Winterzeit = Erkältungszeit: Was hilft wirklich? Teil 1

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Teil 1: Medikamente

Alle Jahre wieder… Durch die kälteren Temperaturen, gepaart mit Wetterumschwüngen und Schmuddelwetter, haben Erkältungsviren häufig leichtes Spiel. Dementsprechend groß ist auch der Markt an konventionellen und alternativen Präparaten zur Behandlung von Erkältungen. Was hilft wirklich?

 © Bhavna Sayana
© Bhavna Sayana

Erwachsene kämpfen etwa zwei- bis viermal pro Jahr mit Erkältungen, Kinder sogar sechs- bis achtmal. Damit zählen Erkältungen beziehungsweise „akute Atemwegsinfektionen“ zu den Hauptgründen für einen Arztbesuch. Meist wird die Erkrankung durch Viren verursacht, kann aber aufgrund der vielfältigen Viren nur symptomatisch behandelt werden.

Miriam Croessmann vom Sana Klinikum Offenbach und Prof. Dr. Markus Rose von der Universität Frankfurt/Main haben sich wie viele andere auch die Frage gestellt, welche konventionellen und alternativmedizinischen Therapien tatsächlich bei Erkältungen helfen. Zur Beantwortung dieser Frage auf wissenschaftlicher Basis haben die beiden mit Akribie drei große wissenschaftliche Datenbanken (Medline, eMbase, Cochrane) nach Artikeln zu den Schlüsselwörtern „Erkältung“, „akute Atemwegsinfektion“ und „Therapie“ aus den Jahren 1985 bis 2015 durchforstet. Die aufbereiteten Ergebnisse wurden in der deutschen Fachzeitschrift „Der Pneumologe“ publiziert.

Nasensprays

  • Oral schleimhautabschwellende Nasensprays (Dekongestiva), konnten in Studien eher bescheidene Effekte auf nasale Symptome für sich verbuchen. Nachweise von positiven Wirkungen bei Kindern stehen noch aus. Allerdings sind bei einer Überdosierung dieser Nasensprays bei Kindern bereits schwere unerwünschte Wirkungen belegt.
  • Sogenannte topische Anticholinergika bessern laut einer früher publizierten Übersichtsarbeit zwar den Schnupfen, haben aber keinen Einfluss auf die Verstopfung der Nase.
  • Auch wenn die Datenlage zur Wirkung von intranasalen Kortikoiden schwach ist, scheinen Kortikoidsprays die Erkältungsdauer nicht zu verkürzen. Dagegen besteht eine erhöhte Gefahr für eine sekundäre bakterielle Infektion nach ihrer Anwendung.

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Medikamente zur Einnahme

  • Die unter anderem bei Allergien eingesetzten Antihistaminika haben nur in Kombination mit Dekongestiva oder/und Schmerzmitteln (Analgetika) „einen gewissen Nutzen“ bei Erkältungen von älteren Kindern (ab fünf Jahren) oder Erwachsenen. Allerdings sollten auch in diesem Fall der mögliche Nutzen kritisch gegen potentielle Nebenwirkungen abgewogen werden.
  • Hustenstiller (Antitussiva): Medikamente mit den Wirkstoffen Codein, Dihydrocodein, Dextromethorphan, Noscapin und Pentoxyverin unterdrücken den Hustenreiz. Da das Husten allerdings ein wichtiger Schutzreflex des Körpers ist, sollten diese Medikamente nur bei einem trockenen Reizhusten angewendet werden, der nicht durch Hausmittel gelindert werden kann. Codein-haltige Antitussiva sind nicht für Kinder unter 12 Jahren geeignet.
  • Schleimlösende Medikamente (Sekretolytika, Mykolytika) sollen bei einer erkältungsbedingten Bronchitis den Schleim verflüssigen und damit das Abhusten erleichtern. Die Einnahme von Medikamenten mit Acetylcystein kann zu einem erhöhten Volumen von Bronchialsekret führen, das unter anderem kleine Kinder schlecht abhusten können. Efeupräparate sind diesbezüglich unbedenklich. Medikamente dieser Wirkstoffgruppe sollten dennoch Säuglingen und Kleinkindern nur nach strenger Indikationsstellung gegeben werden. Viel besser und vor allem nebenwirkungsfrei sind dagegen reichliches Trinken und eine gute Befeuchtung der Atemwege.
  • Die Schmerzmittel NSAR und Paracetamol bessern zwar erkältungsbedingte Schmerzen, haben aber keine Wirkung auf die Atemwegsbeschwerden. Bei Kindern scheint Ibuprofen stärker fiebersenkend zu wirken als Paracetamol.
  • Nur etwa jeder zwanzigsten Erkältung liegt eine bakterielle Infektion zugrunde. Nur in diesem Fall sind Antibiotika indiziert. Die Einnahme von Antibiotika sollte nur nach ärztlicher Verordnung erfolgen, zumal Antibiotika teilweise erhebliche Nebenwirkungen haben und die unkritische Anwendung Resistenzentwicklungen gegen Antibiotika fördert.

Sonstige Medikamente

  • Ätherische Einreibemittel: Wirkkomponenten wie Kampfer, Menthol und Eukalyptusöl wirken sich zwar nicht positiv auf Husten oder Schnupfen aus, lassen Kinder und Eltern aber besser schlafen. Eltern sollten in diesem Zusammenhang allerdings darüber aufgeklärt werden, dass Tropfen und Einreibemittel auf Basis ätherischer Öle die Atemwege reizen und im Extremfall zur Verkrampfung der atemwegsumspannenden Muskulatur (Bronchospasmus) führen können.

Von welchen alternativmedizinischen Therapieansätzen eine Linderung der Erkältungssymptome zu erwarten ist und von welchen eher nicht, erfahren Sie im zweiten Teil unseres Artikels.

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