Was gilt vor und während der Schwangerschaft? Neue Handlungsempfehlungen

Weitere Beiträge

Wie viel Folsäure wird empfohlen, wenn die Einnahme erst spät beginnt? Müssen Schwangere mehr essen? Und wann ist ein Vitamin-D-Supplement sinnvoll? Die aktualisierten Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben“ ersetzen die Version von 2018. Sie bestätigen viele bisherige Aussagen, enthalten aber auch neue und konkretere Empfehlungen. Der Beitrag stellt ausgewählte Änderungen vor, die für Schwangere und beratende Fachkräfte relevant sind.

Bild einer Frau in Umstaenden
©DEBInet (Adobe Firefly)

Höherer Nährstoffbedarf, meist kein höherer Energiebedarf
Mehr essen müssen die meisten Schwangeren nach den aktualisierten Handlungsempfehlungen nicht. In der Version von 2018 wurde noch eine geringfügige Steigerung der Energiezufuhr um bis zu 10 % in den letzten Schwangerschaftsmonaten empfohlen. Zwar steigt der Ruheenergieverbrauch in der Schwangerschaft, zugleich nimmt die körperliche Aktivität im Verlauf jedoch häufig ab. Insbesondere Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft Übergewicht oder Adipositas hatten, sollen ihre Energiezufuhr nicht erhöhen. Wichtiger ist eine ausgewogene Lebensmittelauswahl mit hoher Nährstoffdichte. Der Bedarf an verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen steigt deutlich stärker als der Energiebedarf. Die verbreitete Vorstellung, während der Schwangerschaft müsse für zwei gegessen werden, trifft daher nicht zu. Für Frauen mit Adipositas wurde zudem konkretisiert, dass die Gewichtszunahme auch unterhalb des Orientierungsbereichs von 5 bis 9 kg liegen kann.

800 Mikrogramm (µg) Folsäure bei spätem Einnahmebeginn
Frauen mit Kinderwunsch sollen zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung täglich 400 µg Folsäure oder eine entsprechende Menge anderer Folate einnehmen. Die Einnahme soll bereits bei Kinderwunsch beginnen und bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche fortgesetzt werden. Wer nicht mindestens vier Wochen vor der Empfängnis mit der Einnahme begonnen hat, soll bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche täglich 800 µg Folsäure einnehmen. Die aktualisierte Handlungsempfehlung nennt diese Dosis nun ausdrücklich, während 2018 in der Empfehlung selbst nur ein höher dosiertes Präparat genannt wurde.

Vitamin D bei geringer Eigenbildung ergänzen
Neu hinzugekommen ist eine eigenständige Handlungsempfehlung zur Vitamin-D-Versorgung. Eine Supplementierung wird dennoch nicht pauschal für alle Schwangeren empfohlen. Für die körpereigene Bildung sollen Gesicht, Hände und Arme zwei- bis dreimal pro Woche kurz unbedeckt und ohne Sonnenschutz der Sonne ausgesetzt werden. Ein Sonnenbrand soll dabei unbedingt vermieden werden. Bei Schwangeren, die sich bei Sonnenschein selten im Freien aufhalten, ihre Haut weitgehend bedecken oder vor Sonne schützen, ist mit einer geringen oder fehlenden körpereigenen Bildung zu rechnen. Das gilt auch bei dunkler Hautfarbe. In diesen Fällen sollen täglich 20 µg bzw. 800 Internationale Einheiten Vitamin D supplementiert werden.

Auch pflanzliche Ersatzprodukte können Keime enthalten
Der Schutz vor Lebensmittelinfektionen bleibt ein wichtiger Bestandteil der Empfehlungen. Schwangere sollen keine rohen tierischen Lebensmittel essen und bei Auswahl, Einkauf, Lagerung und Zubereitung besonders auf die Hygiene achten. Neu berücksichtigt werden pflanzliche Produkte, die tierische Lebensmittel ersetzen. Auch solche Produkte können mit Krankheitserregern belastet sein. Schwangere sollen deshalb sowohl die Empfehlungen für das jeweils ersetzte tierische Lebensmittel als auch die Angaben des Herstellers beachten. Das gilt beispielsweise für pflanzliche Alternativen zu Milchprodukten sowie zu Fleisch- und Wurstwaren. Konkreter gefasst wurden außerdem einzelne Zubereitungshinweise. Eier sollen nur gegessen werden, wenn Eigelb und Eiweiß durch Erhitzung fest geworden sind. Tiefkühlbeeren und Sprossen sollen Schwangere nur nach starker Erhitzung verzehren.

Frau beim Yoga
©DEBInet (Adobe Firefly)

Bewegung lohnt sich auch für bisher wenig Aktive
Schwangere sollen regelmäßig körperlich aktiv sein, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Wie für Erwachsene allgemein werden mindestens 150 Minuten körperliche Aktivität mit moderater Intensität pro Woche empfohlen, verteilt auf mehrere Tage. Neben Ausdauerbewegung sollen auch Kraft- und Beckenbodentraining berücksichtigt werden. Neu ist vor allem, dass die Handlungsempfehlungen ausdrücklich auch Schwangere berücksichtigen, die vor der Schwangerschaft nicht oder nur wenig körperlich aktiv waren. Sie sollen langsam beginnen und ihre Bewegung schrittweise steigern. Bereits kürzere oder weniger anstrengende Bewegung kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Frauen, die zuvor regelmäßig sportlich aktiv waren, können ihre Aktivität grundsätzlich fortsetzen und sollen dabei überwiegend im moderaten Bereich bleiben.

Die Fragen aus dem Einstieg lassen sich damit klar beantworten. Beginnt die Folsäureeinnahme nicht mindestens vier Wochen vor der Empfängnis, werden bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche täglich 800 µg empfohlen. Mehr essen müssen die meisten Schwangeren nicht, da die körperliche Aktivität im Verlauf der Schwangerschaft häufig abnimmt. Vitamin D soll nicht pauschal, sondern bei voraussichtlich geringer oder fehlender körpereigener Bildung ergänzt werden.

Literatur:

  • Alaze-Hagemann F, Reiss K, Abou-Dakn M et al.: Nutrition, Physical Activity and Other Health Aspects Before and During Pregnancy – Recommendations by the Nationwide „Healthy Start Network“ (Netzwerk Gesund ins Leben) 2026. Geburtsh Frauenheilk 2026. https://doi.org/10.1055/a-2827-5905 (zuletzt aufgerufen am 22.07.2026)
  • Koletzko B, Cremer M, Flothkötter M et al.: Diet and Lifestyle Before and During Pregnancy – Practical Recommendations of the Germany-wide Healthy Start – Young Family Network. Geburtsh Frauenheilk 2018. https://doi.org/10.1055/a-0713-1058 (zuletzt aufgerufen am 22.07.2026)

- Advertisement -spot_img
- Advertisement -spot_img

Andere lesen gerade…

- Advertisement -spot_img

More Recipes Like This

- Advertisement -spot_img