Zimt: Vom Heil und Unheil einer Gewürzpflanze

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Zimt ist eines der ältesten bekannten Gewürze

Angeblich wurde es schon im Jahr 3000 v. Chr. in China verwendet. In Europa galt Zimt bis zum 18. Jahrhundert als ein besonders kostbares und teures Gewürz. Heute ist es längst für jedermann erschwinglich und gerade in der Weihnachtszeit in aller Munde. Aber nicht nur Glühwein, Zimtsterne und anderes Weihnachtsgebäck werden damit aromatisiert, Zimt ist auch das ganze Jahr über häufig in fertigen Lebensmitteln wie Milchreis, Frühstückscerealien und Gebäcken zu finden.

Zimt ist viel mehr als nur eine geschmacksgebende Zutat.

So weisen Zimtöl und Zimtrinde gute antimikrobielle Wirkungen auf. Diabetikern dürfte das Gewürz außerdem aufgrund von zahlreichen Werbeversprechen für Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel bekannt sein. Ihm werden Blutzucker- und Cholesterin– sowie Triglyzerid-senkende Effekte nachgesagt. In einer Pilotstudie, die 2003 durchgeführt wurde, wurde die Wirkung größerer Zimtmengen (1–6 g täglich) untersucht. Hier konnte eine mögliche Senkung des Nüchternblutzuckers, der Triglyzeride, des Gesamt- und des LDL-Cholesterins beobachtet werden.

Keine Empfehlung von Zimt bei einem Diabetes

In einer weiteren Studie war die Einnahme von Zimt ebenfalls mit einem geringeren Blutzuckerspiegel ver­bunden, dies hatte allerdings keine Auswirkungen auf den HbA1c-Werts („Langzeit­blutzuckerspiegel“ über die letzten zwei bis drei Monate), auch die Blutfettwerte der Probanden blieben unverändert. Die derzeit vorhandenen Studienergebnisse lassen keine endgültige Bewertung möglicher günstiger Wirkungen von Zimt bei Diabetes zu. Die Einnahme größerer Mengen des Gewürzes zur Verbesserung des Blutzucker- und Blutfettspiegels kann bisher nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin nicht empfohlen werden.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Hinzu kommt, dass Zimt nicht nur gesundheitsfördernde, sondern auch gesundheits­schä­di­gende Inhaltsstoffe enthalten kann. Bei Untersuchungen der Landesuntersuchungsämter wurden erstmals im Jahr 2006 Zimtprodukte entdeckt, deren Cumaringehalt die erlaubte Menge um das bis zu 37-fache überschritten.

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Cumarin kann Leberentzündungen und Leberschäden verursachen, höhere Konzentrationen können zu Kopfschmerzen, Erbrechen oder Schwindel führen. In Tierversuchen an Ratten konnten sehr hohe Dosierungen sogar Krebs auslösen, die Übertragbarkeit dieser Studienergebnisse auf den Menschen sind allerdings umstritten – zumal derart hohe Mengen an Cumarin wohl kaum nur durch Lebensmittel aufgenommen werden können.

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Cumarin in Zimtsternen

Die deutlich überschrittenen Grenzwerte von Cumarin in Zimt und zimthaltigen Produkten führten im Jahr 2006 zu einer Warnung des Bundesinstituts für Risikobewertung vor einem zu hohen Verzehr derartiger Produkte. Die maximal erlaubte Tagesdosis in Höhe von 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht täglich könne bei kleineren Kindern bereits durch vier, bei größeren Kindern durch sechs Zimtsterne erreicht werden. Bei Erwachsenen würde die Grenze durch den Verzehr von acht Zimtsternen erreicht. Das BfR gab allerdings auch zu bedenken, dass Zimt auch in vielen anderen Produkten, wie in Frühstücksprodukten, Lebkuchen, Puddings, Glühwein, diversen Teesorten, Gewürzmischungen (z. B. Curry) und sogar in Kosmetika enthalten sein kann. Diese sollten bei der täglichen Gesamtaufnahme von Zimt mit berücksichtigt werden.

Zimtkapseln können viel Cumarin enthalten

Im Rahmen der Untersuchungen der Überwachungsbehörden fiel auch der hohe Cumarin-Gehalt von Zimtkapseln auf. Je nach Dosisempfehlungen konnte bereits die alleinige Aufnahme dieser Nahrungsergänzungsmittel zu einer Überschreitung des als tolerierbar angesehenen täglichen Aufnahmewertes führen.

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Wie kann ich mich vor Cumarin schützen?

In der Folge konnte nachgewiesen werden, dass insbesondere Cassia-Zimt (im Unterschied zum teureren Ceylon-Zimt) erhöhte Cumaringehalte aufwies, so dass Verbrauchern und der Lebensmittelindustrie empfohlen wurde, den teureren Ceylon-Zimt zu bevorzugen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten scheinen die Warnungen und Empfehlungen Früchte zu tragen, jedenfalls ist der Cumaringehalt in Weihnachtsgebäck in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Verbrauchern wird aber weiterhin geraten, gerade im häuslichen Bereich Ceylon-Zimt den Vorrang zu geben, zumal der Cumaringehalt in Zimt sehr stark variieren kann.

Verbraucher erkennen Ceylon-Zimtstangen an ihrem Querschnitt: Während bei Cassia-Zimt eine relativ dicke Rindenschicht zu einem Röllchen eingerollt ist, ähnelt eine Ceylon-Zimt-Stange im Querschnitt einer angeschnittenen Zigarre: mehrere feine Rindenlagen sind zu einer Zimtstange gerollt, so dass ein vergleichsweise eng gepackter Querschnitt entsteht. Bei Zimtpulver ist es für den Verbraucher kaum möglich, Ceylon-Zimt von Cassia-Zimt zu unterscheiden. Die Herkunft des Zimts ist auf der Verpackung meist nicht deklariert, gelegentlich waren in der Vergangenheit falsche Angaben festzustellen.

Hinweis:

Wie sich der Cumaringehalt von Zimtkapseln, wie sie für Diabetiker ausgewiesen werden, seit den Untersuchungen 2006 verändert hat, ist weitgehend unbekannt. Da der Nutzen derartiger Produkte jedoch bisher nicht eindeutig belegt ist, ist von einer Zimt-Einnahme über die üblicherweise in Lebensmitteln enthaltene Menge hinaus nach heutigen Wissen abzuraten.

Quellen einblenden

  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Verbraucher, die viel Zimt verzehren, sind derzeit zu hoch mit Cumarin belastet. Gesundheitliche Bewertung des BfR, Nr. 043/2006, 16. Juni 2006.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR):  Hohe tägliche Aufnahmemengen von Zimt: Gesundheitsrisiko kann nicht ausgeschlossen werden. Gesundheitliche Bewertung des BfR, Nr. 044/2006, 18. August 2006.
  • Khan A, Safdar M, Khan M, Khattak K, Anderson R: Cinnamon improves glucose and lipids of people with type 2 diabetes. DIAB CARE 2003, 26:3215-3218.
  • Mang B, Wolters M, Schmitt B, Kelb K, Lichtinghagen R, Stichtenoth D, Hahn A: Effects of a cinnamon extract on plasma glucose, HbA, and serum lipids in diabetes mellitus type 2. EUR J CLIN INVEST 2006, 36:340–344.

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