Wasser ist lebensnotwendig. Rund um das Getränk gibt es zahlreiche verbreitete Annahmen. Mineralwasser soll besser als Leitungswasser sein, Wasserfilter sollen das Wasser aus dem Hahn verbessern und Glasflaschen gelten häufig als die bessere Wahl. Auch bei der empfohlenen Trinkmenge gibt es unterschiedliche Angaben. Doch was stimmt wirklich?

Mythos 1: Mineralwasser ist besser als Leitungswasser
Natürliches Mineralwasser und Trinkwasser aus der Leitung unterscheiden sich vor allem in ihrer Herkunft und den gesetzlichen Anforderungen. Natürliches Mineralwasser stammt aus unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen, wird am Quellort abgefüllt und muss von „ursprünglicher Reinheit“ sein. Es zeichnet sich außerdem durch einen charakteristischen Gehalt an Mineralstoffen, Spurenelementen oder anderen Bestandteilen aus. Allerdings ist nicht jedes Mineralwasser automatisch mineralstoffreich. Die Gehalte an Mineralstoffen wie Calcium, Magnesium und Natrium müssen auf dem Etikett angegeben werden und können miteinander verglichen werden. Ein Mineralwasser darf beispielsweise ab einem Calciumgehalt von mehr als 150 mg pro Liter als „calciumhaltig“ bezeichnet werden, bei Magnesium liegt die Grenze bei mehr als 50 mg pro Liter. Auch der Preis ist kein Qualitätsmerkmal. Ein teureres Wasser muss weder mineralstoffreicher noch gesundheitlich besser sein.
Leitungswasser ist in Deutschland ein gut kontrolliertes Lebensmittel und muss regelmäßig auf mikrobiologische und chemische Parameter untersucht werden. Je nach Herkunft kann es nennenswerte Mengen an Mineralstoffen enthalten, die mit denen von Mineralwasser vergleichbar sein können. Wer wissen möchte, welche Mineralstoffe und weiteren Parameter im eigenen Trinkwasser enthalten sind, kann die Informationen des örtlichen Wasserversorgers nutzen.
Mythos 2: Wasserfilter machen Leitungswasser besser
Wasserfilter für den Haushalt werden unter anderem damit beworben, Leitungswasser von unerwünschten Stoffen zu befreien oder seinen Geschmack zu verbessern. Für Trinkwasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz ist eine zusätzliche Filterung aus gesundheitlichen Gründen jedoch in der Regel nicht erforderlich. Das Trinkwasser wird entsprechend den Anforderungen der Trinkwasserverordnung aufbereitet und kontrolliert.
Ein Wasserfilter kann tatsächlich neue hygienische Probleme schaffen. Werden Filterkartuschen nicht regelmäßig gewechselt und Filterbehälter nicht ausreichend gereinigt, können sich darin Mikroorganismen vermehren. Der Filter kann dann selbst zur Quelle einer mikrobiellen Belastung werden. Auch bei einer tatsächlichen Belastung des Trinkwassers ist ein Haushaltsfilter keine geeignete Lösung. Wird beispielsweise eine Überschreitung von Blei festgestellt, sollte die Ursache in der Trinkwasserinstallation beseitigt werden.
Mythos 3: Wasser aus Glasflaschen ist besser als Wasser aus PET-Flaschen
Glas wird häufig mit höherer Qualität verbunden. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Wasser aus einer Glasflasche „besser“ ist als Wasser aus einer PET-Flasche. Für die Qualität des Wassers sind andere Faktoren entscheidend.
Bei der Verpackungsfrage ist außerdem zwischen gesundheitlichen und ökologischen Aspekten zu unterscheiden. Aus Umweltsicht kommt es vor allem darauf an, ob eine Verpackung mehrfach verwendet wird und welche Transportwege zurückgelegt werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb regionale Mehrwegflaschen. Dabei kann es sich sowohl um Glas- als auch um PET-Mehrwegflaschen handeln. Noch weniger Verpackung entsteht bei Trinkwasser aus der Leitung.
