Glutenreduzierte Ernährung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Besteht ein Zusammenhang?

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Laut den Ergebnissen einer aktuell publizierten Literaturübersicht gibt es derzeit keine eindeutigen Belege, dass eine glutenreduzierte Ernährung die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflusst.

Etwa eine von tausend Personen in Deutschland ist an einer Zöliakie erkrankt. Typische Erkrankungsanzeichen sind ein geblähter Bauch, starke Durchfälle, Gedeih- und Wachstumsstörungen bei Kindern, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Nährstoffmangelerscheinungen. Bei dieser Erkrankung gibt es nach wie vor keine Heilungsmöglichkeit. Ihre Symptome lassen sich durch eine glutenfreie Ernährung gut therapieren. Gluten ist ein Kleber-Eiweiß, das in den Getreidesorten Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel und Gerste vorkommt.

Interessanterweise gaben in Umfragen vierzigmal mehr Menschen an, sich glutenfrei zu ernähren als in Deutschland an einer Zöliakie erkrankt sind. Dies mag zum einen am schlechten Ruf von Kohlenhydraten liegen. Zum anderen versprechen sich viele positive Effekte für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden, speziell durch den Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel. Gluten gilt insbesondere häufig als vermeintlicher Verursacher von Magen-Darm-Problemen wie Durchfall und Nährstoffdefiziten.

Der Nutzen, aber auch mögliche Schaden, einer glutenreduzierten oder gar glutenfreien Ernährung ohne ärztliche Indikation wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert: Einerseits könnte der Glutenverzicht vor bestimmten Erkrankungen schützen. Andererseits bestehen Bedenken, dass das Meiden glutenhaltiger Lebensmittel Nährstoffmängel begünstigt. Dies gilt vor allem, wenn weniger Vollkornprodukte verzehrt werden. Hinzu kommt, dass viele glutenfreie Produkte vergleichsweise viel Fett und Zucker und damit Kalorien enthalten. Daher könnten sie über einen längeren Zeitraum die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern.

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Wissenschaftler des Instituts für Evidenz in der Medizin am Uniklinikum Freiburg haben nun in einer Literaturübersichtsarbeit den Zusammenhang zwischen einer glutenreduzierten beziehungsweise glutenfreien Ernährungsweise und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht.

Trotz umfassender Suche fanden Dr. Christine Schmucker, PD Dr. Lukas Schwingshackl und ihre Kollegen lediglich eine randomisiert-kontrollierte Studie und drei Beobachtungsstudien zu dieser Fragestellung (Stand Juni 2021). Die Nachbeobachtungszeit der Studien lag zwischen einem halben Jahr und 25 Jahren. Die Probanden nahmen durchschnittlich zwischen 2,6 Gramm und 9,4 Gramm Gluten täglich zu sich (Zum Vergleich: eine Scheibe Weißbrot enthält etwa zwei Gramm Gluten.).

„Die derzeit vorliegende Evidenz zeigt keinen klaren Zusammenhang zwischen glutenarmer Ernährung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weder für ein erhöhtes, noch für ein vermindertes Erkrankungsrisiko“, fasst Erstautorin Schmucker das zentrale Ergebnis der Übersichtsarbeit zusammen. Allerdings habe sich ein möglicher Zusammenhang zwischen einer reduzierten Aufnahme von Gluten und einem leicht erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes gezeigt, fährt Schmucker fort. Diabetes wiederum sei ein wichtiger Risikofaktor für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Diese Ergebnisse waren unabhängig vom Alter, der ethnischen Zugehörigkeit, dem BMI und der Diabetes-Veranlagung der Probanden. Auch Rauchen, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, die Energieaufnahme und die Einnahme von Multivitaminpräparaten, Magnesium, Folsäure und Ballaststoffen wirkten sich nicht auf den Zusammenhang aus.

In der einzigen randomisiert-kontrollierten Studie bestand außerdem kein Zusammenhang zwischen der Ernährungsweise (glutenfrei versus herkömmlich) und Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (diastolischer Blutdruck, LDL-Cholesterin, BMI). Ein Zusammenhang zum systolischen Blutdruck war unklar.

„Insgesamt ist die Evidenz aber von geringer bis sehr geringer Vertrauenswürdigkeit und deshalb kaum geeignet, um daraus Empfehlungen für die Praxis abzuleiten“, hebt Schmucker hervor. Neben beträchtlichen methodischen Mängeln der analysierten Studien kritisieren die Wissenschaftler die fragwürdige Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Allgemeinbevölkerung.

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