Wahl zum Goldenen Windbeutel 2021: Aktiv werden gegen Verbrauchertäuschung

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Die Verbraucherorganisation foodwatch hat fünf Lebensmittel als Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2021 nominiert. Bis zum 12. Dezember haben Verbraucher nun Zeit, ihre Stimme für das Produkt mit der dreistesten Werbelüge abzugeben.

„Klimakrise, Abholzung und Plastik-Müllberge: Unsere Ernährungsweise hat ihren Anteil an den riesigen Problemen, vor denen wir heutzutage stehen. Aus dem Bedürfnis von Verbraucherinnen und Verbrauchern nach mehr Nachhaltigkeit will die Lebensmittelindustrie jetzt Kasse machen und vermarktet ihre Produkte als Rettung für Umwelt und Klima“, erläutert foodwatch-Wahlleiter Manuel Wiemann. Doch auch wenn sich viele Unternehmen in der Öffentlichkeit mit ihrer vermeintlichen Klima- und Umweltfreundlichkeit brüsten, sieht die Realität oft anders aus. „Werbeversprechen entpuppen sich als dreiste Lüge: Ein grüner Anstrich macht aus einer Kaffeekapsel kein nachhaltiges Produkt und auch Fleisch wird durch manipulierte Zertifikate nicht zum Klimaretter“, fährt Wiemann fort. „Klima- und Umweltwerbung auf unökologischen Produkten muss gestoppt werden!“

Für die diesjährige Wahl zum Goldenen Windbeutel hat foodwatch fünf Lebensmittel ausgewählt. Sie stehen exemplarisch für verschiedene Formen von Verbrauchertäuschung im Supermarkt.

Kandidat Nr. 1: Volvic Natürliches Mineralwasser von Danone
Volvic schmückt sein Mineralwasser in der Einweg-Plastik-Flasche mit einem „klimaneutral zertifiziert“-Label. Das Unternehmen versichert auf seiner Homepage: „Der Schutz unserer Umwelt ist (…) schon immer das Herzstück unserer DNA.“ Damit kann das natürliche Mineralwasser, dessen Flaschen größtenteils per LKW aus Frankreich nach Deutschland transportiert werden, allerdings nicht gemeint sein. Auch die Verwendung von Einweg- anstelle von Mehrwegflaschen schlägt negativ zu Buche.

Entsprechend schlecht schneidet das Produkt in der Umweltbilanz ab. Die Emissionen für einen Liter des Volvic-Mineralwassers lagen laut Herstellerangaben 2020 bei durchschnittlich 121,5 Gramm CO2-Äquivalenten. Das ist ein Vielfaches der Emissionen von Wasser aus der Leitung. Auch Mineralwasser in Mehrwegflaschen ist deutlich umweltfreundlicher. Laut einer Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung (IFEU) emittiert Mineralwasser in einer Glas-Mehrwegflasche durchschnittlich 84 Gramm CO2-Äquivalente pro Liter, bei PET-Mehrwegflaschen sind es sogar nur 69 Gramm CO2-Äquivalente pro Liter.

In einer Stellungnahme gab Danone an, dass Einwegflaschen aus recyceltem PET für lange Transportwege die ökologisch sinnvollste Verpackung seien. Foodwatch kritisiert dennoch das Vorgehen des Unternehmens, Mineralwasser mit derart langen Transportwegen als besonders klimafreundlich darzustellen.

Kandidat Nr. 2: Mövenpick Green Cap Kaffeekapseln von J.J. Darboven
Wer Green Cap Kaffeekapseln kauft, braucht kein schlechtes Gewissen in Bezug auf deren Umwelteffekte zu haben. Dieser Eindruck entsteht zumindest angesichts der Werbeversprechen. Denn die Kapseln seien „kompostierbar“ und „biologisch abbaubar“. Theoretisch mag dies stimmen, aber Abfallunternehmen können sie derzeit weder recyceln noch kompostieren. Daher werden die Kapseln – ebenso wie herkömmliche Kaffeekapseln aus Plastik – verbrannt.

Von foodwatch angesprochen, bezeichnet Hersteller Darboven die „aktuelle Situation der Entsorgungswege“ als unbefriedigend. Das Unternehmen arbeite an einer „anderen Lösung“ für das erste Halbjahr 2022. Doch selbst wenn dies gelingen sollte, sind und bleiben Kaffeekapseln laut foodwatch weiterhin eine „unnötige Verschwendung von Ressourcen“. Denn auch bei vollständiger erfolgreicher Zersetzung würde daraus kein hochwertiger Kompost gebildet, so die Verbraucherorganisation.

