Übergewicht ist ein Risikofaktor für Menschen im mittleren Alter, weniger für Über-65-Jährige.
Menschen im stark fortgeschrittenen Alter vom Abnehmen überzeugen zu wollen, um ihre Lebensdauer zu verlängern, wäre demnach nicht sinnvoll.
Menschen unter 65 Jahren sollten weder zu viel noch zu wenig wiegen, während Ältere wahrscheinlich nur durch ein zu niedriges Gewicht ihr Sterberisiko erhöhen, so Bouillanne et al. Über-65-Jährige scheinen bei einem BMI von 25-30 kg/m² das geringste Sterberisiko zu haben. Als unbedeutend erweise sich ein höherer BMI, ein niedrigerer hingegen sei nachteilig.
Folglich verzögert ein BMI von 25-30 kg/m² bei älteren Menschen den Tod. Zwei Ausnahmen allerdings gibt es, denn Krebs und Herzkreislauf-Erkrankungen treten bei Werten in diesem BMI-Bereich häufiger als bei Normalgewichtigen auf.
Die Fettmasse setzt sich aus dem viszeralem Fett (Bauchfett) und dem subkutanem Fett (Unterhaut-Fett) zusammen. Diese beiden Arten des Fettgewebes funktionieren und wirken verschieden. Viszerales Fett gibt Botenstoffe ab, die Entzündungen begünstigen und subkutanes Fettgewebe dient vor allem als Energiespeicher. So erhöht viszerales Fett das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stark, nicht jedoch das subkutane Fett. Das subkutane Fett hingegen liefert Energie und sichert so wahrscheinlich nicht nur bei Energie-zehrenden Erkrankungen das Überleben.

Auch nach einem Herzanfall wirkt Übergewicht lebensverlängernd. Was zunächst paradox erscheint, erklärt sich vermutlich dadurch, dass der kurzfristige Vorteil des Energievorrats das langfristige Risiko durch eine erhöhte Fettmasse überwiegt.
Quelle:
Bouillanne O, Dupont-Belmont C, Hay P, Hamon-Vilcot B, Cynober L, Aussel C: Fat mass protects hospitalized elderly persons against morbidity and mortality. Am J Clin Nutr 2009;90:505-10
Zum Thema:
Wirkung eines beabsichtigten Gewichtsverlusts älterer Menschen auf die Gesamtsterblichkeit (englische Kurzfassung der Studie)




