Übergewicht als Folge einer Voreingenommenheit des Gehirns für Kalorienreiches?

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Offenbar können Menschen sich besser an kalorienreiche Lebensmitte erinnern. So lautet das Ergebnis einer Versuchsreihe von Wissenschaftlern der Universität Wageningen. Was evolutionär gesehen von Vorteil war, könnte bei der ständigen Verfügbarkeit kalorienreicher Nahrungsmittel heutzutage die Entstehung von Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) begünstigen.

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersuchte Rachelle de Vries Unterschiede im räumlichen Gedächtnis für Lebensmittel unterschiedlichen Energiegehalts. Außerdem interessierte sie sich für die Auswirkungen der vermuteten Voreingenommenheit des Gehirns für bestimmte Lebensmittel auf das Essverhalten, den Lebensmitteleinkauf und den BMI (Body Mass Index, Körpermasseindex). Gemeinsam mit ihren Kollegen führte de Vries verschiedene Online-Experimente und Versuche unter realitätsnahen Bedingungen durch. An der Studie nahmen insgesamt über 1.000 Probanden aus den Niederlanden, Japan und den USA teil.

Eine Aufgabe der Probanden bestand beispielsweise darin, sich in einem Labyrinth den Ort von kalorienreichen Lebensmitteln (zum Beispiel Pommes frites oder Chips) und kalorienarmen Alternativen (beispielsweise Obst und Gemüse) zu merken und die Lebensmittel wiederzufinden. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass das Gehirn sich anscheinend besser an die Orte von Lebensmitteln mit einem hohen Kaloriengehalt erinnern kann. Diese Neigung blieb auch bestehen, nachdem die Wissenschaftler Unterschiede bei den geschmacklichen Vorlieben der Probanden oder ihrer Vertrautheit mit bestimmten Lebensmitteln berücksichtigen.

Doch wie wirkt sich diese Tendenz auf unser Ess- und Kaufverhalten aus? Hier gehen die Forscher von einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren aus. So konnten sich die Probanden die Orte von energiereichen Lebensmitteln zwar besser merken, sie konnten sie allerdings nicht schneller finden. Hier kommt es wohl auf die Wahrnehmung der Situation vor Ort an. Und ihre Wahrnehmung war mit dem Grad ihrer Neigung, kalorienreiche Lebensmittel besser zu erinnern, abgestimmt. Dies ist laut de Vries wichtig. „Personen, die glauben, kalorienreiche Produkte leichter zu finden, kaufen diese Produkte eher oder besuchen eher ein Fast-Food-Restaurant. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dieser Bereitschaft und dem Essverhalten, zwischen der Tendenz des Gehirns und der Häufigkeit, mit der Snacks gekauft werden. Dies wiederum spiegelt sich im BMI wider.“

Bies bedeutet allerding nicht, dass wir alle aufgrund unseres Gehirns dazu bestimmt sind, dick zu werden, betont de Vries: „Die Voreingenommenheit ist etwas, das wir als Erbe aus der Vergangenheit haben, aber wir können uns immer noch für eine gesunde Ernährung entscheiden, indem wir diesen Instinkt einschränken und kontrollieren. Wir sind dieser Voreingenommenheit nicht ausgeliefert.“

Allerdings schafft es nicht jeder im selben Maße, sich zu kontrollieren. „Die gute Nachricht ist, dass Sie sich selbst trainieren können, Ihre Vorliebe für kalorienreiches Essen zu ignorieren.“ Dies gelinge beispielsweise mit einem Training, in dem gezielt geübt wird, nicht auf Bilder von kalorienreichen Lebensmitteln zu reagieren. „In meinen Experimenten haben wir gesehen, dass Menschen mit besserer Selbstkontrolle auch besser vor den ungesunden Auswirkungen der Voreingenommenheit geschützt sind. Aber vieles hängt davon ab, wie stark Sie motiviert sind, Ihr Verhalten zu ändern“, unterstreicht De Vries. Eine andere Möglichkeit wäre, das Lebensmittelumfeld zu verändern. „In einer Umgebung mit weniger kalorienreichen Produkten wird die Voreingenommenheit des Gehirns seltener aktiviert.“

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