Eine für alle? Die ideale Ernährungsweise ist auch eine Frage der Gene

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Dieselbe Ernährungsweise kann sich bei verschiedenen Menschen unterschiedlich auf den Stoffwechsel und die Gesundheit auswirken. Schuld daran sind die Gene, meinen Wissenschaftler und raten zu einer Abkehr von pauschalen Ernährungsempfehlungen. Sollte in Zukunft ein Gentest vor jeder Ernährungsberatung durchgeführt werden?

© Bill Glover

Wenn die gesundheitlichen Folgen einer bestimmten Ernährungsweise bei Menschen mit vergleichbarem Lebensstil stark voneinander abweichen, liegt der Verdacht nahe, dass genetische und/oder metabolische Unterschiede zum Greifen kommen. Dr. William Barrington und seine Kollegen gingen diesem Verdacht nach und haben in einer umfassenden Studie die Auswirkungen von vier gängigen Ernährungsweisen auf die Gesundheit von vier verschiedenen Mäusestämmen untersucht. Mäuse sind – ebenso wie der Mensch – prädisponiert für Adipositas (Fettleibigkeit) und das Metabolische Syndrom. Daher können durch die Forschung an verschiedenen Mäusezuchtlinien die gesundheitlichen Auswirkungen verschiedener Ernährungsweisen für genetisch verschiedene Menschen modellhaft ermittelt werden. Ein weiterer Vorteil besteht in der vergleichsweise einfachen Kontrolle von Umweltfaktoren.

Die Mäuse des selben Zuchtstamms erhielten jeweils für sechs Monate unterschiedliches Futter, das den Kriterien von vier verbreiteten menschlichen Ernährungsformen entsprach:

  • Mediterrane Kost,
  • traditionell japanische Küche,
  • westliche Ernährung (fett- und kohlenhydratreiche Ernährung in westlichen Industrieländern) oder
  • Atkins-Diät (fettreiche, kohlenhydratarme Ernährung).

Die fünfte Gruppe erhielt ein Standardfutter für Mäuse. Bei der Umsetzung der verschiedenen Ernährungsformen berücksichtigten die Wissenschaftler viele charakteristische Details. Beispielsweise war Reis bei der fischreichen, traditionell japanischen Ernährungsweise die Hauptkohlenhydratquelle, während bei der mediterranen Küche stattdessen Weizen verwendet wurde. Außerdem wurde der japanischen Kost ein Grünteeextrakt zugegeben und bei der mediterranen Ernährung Rotweinextrakt. Alle Tiere hatten freien Zugang zu ihrem Futter.

Bei der Auswertung der vielen berücksichtigten gesundheitlichen Folgen stellten die Wissenschaftler fest, dass keine der Ernährungsformen einheitliche Auswirkungen auf alle vier genetisch unterschiedliche Zuchtlinien hatte. Insgesamt war die westliche Ernährungsweise in allen Stämmen mit den meisten negativen gesundheitlichen Auswirkungen wie Adipositas (Fettleibigkeit), Fettleberkrankheit und stark erhöhten Cholesterinwerten verbunden. Allerdings variierte das Ausmaß dieser negativen Effekte stark zwischen den verschiedenen Mäusestämmen, und ein Stamm schien tatsächlich nahezu resistent gegen die meisten negativen Konsequenzen dieser Ernährungsweise zu sein. Bei zwei Mäusestämmen führten die beiden fettreichen Ernährungsformen westliche Ernährung und Atkins-Diät zu entgegengesetzten Auswirkungen: Während in einem Stamm die Mäuse unter einer westlichen Ernährungsweise häufiger an Adiposias erkrankten und prädisponiert für eine Fettleber und weitere negative gesundheitliche Effekte waren, traten keine negativen Effekte unter der fettreichen, kohlenhydratarmen Atkins-Diät auf. Dagegen reagierten die Mäuse des anderen Stammes auf die Atkins-Diät mit Adipositas und Symptomen des Metabolischen Syndroms, schienen allerdings die westliche fett- und kohlenhydratreiche Ernährungsweise besser zu vertragen.

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Außerdem schienen sich die Adipositasursachen zu unterscheiden, wie Dr. Barrington berichtet. Während manche Mäuse schlichtweg zu viel Energie zu sich nahmen, aßen andere Mäuse weniger und wurden trotzdem fettleibig.

Bei allen vier Stämmen führte die Atkins-Diät zu einem erhöhten Energieumsatz ohne Zunahme der körperlichen Aktivität der Tiere. Allerdings verpuffte dieser eigentlich positive Effekt bei einigen Tieren, die dafür umso mehr von ihrem Futter fraßen, daher trotz des erhöhten Energieumsatzes adipös wurden und mit weiteren negativen gesundheitlichen Auswirkungen zu kämpfen hatten.

Es sei höchst wahrscheinlich, dass das Ausmaß der unterschiedlichen Reaktionen auf die einzelnen Ernährungsformen auch bei Menschen zu beobachten wäre, meint Dr. Barrington. Vor diesem Hintergrund kritisiert Dr. Barrington die bisherige Vorgehensweise, die Vorteile und Risiken bestimmter Ernährungsweisen unabhängig von der genetischen Disposition zu verallgemeinern. „Im Anbetracht der hohen genetischen und metabolischen Ähnlichkeit von Menschen und Mäusen ist es sehr wahrscheinlich, dass die hohe Vielfalt der Reaktionen auf die verschiedenen Ernährungsweisen, die wir in unserer Studie beobachtet haben, auch auf den Menschen zutreffen“, argumentiert Dr. Barrington. „Da es für verschiedene Individuen verschiedene optimale Diäten gibt, unterstreicht dies die Notwendigkeit, für jede Person individuell die optimale Ernährungsweise zu identifizieren.“

Auf welche genetischen Merkmale die Ergebnisse der aktuellen Studie konkret zurückzuführen sind, ist bislang nicht bekannt. Dr. Barrington und seine Kollegen arbeiten daher nun daran, die zugrunde liegenden Gene und biologischen Mechanismen zu identifizieren. Zukünftig könnte dann eventuell anhand eines Gentests ermittelt werden, welche Person in welchem Umfang von einer bestimmten Ernährungsweise profitiert – oder eben nicht. „Wir haben die Ernährung während der letzten 100 Jahre weitgehend auf die gleiche Weise angesehen und sind davon ausgegangen, dass es eine optimale Ernährungsweise für alle gibt“, resümiert Dr. Barrington. „Nachdem wir nun festgestellt haben, dass dies wahrscheinlich nicht der Fall ist, denke ich, dass wir zukünftig in der Lage sein werden, die genetische Faktoren zu identifizieren, die an den unterschiedlichen Reaktionen auf die Ernährung beteiligt sind und diese dafür zu verwenden, menschliche Reaktionen auf eine Ernährungsweise zu prognostizieren“, schließt Dr. Barrington.

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