High-Protein: Brauchen wir all diese Proteinlebensmittel wirklich?

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Protein ist zum Verkaufsargument geworden. Ob Eis, Käse, Müsli oder Pudding: Immer mehr Lebensmittel tragen Begriffe wie „Proteinquelle“ oder „High-Protein“. Doch was bedeuten diese Angaben und sind solche Lebensmittel tatsächlich die bessere Wahl?

Familie kaufen High-Protein
©DEBInet (KI-Inhalt: Adobe Firefly)

„High-Protein“ ist rechtlich definiert

„High-Protein“ ist kein frei verwendbarer Werbebegriff. Die europäische Health-Claims-Verordnung legt fest, unter welchen Voraussetzungen nährwertbezogene Angaben wie „Proteinquelle“ oder „hoher Proteingehalt“ verwendet werden dürfen. Für „Proteinquelle“ müssen mindestens 12 % des Brennwerts eines Lebensmittels aus Protein stammen. Für „hoher Proteingehalt“ sind es mindestens 20 % (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Voraussetzungen für nährwertbezogene Angaben zum Proteingehalt

AngabeVoraussetzung
„Proteinquelle“mindestens 12 % des Brennwerts stammen aus Protein
„Hoher Proteingehalt“mindestens 20 % des Brennwerts stammen aus Protein
„Erhöhter Proteingehalt“mindestens 30 % mehr Protein als ein vergleichbares Produkt + Voraussetzungen für „Proteinquelle“

Auch Angaben, die für Verbraucher voraussichtlich dieselbe Bedeutung haben, wie eine in der Verordnung festgelegte Angabe, fallen unter diese Regelung. „High-Protein“ kann daher als sinngleiche Angabe zu „hoher Proteingehalt“ einzuordnen sein, sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind.

Entscheidend ist der Anteil des Proteins am Energiegehalt, nicht eine bestimmte Proteinmenge pro 100 g. Die Angabe „High-Protein“ beziehungsweise „hoher Proteingehalt“ ist eine Nährwertangabe, aber kein Gütesiegel. Sie sagt nichts darüber aus, wie das Lebensmittel insgesamt zusammengesetzt ist.

Protein als Verkaufsargument

Der Hinweis auf „Protein“ findet sich längst nicht mehr nur in klassischer Sporternährung. Puddings, Joghurts, Brot, Müsli, Milchgetränke, Käse, Eis, Riegel und Fertiggerichte werden mit dem Begriff „Protein“ ausgelobt. Auch Lebensmittel, die von Natur aus proteinreich sind, werden zunehmend über diesen Nährstoff vermarktet. Wie wenig sich ein Lebensmittel dafür verändern muss, zeigt das Beispiel Mini Babybel.

Die Varianten „Balance“ und „High Protein“ haben dieselbe Zusammensetzung und identische Nährwerte. Beide enthalten 25 % Eiweiß und 12 % Fett. Der Unterschied liegt vor allem in der Aufmachung der Verpackung. Während bei der einen Variante die Fettreduktion im Vordergrund steht, wird bei der anderen der Proteingehalt hervorgehoben. Das Beispiel zeigt, dass auch ein bereits proteinreiches Lebensmittel über seinen Proteingehalt neu vermarktet werden kann, ohne dass sich die Zusammensetzung ändert.

Mehr Protein sagt wenig über das gesamte Lebensmittel aus

Eine deutsche Marktanalyse zeigt, dass sich High-Protein Lebensmittel nicht nur beim Proteingehalt, sondern auch bei anderen Merkmalen unterscheiden. Koop et al. verglichen 299 High-Protein- mit 286 normal-proteinreichen ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln. Die untersuchten High-Protein Lebensmittel enthielten unter anderem weniger Zucker und Fett, aber mehr Salz und Zusatzstoffe und waren im Durchschnitt 132 % teurer als die Vergleichsprodukte.
Ein Marktcheck aus dem Jahr 2022 zeigt zudem, dass eine Hervorhebung des Proteingehalts durch einen Protein-Claim nicht zwangsläufig mit einem deutlichen Mehr an Protein verbunden ist. Von 59 untersuchten Lebensmitteln enthielt fast ein Viertel genauso viel oder nur geringfügig mehr Protein als das jeweilige Vergleichslebensmittel. Bei einigen Lebensmitteln lagen gleichzeitig Energie-, Fett- oder Salzgehalt höher.

Beim Vergleich zählt die Bezugsgröße

Wer sich von „High-Protein“ einen besonderen Zusatznutzen verspricht, sollte deshalb genauer auf die Nährwerttabelle schauen. Denn auch die Bezugsgröße einer hervorgehobenen Proteinangabe kann einen Unterschied machen. Beispielsweise wurde auf der Vorderseite einer Viererpackung mit Joghurtbechern mit „45 g Protein“ geworben. Die Angabe bezog sich auf die gesamte Packung mit insgesamt vier 150 g-Bechern und nicht auf einen einzelnen Becher. Auf welche Menge sich die Auslobung des Proteingehalts bezieht, lässt sich häufig erst bei genauerer Betrachtung der weiteren Verpackungsangaben erkennen. Für den Vergleich verschiedener Lebensmittel ist deshalb die Angabe pro 100 g beziehungsweise 100 ml entscheidend. So lassen sich Lebensmittel unabhängig von der Packungsgröße und beworbener Portionsangabe miteinander vergleichen. Für die Einordnung im Alltag ist zusätzlich relevant, wie viel von dem jeweiligen Lebensmittel üblicherweise gegessen wird.

Eine ausgewogene Ernährung kann den Proteinbedarf über natürliche, proteinreiche Lebensmittel decken. Dazu zählen beispielsweise Milchprodukte wie Magerquark, Eier und Hülsenfrüchte. Empfehlenswert sind dabei proteinreiche Lebensmittel, die von Natur aus viel Protein liefern und keine aufwendige Anreicherung oder zahlreiche Zusatzstoffe benötigen. Diese müssen dafür nicht als „High-Protein“ beworben werden. Auch ein Proteinpudding oder ein anderes High-Protein Lebensmittel kann Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Entscheidend ist nicht allein der Proteingehalt, sondern die Gesamtzusammensetzung des Lebensmittels. Wer Lebensmittel mit einer Auslobung des Proteingehalts kauft, sollte nicht nur auf die hervorgehobene Proteinmenge schauen, sondern auch die Zutatenliste betrachten und Nährwertangaben pro 100 g vergleichen.

Literatur:

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