Adipositas und Essverhalten: (auch) eine Frage der Gene?

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Genetisch vorbelasteten Menschen fällt es schwerer, ihr Gewicht zu halten. In einer Zwillingsstudie konnten Wissenschaftler zeigen, dass bestimmte genetisch determinierte Verhaltensmuster tatsächlich das Essverhalten beeinflussen. Dies gilt insbesondere für das unkontrollierte Snacken zwischen den Mahlzeiten.

Gene, die mit einer Prädisposition für Adipositas in Verbindung gebracht werden, werden besonders häufig im Gehirn abgelesen (exprimiert). Diese führt zu der Vermutung, dass diese Gene über die Steuerung des Essverhaltens das Körpergewicht beeinflussen, Gemeinsam mit ihren Kollegen hat die Ernährungsepidemiologin Dr. Leonie Helen Bogl von der Medizinischen Universität Wien untersucht, inwieweit genetische Prädispositionen eine Rolle bei der Ausbildung von Essgewohnheiten spielen. Für ihre Studie standen ihnen Daten einer fortlaufenden Kohortenstudie mit 3.977 Zwillingen im Alter von 31 bis 37 Jahren aus Finnland zur Verfügung. Ein Drittel der Zwillinge war eineiig. Alle Probanden, die etwa zur Hälfte Frauen waren (56 Prozent), beantworteten Fragen zu ihrem Essverhalten, Ernährungsqualität, Größe und Gewicht. Außerdem konnten die Wissenschaftler auf Informationen zur genetischen Veranlagung von 1.055 Zwillingen für die Auswertungen zurückgreifen.

Bei ihren Auswertungen erweiterten die Wissenschaftler Methoden der klassischen Zwillingsforschung um Erkenntnisse aus genomweiten Assoziationsstudien. Auf diese Weise ließen sich nicht nur genetische und umweltbedingte Einflussfaktoren auf das Essverhalten unterscheiden, sondern auch die Bedeutung aller bekannten, mit Übergewicht assoziierten Genvarianten für das Ernährungsverhalten ermitteln.

Bogl und ihre Kollegen identifizierten vier Verhaltensmuster, bei denen die eineiigen Zwillingspärchen sich deutlich ähnlicher waren als ihre zweieiigen Counterparts. Zu diesen teilweise erblich bedingten Verhaltensmustern zählen „Snacking“, „unregelmäßiges und ungesundes Essen“, „restriktives Essen“ sowie das „emotionale Essverhalten“. Außerdem bestätigte sich ihr Verdacht, dass genetische Risikofaktoren das Gewicht beeinflussen, indem sie das Essverhalten steuern. Dies galt insbesondere für das Verhaltensmuster „Snacking“, das durch „Überessen“ beziehungsweise „nicht aufhören können“ sowie das Naschen zwischen den Mahlzeiten und abends charakterisiert wird.

Die Forscher folgern aus ihren Ergebnissen, dass Menschen mit einer entsprechenden genetischen Prädisposition es deutlich schwerer haben ihr Gewicht zu halten als andere ohne diese Veranlagung. Ansätze zur Prävention von Übergewicht sollten daher – insbesondere bei Menschen mit einem entsprechenden genetischen Risikoprofil – auch auf eine Änderung der Essgewohnheiten abzielen. „Diese Ergebnisse sollen nicht entmutigen, sondern aufzeigen, warum es manche Menschen schwerer haben ihr Gewicht zu halten als andere“, erläutert Bogl. „Keinesfalls sind Gene aber deterministisch. Unsere Gene haben sich über Generationen hinweg kaum bis gar nicht verändert, und dennoch gibt es in Europa immer mehr Menschen mit Übergewicht und Adipositas. Mit einer ausgewogenen Ernährung, körperlicher Bewegung sowie mit ausreichend Schlaf kann man gegen die Genetik ankämpfen.“

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