Mythos 4: Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung braucht man spezielles Wasser
Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung ist grundsätzlich kein spezielles Wasser erforderlich. In Deutschland ist dafür in der Regel frisches Leitungswasser geeignet. Für die Zubereitung sollte kaltes Wasser verwendet werden, das zunächst so lange ablaufen gelassen wird, bis es kühl aus der Leitung kommt. Wasser aus Bleileitungen sollte dafür nicht verwendet werden. Auch bei Wasser aus privaten Brunnen sollte zunächst sichergestellt sein, dass die Wasserqualität geeignet ist. Ist die Qualität des Leitungswassers nicht bekannt oder bestehen Zweifel, kann stilles Mineralwasser verwendet werden, das ausdrücklich als „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ gekennzeichnet ist. Von der Verwendung von Wasserfiltern für die Zubereitung von Säuglingsnahrung wird abgeraten, da sie unter ungünstigen Bedingungen die Keimbelastung erhöhen können.
Mythos 5: Je mehr Wasser man trinkt, desto besser
Ausreichend zu trinken ist wichtig, eine bestimmte Trinkmenge gilt jedoch nicht für alle Menschen gleichermaßen. Für die gesamte Wasserzufuhr aus Getränken und fester Nahrung nennt die DGE altersabhängige Referenzwerte. Für Erwachsene im Alter von 25 bis unter 51 Jahren liegt dieser bei 35 ml pro kg Körpergewicht und Tag, ab 51 Jahren bei 30 ml.
Davon muss nur ein Teil über Getränke aufgenommen werden. Die DGE nennt für die Wasserzufuhr aus Getränken bei gesunden Erwachsenen je nach Altersgruppe etwa 1,2 bis 1,5 Liter pro Tag. Der übrige Anteil wird über Lebensmittel aufgenommen, insbesondere über wasserreiche Lebensmittel wie Obst und Gemüse. Wie viel Flüssigkeit tatsächlich benötigt wird, hängt unter anderem von der Ernährung, der körperlichen Aktivität und den äußeren Bedingungen ab. Bei Hitze, körperlicher Anstrengung, Fieber sowie bei Erbrechen oder Durchfall steigt der Bedarf.
Durst ist ein wichtiges Signal des Körpers, dass Flüssigkeit benötigt wird. Auch die Farbe des Urins kann eine grobe Orientierung über die Flüssigkeitsversorgung geben. Konzentrierter Urin ist meist dunkler. Beide Hinweise sind allerdings keine präzisen Messgrößen für den individuellen Flüssigkeitsbedarf. Bei einem Flüssigkeitsmangel können unter anderem Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen oder Schwindel auftreten.
Fazit
Für die tägliche Flüssigkeitsversorgung sind sowohl Leitungswasser als auch Mineralwasser geeignet, wobei Mineralwasser nicht automatisch hochwertiger ist. Leitungswasser benötigt in der Regel weder einen Wasserfilter noch eine besondere Aufbereitung und kann auch für die Zubereitung von Säuglingsnahrung verwendet werden. Bei der Wahl der Verpackung ist Glas nicht grundsätzlich besser als PET, aus ökologischer Sicht kommt es vor allem auf Mehrweg und kurze Transportwege an. Entscheidend ist nicht eine möglichst große Trinkmenge, sondern eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die zum individuellen Bedarf passt.
Literatur:
- Abou-Dakn M, Abou-Omar K, Alaze-Hagemann F et al.: Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen 2024. Teilaktualisierte Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben, Monatsschrift Kinderheilkunde, 2024, 172, https://doi.org/10.1007/s00112-024-02014-7
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Bonn, 3. Auflage, 1. Ausgabe 2025.
- Umweltbundesamt: Trinkwasser aus der Leitung: nachhaltig, gesund, günstig. Zuletzt aktualisiert am 23.04.2026. https://www.uba.de/n32796de (zuletzt aufgerufen am 08.10.2026)
- Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung – TrinkwV). Ausfertigungsdatum: 20.06.2023. https://www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2023/BJNR09F0B0023.html (zuletzt aufgerufen am 08.10.2026)
- Verbraucherzentrale: Trinkwasser, Mineralwasser, Tafelwasser – was sind die Unterschiede? – Stand 17. August 2026. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/trinkwasser-mineralwasser-tafelwasser-was-sind-die-unterschiede-13225 (zuletzt aufgerufen am 08.10.2026)




