Essstörungen: Akzeptanz von Fehlern fördern

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Unvollkommen, unzufrieden – essgestört?

Menschen, die besonders perfekt sein wollen, scheinen auch mit ihrem Körper unzufriedener zu sein. Zu diesem Ergebnis kamen australische Forscher, die Daten von über 1000 Frauen mittleren Alters und unterschiedlichen Gewichts auswerteten. Perfektionismus kann Essstörungen aufrecht erhalten, doch verstärkt er auch Risikofaktoren für diese?

Menschen, die mit dem eigenen Körper sehr unzufrieden sind, entwickeln eher eine Essstörung. Das gilt als nahezu sicher. In die Körperzufriedenheit wiederum scheint das Streben nach Perfektion hineinzuspielen. Wenn nun bekannt ist, welche Aspekte des Perfektionismus mit der Körperunzufriedenheit zusammenhängen, könnte sich ein Ansatz auftun, einem bedeutsamen Risikofaktor für Essstörungen entgegenzuwirken.

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„Ich habe extrem hohe Ziele.“ „Wenn ich teilweise scheitere, ist das genauso schlimm, als wäre es ein komplettes Versagen.“ „Meine Eltern stellen sehr hohe Ansprüche an mich.“ Das sind drei der 35 Aussagen, zu denen die Studienteilnehmerinnen Stellung bezogen haben. Der Fragenkatalog entspricht der mehrdimensionalen Perfektionismus-Skala nach Frost. Die Befragung sollte zeigen, ob und in welcher Hinsicht die Frauen „perfekt“ sein möchten.

Psychologen betrachten Perfektionismus als ein mehrdimensionales Konstrukt. Die einfachste Variante fußt auf nur zwei Dimensionen: perfektionistisches Streben, bei dem die Person zum Beispiel hohe eigene Ansprüche hat und großen Wert auf Organisiertheit legt und perfektionistische Besorgnis, die durch die Sorge um Fehler sowie Ansprüche und Kritik durch Eltern bestimmt wird.

Um neben dem Hang zum Perfektionismus auch die Körperzufriedenheit zu ermitteln, setzten die Forscherinnen Bilder mit Körpersilhouetten ein. Unter diesen sollten die Teilnehmerinnen die Silhouette auswählen, die ihnen am meisten ähnelt, und diejenige, die sie am liebsten hätten. In einem Telefoninterview wurden die Teilnehmerinnen außerdem zu ihrem Gewicht, ihrer Größe, ihrem Wunschgewicht und ihrem höchsten Gewicht im Erwachsenenalter befragt. Je größer die Diskrepanz zwischen der gewünschten Silhouette oder dem Gewicht und den tatsächlichen Größen war, desto eher war die Befragte mit ihrem Körper unzufrieden.

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In Verbindung mit den Ergebnissen zum Perfektionismus zeigte sich, dass Frauen, die sich den niedrigsten BMI und die kleinste Körpergröße wünschten, besorgter waren, Fehler zu machen und sich stärker über organisatorische Dinge beunruhigten. Auch hatten sie größere Selbstzweifel. Demnach tun sowohl Aspekte des perfektionistischen Strebens als auch der perfektionistischen Besorgnis ihren Anteil an der Körperunzufriedenheit hinzu.

Die Psychologin Tracy Wade, eine der beiden Wissenschaftlerinnen, die die Studie unternommen haben, meint: „Ein bisschen Perfektionismus ist normal und notwendig, aber ab einem gewissen Punkt wird er nutzlos und zum Teufelskreis.“ In dem Wissen, dass sowohl perfektionistisches Streben als auch perfektionistische Besorgnis zu Essstörungen beitragen können, seien „Alles-oder-Nichts“- Haltungen ebenso anzugehen wie ein Selbstwertgefühl, das sich hauptsächlich auf die Fähigkeit stütze, hohe Ansprüche zu erfüllen.

Perfektionismus abzuschwächen, könnte demnach auf einer frühen Stufe helfen, Essstörungen vorzubeugen, zum Beispiel, indem Bedenken zu Fehlern verringert werden. Dieser Zusammenhang müsse aber noch weiter untersucht werden, meinen die Forscherinnen, vor allem für die Gruppe der Heranwachsenden, bei denen eine Prävention greifen müsste.

Quelle:
Wade TD, Tiggemann M: The role of perfectionism in body dissatisfaction. Journal of Eating Disorders 2013, 1:2

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