„Baby-led Weaning“: Fingerfood für die Kleinsten

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„Baby-led Weaning“ (wörtlich: vom Baby geführtes Zufüttern) ist eine Alternative zur klassischen Beikosteinführung in Form vom Brei. Das Kind entscheidet selbst, was und wie viel es essen möchte. „Baby-led Weaning“ fördert die motorischen Fähigkeiten des Kindes, denn das Kind füttert sich ab dem Beginn der Beikostaufnahme selbst.

 © Shazam 791
© Shazam 791

Mit „Baby-led Weaning“ kann ab einem Alter von sechs Monaten begonnen werden, vorausgesetzt, das Kind ist in der Lage aufrecht zu sitzen, nach Gegenständen zu greifen und diese zum Mund zu führen. Eltern, die sich auf „Baby-led Weaning“ einlassen möchten, sollten folgende Grundregeln  beachten:

  • Bieten Sie Ihrem Baby die Möglichkeit teilzunehmen, wenn ein anderes Familienmitglied isst. Sie können damit beginnen, sobald das Baby ein Interesse zeigt, Ihnen beim Essen zuzusehen, obwohl es unwahrscheinlich ist, dass es bereit ist, Essen in den Mund zu nehmen, bevor es sechs Monate alt ist.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihr Baby in einer aufrechten Position gehalten wird, solange es mit Essen experimentiert. Während der ersten Zeit können Sie es mit dem Gesicht zum Tisch auf den Schoß nehmen. Wenn es beginnt, Essen zu greifen, wird es wahrscheinlich auch reif genug sein, mit minimaler Unterstützung im Hochstuhl zu sitzen.
  • Fangen Sie damit an, dass Sie dem Baby Essen anbieten, das die Form von Pommes (also einen „Griff„) hat. Soweit möglich, und wenn sie geeignet sind, bieten Sie Ihrem Baby die gleichen Nahrungsmittel an, die Sie auch essen, sodass es das Gefühl hat, dazu zu gehören.
  • Bieten Sie unterschiedliche Nahrungsmittel an. Es ist nicht nötig, die Erfahrungen Ihres Babys mit dem Essen mehr einzuschränken als die, die es mit Spielzeug macht.
  • Treiben Sie Ihr Baby nicht an. Erlauben Sie ihm sein eigenes Tempo. Versuchen sie nicht, ihm zu „helfen“, indem Sie ihm Essen in den Mund stecken.
  • Erwarten Sie nicht, dass Ihr Baby bei den ersten paar Gelegenheiten überhaupt etwas isst. Wenn es entdeckt hat, dass diese neuen Sachen gut schmecken, wird es anfangen, sie zu kauen und später auch runter zu schlucken.
  • Ein junges Baby wird nicht jedes Stück Essen komplett aufessen – bedenken Sie, dass es noch nicht die Fähigkeit entwickelt haben wird, an Essen in seiner Faust heran zu kommen
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  • Lassen Sie Ihr Baby nicht mit Essen allein.
  • Bieten Sie keine Nahrungsmittel an, die offensichtlich eine Gefahr bedeuten, wie z.B. Erdnüsse
  • Bieten Sie kein Fast Food an, keine Fertiggerichte und keine Mahlzeiten mit Salz oder Zuckerzusatz.
  • Bieten Sie Wasser aus einem Becher an, aber seien Sie unbesorgt, wenn Ihr Baby kein Interesse daran zeigt. Insbesondere gestillte Babys werden meist einige Zeit weiterhin alle Flüssigkeit, die sie benötigen, aus der Muttermilch beziehen.
  • Seien Sie auf das „Chaos“ vorbereitet!: Eine saubere Plastikfolie auf dem Boden unter dem Hochstuhl schützt den Teppich/Fußboden und macht das Aufräumen einfacher. (Sie werden angenehm überrascht sein, wie schnell Ihr Baby lernt, recht sauber zu essen!)
  • Ermöglichen Sie Ihrem Baby auch weiterhin, nach seinem eigenen Bedarf gestillt zu werden. Seien Sie darauf vorbereitet, dass sein Schema sich ändert, wenn es anfängt, mehr feste Nahrung zu essen.
  • Wenn Sie in der Familie Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien oder Verdauungsprobleme haben, besprechen Sie diese Methode der Beikosteinführung mit Ihrem Kinderarzt/Ihrer Hebamme, bevor Sie damit beginnen.
  • Schlussendlich: Haben Sie Freude daran zu sehen, wie Ihr Baby das Essen kennenlernt – und dabei seine hand- und mundmotorischen Fähigkeiten entwickelt!

Welche Vorteile hat „Baby-led Weaning“ im Vergleich zur herkömmlichen Breifütterung? Neben der Förderung der motorischen Fähigkeiten des Kindes argumentieren die Befürworter, dass „Baby-led Weaning“ die Akzeptanz verschiedener Lebensmittel fördert,  Geruchs- und Geschmackswahrnehmung erheblich ausweitet und differenziert und Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein des Kindes stärkt. Durch die Fortführung des Essens nach Bedarf werden Auseinandersetzungen um Nahrungsaufnahme reduziert und der Entstehung von Übergewicht vorgebeugt.

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Inwieweit diese postulierten Vorteile evidenzbasiert sind, haben Wissenschaftlerinnen des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) mit einer wissenschaftlichen Literaturrecherche überprüft. Zunächst fiel ihnen auf, dass die Studienlage zum Thema „Baby-led Weaning“ eher dürftig ist. Die Wissenschaftlerinnen fanden hauptsächlich kleinere Beobachtungsstudien zum Wachstum und Ernährungsverhalten des Kindes sowie den mütterlichen Einstellungen. Studienergebnisse zur Energieaufnahme und zur Versorgung mit „kritischen“ Nährstoffen (beispielsweise Eisen) in dieser Lebensphase fehlen bislang. Dies mag darauf zurückzuführen sein, dass nicht genau bestimmt werden kann, wie viel ein Kind jeweils von jedem angebotenen Lebensmittel gegessen hat. Die Studienlage zum Zusammenhang zwischen dem Fütterungsstil (also Breifütterung vs. „Baby-led Weaning“ ) und dem Körpergewicht war zudem widersprüchlich, auch ein späteres gesünderes Ernährungsverhalten nach „Baby-led Weaning“ konnte nicht nachgewiesen werden. In den Augen der Mütter, die ihre Kinder nach den Prinzipien von „Baby-led Weaning“ ernährten, war diese Form der Beikosternährung gesünder, einfacher und weniger stressig als die herkömmliche Breifütterung.

Basierend auf dem bisherigen Stand der Wissenschaft empfehlen die Expertinnen für Kinderernährung am FKE, Beikost nicht ausschließlich mit „Baby-led Weaning“ zu reichen. Denn ein Nährstoff- und Energiemangel lässt sich derzeit nicht sicher ausschließen. Das „Baby-led Weaning“ könnte jedoch Denkanstöße für eine Öffnung der bestehenden Beikostempfehlungen geben, indem sich die Vorteile der Gabe von Beikost in Form von Brei und als Fingerfood ergänzen.

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