Obwohl die Ernährung an der Entstehung vieler Erkrankungen beteiligt ist, wird die Ernährungstherapie nach wie vor nicht als Heilmittel zur Behandlung dieser Erkrankungen anerkannt. Die Folge: Krankenkassen können selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie die Kosten für Ernährungstherapie erstatten. Dabei ließe sich durch Ernährungstherapie viel Geld sparen…

Im Auftrag der Niederländischen Ernährungsberatungs-Gesellschaft stellte die an der Universität von Amsterdam ansässige Organisation „SEO Amsterdam Economics“ bereits 2012 Kosten und Nutzen einer Ernährungstherapie für Menschen mit Adipositas (Fettleibigkeit) und mindestens einer Begleiterkrankung (beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen) gegenüber.
Für die Kosten-Nutzen-Analyse wurden Daten der ICAN-Studie verwendet. Alle Probanden hatten zu Beginn der Studie einen Body Mass Index (BMI; Körpermassenindex) von mindestens 27 kg/m2 . Nachdem die Probanden per Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt wurden, erhielt die Interventionsgruppe für ein Jahr Ernährungsberatung in Einzel- und Gruppensitzungen. Probanden der Kontrollgruppe wurden dagegen lediglich schriftliche Informationen über eine gesunde Ernährung und die Vorteile körperlicher Aktivität ausgehändigt. Für die Kosten-Nutzen-Analyse wurden die Kosten der Ernährungsberatung, die ausschließlich im ersten Jahr erfolgte, mit dem gesundheitlichen und wirtschaftlichen Nutzen über fünf Jahre (das heißt das Interventionsjahr plus die vier darauffolgenden Jahre) verglichen. Dabei wurde eine Einzelstunde Ernährungsberatung mit 58 € pro Termin veranschlagt, Gruppenstunden wurden anteilig berechnet.
Nach einem Jahr hatten die Probanden der Interventionsgruppe im Mittel vier bis sechs Kilogramm abgenommen. Außerdem hat sich ihr Blutdruck, ihr Blutzuckerwert sowie ihr Cholesterinspiegel verbessert. Auch psychisch profitierten die Probanden von der erhöhten Aufmerksamkeit durch die Ernährungsberatung. Bedingt durch den Gewichtsverlust und den besseren gesundheitlichen Zustand schwanden zudem soziale und emotionale Probleme. Die Probanden berichteten von einer erhöhten Lebensqualität für sich und teilweise auch ihre Familien.
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Die Ernährungsberatung machte sich auch ökonomisch bezahlt. Denn pro Euro, der für Ernährungsberatung ausgegeben wurde, konnten 4 € andere Gesundheitsausgaben (beispielsweise Krankenhausaufenthalte, Medikamente) eingespart werden. Die Arbeitgeber profitierten von der Ernährungsberatung, da die Anzahl der Krankentage zurückging und die Produktivität ihrer ernährungsgeschulten Probanden stieg.
Wurden alle medizinischen und gesellschaftlichen Effekte der Ernährungsberatung mit berücksichtigt, stieg die Ersparnis auf 14 bis 63 € pro Euro, der für die Ernährungsberatung ausgegeben wurde. Ein beachtlicher Betrag! Zum Vergleich: Bei rein medizinischen Interventionen werden meist nur Ersparnisse in der Größenordnung von 3 bis 5 € erzielt. Hochgerechnet auf alle Patienten mit Adipositas und mindestens einer Begleiterkrankung in den Niederlanden ließen sich somit durch eine standardisierte Ernährungsberatung innerhalb von fünf Jahren zwischen 0,4 und 1,9 Milliarden € einsparen.
Quellen einblenden
- M. Lammers, L. Kok (2012): Cost-benefit analysis of dietary treatment. SEO Economic Research, Amsterdam




