Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat im Januar die zweite, aktualisierte Version ihrer Leitlinie für die Fettzufuhr veröffentlicht. Ernährungsfachkräfte, Verantwortliche in der Gesundheitspolitik, Medienvertreter und anderweitig Interessierte finden darin wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Fett, Fettsäuren und Cholesterin und der Entstehung ernährungsmitbedingter Erkrankungen.

Im Jahr 2006 ist die erste DGE-Leitlinie zur Fettzufuhr und ernährungsmitbedingten Krankheiten erschienen. Nachdem in den letzten Jahren zahlreiche neue Studien mit Ergebnissen zum Fettstoffwechsel publiziert wurden, hat die Leitlinienkommission der DGE nun ihre Leitlinie überarbeitet. Sie ist kostenlos im Internet erhältlich und liefert Informationen zum Wirkungsmechanismus von Fetten und Fettsäuren bei bestimmten, ernährungsmitbedingten Erkrankungen, Angaben zu Risikogruppen und Hinweise, wie die abgeleiteten Empfehlungen in die Praxis umgesetzt werden können. Hilfreich im beraterischen Kontext erscheint außerdem die Gegenüberstellung der Evidenz 2006 und 2015.
Unter Berücksichtigung der neuen Studienergebnisse zeigten sich die stärksten Zusammenhänge zwischen der Aufnahme von Fetten beziehungsweise Fettsäuren und den betrachteten ernährungsmitbedingten Erkrankungen in folgenden Bereichen:
- Adipositas (Fettleibigkeit): Die Menge und der Anteil an Fett sind wichtige Nahrungsfaktoren, welche die Gewichtszunahme und damit die Entstehung von Adipositas begünstigen. Dies gilt allerdings nur, solange die Energiezufuhr nicht begrenzt wird. Werden dagegen – bei gleich bleibender Energieaufnahme – Kohlenhydrate oder Eiweiß durch Fett ersetzt, hat dies wahrscheinlich keine Auswirkungen auf das Adipositasrisiko.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfiehlt die DGE, anstelle von gesättigten Fettsäuren in tierischen Produkten (zum Beispiel Fleisch und Wurstwaren) mehr einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (in pflanzlichen Ölen [Raps-, Walnussöl] und fettem Fisch) zu verzehren. Der Verdacht, dass trans-Fettsäuren (in Fertigprodukten, Backwaren aus Blätterteig, Pommes frites) das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen steigern, wurde von überzeugend auf wahrscheinlich zurückgestuft.
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- Dyslipoproteinämien (Fettstoffwechselstörungen): Hier ist die Fettsäurenzusammensetzung entscheidend: Gesättigte Fettsäuren erhöhen die Konzentration des Gesamtcholesterins und des LDL-Cholesterins im Plasma, während trans-Fettsäuren die Konzentration des LDL-Cholesterins erhöhen und zugleich die HDL-Cholesterinkonzentration senken. In diesem Fall empfiehlt sich ebenfalls ein Austausch von gesättigten und trans-Fettsäuren durch einfach- und mehrfach-ungesättigte Fettsäuren.
- Einfluss von Nahrungscholesterin: Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass wahrscheinlich kein Zusammenhang zwischen der Cholesterinaufnahme mit der Nahrung und dem Schlaganfallrisiko besteht. Möglicherweise lässt sich dies durch den allgemein geringen Zusammenhang zwischen der Cholesterinaufnahme und dem Anstieg des Gesamtcholesterins und des LDL-Cholesterins im Plasma erklären. Jedoch ist die Absorption von Cholesterin aus der Nahrung individuell verschieden, sodass dieser Zusammenhang variieren kann.
Verglichen mit dem Jahr 2006 haben sich die Evidenzbewertungen nur bei wenigen Krankheiten/Nährstoffen geändert. Beispielsweise gilt es inzwischen als wahrscheinlich, dass der Austausch von gesättigten Fettsäuren durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduziert.
Die DGE weist in ihrer Leitlinie außerdem auf weiteren Forschungsbedarf hin. Bislang ist noch zu wenig bekannt über Wechselbeziehungen zwischen Fetten/Fettsäuren und anderen Nahrungsbestandteilen (beispielsweise Kohlenhydraten, anderen Fettsäuren). Weitere Erkenntnisse in diesem Bereich könnten dabei helfen, zukünftig zielgerichteter und wirksamer vor ernährungsmitbedingten Erkrankungen zu schützen.




