Wie Süßstoffe appetitsteigernd wirken

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Manchmal begegnet uns unser Ursprung in Bereichen, an denen wir nicht damit gerechnet hätten. Ein Beispiel hierfür ist die Erklärung für die appetitsteigernde Wirkung des Süßstoffes Sucralose, die auf einen ursprünglich überlebenswichtigen Stoffwechselweg zurückzuführen ist.

©frankileon

Süßstoff wird zwar allgemein als Hilfsmittel bei der Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) angesehen, dennoch wird dieser Status immer wieder angezweifelt. Grund dafür sind Berichte, wonach der regelmäßige Verzehr von mit Süßstoff gesüßten Speisen und Getränken appetitsteigernd wirken soll. Die genauen Ursachen für diesen Effekt waren bislang nicht bekannt. Wissenschaftler der Universität von Sydney ist es nun nach eigenen Angaben erstmals gelungen, einen Stoffwechselweg zu identifizieren, der die appetitsteigernde Wirkung von Süßstoffen erklären könnte.

Ausgangspunkt ihrer Forschung waren Fütterungsexperimente an Fruchtfliegen. Die Ergebnisse ließen sich an Mäusen, deren Stoffwechsel als Modell für den menschlichen Stoffwechsel gilt, reproduzieren. Für ihre Studie fütterten Assistenzprofessor Dr. Gregory Neely und seine Kollegen die Fruchtfliegen über mehrere Tage mit einem Futter, welches mit dem Süßstoff Sucralose angereichert war. Dabei beobachteten sie, dass die Tiere hyperaktiv wurden und weniger schliefen. Mit der gesteigerten Wahrnehmung für Süßes, die die Wissenschaftler ebenfalls feststellten, stieg auch die Nahrungs- und Energieaufnahme der Tiere. Dagegen verschlechterte sich ihr Blutzuckerstoffwechsel. Diese Anzeichen wurden zumindest teilweise auch schon von Menschen berichtet. Interessanterweise verschwanden diese Symptome bei den Tieren wieder, nachdem der Süßstoff wieder aus dem Futter entfernt wurde.

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Nach einer chronischen Exposition mit einer Diät, die den künstlichen Süßstoff Sucralose enthielt, sahen wir, dass die Tiere damit begannen, mehr zu essen“, fasst der federführende Wissenschaftler Neely die Ergebnisse zusammen. „Unter Verwendung dieser Antwort auf mit Süßstoff gesüßte Diäten waren wir in der Lage, ein neues neuronales Netzwerk funktionell abzubilden, das ein Gleichgewicht zwischen der Schmackhaftigkeit der Nahrung und ihrem Energiegehalt aufrecht erhält“, erläutert Neely weiter. „Der Stoffwechselweg, den wir entdeckt haben, ist Teil einer aus der Vorzeit erhalten gebliebenen Antwort auf Hunger, die tatsächlich nahrhaftes Essen schmackhafter macht, wenn Sie hungern.“ Wenn also regelmäßig  über einen längeren Zeitraum mit Süßstoff gesüßte Lebensmittel verzehrt werden, könnte dies die Wahrnehmung für Süßes allgemein (einschließlich herkömmlichen Zucker) verändern. Als Folge davon steigt, so die Beobachtung der Wissenschaftler, das Verlangen zu essen.

„Diese Ergebnisse bestärken die Annahme weiter, dass die ‚zuckerfreien‘ Varianten von Lebensmitteln und Getränken möglicherweise nicht so inert sind, wie wir bislang erwartet hatten“, folgert der ebenfalls an der Studie beteiligte Prof. Dr. Herbert Herzog. „Künstliche Süßstoffe können tatsächlich die Süßgeschmack-Wahrnehmung von Tieren verändern, wobei die Diskrepanz zwischen Süße und Energiegehalt sie dazu veranlasst, mehr Kalorien zu sich zu nehmen.“

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