Zucker, Zucker, Zucker

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Wie viel Zucker darf der Mensch essen? Mit zehn Energieprozent wohl weniger als er sich im Allgemeinen so einverleibt. Ein Verzicht ist gar nicht so einfach: beigemengt und gut versteckt, lässt sich längst kaum mehr nachverfolgen, wie viel Zucker wir über Essen und Trinken tagtäglich aufnehmen. So gesehen hatte Bild am Sonntag mit dem Report „Zeig dich Zucker!“ eine hervorragende Idee. Allerdings verhält es sich mit dem Thema Zucker in einigen Punkte etwas komplexer als dort dargestellt.

Zucker noch und nöcher

Zucker

Der Konsum an Süßem ist hoch, die möglichen Folgen jedoch sind bitter, denn zu viel Zucker könnte der Gesundheit schaden. Zucker besitzt nach Ansicht mancher Experten sogar Suchtpotential und ist ebenso ungesund wie Tabak und raue Mengen Alkohol. Bild am Sonntag ging auf Zucker-Suche und wurde reichlich fündig. In dem Report „Zeig dich Zucker!“, der am 6. Juli erschien, reihen sich die bunten Bildchen der „zuckerlastigen Sünden“ aneinander.

Da stehen Schokolade mit Erdbeercreme-Füllung neben Currywurstzubereitung, fruchtiger Geflügelsalat neben 5-Minuten Terrine, Zwieback neben Gummibärchen. Doch – und hier schreckt das Auge auf – was ist das? Bilder von Apfelchips, Milch und Karottensaft und später dann taucht auch noch eine frische Ananas auf. Lesen Sie noch oder stutzen und staunen Sie schon?

Ja, es ist kein großes Geheimnis – in allem, was süß schmeckt, ist in irgendeiner Form auch Zucker enthalten. Nur ist Zucker in Lebensmitteln wie Äpfeln, Karotten und Milch natürlicherweise enthalten und wurde nicht zugesetzt. Deshalb auf Obst und Gemüse oder Milch zu verzichten, wäre sicherlich die falsche Botschaft.

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Gläserweise Konfitüre

Auch die gewählten Mengen verwundern zum Teil etwas – es gibt wohl kaum jemanden, der ein Kilogramm Ananas (131 Gramm Zucker(*)) oder fünf Kilogramm Wassermelone (400 Gramm) herunter bekommt oder gar ein ganzes Glas Konfitüre (186 Gramm), im Gegensatz zu ganz und gar wirklichkeitsnahen vier Schokoriegeln (etwa 28 Gramm), einem 200-Gramm-Becher Fruchtjoghurt (32 Gramm), einem halben Päckchen Gummibärchen (45,6 Gramm), einem Liter Orangenlimonade (96 Gramm), Cola (106 Gramm), O-Saft (90 Gramm) oder aromatisiertem Wasser (24 Gramm). Vor allem in Form von gesüßten Getränken werden also große Mengen Zucker aufgenommen. In Schulen wird daher stellenweise ein Verbot gesüßter Getränke gefordert; kein Angebot, keine Versuchung.

Gemessen an der insgesamt tatsächlich aufgenommen Zucker-Menge sind also Obst, Gemüse und Milch weniger „schuldig“. Mal ganz abgesehen davon, dass diese viele nützliche Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe mitbringen. Eine Eigenschaft, die durchaus, wenn auch eher nebenbei, in dem Bild-Report erwähnt wird.

Sättigung – die Menge macht’s

Jedoch, und hier hakt der Report wieder etwas, Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe selbst machen nicht satt. Der Grund für die Sättigung liegt woanders. Ballaststoffreiche Lebensmittel, meist sind sie reich an Vitaminen und Mineralstoffen, haben in der Regel ein größeres Volumen und füllen dadurch den Magen besser. Und die Füllmenge des Magens ist es, die entscheidend zur Sättigung beiträgt. Deshalb macht zum Beispiel ein kleiner Burger mit Fritten weniger satt als ein großer Teller mit Rohkostsalat.

Zucker ist nicht gleich Zucker

Stutzig macht auch die Aussage, dass alle Zucker, darunter auch Fruchtzucker, den Blutzuckerspiegel gleichermaßen ansteigen lassen sollen. Und dadurch die „Insulin-bringt-den-vielen-Zucker-aus-dem-Blut-in-die-Zellen-und-stürzt-dadurch-den-Blutzucker-in-Untiefen-Hungerschleife“ aktivieren. Zunächst einmal funktioniert die Insulin-Regulation vorrangig mit Glucose. Aus diesem Grund galt Fruchtzucker, bevor seine zweifelhaften Nebenwirkungen bekannt wurden, lange als idealer Diabetiker-Zucker, weil er den Blutzuckerspiegel eben kaum beeinflusst. Und dann wird Zucker doch selten pur gegessen. Denn auch die Zusammensetzung eines Lebensmittels oder einer Mahlzeit bestimmt, wie schnell und wie stark der Blutzucker ansteigt.

Dennoch, in der Schlussfolgerung, dass der Zuckerverzehr zu hoch sei, kann der Bild am Sonntag zugestimmt werden. Deshalb: Augen auf beim Speisenkauf! Bild am Sonntag rät zum Ampelcheck oder dem Smartphone-Besitzer zur Gratis-App Barcoo.

(*) Zahlen alle nach Angaben der Bild am Sonntag

Link zum Orignalartikel: BILD am SONNTAG enthüllt: So viel Zucker steckt in unseren Lebensmitteln.

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