Besteuerung zuckerhaltiger Getränke – wirkt, wirkt nicht, …?

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Im Kampf gegen ernährungs(mit)bedingte Erkrankungen fordern Politiker, Gesundheitsorganisationen und Interessensverbände immer wieder, auch in Deutschland eine „Zuckersteuer“ einzuführen. Bislang wurde der Erfolg einer solchen Steuer allerdings kaum wissenschaftlich evaluiert. Daher sind die Ergebnisse, die Wissenschaftler von einem Pilotversuch im kalifornischen Berkeley berichten, besonders interessant.

 © wonderferret
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Anfang 2015 wurde auf Wunsch der Wähler Berkeleys eine Steuer auf Getränke mit zugesetztem Zucker eingeführt. Die Steuer beträgt einen Cent pro Unze (29,6 Milliliter) Flüssigkeit, also beispielsweise 68 Cents für eine Zweiliterflasche Limonade. Die Einführung der Steuer war mit der Hoffnung verbunden, dass dadurch der Konsum von Softdrinks und anderen Getränken mit Zuckerzusatz zurück gehen würde, was sich wiederum günstig auf das Risiko für ernährungs(mit)bedingte Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Adipositas auswirken würde. Allerdings war auch damit zu rechnen, dass zumindest ein Teil der Bürger Berkeleys ihren Bedarf an gezuckerten Getränken zukünftig in Supermärkten außerhalb der Stadt, die nicht der Steuerpflicht unterliegen, decken würden. Unklar war zudem, in welchem Umfang die Besteuerung an die Verbraucher weitergegeben wird, wie sie sich auf den Konsum anderer Getränke auswirkt, und wie sich die Ausgaben der Verbraucher beziehungsweise die Einnahmen der Supermärkte nach der Einführung der Steuer verändern.

Erfreulicherweise wurde die Steuereinführung wissenschaftlich begleitet, sodass nun erste Antworten auf diese Fragen in der Fachzeitschrift „PLOS Medicine“ publiziert werden konnten. In einer Vorher-Nachher-Studie verglichen Dr. Lynn D. Silver und ihre Kollegen die Preise für gezuckerte Getränke vor und nach der Einführung der Steuer in 26 Geschäften Berkeleys. Außerdem werteten sie die Getränkepreise, Verkäufe und Umsätze von 15,5 Millionen Einkäufen zweier Supermarktketten in Berkeley und sechs großer Supermärkte außerhalb der Stadt aus. In zwei repräsentativen telefonischen Befragungen gaben zudem 957 zufällig ausgewählte, erwachsene Bewohner Auskunft über ihren Getränkekonsum vor beziehungsweise ein Jahr nach Einführung der Steuer.

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Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Zuckersteuer in den meisten Geschäften direkt an die Verbraucher weitergegeben wurde. Nach Einführung der Steuer sank der Verkauf der neu besteuerten Getränke in Berkeley um 9,6 Prozent, während in den Geschäften im Umland 6,9 Prozent mehr Getränke mit Zuckerzusatz verkauft wurden. Zugleich stiegen die Verkaufszahlen von nicht-besteuerten Getränken in Berkeley um 3,5 Prozent vs. 0,5 Prozent im Umland. Detailliertere Daten für Berkeley offenbarten eine Zunahme des Einkaufs von Wasser in Höhe von 15,6 Prozent. Frucht-, Gemüse- und Teegetränke, die nicht der Besteuerung unterliegen, wurden 4,4 Prozent häufiger verkauft und einfache Milch 0,63 Prozent mehr. Dagegen hatte die Steuer kaum Auswirkungen auf den Gesamtpreis eines Einkaufs beziehungsweise den Umsatz der Lebensmittelhändler von Berkeley.

Nach Einführung der Steuer tranken die befragten Einwohner Berkeleys durchschnittlich ein Fünftel (19,8 Prozent) weniger Getränke mit zugesetztem Zucker, wodurch sich die Energieaufnahme aus diesen Getränken um 13,3 Prozent reduzierte. Diese Veränderungen waren allerdings nicht statistisch signifikant.

Unterm Strich war die Einführung der Zuckersteuer also durchaus vielversprechend. Allerdings, so räumen die Autoren ein, werde die Aussagefähigkeit der Studie durch verschiedene Faktoren eingeschränkt. Verglichen mit anderen Städten der USA wurden in Berkeley bereits vor Inkrafttreten der Zuckersteuer wenig gezuckerte Getränke getrunken (34 Prozent des nationalen Durchschnittswerts). Hinzu kommt, dass Berkeley als eher wohlhabende Wohnregion gilt. Daher gilt es noch zu klären, inwieweit die Ergebnisse auf Menschen in anderen Regionen mit höherem Konsum zuckerhaltiger Getränke oder/und geringerem Wohlstand übertragbar sind. Außerdem wurden keine gesundheitlichen Zielgrößen (beispielsweise Veränderung des Körpergewichts, die Verbreitung von Übergewicht/Adipositas etc.) untersucht. Des Weiteren kann nicht ausgeschlossen werden, dass bereits die intensive Mediendebatte, die durch die Ankündigung der Steuer angefacht wurde, zu einer Veränderung des Getränkekonsums beigetragen hat. Dennoch weisen die Ergebnisse darauf hin, dass eine Besteuerung den Konsum gezuckerter Getränke reduziert. Besonders positiv ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die aus der Steuer resultierenden Mehreinnahmen von Berkeley für Ernährungs- und Gesundheitsprogramme verwendet wurden, was auf einen doppelten Gesundheitseffekt der Steuer hoffen lässt.

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