Durch regelmäßige körperliche Bewegung lässt sich eine Erkrankung an Typ-2-Diabetes verhindern oder zumindest verzögern, sind sich die meisten Diabetesexperten einig. Dem widersprechen die Ergebnisse einer aktuellen Studie aus Tübingen. Nicht alle Teilnehmer profitierten hier von dem neunwöchigen Ausdauertraining. Bei einem Teil der Probanden verschlechterte sich die Stoffwechsellage sogar.

Anlässlich des diesjährigen Kongresses der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) stellte Dr. Anja Böhm vom Universitätsklinikum Tübingen erste Ergebnisse ihrer Studie über die Auswirkung von Ausdauertraining auf den Insulinstoffwechsel vor. Für die zugegebenermaßen ziemlich kleine Studie unterzogen sich insgesamt 16 bislang inaktive junge Probanden einem einstündigen Ausdauertraining, das dreimal wöchentlich stattfand. Zu Beginn der Studie und nach neun Wochen Ausdauertraining wurden die Probanden gewogen, der Glukosestoffwechsel (Zuckerstoffwechsel) untersucht und der Muskelfettgehalt bestimmt.
Für die nun folgende Auswertung wurden die Probanden in zwei Gruppen eingeteilt, sogenannte „Responder„, die von dem Ausdauertraining profitierten, und „Non-Responder„. Die gute Nachricht vorweg: Bei allen Probanden hatte sich die körperliche Fitness verbessert, einige hatten während des neunwöchigen Bewegungsprogramms auch deutlich abgenommen. Wurden jedoch Parameter des Glukosestoffwechsels verglichen, zeigten sich deutliche Unterschiede: Während sich laut der Ergebnisse des oralen Glukosetoleranztests die Glukosetoleranz der Responder verdoppelt hatte, hatten nur noch zwei von anfangs vier Non-Respondern eine normale Glukosetoleranz. Außerdem stieg die Anzahl der Non-Responder mit einem erhöhten Nüchternblutzuckerwert von vier auf fünf Probanden. Eine Person hatte bei der zweiten Untersuchung sogar sowohl erhöhte Nüchternblutzuckerwerte als auch eine gestörte Glukosetoleranz. Sind beide Parameter erhöht, ist das Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken besonders hoch.
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Über die Ursache für die unterschiedliche Auswirkung des Ausdauertrainings kann Frau Dr. Böhm bislang nur spekulieren. Beobachtet wurde beispielsweise, dass kränkere Personen stärker von dem Training profitierten als gesündere. Während der Body-Mass-Index, das Alter und das Geschlecht der Probanden sich nicht zwischen den Gruppen unterschieden, hatten Non-Responder eine schlechtere Insulinsensitivität, eine geringere Insulinsekretion, mehr Bauchfett und eine geringere körperliche Fitness. Die Ergebnisse der Muskelbiopsien indizieren zudem, dass auch genetische Unterschiede eine Rolle spielen könnten.
In Zukunft, so die Vision der Wissenschaftler, soll es möglich sein, Non-Responder durch entsprechende Arzneimittel zu Respondern für eine Bewegungstherapie zu machen.




