Immer wieder ein gerne diskutiertes Thema: Weshalb ernähren sich Menschen nicht gesünder: Liegt es am fehlenden Wissen oder am zu geringen finanziellen Budget? Laut einer Übersichtsstudie ist eine gesunde Ernährung pro Tag lediglich circa 1 Euro teurer. Gut investiertes Geld, wie die Wissenschaftler meinen. Zugleich weisen sie aber auch auf Hindernisse bei der Umsetzung hin.

Wie teuer ist eine gesunde Ernährung mit reichlich Gemüse, Früchten und Vollkornprodukten verglichen mit einer eher ungesunden Kost aus beispielsweise Weißmehlprodukten und industriell verarbeiteten Lebensmitteln? Dieser Frage wollten Wissenschaftler verschiedener amerikanischer Universitäten (darunter die Harvard School of Public Health) auf den Grund gehen. Für ihre systematische Übersichtsarbeit suchten sie weltweit nach Studien, in denen die Kosten einer gesunden und weniger gesunden Ernährungsweise vergleichend analysiert wurden.
27 Publikationen aus zehn Ländern erfüllten die Einschlusskriterien der Wissenschaftler und wurden näher untersucht. Die meisten Studien stammten aus den USA, andere zum Beispiel aus Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Spanien, Kanada und Japan – alles Länder mit einem insgesamt hohen Lebensstandard. Im weiteren Verlauf der Übersichtsstudie fassten die Forscher die Studienergebnisse zusammen und berechneten die durchschnittlichen Kosten einzelner Lebensmittelgruppen sowie verschiedener Ernährungsweisen. Um Unterschiede im Energiegehalt zwischen gesunden und eher ungesunden Lebensmitteln adäquat zu berücksichtigen, wurde sowohl ein Preis für den Verzehr von drei Standardmahlzeiten pro Tag berechnet als auch ein standardisierter Preis pro 2000 Kalorien.
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Die Wissenschaftler stellten fest, dass gesunde Lebensmittel tendenziell etwas teurer waren, wobei der Unterschied zwischen den Lebensmittelgruppen variierte: Bei Milchprodukten, Zerealien, Fetten und Ölen sowie süßen Getränken (einschließlich Fruchtsaft) betrug der Preisunterschied pro Portion lediglich 0,02 US$ bis 0,11 US$ (entsprechend 0,01 € bis 0,08 €), bei Fleisch dagegen kostete die gesündere Portion durchschnittlich 0,29 US$ (0,21 €) mehr. Hochgerechnet auf einen Tag war eine besonders gesunde Ernährung 1,48 US$ (1,08 €) pro Tag beziehungsweise 1,54 US$ (1,13 €) pro 2000 Kalorien teurer als eine extrem ungesunde Ernährungsweise.

Warum sind gesunde Lebensmittel teurer? Die Wissenschaftler gehen davon aus, „ … dass ein komplexes Netzwerk aus Kapazitäten in Anbau, Lagerung, Transport, Verarbeitung, Herstellung und Marketing entstanden ist, das den Verkauf stark verarbeiteter Lebensmittel zu maximalen Margen für die Industrie begünstigt.“ Dementsprechen lautet ihre Empfehlung, eine gleichermaßen effektive Infrastruktur für gesunde Lebensmittel aufzubauen.
Als alleinige Maßnahme greift die Verbesserung der Infrastruktur jedoch aller Voraussicht nach zu kurz. Zwar ist der Preisunterschied mit einem Euro geringer ausgefallen als viele Leute erwartet hätten. Doch für eine einzige Person belaufen sich die Jahreskosten bereits auf 550 US$ [402 €] – dies entspricht einer Summe von circa 400 Euro. „Das wäre für einige Familien eine echte Belastung„, räumt der an der Studie beteiligte Dariush Mozaffarian ein. „Wir brauchen Strategien, um diese Kosten auszugleichen. Andererseits ist dieser Preisunterschied sehr gering im Vergleich zu den wirtschaftlichen Kosten ernährungsbedingter chronischer Erkrankungen. Sie würden sich durch eine gesündere Ernährung drastisch verringern.“
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Solange weitreichende Änderungen an der Frage der Finanzierbarkeit scheitern, können kluge Einkaufsstrategien helfen Geld, zu sparen und sich trotzdem gesund zu ernähren. Werden zum Beispiel frische Lebensmittel nach Saison eingekauft, sind die daraus zubereiteten Gerichte zum Teil sogar preiswerter als industriell vorgefertigte Gerichte.
Quellen einblenden
- M. Rao, A. Afshin, G. Singh, D. Mozaffarian (2013): Do healthier foods and diet patterns cost more than less healthy options? A systematic review and meta-analysis. British Medical Journal, Online-Vorabveröffentlichung
- N. Schlüter (2013): Fettig ist billiger. bild der wissenschaft, Artikel vom 06.12.2013.




