Cochrane-Metaanalyse: Sind Low-Carb-Diäten tatsächlich effektiver und gesünder?

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Nach wie vor ist unklar, ob es eine Diätform gibt, die besonders erfolgversprechend und zugleich ohne gesundheitliche Risiken ist. In einer methodisch hochwertigen Übersichtsarbeit haben Wissenschaftler Low-Carb-Diäten und Diäten mit üblichem Kohlenhydratgehalt verglichen.

© Stephen G Pearson

Zu den kohlenhydratarmen Diäten (Low-Carb-Diäten) zählt eine breite Palette an gewichtsreduzierenden Diäten, die eine Gemeinsamkeit haben: Der Kohlenhydratanteil wird zugunsten von Eiweiß oder Fett reduziert. In der Praxis bedeutet dies, dass weniger Getreideprodukte und Hülsenfrüchte sowie andere kohlenhydratreiche Lebensmittel (etwa bestimmte Milchprodukte, viele Früchte und einige Gemüsesorten) auf dem Speiseplan stehen. Stattdessen lautet die Empfehlung, als Ersatz mehr Fleisch, Eier, Käse, Butter, Sahne, Öle und andere Lebensmittel mit wenig Kohlenhydraten zu verzehren. Neben ihrer Zusammensetzung unterscheiden sich Low-Carb-Diäten auch durch ihren Energiegehalt: Bei manchen Diäten darf soviel verzehrt werden, wie man möchte („ad libitum“), andere sehen dagegen eine Beschränkung der Energieaufnahme vor.

Eine Alternative zu Low-Carb-Diäten sind ausgewogene (kohlenhydratbalancierte) Diäten, bei denen die Relation zwischen Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß erhalten bleibt. Sie entsprechen den aktuellen Empfehlungen der Gesundheitsbehörden für eine gesunde Ernährung. Zur Gewichtsreduktion wird die erlaubte Energiezufuhr eingeschränkt. Dies gelingt beispielsweise, indem kleinere Portionen an Gerichten verzehrt oder/und gesündere Lebensmittel ausgewählt werden (beispielsweise mageres statt fettes Fleisch, Obstsalat ohne Sahne).

Low-Carb-Diäten gelten als modern und werden häufig in großem Umfang beworben. Die Werbung verspricht wirksames und gesundes Abnehmen mit geringeren Einschränkungen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Lebensmittel, die aufgrund ihres geringen Kohlenhydratgehalts beworben und teuer verkauft werden. Doch ist der Hype, der nicht zuletzt durch nicht überprüfbare Erfolgsgeschichten zahlreicher Promis befeuert wird, tatsächlich gerechtfertigt?

In einer systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse haben Assistenzprofessorin Celeste Naude von der Stellenbosch-Universität in Kapstadt und ihre Kollegen die Wirksamkeit und Sicherheit von Low-Carb- und ausgewogenen Diäten bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas (Fettleibigkeit) verglichen. Bei der Auswertung der Studien unterschieden sie, ob die Studienpopulation aus Personen mit und ohne Typ-2-Diabetes-Erkrankung bestand und ob die Studien lediglich eine Gewichtsreduktionsphase vorsahen oder auch eine daran anschließende Phase der Gewichtsstabilisierung.

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Nach aufwendiger Literaturrecherche konnten die Forscher 61 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 6.925 Teilnehmern in die Analyse einbeziehen. Bei den untersuchten Low-Carb-Diäten handelte es sich überwiegend um solche mit geringem Kohlenhydratanteil, ausgewogenem Fettanteil und hohem Eiweißanteil. Die Beschränkung der Energieaufnahme war überwiegend vergleichbar mit jener der ausgewogenen Vergleichsdiäten. Oft rügten die Wissenschaftler die Qualität der Studien. Besonders häufig beanstandeten sie Mängel beim Berichten der Ergebnisse.

„Menschen, die sich bis zu zwei Jahre lang einer kohlenhydratarmen Diät unterzogen, verloren ähnlich viel Gewicht wie diejenigen, die sich einer ausgewogenen, kohlenhydratreichen Diät unterzogen“, fasst Erstautorin Naude eines der Hauptergebnisse der Studie zusammen. Personen aus der Low-Carb-Gruppe nahmen sowohl mittel- als auch längerfristig etwa ein Kilogramm mehr Gewicht ab, allerdings wurde die Sicherheit dieses Ergebnis nur mit moderat bewertet. „Auch die Veränderungen bei den Risikofaktoren für Herzkrankheiten (LDL-Cholesterin, Blutdruck) waren bei den Personen, die diese Diäten bis zu zwei Jahre lang einhielten, ähnlich“, so Naude weiter. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes waren Low-Carb-Diäten ebenfalls nicht überzeugend überlegen.

„Die längste der Studien dauerte zwei Jahre, so dass wir nicht wissen, ob es Unterschiede zwischen den Wirkungen und der Sicherheit dieser Diäten über zwei Jahre hinaus gibt, was insbesondere für die Risikofaktoren für Herzkrankheiten wichtig wäre“, räumt Naude ein.

Da es kaum Auswertungen zu selbstberichteten unerwünschten Wirkungen beider Diäten gab, konnte hier keine systematische Auswertung durchgeführt werden. Auch in weiteren Bereichen besteht Forschungsbedarf. „Die meisten Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer litten nicht an einer Herzerkrankung oder damit zusammenhängenden Risiken wie zum Beispiel Erkrankungen, die zu abnormen Blutfettwerten führen. Daher wissen wir nicht, ob es bei solchen Patienten Unterschiede zwischen den Wirkungen und der Sicherheit dieser Diäten gibt.“ Und weiter: „In unserer Studie wurden weder die Art oder Qualität der Kohlenhydrate, Fette oder Proteine noch die Kosten der verschiedenen Diäten verglichen.“ Zusammen mit der eher geringen Qualität der analysierten Studien besteht hier ein klarer Forschungsauftrag für die Durchführung weiterer, qualitativ hochwertiger Studien.

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