Schwangerschaftsdiabetes weiterhin auf dem Vormarsch

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Von 100 Frauen, die in einer Klinik entbinden, hatten 2018 sieben einen dokumentierten Schwangerschaftsdiabetes. Der Anteil der betroffenen Frauen ist seit 2013 um fast die Hälfte gestiegen.

Die Mutterschaftsrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses empfehlen seit 2012 ein zweistufiges Screening auf Schwangerschaftsdiabetes, das zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden sollte. Ergibt der Vortest1 ein auffälliges Ergebnis, sollte dies mit einem Diagnosetest2 abgesichert werden.

Unter Federführung des Robert-Koch-Instituts haben Wissenschaftler untersucht, wie sich die Screeningquote und Häufigkeit (Prävalenz) von Gestationsdiabetes seit Einführung des zweistufigen Screenings entwickelt haben. Hierfür verwendeten sie die Daten aus der externen stationären Qualitätssicherung zur Geburtshilfe, welche alle Krankenhausgeburten umfasst. Frauen, die bereits vor ihrer Schwangerschaft an Diabetes erkrankt waren, wurden aus der Analyse ausgeschlossen. Um eine Verfälschung der Ergebnisse durch Veränderungen in der Altersstruktur der schwangeren Frauen zu verhindern, wurde die Altersstruktur der Studienpopulation aus dem Jahr 2018 als Referenz für die vorherigen Jahre verwendet.

Im Zeitraum von 2013 bis 2018 ist die Prävalenz des dokumentierten Schwangerschaftsdiabetes von 4,6 Prozent auf 6,8 Prozent angestiegen. Im selben Zeitraum nahm auch die Gesamtzahl der Geburten zu. So waren 2013 29.735 Frauen von Schwangerschaftsdiabetes betroffen, 2018 waren es 51.318 Frauen.

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Die Screeningquote wurde erst ab 2016 im Datensatz dokumentiert. Im Jahr 2018 nahmen fast zwei Drittel der Frauen (65 Prozent) einen alleinigen Vortest wahr, knapp ein Fünftel der Frauen (18 Prozent) erhielt einen Vortest plus anschließendem Diagnosetest und jede 15. Frau (6,7 Prozent) unterzog sich nur dem Diagnosetest. Verglichen mit dem Jahr 2016 stieg die Screeningquote des Schwangerschaftsdiabetes von 83,4 Prozent auf 89,9 Prozent.

Ein Erklärungsansatz für die zunehmende Prävalenz des Schwangerschaftsdiabetes ist die erhöhte Screeningquote. Aber auch Änderungen bei der Verbreitung von Risikofaktoren der schwangeren Frauen (insbesondere Übergewicht/Adipositas) sowie ein verändertes Dokumentationsverhalten könnten zu einer Zunahme des dokumentierten Schwangerschaftsdiabetes beigetragen haben.

Die Wissenschaftler folgern, dass die Daten der stationären Qualitätssicherung Geburtshilfe grundsätzlich geeignet zu sein scheinen, die zeitliche Entwicklung in der Screeningquote und Prävalenz des Schwangerschaftsdiabetes in Deutschland kontinuierlich zu beobachten. Zugleich weisen sie allerdings auch auf Forschungsbedarf hin. Nicht alle Frauen nutzen das Angebot des Screenings auf Schwangerschaftsdiabetes. Hier wäre zu klären, ob sich diese Frauen in Bezug auf wichtige Risikofaktoren für Schwangerschaftsdiabetes von jenen unterscheiden, die am Screening teilnehmen. Dies würde sich gegebenenfalls auf Prävalenzschätzungen auswirken. Ein weiteres Manko der Studie besteht darin, dass Schwangerschaftsdiabetes von Frauen mit Fehlgeburten und jenen, die nicht in einem Krankenhaus entbunden haben, nicht erfasst wurde.

Quellen einblenden

1 Aufnahme einer Glukoselösung mit 50 Gramm Glukose. Die Frau muss zuvor nicht nüchtern sein. Nach einer Stunde wird der Blutzuckerspiegel gemessen.
2 Aufnahme einer Glukoselösung mit 75 Gramm Glukose (oraler Glukosetoleranztest). Um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten, sollte die Schwangere zu Beginn des Tests nüchtern sein. Der Blutzuckerspiegel wird vor Aufnahme des Getränks sowie eine und zwei Stunden danach gemessen.

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