Frühjahrs-Lockdown hatte gewichtige Folgen

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Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts haben anhand von Daten einer bundesweiten Gesundheitsstudie  untersucht, wie sich ausgewählte Gesundheitsindikatoren, darunter Körpergewicht und Body Mass Index (BMI), während des ersten Lockdowns im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verändert haben.

Seit dem ersten, strikten Lockdown in Deutschland ist inzwischen über ein Jahr vergangen. Die umfangreichen, Mitte und Ende März von der Bundesregierung in Abstimmung mit den Bundesländern beschlossenen Eindämmungsmaßnahmen haben das öffentliche Leben nahezu zum Stillstand gebracht. Die Schließung von Schwimmbädern und Fitnessstudios sowie geltende Kontaktbeschränkungen machten organisierte Sportangebote während des Lockdowns unmöglich, wohingegen die ständige Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln zuhause zu einer vermehrten Nahrungsaufnahme geführt haben könnte. Sowohl das Bewegungs- als auch das Ernährungsverhalten beeinflussen das Körpergewicht und den Body-Mass-Index, das Verhältnis zwischen Körpergewicht und Körpergröße. Haben sich diese beiden Größen während des Lockdowns verändert?

Unter Verwendung von Daten der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA 2019/2020-EHIS) verglichen Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts (RKI) das Gewicht und den BMI von über 22.000 Teilnehmern von April bis Ende August 2020 (Kalenderwoche 15-35) mit demselben Vorjahreszeitraum. Eigentlich wurden die Maßnahmen des Lockdowns ab Ende April schrittweise gelockert. Der im Vergleich zur Dauer des Lockdowns verlängerte Beobachtungszeitraum wurde gewählt, da ein verzögerter Effekt auf das Körpergewicht und den BMI der Teilnehmer erwartet wurde. Die Befragung erfolgte in Form eines standardisierten Telefoninterviews. Bei den statistischen Analysen wurden Unterschiede bezüglich des Bundeslands, in dem die Teilnehmer lebten, Alter und Geschlecht der Teilnehmer sowie deren Bildung berücksichtigt.

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Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum 2019 hat das Körpergewicht der Teilnehmer im Mittel um 1,1 Kilogramm (2019: 77,1 Kilogramm, 2020: 78,2 Kilogramm) zugenommen. Dementsprechend ist auch der BMI um 0,5 Einheiten (von 25,9 auf 26,4) angestiegen. Ähnliche Ergebnisse wurden aus zwei weiteren Befragungen berichtet, deren methodische Qualität allerdings eingeschränkt war und die im Gegensatz zur RKI-Studie nicht repräsentativ für die Bevölkerung Deutschlands ab 15 Jahren waren. In der nu3-Corona-Studie gab knapp jeder vierte Befragte (24 Prozent) an, im Zeitraum von fünf Wochen ab Mitte März zugenommen zu haben, wobei die Mehrheit der Befragten zwischen ein und drei Kilogramm zugenommen hatte. Auch eine Onlinebefragung der Organisation You-Gov von Mitte Mai 2020 ergab, dass 14 Prozent der Befragten zwischen ein und zwei Kilogramm und 12 Prozent sogar zwischen zwei und fünf Kilogramm zugenommen hatten. Als Gründe für die Gewichtszunahme nannten die Befragten häufiges und ungesundes Essen sowie mangelnde Bewegung.

Eine durchschnittliche Gewichtszunahme von einem Kilogramm, wie in der aktuellen RKI-Studie berichtet wurde, mag zunächst einmal als gering und nicht von gesundheitlicher Relevanz anmuten. Vergleicht man diese allerdings mit dem Durchschnitt aus früheren Kohortenstudien der Jahre 1994 bis 2007, war die mittlere Gewichtszunahme während des 21-wöchigen Beobachtungszeitraums mehr als viermal so hoch als damals pro Jahr (1994-2007: 240 Gramm/Jahr bei 45-64-jährigen Frauen, 250 Gramm/Jahr bei 45-64-jährigen Männern), wobei allerdings berücksichtigt werden muss, dass sich das Alter der Probanden beider Studien unterschied. Daher rät das RKI, die Entwicklung von Körpergewicht und BMI in der Bevölkerung weiter zu beobachten.

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