Kandidat Nr. 3: Katjes Wunderland Fruchtgummis
Das Wunderland des Fruchtgummi-Herstellers Katjes präsentiert sich als gesunde Nascherei mit zugesetzten Vitaminen. Kann hier wirklich ohne schlechtes Gewissen zugegriffen werden? Eher nicht, denn tatsächlich enthalten die Fruchtgummis vor allem eines: viel Zucker. Der Zuckergehalt ist tatsächlich sogar um ein Drittel höher als bei der Konkurrenz mit den Goldbären. Das Unternehmen Katjes hat sich zur Kritik von foodwatch nicht geäußert.

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Kandidat Nr. 4: Clean Protein Bar von Naturally Pam by Pamela Reif
Der von der Fitness-Influencerin Pamela Reif entwickelte Proteinriegel möchte mit seiner plastikfreien, biologisch abbaubaren und besonders umweltfreundlichen Verpackung punkten. Doch auch diese Verpackung besteht aus einer Plastikfolie, die von der Abfallwirtschaft nicht kompostiert oder recycelt werden kann und daher ebenfalls verbrannt wird. Selbst in der Natur würde die Folie laut foodwatch – wenn überhaupt – nur sehr langsam abgebaut.

Auch Naturally Pam versucht, den Schwarzen Peter an die Unternehmen der Abfallwirtschaft weiterzureichen. Diese lieferten noch nicht die nötigen Bedingungen, dass die Verpackungsfolie des Proteinriegels richtig kompostiert werden könne, heißt es von dem Riegelhersteller. Das Problem seien jedoch nicht die Abfallunternehmen, sondern die Verpackung, kommentiert foodwatch. Aufwändig hergestellte Plastik-Verpackungen sollten recycelt und wiederverwendet werden, statt kompostiert oder verbrannt, heißt es weiter.

Kandidat Nr. 5: Wilhelm Brandenburg Hähnchen-Brustfilet von Rewe
Noch ein Kandidat, der mit einem Umweltversprechen in den Wahlkampf zum Goldenen Windbeutel zieht. Das Hähnchen-Brustfilet der Rewe-Eigenmarke Wilhelm Brandenburg trägt auf seiner Verpackung das „Klimaneutral“-Logo von Climate-Partner. Dies erweckt den Eindruck, Fleisch sei ein klimafreundliches Lebensmittel. Allerderdings verursacht die Tierhaltung weltweit ein Siebtel (15 Prozent) der vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen. Zwar entstehen bei der Geflügelfleischproduktion weniger Emissionen als bei der Produktion von Rindfleisch. Eine pflanzenbasierte Ernährung ist aber wesentlich klimafreundlicher.

Um die beworbene „Klimaneutralität“ zu erreichen, kompensiert Rewe die Treibhausgas-Emissionen, die bei der Produktion von Geflügelfleisch entstehen, indem es CO2-Zertifikate des Projekts „Tambopata / Waldschutz mit nachhaltigem Paranussanbau“ kauft. Entsprechend wirbt Rewe damit, Klimaschutz in Peru zu finanzieren. Laut Recherchen von foodwatch schützt das Projekt den dortigen Wald nicht vor weiteren Abholzungen. Dementsprechend hätten keine CO2-Zertifikate ausgegeben werden dürfen und die Aussage „klimaneutral“ wäre „falsch und irreführend“.

Rewe entgegnet, dass das Unternehmen erst seit 2021 mit dem Zertifizierungsunternehmen kooperiere. Laut foodwatch stammen die Zertifikate für das Geflügelfleisch von Rewe allerdings aus den Jahren 2010 bis 2012. Für diesen Zeitraum hätte das Projekt nachweislich keinerlei Emissionsreduktionen bewirkt, kritisieren die Verbraucherschützer. Die Zertifikate seien also falsch. Zudem sei es grundsätzlich irreführend, Fleisch als „klimaneutral“ zu bewerben.

Verbraucher können noch bis zum 12. Dezember ihren persönlichen Favoriten für den Goldenen Windbeutel 2021 auf der Homepage von foodwatch wählen.

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