Laut einer aktuellen Marktanalyse in Großbritannien enthält kommerzielle Babynahrung nur halb so viele Nährstoffe und Energie wie selbst zubereitete. Statt geschmacklicher Vielfalt dominiert süßes Einerlei, die Alterskennzeichnung ist oft irreführend. Das Fazit der Experten: Selbst zubereiten ist besser als kaufen.
Inwieweit deckt kommerzielle Babynahrung die speziellen Ernährungsbedürfnisse von Kleinkindern? Wissenschaftler des Instituts für menschliche Ernährung an der Universität von Glasgow prüften die ernährungsphysiologische Eignung von 479 Beikost-Produkten gängiger Hersteller. Die Palette untersuchter Nahrungsmittel reichte von fertig zubereiteten weichen Gerichten über Instantpulver zum Anrühren mit Milch oder Wasser bis hin zu Keksen, Zwieback, Riegeln, Kuchen und Snacks für Kleinkinder.
Alle Produkte wurden zunächst anhand ihrer Art, Textur und der vorherrschenden Geschmacksrichtung (süß oder herzhaft) in Gruppen eingeteilt und anschließend anhand ihres Nährwerts beurteilt. Im Mittelpunkt stand dabei der Gehalt an Energie und Eiweiß, Zucker, Eisen und Calcium.
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Hintergrund: Experten empfehlen, Kinder möglichst sechs Monate ausschließlich zu stillen. Danach sollte schrittweise Beikost eingeführt werden, um den erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf des Kleinkindes zu decken. In der frühen Kindheit werden lebenslange Ernährungsgewohnheiten geprägt. Deshalb sollten die Kinder mit vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen, Aromen und Lebensmitteltexturen vertraut gemacht werden.
Die Realität im Supermarkt sieht allerdings anders aus. In der Marktanalyse waren vier von fünf Produkten löffelfertige Speisen. Süße Geschmacksrichtungen dominierten das Angebot bei weitem: Zwei Drittel der untersuchten Lebensmittel waren süß. Der Trend ist nachvollziehbar, da kleine Kinder eine angeborene Vorliebe für den Süßgeschmack haben. Die Wissenschaftler warnen jedoch davor, sie hauptsächlich mit Süßspeisen zu verköstigen, weil dann die Gewöhnung an andere Geschmacksrichtungen später erschwert wird. Der Fruchtzucker, der bei industriell hergestellten Produkten häufig zum Süßen verwendet wird, ist wahrscheinlich nicht zahnfreundlicher als gewöhnlicher Haushaltszucker.

Die herzhaften, löffelfertigen Produkte hatten in der Regel eine wesentlich geringere Nährstoffdichte (einzige Ausnahme: Eisen) und einen geringeren Energiegehalt als selbst zubereitete Babynahrung. Demnach müssten die Kleinkinder die doppelte Menge an kommerzieller Nahrung verzehren, um ihren Energie- und Eiweißbedarf zu decken. Kommerzielle Kekse und Riegel dagegen waren reich an Kalzium und Eisen, aber meist auch sehr süß.
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Kritisiert wurde außerdem die Alterskennzeichnung der Kindernahrungsmittel. Fast die Hälfte der Produkte (44 Prozent) war laut Packungsbeschriftung dafür geeignet, ab einem Alter von 4 Monaten gegeben zu werden. Dies könnte Eltern dazu verleiten, Beikost in einem Alter einzuführen, in dem die Vorteile des ausschließlichen Stillens überwiegen, so die Wissenschaftler.
Fertig zubereitete Nahrungsmittel sind verlockend, da sie zum einen bequem und praktisch in der Handhabung sind und zum anderen damit beworben werden, speziell auf die Bedürfnisse der Kleinsten abgestimmt zu sein. Der Studie zufolge enthalten die gängigen Fertigprodukte jedoch nicht genug Energie und Protein, um den zusätzlichen Bedarf der mindestens sechsmonatigen Kinder beim Übergang von Milchnahrung auf feste Kost zu decken. Deshalb wird empfohlen, die Beikost möglichst selbst zuzubereiten und kommerzielle Produkte allenfalls gelegentlich zu verwenden.
Quellen einblenden
- A.L. García, S. Raza, A. Parrett, et al. (2013): Nutritional content of infant commercial weaning foods in the UK. Archives of Disease in Childhood, Online-Vorabveröffentlichung.
- The Guardian (2013): Baby food from shops half as nutritious as homemade meals, study finds. Online-Artikel vom 10.09.2013.
- M. Roberts (2013): Baby weaning foods found „lacking“. BBC News Health, Artikel vom 10.09.2013.
- HealthDay (2013): Commercial Baby Foods Fall Short for Nutrition: Study. HealthDay, Artikel vom 10.09.2013.
- S. Ramsey (2013): Should your baby’s first food be home-made? Best Health, Online-Artikel vom 09.09.2013.




