Zöliakie: Glutenfreie Diät schlägt nicht bei jedem Kind an

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Selbst nach einem Jahr glutenfreier Ernährung hatte sich die Darmschleimhaut von 19 Prozent der betroffenen Kinder nicht regeneriert. Da dies bei der routinemäßigen Kontrolle der Transglutaminase-Antikörper nicht zu erkennen ist, fordern Wissenschaftler eine Überarbeitung der aktuellen Behandlungs- und Monitoringkriterien.

 © Mark Morgan Trinidad B
© Mark Morgan Trinidad B

Verdauungsbeschwerden wie Durchfälle, Blähungen oder ein Wechsel der Stuhlgewohnheiten, Verhaltensveränderungen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Eisenmangel und Entwicklungsstörungen können Anzeichen einer Zöliakie sein. Die Symptome treten meist erstmals zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr auf. Ursache ist eine charakteristische Zerstörung der Schleimhaut des Dünndarms, die durch das Getreideeiweiß „Gluten“ hervorgerufen wird. Dementsprechend besteht der Kern der Zöliakietherapie derzeit in einer lebenslangen glutenfreien Ernährung (Verzicht aufProdukte aus Weizen, Dinkel, Grünkern, Roggen, Gerste, Triticale, Kamut, Emmer und Einkorn).

Normalerweise sollte sich die Darmschleimhaut bei einer Zöliakie durch eine konsequente, glutenfreie Diät regenerieren und dementsprechend sollten auch die Verdauungsbeschwerden verschwinden. Dies scheint allerdings nicht immer der Fall zu sein, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt. Wissenschaftler um Dr. Maureen Leonard vom Massachusetts-Kinderkrankenhaus in Boston analysierten die Krankenakten von insgesamt 103 Kindern und Jugendlichen, die an einer Zöliakie erkrankt waren und sich seit durchschnittlich 2,4 Jahren glutenfrei ernährten. Obwohl neun von zehn Kindern dieser Gruppe sich vorbildlich an die Ernährungstherapie hielten, hatten viele Kinder ein Jahr nach der Diagnose erneut Verdauungsbeschwerden oder auffällige Labortestergebnisse. Aus diesem Grund wurde bei allen Kindern mindestens eine weitere endoskopische Biopsie veranlasst.

Die Auswertung der erneuten Biopsien ergab, dass nahezu jedes fünfte Kind (19 Prozent) weiterhin eine beschädigte Darmschleimhaut (persistente glutensensitive Enteropathie) hatte. Allerdings ließ sich die Enteropathie nicht anhand von Zöliakiesymptomen oder routinemäßig bestimmten Transglutaminase-Antikörper-Werten vorhersagen. Zum Zeitpunkt der zweiten Biopsie hatten lediglich 43 Prozent der Kinder mit einer persistenten Enteropathie erhöhte Transglutaminase-Antikörper-Werte, aber auch 32 Prozent der Kinder ohne akute Darmschäden wiesen erhöhte Werte auf. Demnach scheint die Bestimmung der Transglutaminase-Antikörper-Konzentration im Zöliakiemonitoring kein zuverlässiger Indikator für Gewebsläsionen zu sein.

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Die Folgen dieser persistenten Enteropathie trotz glutenfreier Diät sind bislang unbekannt. Dr. Leonard und ihre Kollegen mutmaßen in ihrem Artikel, der aktuell in der Fachzeitschrift Pediatric Gastroenterology and Nutrition veröffentlicht wurde, dass „pädiatrische Patienten mit einer Zöliakie und persistenter Enteropathie für zukünftige Komplikationen und suboptimales Wachstum prädisponiert sein könnten“.

In den aktuellen Behandlungsleitlinien wird bei einer Zöliakie keine erneute Biopsie zur Beobachtung des Therapieerfolgs empfohlen. Eine Biopsie ist aber laut Dr. Leonard und ihren Kollegen die einzige Möglichkeit, die Beseitigung der Gewebsschäden festzustellen. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht nur für die Bestätigung der Zöliakiediagnose eine Endoskopie benötigt wird, sondern auch eine erneute Biopsie in Betracht gezogen werden sollte, um die Remission zu bewerten“, fahren die Autoren fort. Allerdings werden weitere Studien benötigt, die die aktuellen Kenntnisse bestätigen und erweitern, Ursachen aufdecken, weshalb eine glutenfreie Diät nicht immer anschlägt, und ergänzende Therapiemöglichkeiten aufzeigen.

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