Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankung und Jo-Jo-Effekt: Gefahr im Verzug?

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Schwankt das Gewicht von Menschen mit einer Herzvorerkrankung deutlich, haben sie ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen und Todesfälle. So lauten die Ergebnisse einer großen prospektiven Studie, die aktuell in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden.

 © doodlecarll
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In der von dem Pharmaunternehmen Pfizer unterstützten US-amerikanischen „Treating to New Targets“-Studie wurde ursprünglich der Effekt einer aggressiven vs. moderaten LDL-Cholesterin-Senkung auf das Auftreten von kardiovaskulären Erkrankungen und Todesfällen untersucht. Während der durchschnittlich 4,7-jährigen Nachbeobachtungszeit hatten Wissenschaftler um Dr. Sripal Bangalore von der Medizinischen Fakultät New York die Gelegenheit, den Einfluss von unterschiedlich stark ausgeprägten Gewichtsschwankungen auf das Erkrankungsgeschehen zu untersuchen.

Insgesamt lagen Daten von 9.509 Probanden im Alter von 35 bis 75 Jahren (medianes Alter 61,8 Jahre) vor, wobei mehr als jeder Dritte 65 Jahre oder älter war. Mit einem Verhältnis von 4:1 waren Männer in der Studie deutlich häufiger vertreten als Frauen. Zu Studienbeginn waren die Probanden im Mittel 83,3 Kilogramm schwer.

Voraussetzung für die aktuelle Auswertung war, dass die Probanden bei mindestens zwei Arztkontakten in der Nachbeobachtungsphase gewogen worden waren. Tatsächlich lagen im Mittel zwölf Angaben zum Gewicht der Teilnehmer vor. Für die Studie wurde dann die Variabilität des Gewichts jedes Teilnehmers von Untersuchungstermin zu Untersuchungstermin berechnet.

Die statistische Analyse zeigte: Mit zunehmender Gewichtsvariabilität um jeweils 1,5 bis 1,9 Kilogramm stieg das Risiko für koronare1 und kardiovaskuläre2 Ereignisse um vier Prozent und die Sterblichkeit sogar um neun Prozent, wobei das Ausgangsgewicht, die mittlere Gewichtsveränderung während der Studie sowie der Effekt gängiger Risikofaktoren (darunter Alter, Geschlecht, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Cholesterinspiegel) bereits berücksichtigt wurden. Betrachteten die Wissenschaftler das Auftreten von Schlaganfällen und Herzinfarkten separat, so nahm deren Anzahl ebenfalls um vier beziehungsweise fünf Prozent zu. Im Unterschied zu den vorher genannten Ergebnissen erreichten diese Ergebnisse allerdings keine statistische Signifikanz. Darüber hinaus erkrankten die Probanden mit häufigen Gewichtsschwankungen tendenziell öfter neu an Diabetes.

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Anhand ihrer Gewichtsschwankungen im Studienverlauf wurden die Probanden in fünf Gruppen eingeteilt. Verglichen mit den Probanden mit der niedrigsten Gewichtsvariabilität (Mittelwert 0,93 Kilogramm) hatten die Teilnehmer mit den stärksten Gewichtsschwankungen (Mittelwert 3,86 Kilogramm) ein um 64 Prozent höheres Risiko für koronare Ereignisse und ein um 85 Prozent höheres Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen. Todesfälle, Herzinfarkte und Schlaganfälle traten sogar mehr als doppelt so häufig auf (Todesfälle: +124 Prozent, Herzinfarkte: +117 Prozent, Schlaganfälle: +136 Prozent) als bei geringer Gewichtsvariabilität. Wurde bei den Analysen nach dem Ausgangsgewicht differenziert, bestand nur bei den Probanden mit Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) ein statistisch bedeutsamer Zusammenhang zwischen der Variabilität des Körpergewichts und dem Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir uns um die Gewichtsschwankungen dieser Gruppe, die durch ihre kardiovaskulären Vorerkrankungen bereits ein erhöhtes Risiko besitzt, Gedanken machen sollten“, betont der Erstautor der Studie, Dr. Sripal Bangalore. Aufgrund des Studiendesigns lassen sich allerdings keine Aussagen über die Kausalität des Zusammenhangs zwischen Gewichtsschwankungen und kardiovaskulären Ereignissen treffen. Es wäre beispielsweise auch denkbar, dass die Gewichtsschwankungen lediglich eine Begleiterscheinung anderer (unentdeckter) Erkrankungen darstellen. Hinzu kommt, dass die Wissenschaftler bei ihrer Analyse nicht zwischen angestrebten und unabsichtlichen (möglicherweise krankheitsbedingten) Gewichtsveränderungen unterscheiden konnten.

„Obwohl diese Analyse nicht so konzipiert war, dass damit die Ursachen für ein erhöhtes Risiko bei Körpergewichtsschwankungen ermittelt werden konnten, müssen wir untersuchen, wie wir (…) helfen können Gewicht dauerhaft zu reduzieren, anstatt es nach oben und unten schwanken zu lassen“, folgert Bangalore.

1 Hierzu zählten durch koronare Herzerkrankungen bedingte Todesfälle, Herzinfarkte, wiederbelebte Herzstillstände, Wiederherstellungen der Blutversorgung von Gefäßen (Revaskularisierungen) und Angina pectoris („Brustenge“).
2 Hierzu zählten alle koronaren Vorfälle, die Hirnblutgefäße betreffende (zerebrovaskuläre) Ereignisse (beispielsweise Schlaganfälle), periphere Gefäßerkrankungen und Herzinsuffizienz.

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