Würden die Umweltfolgekosten, die bei der Herstellung von Lebensmitteln anfallen, in die Kalkulation der Verkaufspreise einfließen, wären insbesondere tierische Produkte um einiges teurer.
© DEBInet
Für den Anbau und die Produktion von Lebensmitteln wird viel Energie benötigt, Pflanzenschutzmittel werden eingesetzt, es entstehen Treibhausgase und reaktiver Stickstoff. All dies führt zu Biodiversitätsverlusten, die auf lange Sicht unseren Lebensraum bedrohen. Bislang werden die ökologischen Folgekosten der Lebensmittelproduktion von der Gesamtgesellschaft getragen und werden nicht im Marktpreis berücksichtigt. In einem Praxisprojekt der Universitäten Greifswald und Augsburg in Kooperation mit der PENNY Markt GmbH berechneten Wissenschaftler die ökologischen Folgekosten verschiedener Lebensmittel.
Durch die Einbeziehung von Lebenszyklusanalyse-Modellen sowie metaanalytische Methoden bestimmten die Wissenschaftler externe Effekte der Landwirtschaft auf die Biodiversität und berechneten Folgekosten von Treibhausgasemissionen, reaktivem Stickstoff, Energieverbrauch und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Bei der Berechnung wurde zwischen konventionell und ökologisch erzeugten Produkten unterschieden. Der so ermittelte Preisaufschlag, der den Unterschied zwischen dem aktuellen Marktpreis und den wahren Produktionskosten wiedergibt, war insbesondere bei tierischen Lebensmitteln beachtlich. Mit einem Preisaufschlag von 173 Prozent müsste konventionell erzeugtes Fleisch fast dreimal so teuer sein als derzeit üblich (s. Tabelle).
| Lebensmittel | Preisaufschlag bei konventioneller Erzeugung |
Preisaufschlag bei biologischer Erzeugung |
|---|---|---|
| Fleisch (gemischt) | +173 % | +126 % |
| Milch | +122 % | +69 % |
| Gouda | +88 % | +33 % |
| Mozzarella | +52 % | +30 % |
| Banane | +19 % | +9 % |
| Kartoffel | +12 % | +6 % |
| Tomate | +12 % | +5 % |
| Apfel | +8 % | +4 % |
Insgesamt fielen die Preisaufschläge der tierischen Lebensmittel deutlich größer aus als jene der pflanzlichen Lebensmittel, was auf die ressourcenintensive Aufzucht, Fütterung und Haltung der Tiere zurückgeführt werden kann. Mit einem Preisaufschlag von 126 Prozent schneidet Biofleisch deutlich besser als konventionell erzeugtes ab. Auch bei anderen biologisch erzeugten Lebensmitteln fielen die Preisaufschläge nur etwa halb so hoch aus wie bei konventioneller Produktion. Dieser Unterschied lässt sich durch die natürlicheren Produktionspraktiken im ökologischen Landbau erklären.
Beispielsweise existieren starke Beschränkungen für die Verwendung synthetischer Stickstoffdünger oder importierter Futtermittel oder deren Einsatz ist sogar ganz verboten. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Ökobilanz von Bioprodukten aus.
Durch diese und weitere Forschungsprojekte erhoffen sich die Wissenschaftler, die gesellschaftliche Diskussion über die ökologischen Folgekosten der Lebensmittelproduktion voranzutreiben. Würden die ökologischen Folgekosten bei der Festlegung von Marktpreisen mitberücksichtigt, würde sich das Kaufverhalten entsprechend der Nachhaltigkeit anpassen, prognostizieren sie.
Quellen einblenden
- Universität Greifswald (2020): Die wahren Kosten von Lebensmitteln. Pressemitteilung vom 15.09.2020




