auf die eigene Befindlichkeit auswirken und welche Gehirnstrukturen an dem Effekt beteiligt sind. Diesen Fragen widmete sich ein Forscherteam vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, dem Institut für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) sowie der Abteilung Geoinformatik am Geographischen Institut der Universität Heidelberg.

„Die Untersuchungen wurden durch eine neuartige Kombination verschiedener Forschungsmethoden im Alltag und im Labor möglich“, erläutert Professor Ulrich Ebner-Priemer, der sowohl eine leitende Position am ZI als auch am KIT innehat. In der Phase der Alltagserhebung wurden 67 Personen für eine Woche mit Bewegungssensoren ausgestattet und per Smartphone wiederholt zu ihrer Wachheit und Energiegeladenheit befragt. Diese Abfragen wurden durch Geolokalisationsdaten ausgelöst und erfolgten, sobald sich die Studienteilnehmer bewegten. Bei einer weiteren Gruppe von 83 Personen wurde am ZI das Volumen der grauen Hirnsubstanz per Magnetresonanztomografie vermessen, um Gehirnareale zu identifizieren die im Zusammenspiel zwischen Alltagsbewegung und Wohlbefinden eine Rolle spielen.

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„Schon das alltägliche Treppensteigen kann helfen, sich wach und energiegeladen zu fühlen und damit das Wohlbefinden zu steigern“, fassen Dr. Markus Reichert und Dr. Urs Braun Ergebnisse ihrer Studie zusammen, die sie als Erstautoren in der Fachzeitschrift Sciences Advances publiziert haben. Direkt nach alltäglichen Aktivitäten fühlten sich die Studienteilnehmer wacher und energiegeladener, was wiederum wichtige Komponenten des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit der Probanden waren.

Außerdem konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass ein bestimmter Bereich der Großhirnrinde, der subgenuale Anteil des Anterior Cingulären Cortex, den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und subjektiver Energiegeladenheit vermittelt. Diese Hirnregion ist bereits bekannt dafür, dass sie eine zentrale Bedeutung in der Regulation von Emotionen sowie der Widerstandsfähigkeit gegenüber psychischen Erkrankungen hat. Interessanterweise scheinen Menschen mit einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen besonders von Alltagsaktivitäten zu profitieren. „Personen, die ein geringeres Volumen an grauer Hirnsubstanz in dieser Region aufwiesen und ein erhöhtes Risiko haben, an psychiatrischen Erkrankungen zu leiden, fühlten sich einerseits weniger energiegeladen, wenn sie körperlich inaktiv waren“, beschreibt Koautorin Prof. Heike Tost die Ergebnisse, „aber andererseits nach alltäglicher Bewegung deutlich energiegeladener als Personen mit größerem Hirnvolumen.“

Die Ergebnisse dieser Studie gewinnen gerade angesichts der aktuellen Corona-Beschränkungen und dem sich ankündigenden Winter an Bedeutung. Aktuell leiden wir unter starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens und unserer sozialen Kontakte, was sich auf unser Wohlbefinden niederschlagen kann“, erläutert Prof. Tost. „Da kann es helfen, öfter mal Treppe zu steigen, um sich besser zu fühlen.“

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